Erschienen in: 02/ 2016 MOTORRAD

Yamaha WR 450 F im Fahrbericht

Verkehrte Welt

Die Sportenduro Yamaha WR 450 F übernimmt 2016 das unkonventionelle Motorkonzept mit umgedrehtem Zylinderkopf von den Cross-Modellen des Hauses. Dafür musste sie von Grund auf neu konstruiert werden. Wir haben die Neue getestet.

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Motoren mit umgedrehten Zylinderköpfen gibt es bei Yamaha-Crossern schon länger. Nun kommt auch die Sportenduro WR 450 F mit diesem unkonventionellen Motorkonzept, das einen kompletten Neubau dieses Modells erforderlich machte. Was bringt der Dreh im Gelände?

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4 Seiten Fahrbericht
aus MOTORRAD 02/2016
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Man kann es drehen und wenden, wie man will: Entscheidend ist am Ende immer, was hinten rauskommt. Ob etwas Sinn macht, ob der Benutzer einen Nutzen hat. Als Yamaha 2010 den ersten Crosser mit umgedrehtem Zylinderkopf, die YZ 450 F, auf den Markt brachte, fragte sich manch einer: Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht? Mittlerweile hat sich die Bauweise jedoch etabliert, selbst BMW kommt bei den neuen 300er-Einzylindern mit ähnlichem Motorkonzept.

Auf jeden Fall ist der Aufwand enorm, mit umgedrehtem Zylinderkopf muss das ganze Motorrad neu konzipiert werden. Dadurch zentralisieren sich die Massen näher am Schwerpunkt, was vorrangig das Handling verbessern soll. Die Erfolge sprechen für das Konzept, Yamahas MX1-Werksfahrer Romain Febvre wurde 2015 Weltmeister, und in den Fahrerlagern hört man zurzeit viel Gutes über die YZ-F-Serienmaschinen. 

Neun Parameter für Einspritzung und Zündung

Mit etwas Verspätung waren die Enduros dran. Anfang 2015 kam die WR 250 F mit dem verkehrten Zylinderkopf, nun folgt die Yamaha WR 450 F. Traditionsgemäß sind Crosser und Enduros der Blauen technisch immer recht ähnlich. Ein Crosser mit Lampen ist die WR jedoch keineswegs, da gibt es doch viele kleine Unterschiede an Motor und Fahrwerk. Zum Beispiel der E-Starter, den schon das WR-Vorgängermodell hatte, die Crosser aber noch nicht. Für den Notfall bleibt der Kickstarter jedoch dran. 

Was die Neue drauf hat, wollte Yamaha den Journalisten im Süden Spaniens nahe Almeria auf einer abwechslungsreichen 160-Kilometer-Runde zeigen. Die Testmaschinen waren mit Mousse-Gummiringen in den Reifen statt Schläuchen ausgerüstet, außerdem mit einem speziellen Mapping für diese Verhältnisse präpariert. Das Mapping der Yamaha WR 450 F lässt sich mittels eines Power Tuners schnell an die Streckenbedingungen anpassen. Der Fahrer hat die Wahl zwischen neun Parametern für Einspritzung und Zündung. Das Gerät wird einfach an den WR-Kabelbaum angeschlossen und kann ohne Computer oder Downloads direkt benutzt werden. 

Draufsetzen und wohlfühlen

Das Chassis entspricht weitestgehend dem des Crossers, daher ist die Ergonomie die gleiche. Draufsetzen und wohlfühlen, alles passt, wenn auch der Tank durch den davor liegenden Luftfilter etwas breit baut. Der Motor springt auf Knopfdruck zuverlässig an und läuft ohne auffällige Vibrationen. Typisch für alle Offroad-Yamahas mit um-gedrehtem Zylinderkopf ist das deutlich vernehmbare Ansauggeräusch, das auch im Fall der neuen Yamaha WR 450 F das dezente Auspuffgeräusch überlagert. Die Schaltung funktioniert etwas schwergängig, auch ließ sich bei den Testmaschinen der Leerlauf nur mühsam ertasten. 

Der Motor der Yamaha WR 450 F ist wie gesagt vom Crosstriebwerk der neuesten Generation abge­leitet. Allerdings überrascht er mit einem relativ hohen Schleppmoment, zumindest beim getesteten Mapping. Das heißt, dass er im Schiebebetrieb relativ hart bremst, was beim trialmäßigen Zirkeln über Wurzelpassagen Konzentration erfordert. Auch hing das Triebwerk anfangs aggressiv am Gas, was Lastwechsel wenig geschmeidig gestaltete. In der Mittagspause programmierten die Yamaha-Techniker das Mapping um, damit lief der Antrieb dann deutlich sanfter und besser dosierbar. 

Yamaha WR 450 F mit Fünfganggetriebe

Auch dieses Mapping entsprach übrigens nicht dem Serienzustand. Daher kann leider keine Aussage darüber gemacht werden, wie ein WR-Motor im Auslieferungs­zustand funktioniert. Andererseits zeigen die Unterschiede auch, wie stark sich die Charakteristik durch die Programmierung beeinflussen lässt. Der Power Tuner scheint also für Fahrer der Yamaha WR 450 F ein sinnvolles, für engagierte Sportpiloten sogar ein notwendiges Extra zu sein.

Anders als die Enduro-Konkurrenz aus Österreich besitzt die Yamaha WR 450 F ein Fünfganggetriebe wie die Crosser, natürlich mit erweiterter Spreizung. Ein Gang weniger bedeutet zwangsläufig, dass die Gänge nicht so dicht beieinander liegen. Das spürt man, die Drehzahlsprünge speziell in den unteren drei Gängen sind in schwierigem Terrain relativ groß. Die Kupplung wurde ebenfalls auf die größeren Belastungen im Endurosport ausgelegt. Das steckt sie auch gut weg, allerdings verlangt sie auch eine höhere Betätigungskraft. 

Vorderrad scheint förmlich am Boden zu kleben

Zum Test stand außerdem eine Yamaha WR 450 F mit Akrapovic-Auspuffanlage. Die klingt etwas dumpfer, aber auch nicht wesentlich lauter als die Serienanlage. Mit dem Zubehördämpfer und darauf abgestimmtem Mapping läuft der Motor spürbar weicher, dreht freier und spritziger hoch. Das verringerte Schleppmoment macht ihn umgänglicher, geschmeidiger.

Auch beim Fahrwerk ging Yamaha in der Vergangenheit immer eigene Wege. Die YZ- und WR-Modelle wirkten immer etwas kopflastiger als die anderer Hersteller, was Traktion am Vorderrad bringt. Das ist bei der Yamaha WR 450 F nicht anders. Das Vorderrad scheint förmlich am Boden zu kleben, was in rutschigen Kurven von Vorteil ist. Der Nachteil ist das schwerfälliger wirkende Handling. Geschwind mal das Vorderrad über eine Felskante heben erfordert viel Konzentration und Körpereinsatz. Nachdem die Druckstufe der Gabel um fünf Klicks zugedreht wurde, verlagerte sich die Balance ein wenig Richtung Heck.  

Die Yamaha-Federungselemente sind im Crossbereich zurzeit das Maß der Dinge. Das sollte sich eigentlich auch auf die Enduro Yamaha WR 450 F übertragen lassen. Dem ist aber leider nicht so, zumindest bei der Gabel. Die vermittelt wenig Federungskomfort und kann über Wurzeln und Steine das Vorderrad nicht immer am Boden halten. Möglicherweise sind daran auch die Mousse-Ringe in den Reifen beteiligt, die zwar Plattfüße sicher verhindern, aber die Reifen doch unsanft über grobes Terrain hoppeln lassen.

Die Basis stimmt auf jeden Fall, das beweisen die YZ-F-Crosser mit dem um­gedrehten Zylinderkopf. Aber auch die brauchten ein paar Jahre, bis sie das hohe Niveau der aktuellen Generation erreichen konnten. Bei den Enduros könnte es sich ähnlich verhalten: Die Yamaha WR 450 F zeigt hervorragende Anlagen, doch könnten Motor und Fahrwerk durchaus noch ein wenig Feinabstimmung vertragen. 

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07.01.2016 |  Artikel drucken | Senden | Kommentar

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