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Yamaha XJR 1300 im Fahrbericht Luftgekühlter Klassiker im Café Racer-Style

Sie ist ein Original, die Yamaha XJR 1300. Bis ins Hier und Jetzt hat sie ihren wuchtigen, luftgekühlten Vierzylinder gerettet, der wie eine Reminiszenz an vergangene Tage wirkt. Nun bekommt er die passende Verpackung, wie es sich für das Flaggschiff der „Sport-Heritage“-Linie gehört.

Die Retro-Welle rollt. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wird nach Herzenslust umgebaut. Hauptsache, es trägt einen luftgekühlten Motor. Was lag da für Yamaha näher, als sich einer der dienstältesten Maschinen im eigenen Programm und Klassikers schlechthin, der Yamaha XJR 1300, zu erinnern.

Seit nunmehr 20 Jahren hält die Yamaha XJR 1300 die ­Fahne des luftgekühlten Vierzylinders traditioneller japanischer Prägung hoch – und ist damit praktisch die Letzte einer ausster­benden Art, sehen wir mal von Hondas CB 1100 ab. Yamaha adelt dieses luftgekühlte Trumm nun mit gekonntem Café Racer-Styling­. Und das steht ihr richtig gut. Dazu gehören neben der Höckersitzbank im Stil der Giuliari-Bänke aus den Siebzigern auch die ovalen Seitendeckel aus Alu. Und ein wesentlich schmalerer Tank, der seinen Verschluss nicht mittig, sondern nach rechts versetzt trägt.

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Mit 242 Kilogramm vollgetankt nur neun Kilo leichter geworden

Stimmig freilich wird das Ganze erst durch feine Details wie etwa die mattschwarz ­gehaltene Vier-in-eins-Anlage, die adretten Öhlins-Federbeine, die gelochten, gebürsteten Lampenhalter oder die schwarz eloxierten Rasten. Fein ins Bild fügen sich dazu die DLC-beschichteten (DLC = Diamond-like Carbon) Standrohre der Telegabel. All das ­verleiht ihr auch etwas Vornehmes. Wenngleich das – Sport Heritage hin, sportive Sitzbank her – keinen Racer aus der Yamaha XJR 1300 macht.

Noch immer bevorzugt sie die genüss­liche Gangart. „A Gentleman will walk, but never run“, sang bereits Sting Ende der Acht­zigerjahre. Und so will auch die Yamaha XJR 1300 am liebsten bewegt werden. Zügig, aber nicht im Galopp. In schnellen Wechsel­kurven ist durchaus Einsatz am breiten ­Alu-Lenker gefragt, um sie rasch von einer Schräglage in die nächste zu bringen. Schließlich ist sie nach wie vor eine statt­liche Erscheinung und mit 242 Kilogramm vollgetankt gerade einmal neun Kilo leichter geworden. Wobei der größte Teil dieser Gewichtsersparnis auf den von 21 auf 14,5 Liter geschrumpften Tankinhalt entfällt.

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Vierkolben-Festsattelbremsen packen ordentlich zu

Ihren vollen Reiz offenbart die Yamaha XJR 1300 also nicht, wenn man sie durchs Unterholz scheucht, sondern beim angemessen flotten Ritt, bei dem ihre feine Neutralität und das satte Fahrgefühl zum Tragen kommen. Dazu passt dann auch die leicht gestreckte Sitzposition. Man erfreut sich am bis 4000/min seidenweichen Lauf des luftgekühlten Trumms von Motor, seinem satten Grummeln und turbinenartigen Schub, der ab 2500/min einsetzt. Und am buttrigen Fünfganggetriebe – sofern Schalten überhaupt einmal notwendig wird.

Und lässt schließlich den Blick über die neu gezeichneten und in Chrom eingefassten, geriffelten Ziffernblätter schweifen. Traumhaft spricht die soft abgestimmte Gabel an, die golden glänzenden Federbeine parieren Unebenheiten dagegen eher trocken. Die Vierkolben-Festsattelbremsen packen ordentlich zu, müssen aber nach wie vor auf ABS-Unterstützung verzichten. Das ist dann vielleicht fast schon wieder etwas zu viel Retro. Doch kann das angesichts des noch moderaten Preises von 10.295 Euro, den Reiz der Yamaha XJR 1300, wenn sie leise mit ihren Kühlrippen knisternd und knackend auf dem Seitenständer ruht, kaum schmälern.

Foto: jkuenstle.de
„A Gentleman will walk, but never run“, sang bereits Sting Ende der Acht­zigerjahre. Und so will auch die Yamaha XJR 1300 am liebsten bewegt werden.
„A Gentleman will walk, but never run“, sang bereits Sting Ende der Acht­zigerjahre. Und so will auch die Yamaha XJR 1300 am liebsten bewegt werden.

Technische Daten Yamaha XJR 1300

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