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Yamaha XJR 1300 im PS-Fahrbericht She’s got the look

Modischem Diktat hat sich die Yamaha XJR 1300 in ihrer nunmehr 20-jährigen Karriere nie unterworfen. Bis jetzt. Mit neuem Gewand im angesagten Café Racer-Look wird der Vierzylinder passend eingekleidet.

Eigentlich war sie in den letzten Jahren ein wenig in den Schatten gerückt, die Yamaha XJR 1300. Doch ist mit der Honda CB 1100 das letzte luftgekühlte Big Bike klassischer japanischer Prägung und so für sich schon ein Klassiker. Da kam die Retro-Welle gerade recht, hat den Evergreen im Yamaha-Programm wieder ins Rampenlicht gespült. „Mensch, wir haben einen der letzten luftgekühlten Big Block auf dem Markt, da muss man doch was draus machen“, mag man sich im Yamaha-Hauptquartier gedacht haben.

Also haben sie ihr die unprätentiösen Klamotten vom Leib gerissen. Und sie mächtig auf Café Racer getrimmt. Nur die Speichenräder haben sie sich verkniffen. Haben wahrscheinlich nicht mehr ins Budget gepasst. 10.295 Euro wirken für dieses Schmuckstück wohlfeil, andererseits wurde die normale Yamaha XJR 1300 vergangene Saison auch schon in Sonderaktionen für 8995 Euro unters fahrende Volk gebracht.

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Auge kommt voll auf seine Kosten

Doch dafür kommt das Auge voll auf seine Kosten. Das beginnt bei Details wie den schwarz eloxierten Rasten, der mit kontrastfarbenen Ziernähten versehenen Höckersitzbank oder den neu gezeichneten Ziffernblättern der in Chrom gefassten analogen Instrumente. Kein überflüssiger Zierrat stört am luftigen Heck der Yamaha XJR 1300. Die mattschwarze Vier-in-eins-Anlage schmeckt verdammt nach Rennsport. Dazu passen die Startnummernfeldern nachempfundenen Seitendeckel aus Alu.

Und der zierliche Scheinwerfer, der von wunderschönen, gelochten Aluhaltern getragen wird, toppt optisch die Lösung der letztjährigen Yamaha XJR 1300 um Längen. Grandios fügen sich die für besseres Ansprechen mit einer schwarz glänzenden, widerstandsfähigen DLC (Diamond-like Carbon)-Schicht überzogenen Stand-rohre der Telegabel. Das Tüpfelchen auf dem i ist der zierliche Tank, der sich mit zwei Aussparungen um die Oberzüge des stählernen Doppelschleifenrahmens schmiegt.

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Der vor Kraft strotzende Vierzylinder prägt das Fahrerlebnis

So wirkt die Yamaha XJR 1300 insgesamt etwas zierlicher als bislang, ist aber nach wie vor eine stattliche Erscheinung. 242 Kilo vollgetankt bedeuten zwar neun Kilo weniger als bislang. Doch geht dieser Gewichtsverlust großteils auf das von 21 auf 14,5 Liter geschrumpfte Tankvolumen und den Wegfall des Hauptständers.

Und trotz aller sportlichen Attitude bevorzugt die Yamaha XJR 1300 weniger das gnadenlose Angasen, als den gepflegten flotten Ritt. Es ist vor allem der vor Kraft nur so strotzende Vierzylinder, der das Fahrerlebnis prägt. Bis 4000/min schmusesanft, schüttelt er seine Kraft locker aus dem Ärmel. Das Getriebe sortiert die Gänge mit flutschiger Geschmeidigkeit, und nur wer die XJR partout im gestreckten Galopp durch Wechselkurven jagen will, muss kräftig am Lenker arbeiten. Doch dann hat man das Wesen der nach wie vor ABS-losen XJR ohnehin nicht recht verstanden. Diese Wuchtbrumme wird nicht gescheucht, hier wird das Fahren zelebriert. Die feinfühlig ansprechende Gabel genießen, wie neutral die XJR in lang gezogenen Kurven ihre Bahn zieht, den Blick über die fein gezeichneten Instrumente schweifen lassen. In den Rückspiegeln ist außer den Oberarmen ohnehin nichts zu erkennen. Genießen ist im Sattel der XJR angesagt. Jetzt mehr denn je.

Foto: jkuenstle.de
Knackig wirkt die Yamaha XJR 1300 aus dieser Perspektive, der zierliche Tank betont den wuchtigen Motorblock.
Knackig wirkt die Yamaha XJR 1300 aus dieser Perspektive, der zierliche Tank betont den wuchtigen Motorblock.

Technische Daten Yamaha XJR 1300

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