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Willkommen zu Hause? Nicht die Rennstrecke, sondern das urbane Umfeld und die Landstraße sind die Heimat der Yamaha YZF-R3.

Yamaha YZF-R3 im Fahrbericht Schnittiger Einsteiger-Racer

Yamaha entdeckt die A2-Führerscheinklasse und bringt mit der brandneuen Yamaha YZF-R3 einen schnittigen Einsteiger-Racer. Rasiermesserscharf?

Ende 2013. Yamaha sichert sich den Warennamen R3, die Fachpresse weltweit orakelt. Würde die neue Yamaha YZF-R3 ein Dreizylinder-Racer auf Basis der eben vorgestellten MT-09 werden? Leicht, mit Druck in jeder Lebenslage, dazu bezahlbar? Auch wenn diese Idee bis heute nichts von ihrem Reiz verloren hat – wer die Entwicklung am Weltmarkt im Blick hat, muss feststellen, dass im Portfolio der Blauen in der so wichtigen Kategorie der, sagen wir mal, günstigen Drittelliter-Sportler mit Alltagskompetenz bislang eine Lücke klaffte. Eben jene Motorräder nämlich liegen in der Käufergunst in Megamärkten wie Indien, Südostasien und Südamerika ganz weit vorne und passen, quasi als positiver Neben­effekt, ziemlich treffsicher in die europäische A2-Klasse, die hierzulande weiterhin schwer im Aufwind ist.

Also, allen Spekulationen und Wunschträumen zum Trotz, folgerichtig und ganz logisch: Die neue Yamaha YZF-R3 hat einen 321-Kubik-Reihen-Twin und schließt die Lücke zwischen YZF-R125 und R6. Im Gegensatz aber zu den beiden Vollblut-Racern setzt sie sich den Anspruch, Sportlichkeit, Komfort und Alltagstauglichkeit unter einen Hut zu bringen. Wer jetzt ob dieser Kompromisshaftigkeit vielleicht enttäuscht nach dem nächsten Heftartikel schielt, sei beruhigt – die Fahrpräsentation führte uns entlang der spanischen Costa Dorada südwestlich von Barcelona durchs Hinterland zum Circuit de Calafat, wo die YZF-R3 sich ihres großen Namens als durchaus würdig erwies.

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Klare Kampfansage an die Konkurrenz

Schon allein optisch jedenfalls schickt die Yamaha YZF-R3 eine klare Kampfansage an die Konkurrenz. Unverkennbar R-Yamaha, erst recht im hier gezeigten „Race-Blu“, und im Auge des Autors ziemlich sexy. Die erste Anprobe zeigt sofort, dass man es ernst meint mit der Alltagstauglichkeit, die Sportfraktion aber nicht vergessen hat. Die Sitzhöhe ist mit 780 Millimetern moderat, die Lenkerstummel sind oberhalb der Gabelbrücke angebracht, ermöglichen also eine langstreckentaugliche, tourensportliche Sitz­position bei erträglichem Kniewinkel. Auch Piloten jenseits von Rossi-Abmessungen finden ausreichend Platz. Nur die Spiegelausleger, die dürften etwas länger ausfallen.

Durchs Stadtgewimmel geht es los, was dank der einsteigerkompatiblen Ergonomie und des geringen Gewichts von 169 Kilo vollgetankt (Werksangabe) nicht zur Nervenprobe gerät. Auch der völlig neu kon­struierte Reihenzweizylinder der Yamaha YZF-R3 macht hier eine gute Figur, nimmt schon früh, ab knapp 3000 Umdrehungen, Gas an und gefällt mit geschmeidigem Lauf ohne störende Vibrationen. Der 42-PS-Vierventiler bringt einige technische Finessen mit: geschmiedete Alu-Kolben, Offset-Zylinder für geringere Reibungsverluste im Verbrennungstakt, Fallstrom-Einspritzung, gehärtete Pleuel. Kupplung und Getriebe geben sich leichtgängig, und so sind wir schnell und entspannt im kurvigen Hinterland angelangt, wo auf bemerkenswert ebenem Asphalt das Gas endlich länger offen bleiben darf.

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Foto: Yamaha
Neben der blau-silbernen Version kommt die Yamaha YZF-R3 auch in ...
Neben der blau-silbernen Version kommt die Yamaha YZF-R3 auch in ...

Klar, dass so ein Drittelliter-Twin einem unten heraus nicht die Stiefel von den Füßen reißt und gedreht werden will, aber der Motor der Yamaha YZF-R3 gibt seine Leistung sehr kultiviert und linear ab. Ab 7000 Umdrehungen kommt er dann richtig in Fahrt und dreht freudig bis knapp 12.000, danach wird es zäh. Wie bei der Konkurrenz gilt also die Devise: schalten und drehen – und wie bei der Konkurrenz macht das auf der richtigen Straße einen Mordsspaß.

Besonders, da das Handling so spielerisch wie gutmütig geriet. Aus der Mittellage heraus lenkt die Yamaha YZF-R3 flink und mit sehr geringem Kraftaufwand ein. In Schräglage läuft sie stabil und vertrauenerweckend, wozu auch der als Erstbereifung aufgezogene Pilot Street (vorne 110, hinten handlingfreundliche 140 Millimeter) beiträgt. Der Michelin vermittelt ein sehr ordentliches Gefühl fürs Gripniveau und stellt sich beim Bremsen in Schräglage kaum auf. So lässt sich die R3 nach Herzenslust von Kurve zu Kurve feuern – top!

Über die Autobahn auf die Rennstrecke

Vor Ankunft am Circuit de Calafat noch eine kurze Autobahnetappe. Der Windschutz ist gut, auch ohne in den Tankdeckel zu beißen, und dank des lang übersetzten sechsten Gangs schüttelt die Yamaha YZF-R3 Tacho 160 recht locker aus dem Ärmel. Auf dem Rundkurs dann festigen sich die bisher gewonnenen Eindrücke: Handlich und stabil zirkelt die kleine Yamaha über die Piste. Die Federelemente sind zwar bis auf die Vorspannung hinten nicht einstellbar und komfortorientiert ausgelegt, dämpfen aber ausreichend und spielen daher erstaunlich lange mit. 

Als einziger echter Kritikpunkt muss die zu defensive Auslegung der vorderen Bremse der Yamaha YZF-R3 gelten. Deren Beläge beißen anfangs zu zahnlos in die 298-Millimeter-Scheibe. Man muss schon kräftiger zupacken, um festzustellen, dass die erreichbare Verzögerung richtig gut ist. Eigentlich unnötig, ist doch serienmäßig ein Antiblockiersystem an Bord. Trotzdem, unter dem Eindruck des Rundkursausflugs verwundert nicht, dass Yamaha in Frankreich einen R3-Cup auflegen wird – die Pocket Rocket gibt, mit ein paar kleinen Modifikationen, eine richtig gute Basis für einen Rookie-Renner.

Yamaha YZF-R3 ist für 5400 Euro erhätlich

Auch Nicht-Racer werden sich an der kompletten Ausstattung erfreuen: tolles Cockpit mit großem analogen Drehzahlmesser und digitaler Info über Tageskilometer, Tankuhr und Durchschnittsverbrauch; Wassertemperaturanzeige und sogar ein einstellbarer Schaltblitz finden sich in der Schaltzentrale. Die Verarbeitung der in Indonesien gefertigten Yamaha YZF-R3 ist sehr sauber, nur an den verwendeten Materialien zeigt sich stellenweise dann doch das Rotstiftdiktat, wie etwa an der simplen Stahlschwinge.

Fazit: Für rund 5400 Euro landet die Yamaha YZF-R3 preislich mitten im Konkurrenzfeld der A2-Renner, die sich durch die Bank weniger über ihre kompromisslose Sportlichkeit als eher durch ihre Alltagstauglichkeit und Benutzerfreundlichkeit empfehlen. Davon macht die R3 keine Ausnahme. Sie ist keine kleine R6, will sie auch gar nicht sein. Wer von der sportlich-drahtigen R125 ab- und auf die R3 steigt, den könnte das zunächst irritieren. Rasiermesserscharf? Eher so schweizeroffiziersmesserscharf, halt ausgewogen und vielseitig. Über den Preis wird ein Schuh draus: 5400 Euro, das ist nicht mal ein Tausender mehr als die aktuel­len Premium-125er, der Aufstieg ist also in finanzieller Hinsicht ein kleiner Schritt. Und wir freuen uns auf ein Stelldichein der sportlichen Drittelliter.

Foto: Yamaha
Yamaha YZF-R3.
Yamaha YZF-R3.

Technische Daten Yamaha YZF-R3

Technische Daten Yamaha YZF-R3 (k.A.)
Modelljahr 2015
Motor
Zylinderzahl, Bauart 2 , Reihenmotor
Bohrung/Hub 66,0 / 44,1 mm
Hubraum 321 cm³
Ventile pro Zylinder vier Ventile pro Zylinder
Verdichtung 11,2
Leistung 30,9 kW ( 42,0 PS ) bei 10750 /min
Max. Drehmoment 29 Nm
Zahl der Gänge Sechsganggetriebe
Hinterradantrieb Kette
Fahrwerk, Räder, Bremsen
Rahmen Brückenrahmen
Federweg vorn/hinten 130 mm / 125 mm
Reifen 110/70 17 , 140/70 17
Bremse vorn/hinten 298 mm Doppelkolben-Schwimmsattel / 220 mm Einkolben-Schwimmsattel
ABS Ja
Maße und Gewichte
Radstand 1380 mm
Lenkkopfwinkel 65,0 °
Nachlauf 95 mm
Leergewicht vollgetankt 169 kg
Sitzhöhe 780 mm
Zulässiges Gesamtgewicht 329 kg
Höchstgeschwindigkeit 177 km/h
Preis
Neupreis 5395 Euro

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