Youngtimer-Test: Honda VFR 750 F Das Universaltalent Honda VFR 750 F

Die Einarmschwingen-Honda mit kraftvollem V4 begeisterte schon bei der Vorstellung. Noch heute ist der Sportler ein Gewinner.

Foto: Herzog

Rot ist die Farbe der Sieger. Gewonnen hat die Honda VFR 750 F (Typ RC 36) einen ganzen Schwung an Herzen, gleich bei der Vorstellung im Jahr 1990, da sie sich optisch deutlich von der Konkurrenz abhob. Den Überraschungseffekt erzielte die japanische Maschine durch die Einarmschwinge, bekannt von der Superbike-Replika RC 30. Auch andere Details der RC 30 finden sich bei der RC 36.

Im Herzstück, dem kompakten V-Motor, öffnen die vier Nockenwellen über Tassenstößel die 16 Ventile und garantieren auch in höchsten Drehzahlbereichen exakte Steuerzeiten. Im  Vorgängermodell, Typ RC 24, von 1986, betätigten Schlepphebel die Ventile. Bei beiden Modellen begeisterten der kultivierte Lauf und der durchzugsstarke Motor die Motorradgemeinde. In dieser Hinsicht hat sich kaum etwas verändert, noch immer scheint es, als wäre der laufruhige V4 mit dem technisch-surrenden Sound nicht zu übertreffen.

Tatsächlich bringt den Motor auch kaum etwas in Verlegenheit; das V4-Triebwerk packt bereits bei 2000/min geschmeidig zu. Optisch überzeugt die VFR 750 F durch das schlanke, elegante Design und aerodynamisch optimierte Verkleidung. Der kurze Tank ermöglicht eine aktive Sitzposition, welche für einen weitläufigen Blick auf die Straße sorgt. Bei einsetzender Dunkelheit erleuchtet der H4-Scheinwerfer den Weg nahezu taghell. Das spritzige Fahrwerk der VFR ist auf flotten Landstraßenfahrten für Fahrer und Sozius ein Genuss. Selbst auf welliger Piste bleibt der Sporttourer gutmütig auf Linie. Die Federung der RC 36 setzte 1990 neue Maßstäbe in Sachen Variabilität. Hinten lässt sich die Federbasis schnell und unkompliziert einstellen. Die Honda VFR 750 F hat viele objektive Stärken, darüber hinaus ist sie in puncto Langlebigkeit und Kultstatus schon lange auf Siegeskurs.

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Positiv

  • Fein abgestimmte Federgabel
  • Sehr handlich
  • Kultivierter Motor
  • Straffes Fahrwerk
  • Fein dosierbare Vorderbremse
  • Zeitlos elegante Optik


Negativ

  • Hoher Gebrauchtpreis
  • Breite Reifen
  • Fußrasten setzen schnell auf
  • Hinterrad stempelt leicht beim Zurückschalten
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Foto: Herzog

Fazit

In der Stadt:
Durch das leichtgängige Getriebe, welches sich bereits im kalten Zustand präzise durchschalten lässt, und den laufruhigen Motor, der Anfahren mit Standgas erlaubt, werden Stadtfahrten unproblematisch. Nach dem Facelift ist die Sicht in den Rückspiegeln verbessert. Die Sitzposition verschafft gute Sicht.

Auf der Landstraße:
Die aktive Sitzposition macht sich speziell auf unterschiedlich rauem Belag bemerkbar. Die Maschine bleibt jederzeit absolut spurgenau. Das geschmeidige Triebwerk überzeugt auf der Landstraße. Höher als 7000/min muss man auch bei flottem Tempo nicht drehen, um satten Zug an der Kette zu haben.

Auf der Autobahn:
Hinter der Verkleidung entstehen keine Wirbel. Die Lenkerhälften liegen im Windschatten der überwiegend mit Schnellverschlüssen befestigten Verkleidung. Die Fahrstabilität ist gut, auch bei hohem Tempo verlässt die Maschine den Kurs nicht. Die Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h eignet sich optimal.


Abschluss-Zeugnis Honda VFR 750 F

Motor:

Der robuste V4 ist ein Motor, wie man sich ihn wünscht. Die Leistung entfaltet sich harmonisch, durchzugskräftig bei jeder Drehzahl.
(5 von 5 Sternen)

Fahrwerk:

Die kompakte Geometrie des Fahrwerks kommt dem Handling zugute. Die sehr gute Federung lässt sich je nach Einsatzzweck einstellen.
(4 von 5 Sternen)

Bremsen:

Die Bremsen sind präzise zu dosieren und giftig – manchmal sogar ein wenig zu giftig, denn die hintere blockiert leicht.
(4 von 5 Sternen)

Ausstattung:

Bei Verarbeitung und Ausstattung lässt sich die Japanerin nicht lumpen: einen abklappbaren Schalldämpfer zur Radmontage hat nicht jeder.
(4 von 5 Sternen)

Komfort:

Die kompakte Fahrwerksgeometrie sorgt für die angenehme Sitzposition. Der Sozius kauert sportlich, aber noch bequem.
(3 von 5 Sternen)

Einsteigertauglichkeit:

Die VFR ist ein unkompliziertes und gutmütiges Motorrad. Obwohl sie 20 Kilo mehr wiegt als die Vorgängerin, überzeugt das Handling.
(3 von 5 Sternen)

Foto: Herzog

Technische Daten

Die Daten:
Motor Vierzylinder-Viertakt/V
Hubraum 748 cm³
Kraftübertragung Sechsganggetriebe/Kette
Leistung 72 kW (98 PS) bei 10 000/min
Max. Drehmoment 73 Nm bei 8 000/min
Bremse vorn Doppelscheibe (Ø 296 mm)
Bremse hinten Scheibe (Ø 256 mm)
Reifen vorn 120/70 ZR 17
Reifen hinten 170/60 ZR 17
Federweg vorn/hinten 130/130 mm
Tankinhalt 21 Liter, Normal
Farben Rot, Weiß, Schwarz
Wartungsintervalle 12 000 km
Preis 7960 Euro inkl. Nebenkosten

Die Messwerte:
Höchstgeschwindigkeit 225 km/h
Beschleunigung 0−100 km/h 3,4 sek
Durchzug 60−140 km/h 12,4 sek
Gewicht vollgetankt 239 kg
Zuladung 190 kg
Verbrauch Landstraße 4,8 bis 7,9 l/100 km

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