Fahrbericht: ZPmoto ZPsport 449 Retro-Geländemaschine ZPsport 449

Ein eigenes Motorrad bauen, davon träumen einige, an solch einem Projekt ist aber schon mancher Enthusiast grandios gescheitert. Die fünf Gesellschafter von ZPmoto verfolgen ihr Ziel trotz aller Begeisterung jedoch mit einer gesunden Portion Realismus.

Foto: Jahn

Reden wir doch am besten gleich zu Beginn über das Thema Geld, bevor am Ende der Hammer fällt: Diese kleine 450er-Enduro kostet satte 22000 Euro. Wessen Bankkonto nicht prall gefüllt ist und wer über so profane Dinge wie Sinn und Nutzen oder die Relation von Preis zu Leistung nachdenkt, der braucht sich mit dieser exklusiven Geländemaschine aus Zschopau wohl nicht länger zu befassen. Könnte man meinen, doch eine interessante Story steckt hinter diesem kleinen Retro-Geländeflitzer allemal.

Die ZPsport 449 soll an die erfolgreiche Historie der MZ-Geländemaschinen anknüpfen. Auch wer diese Zeit nicht erlebt hat, wer nicht den Fahrern auf Sachs, Zündapp, Hercules oder eben MZ zugejubelt hat, der muss zugestehen, dass von jenen Maschinen eine spezielle Faszination ausgeht. Es ist diese klare, reduzierte Ästhetik der frühen Jahre, die besonders die Sport- und Rennmaschinen dieser Ära ausgezeichnet hat. ZP steht selbstredend für Zschopau. Eine Region, in der der Geländesport in früheren Jahren eine ganz besondere Bedeutung hatte - und das spürt man dort auch heute noch. Bewusst nimmt die ZPsport die Formen der klassischen Zweitakter auf. Stahlrahmen und -schwinge, zwei Federbeine, eine konventionelle Gabel sind die technischen Zutaten. Dass der Motor kein luftgekühlter ist, wird möglicherweise der eine oder andere als Stilbruch empfinden. Doch fügt sich die Wasserkühlung des 450er-Motors vom spanischen Offroad-Hersteller Gas Gas zurückhaltend ins Gesamtbild ein. "Anfangs hatten wir sogar über Zweitakter nachgedacht", kommentiert ZPmoto-Entwickler Jörg Hübler. Schließlich entschied man sich aber für den wassergekühlten Einspritz-Viertakter, denn das Retro-Bike sollte auf jeden Fall alltagstaugliche Technik mit klassischem Design verbinden. Prägend für das Aussehen ist auch der Schalldämpfer, der den Look früherer Zweitakt-Birnen aufgreift.

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Foto: Jahn

"Unsere Interessenten wollen gar keine exakte Replica der damaligen Rennmaschinen, sondern eine unkomplizierte Maschine mit moderner, alltagstauglicher Technik zum Enduro-Wandern", so Geschäftsführer Norbert Vogler. Daher verzichtet der 450er aufs letzte Bisschen an Spitzenleistung, das Fahrwerk wurde auf Handlichkeit getrimmt. So findet sich der Tank nicht etwa unter der rundlichen Kappe vor dem Sitz, sondern darunter versteckt im Rahmendreieck. Elf Liter werden hier gebunkert. Der Ansaugweg führt durch den Tank nach oben zum Luftfilter unter der Tankblende, dort verbergen sich auch Batterie und Elektrik. Der luftige, aufgeräumte Eindruck unterscheidet die ZPsport wohltuend von den extrem kompakten modernen Offroad-Maschinen mit ihrer konzentrierten Technik.

Die Motorräder sollen ab jetzt in einer kleinen Manufaktur einzeln aufgebaut werden. Viele Zubehörteile stammen aus der Region, die entscheidenden Fahrwerksteile, also etwa Rahmen, Schwinge oder Tank, fertigt ZPmoto selbst. Die voll einstellbare Gabel wurde eigens für das Retro-Bike beim italienischen Spezialisten Mupo konstruiert, Öhlins liefert die Federbeine. Die ZPsport 449 kann, soll aber nicht allein ein Motorrad für betuchte Jäger und Sammler sein. Sie soll durchaus auch Leute ansprechen, die die Maschine artgerecht benutzen wollen, also etwa zum Wandern oder für zivilisierte Geländeausflüge.

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Foto: Jahn

Dazu braucht man einen traktionsstarken Motor. Der spanische Motor mag im Rennsport nicht ganz up to date sein - wird ja aktuell von Gas Gas auch nicht mehr eingesetzt -, zu dieser Retro-Enduro passt er aber bestens. Er verwöhnt bereits im Stand mit kernig-dumpfem Sound, liefert mit ordentlich Schwungmasse viel Traktion und hängt fein am Gas. In der Spitze leistet der Prototyp knapp 40 PS, in der Serie, die per Einzelabnahme eine Zulassung bekommt, soll die Leistung kaum weniger betragen.

Die Federung wirkt noch etwas hart, die Abstimmung soll noch softer werden. Mit den beschränkten Federwegen sollte man sich nicht auf eine Crosspiste verirren. Im leichten Gelände, etwa trialartigen Passagen und engen Waldwegen, lässt sich die ZPsport dank der niedrigen Sitzhöhe und des kooperativen Antriebs jedoch leichter manövrieren als manche hyperaktive, aggressiv abgestimmte Sportenduro. Klassisch ist auch die Sitzposition mit dem langen "Tank" zwischen Fahrer und Lenker. Ausgesprochen lässig, wenn man auch in Kehren zum Aufspüren der innersten Linie nicht bis an den Lenker kriechen kann, um Druck aufs Vorderrad zu bringen.

Eine ausgesprochen hübsche, wertig verarbeitete Spaßmaschine also, die den Charakter der klassischen Geländemaschinen ausstrahlt - wenn nur der saftige Preis nicht wäre.

Foto: Jahn

Die ZPmoto-Story

Ein eigenes Motorrad bauen, davon träumen einige, an solch einem Projekt ist aber schon mancher Enthusiast grandios gescheitert. Die fünf Gesellschafter von ZPmoto verfolgen ihr Ziel trotz aller Begeisterung jedoch mit einer gesunden Portion Realismus.

„Für uns Jugendliche waren in den 1980ern die Geländefahrten ‚Rund um Zschopau das Größte. Und die MZ-Werksfahrer waren unsere Helden.“ Norbert Vogler, Geschäftsführer von ZPmoto, bekommt heute noch glänzende Augen, wenn er von MZ-Sporterfolgen spricht. Die goldenen Jahre in den 1960ern, als MZ-Fahrer reihenweise die Six Days gewannen, haben die ZPmoto-Gründer nicht erlebt, wohl aber den letzten Erfolg des DDR-Teams bei den Six Days 1987 in Polen. Und gleich nach der Wende wurde ‚Rund um Zschopau als Lauf zur Enduro-WM ausgetragen. Heute ist Norbert Vogler Mitglied des Vorstands des MSC Rund um Zschopau, der die legendäre Gelände-veranstaltung wiederbelebte. 125 000 Zuschauer kamen 2005 zum WM-Lauf. Und in diesem Jahr (24. bis 29. September) ist Zschopau sogar Teil der International Six Days Enduro ISDE 2012.

Früher arbeiteten in Zschopau eigentlich alle bei MZ. So auch Jörg Hübler, der die Abteilung Versuch/Musterbau leitete. Er war zum Beispiel für die 400er-Sportenduro verantwortlich, die die Nachfolgefirma MuZ 2001 entwickelte, die aber leider wie vieles andere nicht über das Prototypenstadium hinauskam. Das lange Siechtum der sächsischen Traditionsmarke schmerzte Mitarbeiter und Leute aus dem Umfeld so sehr, dass sich Anfang 2009 fünf von ihnen trafen, um ihr eigenes Projekt zu verwirklichen. „Uns war zunächst überhaupt nicht klar, in welche Richtung das gehen könnte“, beschreibt Dirk Klädtke, Bruder von Reinhard Klädtke aus dem legendären 1987er-Siegerteam, die Anfänge. Er leitet eine mittelständische Maschinenbaufirma, die über Erfahrungen als Zulieferer namhafter Motorradhersteller verfügt und viele Bauteile des neuen Motorrads anfertigt: „Wir wollten eine moderne Maschine, die Erinnerungen an große Zschopauer Zeiten weckt.“

2010 nahm das Projekt konkrete Formen an. Bewusst entschied man sich für moderne Antriebstechnik. „Wir hätten auch einen luftgekühlten 600er bekommen können, aber wir wollten ein handliches Motorrad mit zukunftssicherer Technik“, sagt Firmenchef Vogler. Daher entschied sich das Quintett für den bewährten, wassergekühlten 450er-Gas Gas-Motor. Ende 2009 trafen sich die ZPmoto-Leute mit David Negrello, französischer Designer, der sich nach seinem Praktikum bei MZ und Zwischenstationen bei verschiedenen italienischen Firmen in Paris niedergelassen hatte. „Die ersten Skizzen waren ein Volltreffer. Es gab 250 Zuschriften - alle positiv. Wir haben nichts Wesentliches mehr geändert.“ Und der Preis? „Bei den Interessenten kein Thema. Wir träumen ja nicht von großen Serien, wollen in unserer Manufaktur einzelne Maschinen aufbauen, die ihre Exklusivität behalten.“

Foto: ZPmoto
ZPmoto präsentiert den Prototyp der ZPsport 449, die ab Oktober gebaut werden soll. Das fahrfertig 130 Kilo leichte Motorrad wird von einem Einzylinder-Motor der spanischen Marke GasGas befeuert, der 45 PS bei 6200/min leistet und mit Ansaugtrakt und Auspuffsystem aus Zschopau ausgestattet ist.
ZPmoto präsentiert den Prototyp der ZPsport 449, die ab Oktober gebaut werden soll. Das fahrfertig 130 Kilo leichte Motorrad wird von einem Einzylinder-Motor der spanischen Marke GasGas befeuert, der 45 PS bei 6200/min leistet und mit Ansaugtrakt und Auspuffsystem aus Zschopau ausgestattet ist.

Technische Daten

Motor
Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, Kette.

Bohrung x Hub: 97,0 x 60,8 mm
Hubraum: 449 cm³
Nennleistung: zirka 29,4 kW (40 PS)

Fahrwerk
Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel, Ø 43 mm, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Zweiarmschwinge aus Stahl, zwei Federbeine, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Scheibenbremse vorn, Ø 260 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, Scheibenbremse hinten, Ø 220 mm, Einkolben-Schwimmsattel.

Speichenräder mit Alu-Felgen: 1.60 x 21; 2.15 x 21
Reifen: 90/90 21 21; 140/80 21 21

Maße + Gewicht
Radstand: 1426 mm
Lenkkopfwinkel: 63,6 Grad
Federweg v/h: 180/140 mm
Sitzhöhe: zirka 860 mm
Gewicht vollgetankt: 130 kg
Tankinhalt: 11,0 Liter

Preis inkl. Nebenkosten: 22430 Euro

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