Doppel-Top-Test BMW Japan-Prinzip: die neue R 1200 GS
Wie bitte? Ausgerechnet die GS, die Vorzeige-BMW, das erfolgreichste deutsche und zugleich europäische Motorrad, soll etwas mit japanischen Entwicklungsprinzipien zu tun haben? Aber sicher. Man betrachte nur, mit welcher Konsequenz und Akribie sie weiterentwickelt wurde.
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BMW R 1200 GS
Nur Facelift oder echter Fortschritt? Die überarbeitete BMW R 1200 GS im Punkteduell mit ihrer Vorgängerin.
Foto: Künstle
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Potenzielle Konkurrenten aus Italien, die Moto Guzzi Stelvio und die Moto Morini Granpasso, haben eben das Stadium des Messe-Ausstellungsstücks hinter sich gelassen beziehungsweise gerade erst erreicht. Triumph hat mit der Tiger zwar das stärkere Funbike auf die Räder gestellt, dem aber die Allround-Qualitäten der GS fehlen. Offensichtlich haben alle schwer zu knabbern an den Standards, welche die »alte« R 1200 GS schon vor vier Jahren gesetzt hat.
Trotzdem zündet BMW jetzt die nächste GS-Entwicklungsstufe. Am meisten Konkurrenzdruck, wenn denn die entsprechenden Wettbewerber parat stehen sollten, ist in Sachen Antrieb zu erwarten; es ist daher folgerichtig, dass die Neue den leistungsstärkeren und drehfreudigeren Motor der R 1200 R erhalten hat, welcher jedoch anders abgestimmt wurde. Seine höhere Maximaldrehzahl ermöglicht es, eine kürzere Endübersetzung zu wählen, welche besseren Durchzug und schnellere Beschleunigung bringt und trotzdem eine höhere Höchstgeschwindigkeit ergibt. Und weil der Antriebsstrang ohnehin gerade dran war, überarbeiteten die Ingenieure auch gleich das Getriebe, das andere Gangübersetzungen, größere Lager sowie eine neue Schaltkinematik erhielt. Der größere Abstand der Getriebewellen macht jetzt wieder Sonderspezifikationen wie den extra kurz übersetzten ersten Gang der Adventure möglich.
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105 PS Spitzenleistung verspricht BMW, ein Wert, den das Testmotorrad auf dem MOTORRAD-Prüfstand großzügig überboten hat. Dass der Unterschied zur parallel gemessenen Vorgängerin nicht immer der angekündigten Steigerung von fünf beziehungsweise sieben PS bezogen auf die 98-PS-Variante entspricht, liegt am eindrucksvoll starken Motor der alten GS. Sie überflügelt mit 105 PS alle bisherigen Testmaschinen ihres Typs und gerät in Beschleunigung und Durchzug gegenüber dem spurtstärkeren 2008er-Modell erst ab 140 km/h ins Hintertreffen. Offenbar will sie ebenso abtreten, wie die Neue debütiert mit einem Paukenschlag.
Für den hohen Reifegrad, den der Boxer seit 2004 erreicht hat, spricht auch die Laufruhe beider getesteten Exemplare. Mehr als ein leichtes Rumpeln im Bereich um 5000 Umdrehungen, das von den Fußrastengummis fast völlig geschluckt wird, ist an Rauigkeiten nicht festzustellen. Selbst die Schaltgeräusche sind nur noch sehr dezent, bei der neuen GS fast gar nicht mehr zu hören.