26.02.2009
Erschienen in: 06/ 2009 MOTORRAD

Fahrbericht Elektro-Motorrad eROCKIT Edles Elektrobike

Auf dem eROCKIT muss man treten wie auf einem Fahrrad, sitzt erhaben wie auf einer Enduro und genießt mehr Aufmerksamkeit als mit jeder Harley.

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Auf dem eROCKIT muss man treten wie auf einem Fahrrad, sitzt erhaben wie auf einer Enduro und genießt mehr Aufmerksamkeit als mit jeder Harley.  

Foto: Pausch  

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Neulich neben der neuen Synagoge in Berlins Oranienburger Straße: Kaum hast du den Seitenständer des eROCKIT ausgeklappt, springen schon zwei Streifenpolizisten herbei. Falsch geparkt, über den Bürgersteig gefahren? Ach was. Das Elektro-Motorrad, das sich fährt wie ein Fahrrad, erregt die Aufmerksamkeit der Ordnungshüter. "Ist das das Teil aus dem Fernsehen?“ fragt einer der beiden Beamten. Ja genau. Der Polizist fährt privat Motorrad, findet die "Idee super", Maschinen- und Muskelkraft zu kombinieren.

Also schnell noch eine Ehrenrunde mit dem Hingucker gedreht. Beim Anfahren verlangt das E-Mobil ohne Gasgriff etwas Konzentration. Ein Fuß ist bereits auf dem Pedal, mit dem anderen stützt du das Hochrad noch ab – Sitzhöhe 93 Zentimeter. Und während du noch mit Balance halten beschäftigst bist, macht das Ding bereits einen gehörigen Satz nach vorn. Satte 75 Newtonmeter praktisch aus dem Stand. Hui, das geht ab. Nur eben anders. Schließlich übernimmt hier die Tretkurbel das Kommando über Speed und Leistung. Die Trittleistung geht nicht aufs Hinterrad, sondern treibt einen Generator an. Dessen Rotation übersetzt das Steuergerät in die Leistungsabgabe des 8,6 Kilowatt starken Elektromotors. Zudem verlängert der Generator die Reichweite: Er lädt die 336 Lithium-Ionen-Akkus während der Fahrt. Sie liegen als 35 Kilogramm schwerer Energie-Pack unter der hohen, bis zu 18 Zentimeter breiten Box aus aramidverstärkter Kohlefaser. Klingt kompliziert? Nicht doch. Langsam treten bedeutet sachte rollen, schneller treten mehr Power. Macht man das aus dem Stand volle Pulle, reagiert der E-Motor minimal verzögert. Fühlt sich an wie ein leicht durchdrehendes Hinterrad. Nicht mehr treten, heißt sanft auszurollen.

So wie jetzt, zurück zum Ordnungshüter. "Das beschleunigt ja irre", lautet sein Kommentar. Stimmt. Und ist doch Ergebnis einer Sinnestäuschung. Denn per GPS gemessene 4,5 Sekunden für den Spurt von null auf Tempo 50 entsprechen genau dem Niveau einer gedrosselten Yamaha YZF-R 125. Nur kommt das eROCKIT eben völlig lautlos vom Fleck. Und das spektakuläre Treten lässt die Passanten glauben, hier steige Superman persönlich in die Pedale. Pah, wer ist schon Erik Zabel? Dabei ist flott sein keine Frage gestählter Oberschenkel. Bei den beiden Prototypen arbeitet die Ladefunktion des Generators allerdings noch nicht, die Trittfrequenz dient allein der Steuerung der Motorleistung. Dies soll erst bei den zehn Serien-Maschinen so sein, die für die zweite Jahreshälfte 2009 geplant sind. Bei ihnen wird kraftvolleres Treten auch höhere Leistung aus dem E-Motor herauskitzeln. Derzeit fühlt sich der Widerstand beim rhythmischen Auf und Ab der Pedale eher an wie bei der leichtesten Stufe auf einem Hometrainer. Das schafft wirklich jeder kinderleicht. Wer Fahrrad fahren kann, kann auch intuitiv eROCKIT fahren.

Weitere Informationen:

Technische Daten eROCKIT

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