08.12.2011 Von: Ralf Schneider
Erschienen in: 26/ 2011 MOTORRAD

Fahrbericht: Honda NC 700 X New Concept Bike von Honda

Das Typenkürzel NC steht für "new concept", eine Art Baukasten, aus dem drei Mittelklassemotorräder entstanden. Die NC 700 X bot jetzt erstmals die Gelegenheit, das neue Konzept beim Fahren zu studieren.
In diesem Artikel: Honda NC 700 X

Honda NC 700 X

Honda NC 700 X.  

Foto: Honda  

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Ein Zweizylindermotor, der bei 1500 Umdrehungen in einem hohen Gang voll aufgezogen wird, ohne sich zu schütteln, ohne auf seine Pleuel- und Hauptlager einzuhämmern wie ein Schmied aufs glühende Eisen - das muss ein Cruiser-V2 mit viel Schwungmasse sein. Nicht unbedingt! Seit Neuestem hat Honda einen Reihenzweizylinder im Programm, der mit 670 cm³ nicht einmal halb so viel Hubraum hat wie stilechtes amerikanisches Schwermetall und trotzdem die eingangs beschriebene Durchzugsübung meistert.

Im Gegensatz zu Cruisermotoren zieht der gemäßigt langhubig ausgelegte Honda-Motor sogar bis zum Drehzahlbegrenzer energisch weiter. Der setzt allerdings bei 6750/min recht früh ein, und das fordert Gewöhnung, eine Neujustierung der körpereigenen akustischen Schaltanzeige. Wer nicht mit dem Blick am Drehzahlmesser kleben will, schaltet am besten schon hoch, wenn der Motor noch gemütlich brummelt. Insgesamt aber keine schlechte Art, 48 PS darzubieten.

Und das Fahrwerk liefert alles, was man braucht, um sie auch einzusetzen. Ausreichend Steifigkeit, einen langen Radstand und Nachlauf für die Stabilität, relativ -schmale Felgen und Reifen für die Handlichkeit, eine passende Ergonomie für Fahrer unterschiedlicher Länge und lange Federwege für den Komfort. Im Fall der NC 700 X sogar besonders lange Federwege von um die 150 Millimeter.

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Honda  NC 700 X  Allrounder  Tourer 

Das Rezept funktioniert. Ohne dass sich der Fahrer der aufgewendeten Lenkkräfte bewusst würde, folgt die NC selbst in verschlungenen Kurvenkombinationen seinen Blicken. Das macht nach einigen Kilometern regelrecht übermütig. Auch in länger gezogenen Wechselkurven klappt sie noch bei Geschwindigkeiten von um die 140 km/h schwungvoll um die Längsachse in Schräglage. Und als auf einem fünf Kilometer langen Autobahnstück mit Sondergenehmigung der örtlichen Polizei die Hochgeschwindigkeitsprüfung anstand, lief die wie ein kleiner Crossrunner gestylte X bergab im langen sechsten Gang noch bei über 190 nach Tacho sauber geradeaus. Nicht viel langsamer als der bei 200 km/h begrenzte 800er-Crossrunner.

Die weichen Federn und sanften Dämpfungsraten hatten allerdings zunächst den Argwohn des Testers geweckt. Schließlich ist nichts weniger komfortabel als rasch durchschlagende Federelemente. Beim Fahren funktionierte die Sänftenabstimmung dann besser als erwartet. Die NC 700 X federt vorne wie hinten zwar rasch relativ weit ein, doch dann setzen sich die Dämpferkolben offenbar auf einen reichlich bemessenen hydraulischen Anschlag, der für weitere Reserven sorgt. Die nicht immer glatt gebügelten Straßen an der Algarveküste und in deren Hinterland ließen sich so problemlos und zügig befahren. Sie boten allerdings auch nicht besonders viel Grip, die aufs Federwerk einwirkenden Kräfte blieben daher vergleichsweise gering. An einem heißen Tag auf richtig griffigen Straßen mag sich das anders anfühlen, zumal die als Serienbereifung aufgezogenen Metzeler Roadtec Z8 ordentlich kleben. Das wird der erste Test klären.

Honda NC 700 X

Regenkombi, Kameraausrüstung und viele Kleinigkeiten finden hier Platz. Nicht jedoch der Shark-Helm des Testers; er war in Größe M zu groß.  

Foto: Honda  

Die NC-Modelle - das stand so ähnlich schon im letzten MOTORRAD - können deshalb so preisgünstig sein, weil sie einfach gebaut und sparsam ausgestattet sind. Und was an ihnen dran ist, funktioniert gut. Die Bremsen zum Beispiel, zwei schlichte Soloscheiben, vorn mit Dreikolben-, hinten mit Doppelkolben-Schwimmsattel. Dank des serienmäßigen ABS der Sorge entledigt, zu giftige Beläge einzubauen und damit viele Vorderradblockierer zu provozieren, entschieden sich die Honda-Ingenieure für eine knackige Reibpaarung. Die Bremsen reagieren also spontan und beißen kräftig. Auch sind die Scheiben relativ dick, können also einiges an Hitze vertragen. Nebenbei bemerkt sind beide Scheiben konzentrisch aus einem Stück Stahl gelasert; das minimiert den Verschnitt und trägt ein kleines Scherflein zum günstigen Preis bei.


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Vereinfacht geschildert ist die bestechende Logik des NC-Konzepts die folgende: Ein Motor mit stark nach vorn geneigten Zylindern gibt über sich einen großen Raum frei. Der kann entweder als Benzintank oder als Ablagefach, zum Beispiel für einen Integralhelm, genutzt werden.

Ein solches Fach ist sowohl bei einem rollerähnlichen Fahrzeug als auch bei einem Motorrad sehr praktisch, also muss der Tank unter die Sitzbank. Dort kann er aber nicht so voluminös sein wie an der Stelle des Faches. Deshalb muss der Motor besonders sparsam mit dem Benzin umgehen, damit sich bei 14,1 Liter Vorrat eine ordentliche Reichweite ergibt. Ganz abgesehen davon, dass ein niedriger Verbrauch einem preisgünstigen Fahrzeug, das sich an junge Fahrer und Einsteiger wendet, ohnehin gut ansteht. Die Frage stellte sich also: Was verbrauchte die NC 700 X auf einer 159 Kilometer langen Runde, inklusive Fotofahrten? Bei wenig konsumbewusster Fahrweise mitsamt der erwähnten Autobahnfahrt waren es 7,57 Liter, das entspricht 4,74 Litern auf 100 Kilometer. Sparsamere Fahrer kamen auch mit genau vier Litern aus. Das ist keine Sensation, aber aller Ehren wert. Und ein weiterer Grund für einen Test. Möglichst bald.

Honda präsentiert die neue Mittelklasse NC 700 X auf der Eicma in Mailand.

Foto-Show: Honda NC 700 X.  


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