16.04.2012 Von: Thomas Stutz
Erschienen in: 07/ 2011 MOTORRAD CLASSIC

Honda CR 750 Daytona-Replika Motorrad-Klassiker: Ready to Race

Geduckt steht sie im Studio, willig lässt sie sich ablichten. Die Honda CR 750 Daytona-Replika ist bereit zum Sprung und bereit, jedermann an den glorreichen Einsatz in den USA zu erinnern.

Honda-CR-750-Daytona-Replika (jpg)

Honda CR 750 Daytona-Replika.  

Foto: Sdun  

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Unser Studio-Modell lässt den 15. März 1970 wieder aufleben, als Dick Mann die 200 Meilen von Daytona gewann. Nach diesem Erfolg bot Honda noch im selben Jahr einen umfangreichen Tuning-Kit für die CB 750 Four an. Überarbeitete Motor- und Fahrwerkskomponenten sowie eine Rennverkleidung verwandelten den noch jungen Straßen-Vierzylinder in eine Rennmaschine, die dem Werksrenner nicht nur optisch, sondern auch leistungsmäßig ziemlich nahe kam.

Die Maschine stammt jedoch weder aus der Honda-Rennabteilung noch ist sie eines der ebenfalls seltenen Kit-Modelle. Vielmehr kommt sie aus der Schmiede der auf japanische Youngtimer spezialisierten Firma BIKE SIDE in Durmersheim. Schon 2006 hat  Inhaber Klaus Dony mit der Kawasaki Z 1000 S1-Eddie-Lawson-Replika gezeigt, dass er ein Faible für Renngeschichte hat und mit großer Akribie ans Werk geht. Auch die CR 750 Daytona-Replika ist auf den ersten Blick kaum vom Original zu unterscheiden. 2006 hatte er beim Vierstunden-Rennen in Spa-Francorchamps die Gelegenheit, eine seltene CR 750 in restauriertem Zustand zu studieren. Rund fünf Jahre benötigte er, um alle Fakten und Bauteile zusammenzutragen. Auch Bob Hansen, der damals die Honda-Rennabteilung der USA betreute, konnte ihm viele wertvolle Tipps geben.

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Herausgekommen ist eine Replika, die weitgehend der Werksrennmaschine von 1970 entspricht: wie der Smiths-Drehzahlmesser aus den 70er-Jahren. Lediglich seine Zifferblatteinteilung weicht vom Original ab. Der dazu passende Winkeltrieb fand sich gebraucht in Australien. Beides wurde sorgfältig restauriert. In den USA trieb Klaus Dony alte Keihin CR31-Rundschiebervergaser auf. Motor und Rahmen entstammen einer  CB 750 K2. Besonderen Wert legte ihr Schöpfer auf den Motoraufbau: Der Hubraum ist auf 760 cm³ erweitert, entsprechend dem Reglement von 1970. Die Kanäle und Brennräume sind strömungsgünstig bearbeitet. Das Gemisch strömt durch einen Millimeter größere Einlassventile, die von einer WebCam-Nockenwelle der Stufe III geöffnet werden. Deren Steuerzeiten und Hub entsprechen der Original-HRC-Nocke. Carillo-Pleuel bewegen die eigens angefertigten Aluminium-Schmiedekolben. Primär- und Steuerkette wurden verstärkt. Die Vier-in-Vier-Auspuffanlage ist handgefertigt. Ihre beiden äußeren Krümmer sind - wie damals - leicht nach innen gedreht, damit das schmale Renn-Kleid passt.

Honda CR 750

Honda CR 750  

Foto: Sdun  

Anstelle der CR 750-Gabel mit Titan-Standrohren und doppelt verschraubter Achsklemmung dämpft vorne die Seriengabel mit überarbeiteten Innereien. Auch die vordere Bremsanlage entspricht der Serie, mit nachgerüsteter rechter Scheibe aus dem Honda-Zubehör. Hinten ist ein originalgetreuer Nachbau der Magnesium-Nabe mit Duplex-Trommel verbaut. Auf das Renngetriebe von einst musste Klaus Dony verzichten. Diese waren nur für die Werksrenner und den Rennkit gefertigt worden. Er beließ es zunächst beim Serienteil. Mittlerweile hat er ein Getriebe bei dem englischen Spezialisten Nowa aufgetan, das den Original-Spezifikationen entspricht. Für den zündenden Funken ist heute eine kontaktlose Batteriezündung von Dynatec zuständig, anstelle einer Magnetzündung - ebenfalls ein Zugeständnis an die Zuverlässigkeit moderner Renntechnik.

Honda CR 750 Daytona-Replika

Unter ihrem Sport-Anzug verbirgt sie einen CB 750-Rahmen, der aufwändig nach historisch verbürgten Fakten modifiziert ist.  

Foto: Sdun  

Aluminium-Kraftstoff- und -Öltank stammen aus englischer; Höcker, Verkleidung und Sitzpols-ter aus deutscher Produktion. Die Federbeine liefert Ikon. Fünf Maschinen will er bauen, zwei sind bereits verkauft. Und noch immer tüftelt Klaus Dony an Verbesserungen, zurzeit experimentiert er mit einem modifizierten Steuerkettenspanner, der länger halten soll.

Wer den Spirit von Daytona erleben will, kann mit dieser Replika an Klassikerrennen teilnehmen und sich fühlen wie Dick Mann im Jahr 1972. Denn: Sie ist käuflich. Und: „ready to race“.


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