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Pascal Eckhardts Fahrtipps für die Rennstrecke Teil 9 Überholen

In PS Ausgabe 8/2013 ging es um Grundsätzliches beim Überholen. Diesmal geht´s ums Eingemachte: Zurechtlegen, angreifen, vollstrecken,... äh, überholen.

Nach dem ersten Teil unserer Überholen-Tipps in PS 8 habe ich mich schon ein bisschen wie ein Moralapostel gefühlt. Dafür kennen wir in diesem Teil keine Gnade mehr: Es wird vollstreckt! Trotzdem war auch das erste Kapitel wichtig. Wir haben gelernt, dass wir uns von keinem dessen Tempo aufdrücken lassen, sondern unser eigenes Ding machen. Wir wägen das Risiko ab und finden den richtigen Moment für unser Überholmanöver. Aber wie gehen wir es nun an? Fahren wir einfach drauf los und stechen unkontrolliert in jede offene Lücke? Auch wenn es etwa bei den Moto2-Piloten manchmal chaotisch aussieht, wie die ihre Gegner überholen, ist ziemlich jeder Überholvorgang geplant und regelrecht vorbereitet. So wollen wir es auch machen. Bereit? Here we go.

Wie fast überall entscheiden im Motorsport Millimeter über Sieg oder Niederlage – so auch beim Überholen. Wie soll man denn einen Fahrer ausbremsen, der selbst schon auf der letzten Rille bremst? Man kann ja schlecht noch später bremsen, denn dann geht‘s garantiert in die Botanik! Die Antwort: Müsst ihr gar nicht. Meistens reicht es vollkommen aus, wenn ihr euch daneben setzt. Wichtig ist nur die richtige Seite. Stellt euch vor, ihr seid schon einige Runden hinter eurem Gegner hergefahren und habt ihn ausspioniert. Kennt ihr nun seinen Schwachpunkt, dann „spult“ noch eine Kurve weiter zurück, denn in genau dieser beginnt euer Manöver bereits! Das beste Beispiel sind kurz aufeinander-folgende Kurven.

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"Versucht, den Gegner auszublenden"

Ganz konkret wollen wir unseren Konkurrenten in der Hasseröder-Kurve in Oschersleben demontieren – da schauen auch viele Leute zu! Wie bereits erwähnt, müssen wir dieses Manöver aber schon in der vorigen Kurve (Hotelkurve) beginnen. Diese lange Rechts ist perfekt dafür, wenn ihr den Zug nicht verpasst. Dazu müsst ihr eurem Vordermann so am „Arsch“ kleben, dass es näher nicht mehr geht. Achtet in den Runden vorher bereits darauf, wann er genau den Gashahn wieder aufzieht. Das ist schon entscheidend, ob der Versuch in der Hasseröder klappt oder nicht. Ihr beschleunigt sanft aber nachdrücklich. Auf der kurzen Geraden zwischen der Hotelkurve und der Hasseröder setzt ihr euch jetzt leicht links versetzt an das Hinterrad des Gegners.

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Foto: Glänzel

Wenn ihr alles richtig gemacht habt, seid ihr vielleicht jetzt schon fast daneben. „Bis jetzt alles kein Problem“, werdet ihr sagen. Den meisten fällt das bis dahin auch nicht sonderlich schwer, nur „vollstrecken“ dann die wenigsten. Warum? Weil sich die meisten in dieser Situation auf den anderen Fahrer konzentrieren. „Was macht der?“, „Kommen wir uns zu nahe?“, „Sieht der mich?“ Das ist falsch. Versucht, den Gegner einfach auszublenden und macht wie schon oft erwähnt euer eigenes Ding. Es reicht,  wenn ihr am Kurveneingang innen neben eurem Konkurrenten auftaucht. Jetzt kann der nicht einbiegen, und das Ding ist gegessen. Wichtig: Ihr müsst voll konzentriert sein. Eure Eingangsgeschwindigkeit muss passen, damit ihr nicht weit gehen müsst und euer Gegner wieder innen vorbeizieht. Euer Gang muss passen, damit ihr am Kurvenausgang nicht wieder ausbeschleunigt werdet.

Von außen überholt zu werden ist die größte Erniedrigung

Ich habe bewusst ein Beispiel gewählt, bei dem wir innen überholen. Klar, außen herum zu überholen ist wohl die größte Erniedrigung, die ihr einem anderen zufügen könnt. Aber dabei ist eines zu beachten: die Sturzlinie. Denkt bei euren Aktionen daran, dass die Sturzlinie meistens nach außen zeigt. Versucht ihr also, außen zu überholen und der Gegner geht beim Gegenhalten zu Boden, dann werdet ihr das mit ziemlicher Sicherheit auch tun. Ebenso ist bei der Vorbereitung, wenn ihr euch dicht neben den anderen Fahrer setzt, Vorsicht geboten. Ein Rutscher des Gegners beim Gasgeben reicht bereits aus, und es reißt euch mit ins Verderben.

Das sind Tipps, die ihr im Hinterkopf haben sollt, die euch aber nicht vom Überholen abhalten sollen. Denn was gibt es Schöneres, als einen Konkurrenten mit einem technisch einwandfreien Überholmanöver hinter sich zu lassen? Und zum Abschluss heißt es wie immer: Bleibt locker und probiert viel aus. Je mehr Routine ihr bekommt, desto einfacher wird euch das Überholen fallen.

"Ecke" gibt Fahrtipps für die Rennstrecke

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