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Überblick für Einsteiger und Wiedereinsteiger Führerscheinklassen, Trainings, Angebote

Der Motorradführerschein - für die einen ist er ein lang gehegter Traum, manch anderer hat vergessen, dass er seit Jahrzehnten einen besitzt. Egal ob Einsteiger oder Wiedereinsteiger: Nie war das Angebot größer, nie die Gelegenheit günstiger, um die große Freiheit auf zwei Rädern neu zu erleben.

Früher war alles besser? Man muss kein ausgewiesener Intellektueller sein, um zu wissen, dass das nicht stimmt. Motorradfahrer brauchen dafür lediglich ein gutes Gedächtnis.

Rückblende, 1. April 1986: Nicht als ­Aprilscherz, sondern als ernst gemeinten Beitrag zur Verkehrssicherheit führt die Bundesregierung in Deutschland West (ja, damals gab es noch zwei deutsche Staaten) den Stufenführerschein für Motorradfahrer ein. Leistungslimit: 27 PS (ab 1. April 1993 waren es dann immerhin 34 PS). Die Industrie – gemeint sind damit vorwiegend die japanischen Hersteller, die europäische Fraktion spielte damals kaum eine Rolle – hielten so faszinierende Gefährte wie eine Honda CB 400 N, eine Suzuki GSX 400 E oder eine Yamaha XS 400 bereit. Allen gemeinsam: mit gut 5000 Mark auch für junge Anfänger noch erschwinglich, aber mit weit über 200 Kilogramm auch bleischwer – und grottenlangweilig. Noch härter traf es nur die 16-Jährigen: Sündteure 80er mit 80 Kubikzentimetern und 80 km/h Höchstgeschwindigkeit – da blieb der eine oder a­ndere lieber gleich beim Fahrrad.

Und heute? Eins ist sicher: Hätte man den Bikern um die 50 – also den meisten von uns – vor rund 30 Jahren die gerade aktuellen Regeln und Angebote vorgesetzt, wir hätten uns ein Loch in den Bauch gefreut. Das gilt für die A1-Aspiranten, für die sich die Limits (satte 15 PS, 125 Kubikzentimeter Hubraum und freie Höchstgeschwindigkeit) seit damals deutlich nach oben verschoben haben. Und das gilt erst recht für Führerschein-A2-Inhaber, die sich heute nicht nur über beachtliche 21 PS mehr freuen dürfen, sondern auch über weniger Gewicht, potentere Fahrwerke, aufregendere Designs und e­ine nicht zu vergleichende Vielfalt an ganz unterschiedlichen Entwürfen. Vom Naked Bike über den Alltags-Sportler bis hin zum ernst zu nehmenden Cruiser ist alles dabei. Und auch die Fahrleistungen sind alles andere als bemitleidenswert. Benötigte vor 30 Jahren eine Yamaha XS 400 in der 27-PS-Version noch 9,4 Sekunden von null auf 100 km/h und schwang sich bestenfalls zu 139 km/h Topspeed auf, erledigt das eine moderne Honda NC 750 X/S (mit 1500 Zulassungen Hondas Nummer eins 2014) in fünfeinhalb Sekunden quasi nebenbei. Und macht erst bei gemessenen 162 km/h zu, während andere ihrer Klasse an der 180er-Marke kratzen.

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Hersteller-Programm für Einsteiger

Wie gut und vielfältig die A2-Klientel heute bedient wird, zeigt auch das Beispiel KTM: Auf der einen Seite haben die Österreicher mit der 390er-Duke (mit 1482 Stück 2014 in Deutschland auf Platz zwei der KTM-Zulassungs-Hitliste) und der Sportlerin RC 390 zwei Wirbelwinde im Angebot, die mit 148 und 164 Kilogramm auf der Gewichtsskala ganz unten rangieren und deren 44-PS-Single sogar leicht gedrosselt werden muss, um das A2-Kriterium von maximal 0,2 kW pro Kilogramm zu erfüllen. Auf der anderen Seite bietet KTM auch im oberen Preis- und Gewichtssegment maßgeschneiderte Lösungen und hat mit der 1050er-Adventure neuerdings auch eine vollwertige 1000er-Reiseenduro im Programm, die mit 95 PS Ausgangsleistung – einfach zu drosseln auf 48 PS – die A2-Kriterien exakt trifft.

Doch auch andere Hersteller machen den Einstieg verlockend, der 48-PS-Jahrgang anno 2015 bietet echte Charakterdarsteller. Die Ducati Scrambler zum Beispiel, deren Charisma auch über den Verlust von 27 PS in der gedrosselten 48-PS-Variante locker hinwegtrösten dürfte. Sie ist eine überzeugende Mischung aus Retrostyle und modernen Komponenten, der so überhaupt nichts Biederes und erst recht keine Spur von Mangel anhaftet.

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Oder Harley-Davidson: Das günstigste Angebot, eine Sportster Iron 883, ist schon für 9635 Euro zu haben und verkörpert den American Way of Drive auch mit 48 statt der offenen 53 PS überzeugend. Ebenso wie die neue Yamaha YZF-R3, die trotz nur 42 PS ein reinrassiger Sportler ist. Und das für 5395 Euro, was für heutige Verhältnisse in etwa dem entspricht, was man vor 30 Jahren für die biedere XS 400 berappen musste. Damals ohne ABS, ohne ­leistungsfähige Bremsen, G-Kat und Vollverkleidung. Das ist – das werden selbst Skeptiker einräumen – ein richtig faires Angebot.

Wie überhaupt das Bemühen aller Beteiligten deutlich wird, die Menschen wieder aufs Motorrad zu bringen. Da gibt es Gutscheine, Rabatt-Aktionen der Hersteller und vieles mehr. Offensichtlich trägt das alles Früchte. Seit 2010 stieg die Zahl der Führerscheinerteilungen der Klassen A, A1 und A2 um 15,6 Prozent an, während sie beim Pkw in der gleichen Zeit abnahm. Das ist zweifelsohne ein erster Schritt hin zur großen Freiheit.

Die Motorrad-Führerscheine

Der Einser und der graue Lappen sind längst Geschichte. In der EU zählen die Buchstaben auf dem Kärtchen. Die letzten Änderungen gab’s 2013, und sie brachten durchaus ein paar Verbesserungen.

Führerschein Klasse A1

Wer als Einsteiger mit 16 Jahren heute die klassische „Zweirad-Karriere“ von der 125er bis zum offenen, großen Motorrad durchlaufen will, der muss drei praktische Fahrprüfungen ablegen, aber nur noch einmal die Theorieprüfung. Nämlich beim ers­ten Schein. Die Klasse A1 ist die Fahrerlaubnis für Leichtkraft­räder mit einem Hubraum von maximal 125 Kubikzentimetern und einer Leistung von höchstens 11 kW/15 PS*, zu erwerben ab 16 Jahren. Vorgeschrieben sind mindestens zwölf Fahrstunden, verteilt auf drei Sonderfahrten in Form von fünf Überland-, vier Autobahn- und drei Nachtfahrten.

Zum März 2013 entfiel die bis dahin gültige Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h für 125er von 16- und 17-jährigen A1-Inhabern.

*Maximal 0,1 kW/kg Leergewicht – eine 125er mit 11 kW muss demnach mindestens 110 Kilogramm wiegen.

Führerschein Klasse A2

A2 Ist der aktuelle Stufenführerschein

Ab 18 Jahren kann der Aufstieg in die Klasse A2 folgen. Mit ihr dürfen Motorräder ohne Hubraumbeschränkung mit einer maximalen Leistung von 35 kW/48 PS gefahren werden. Allerdings gilt für A2-Motorräder ein maximales Leistungsgewicht von 0,2 kW pro Kilo Fahrzeuggewicht, sprich ein 35-kW-Bike muss mindes­tens 175 Kilo wiegen (Leergewicht laut Fahrzeugpapieren). Wer den Führerschein A1 schon hat, muss für den Erwerb von A2 nur mehr eine von 60 auf 40 Minuten verkürzte praktische Fahrprüfung ablegen. Keine Theorie mehr. Auch sind für den Aufstieg keine verbindlichen Sonderfahrten oder Fahrstunden mehr vorgeschrieben. Dasselbe – also 40 Minuten Praxisprüfung, keine Theorie, keine Fahrstunden-Vorschrift – gilt für den weiteren Aufstieg von Klasse A2 in die offene Klasse A. Sie ist frühestens zwei Jahre nach Erwerb der Klasse A2 möglich, sprich ab 20 Jahren. Wer mit 18 einsteigen will, kann direkt die Klasse A2 erwerben, muss (ohne vorherigen A1) dafür eine theoretische Prüfung und 60 Minuten Praxis absolvieren (nach Ausbildung mit mindestens zwölf Fahrstunden aufgeteilt auf drei Sonderfahrten). Weiter in Klasse A geht dann es wie oben beschrieben.

Offene Führerscheinklasse A

Der direkte Einstieg (ohne vorherige Klasse A1 oder A2) in die offene Klasse A ist ab 24 Jahren möglich.

Für Spätberufene hat das aktuelle Führerscheinrecht folgendes Angebot parat: Wer seinen Autoführerschein (Klasse B, früher 3) vor dem 1.4.1980 erworben hat, kann durch Bestehen einer verkürzten praktischen Fahrprüfung (40 Minuten) den Motorradführerschein der Klasse A2 (35 kW/48 PS, max. 0,2 kW/kg Leergewicht, kein Hubraumlimit**) machen. Fahrstunden sind hierfür nicht verbindlich vorgeschrieben. Eine gewisse Zahl wird allerdings nötig sein, allein schon, um sich mit den Standard-Prüfsitua­tionen vertraut zu machen.

**In den EU-Ländern gilt ferner: Ungedrosselt darf ein mit Klasse A2 gefahrenes Motorrad nicht mehr als 70 kW/96 PS haben. Diese Regelung wurde von Deutschland als einzigem EU-Land nicht umgesetzt.

Einstieg leicht gemacht, dank A2-Führerschein

Der seit 2013 vereinfachte Einstieg ins Motorrad-Vergnügen hat den Fahrschulen ordentlich Zulauf beschert. Viele ältere Autofahrer, die schon länger mit dem Motorradführerschein liebäugelten, jedoch eine erneute Theorieprüfung scheuten, haben die Initiative ergriffen: Im Jahr 2013 stieg die Gesamtzahl der neuen Zweiradführerschein-Besitzer im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent auf 206.391. Wie sich das auf die einzelnen Klassen verteilt, zeigt die Grafik in unserer Bildergalerie.

Die meisten Hersteller reagierten prompt und bieten inzwischen einen Teil ihres Modellprogramms mit maximal 35 kW/48 PS, teilweise eigens auf diese A2-konforme Leistung gedrosselt. Das größte Angebot hat laut ADAC dabei Harley-Davidson mit 27 Modellen mit 48 PS. Kawasaki und Yamaha bieten demnach je zwölf, Suzuki elf, Honda und Triumph jeweils zehn sowie BMW fünf 48-PS-Maschinen an. Für so gut wie jedes Motorrad bietet www.alphatechnik.de 35-kW-Drosselsätze.

Die Hersteller und was sie bieten

Der Trend zur großen neuen Freiheit hat sich auch in den Zulassungszahlen niedergeschlagen: 2014 haben sich die Neuzulassungen in der Klasse bis 35 kW mehr als verdoppelt gegenüber dem Jahr 2012, also vor Einführung der neuen Stufenführerscheinklasse A2. Das liegt an freieheitsliebenden Menschen, wie Ihnen und uns. Aber auch an dem Bemühen der Industrie.

Zuschuss zum Führerschein

Der Führerschein sponsored by Oma? Klar, einige Euro Zuschuss nimmt jeder Youngster gerne mit. Für Ein- und Aufsteiger aller Altersgruppen haben aber auch einige Motorradhersteller attraktive Angebote im Programm.

Wer seit 1. Januar 2014 eine praktische Prüfung der Klassen A1, A2 oder A gemacht hat, bekommt beim Kauf einer neuen Honda vom Händler zehn Prozent Nachlass (bis maximal 1000 Euro). Diesen Einsteiger-Zuschuss gewährt Honda Deutschland 2015 insgesamt 2000 Führerschein-Ein- bzw. Umsteigern.

Einen Euro pro Kubikzentimeter ziehen die Suzuki-Händler vom Preis einer Neumaschine für Führerschein-Neueinsteiger- oder -Umsteiger ab, deren Führerscheinausstellungsdatum nicht älter als ein Jahr ist, ebenfalls bis maximal 1000 Euro.
Einen Euro günstiger pro Kubik – so macht’s auch Kawasaki. Allerdings deckelt Kawa den an den Führerscheinerwerb im Jahr 2015 geknüpften „Starter-Bonus“ beim Kauf einer neuen Maschine bei maximal 800 Euro.

Pauschal 1000 Euro als Führerschein-Zuzahlung gewährt BMW jedem, der zwischen 1. Januar und 31. Dezember 2015 die Führerscheinprüfung in einer der Klassen A1, A2 oder A besteht und in diesem Zeitraum eine neue BMW kauft. Ausgenommen hiervon sind u. a. die Modelle R nineT und S 1000 RR.

Fahrtrainings mit oder ohne Führerschein

Spezielle Trainings für Einsteiger bieten BMW und Honda an. Bei Honda darf man zu festgelegten Terminen auf dem Gelände der Honda Akademie in Erlensee bei Hanau sogar „Fahren ohne Führerschein“, angeleitet von Instruktoren und in voller, gestellter Sicherheitskleidung. Mehr unter www.fahren-ohne-fuehrerschein.de.

BMW bietet Führerscheinneulingen die Möglichkeit, sich in der BMW Driving Academy Maisach bei Fürstenfeldbruck auf die freie Wildbahn im Straßenverkehr vorzubereiten. Detaillierte Infos gibt es bei den Händlern.

Größter Anbieter von Sicherheitstrainings aller Art auf Übungsplätzen in ganz Deutschland ist und bleibt freilich der ADAC (www.adac/produkte/fahrsicherheitstraining/motorrad).

Jacke wie Hose – aber deutlich günstiger

Ein- und Aufsteigern, die sich 2015 verbindlich für eine der Klassen A1, A2 oder A angemeldet haben, bietet BMW das „Einsteigerpaket“ aus dem Bekleidungsprogramm der Marke. Für 789 Euro umfasst dies Helm, ­Jacke, Hose, Handschuhe und Stiefel – mit einer Preis-ersparnis von 44 Prozent gegenüber dem regulären Gesamtpreis dieses Sets von 1405 Euro.

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