6 Bilder

Dämpfung beim Motorradfahrwerk richtig einstellen Dämpfung am Vorder- und Hinterrad justieren

Straßenoberflächen sind beileibe nicht so eben, wie man es sich wünscht. Hier kommen Federung und Dämpfung ins Spiel. 2Räder erklärt, wie sie Ihre Dämpfer richtig einstellen.

Anzeige

Um die Federbasis, also die Balance zwischen Einfeder- und Ausfederweg, hat sich 2Räder 6/2011 gekümmert. Jetzt kommt die Dämpfung an die Reihe: ein hydraulisches System, in dem Öl durch enge Spalte fließt und so Ein- und Ausfederbewegung bremst.

Das ist kein Rennstrecken-Hokuspokus, auch wenn vor allem Sportmotorräder mit variablen Dämpfungen ausgestatt sind. Gerade Landstraßenfahrer, die oft auf nicht-optimalem Asphalt unterwegs sind, brauchen eine taugliche Dämpfung. Ohne sie käme ein Motorradfahrwerk nach dem Überfahren einer Unebenheit kaum zur Ruhe.

Ist jedoch die Dämpfung der Ausfederbewegung, die Zugstufendämpfung, zu stark, bleibt das Motorrad nach einer Bodenwelle lange "in der Federung stecken" und kann die nächste Welle nicht mehr abfangen. Eine zu stramme Druckstufendämpfung, die Dämpfung der Einfederbewegung, zieht unsensibles Ansprechen nach sich. Genug der Vorrede: So finden Sie das richtige Maß zwischen Komfort und Ruhe im Gebälk.



Anzeige

Grundeinstellung der Gabel

Foto:

Ziehen Sie die Vorderbreme und drücken Sie die Gabel mit einem kräftigen Impuls zusammen. Hierbei arbeiten Sie gegen die Federhärte und gegen die Druckstufendämpfung. Beobachten Sie das Ausfedern: Wie schnell nimmt das Motorrad seine Ruhelage wieder ein? Wie oft schwingt es nach; federt es aus, wieder ein, noch einmal aus?

Bevor Sie an den Einstellschrauben der Dämpfung drehen, notieren Sie sich unbedingt alle Originaleinstellungen. Drehen Sie dazu die Stellschrauben langsam im Uhrzeigersinn bis zum Anschlag; zählen Sie die Klicks oder die Umdrehungen mit und schreiben Sie sich diese Werte auf.

Die Einstellwerte an der Gabel werden in fast allen Fällen von der geschlossenen Position aus gezählt. Der Grund: Die Nadelventile sind in dieser maximalen Position komplett geschlossen, während sich die minimale Einstellposition meist bei der Montage verändern lässt. Sind alle Stellschrauben auf maximaler, also härtester Dämpfung, drücken Sie noch einmal die Maschine in die Federung.

Bei einer wirksamen Verstellung müsste die Maschine langsamer ein- und ausfedern. Der Verstellbereich ist je nach Gabelhersteller unterschiedlich groß. Speziell japanische Hersteller arbeiten mit einem engen Bereich, der meist keine extremen Einstellungen zulässt, die das Fahrverhalten massiv beeinträchtigen können.

Öffnen Sie alle Stellschrauben komplett und drücken Sie die Maschine erneut in die Federn. Die Maschine sollte sich jetzt schwammig und weich anfühlen, beim Ausfedern eventuell sogar nachschwingen. Indem Sie verschiedene Einstellungen ausprobieren, verschaffen Sie sich einen Eindruck vom Wirkungsbereich der Gabeldämpfung.




Grundeinstellung des Federbeins

Foto:

Drücken Sie dann die Maschine am Fahrersitzpolster in die Federung. Sie sollte mit einer erkennbaren Verzögerung ausfedern und spätestens nach einer Sekunde die Ausgangslage erreicht haben. Federt das Heck ruckartig aus oder neigt es zum Nachschwingen, muss die Zugstufendämpfung erhöht werden. Steckt die Federung dagegen spürbar in der Dämpfung fest und federt nur zäh aus, muss diese verringert werden.

Auch am Heck ist für den Laien die Druckstufendämpfung kaum spürbar. Nur Spezialisten können ertasten, ob es sich beim Einfederwiderstand um die Federkraft, die hydraulische Druckstufe oder gar die durch das Hebelsystem bewirkte Progression handelt. Die Druckstufendämpfung ist abhängig von der Einfedergeschwindigkeit. Wird schnell und kraftvoll gedrückt, baut sich ein Widerstand auf.

Drehen Sie jetzt alle Stellschrauben auf die ursprüngliche Position. Im Folgenden immer eine Änderung nach der anderen vornehmen, um ihre Wirkung erkennen zu können. Beginnen Sie jetzt, ausgehend von der Standardeinstellung die Zustufendämpfung der Gabel zu korrigieren. Stellen Sie sie so ein, dass die Front nach dem Ausfedern ein paar Millimeter über die Ausgangslage herausfedert und erst dann zum Stillstand kommt.

Für sportlichen Einsatz können Sie auf diese paar Millimeter sogar verzichten und die Zugstufendämpfung in kleinen Schritten weiter schließen, bis die Gabel gar nicht mehr nachschwingt. Verändern Sie die Einstellung immer an beiden Gabelholmen gleichermaßen.Die Druckstufendämpfung lässt sich nur mit viel Gespür festlegen Sie wird deshalb im Fahrbetrieb bestimmt.

Ändern Sie die Standardeinstellung nach Testfahrten in Richtung Komfort (weich; Dämpfung öffnen) oder Sportlichkeit (hart; Dämpfung schließen). Machen Sie eine Probefahrt und achten Sie auf Veränderungen. Besser? Schlechter? Drehen Sie noch ein paar Klicks in die gewünschte Richtung. Stellt sich keine Besserung ein, gehen Sie auf den notierten Ausgangswert zurück und probieren eine andere Möglichkeit aus.

Wird das Einfedern langsam z. B. über ein hohes Gewicht herbeigeführt, bleibt dieser Widerstand aus. Halten Sie sich bei der Grundeinstellung auch hier an die empfohlenen Herstellerwerte. Ändern Sie diese nur dann, wenn Sie eine Optimierung in eine bestimmte Richtung vornehmen wollen.

Grundsätzlich gilt: Viel Zugstufendämpfung bremst den Ausfedervorgang und macht das Motorrad zum Beispiel in Wechselkurven stabiler. Bei einer zu harten Zugstufe saugt sich das Motorrad nach mehreren Bodenwellen in der Federung fest und wird unkomfortabel.

Wenig Zugstufendämpfung lässt das Motorrad nach dem Einfedern schnell in seine Ausgangslage zurückkehren und absorbiert folgende Stöße besser. Ist die Zugstufe zu weich, schwingt die Maschine nach Bodenwellen mehrfach nach und wird instabil.

Viel Druckstufendämpfung bewirkt eine straffe Federung; wird bei hoher Zuladung gewählt. Ist die Druckstufe zu hoch, prallt der Reifen von Hindernissen hart ab, das Motorrad wird unkomfortabel. Wenig Druckstufendämpfung erzeugt ein feines Ansprechverhalten mit hohem Federungskomfort und ist für leichte Fahrer geeignet, hat aber möglicherweise ein schwammiges Fahrverhalten in Kurven zur Folge und kann bei starken Bodenwellen zum Durchschlagen führen.

Achtung: Am Federbein beeinflusst die Zugstufendämpfung durch den in beide Federrichtungen offenen Ringspalt auch die Druckstufe beim Einfedervorgang.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote