So geht´s: Federbasis einstellen Federbasis selbst einstellen

Wie stimme ich mein Fahrwerk richtig ab? Motorradfahrwerke bieten oft eine Vielzahl von Einstellmöglichkeiten. Vor den Experimenten mit der Dämpfungsabstimmung muss die Federbasis stimmen. 2Räder zeigt, wie´s geht.

Foto:

Die richtige Federbasis

"Wie stimme ich mein Fahrwerk richtig ab?" Bevor Sie in die Tiefen der Zug- und Druckstufendämpfung eintauchen, sollten Sie für die richtige Federbasis sorgen. Die Faustregel lautet:

Im Stand sinkt ein Motorrad ohne Fahrer vorn um ein Viertel des Gesamtfederwegs ein, hinten um ein Zehntel. Mit Fahrer sollte das Motorrad vorn um ein Drittel, hinten um ein Viertel einfedern. Wie erreicht man das?

Anzeige
Foto:

Erster Schritt:

Motorrad so weit ausfedern, dass das Vorderrad keinen Bodenkontakt mehr hat.

Sind Hauptständer oder Frontheber nicht verfügbar, kippt eine zweite Person das Motorrad über den Seitenständer.



Anzeige
Foto:

Zweiter Schritt:

Sichtbare Länge des Gabelinnenrohrs messen (bei konventionellen Gabeln am Lenker, bei Upside-down-Gabeln am Rad).

Das ist der Gesamtfederweg G. Kabelbinder ums Innenrohr spannen und gegen das Außenrohr schieben.

Foto:

Dritter Schritt:

Motorrad abstellen, Abstand von Kabelbinder bis Federwegsende messen.

Die Differenz dieses Wertes zum Gesamtfederweg G ist der unbelastete, statische Negativfederweg N1.

Foto:

Vierter Schritt:

Fahrer sitzt auf. Erneut Abstand vom Kabelbinder bis zum Ende des Federwegs messen. Die Differenz zu G ist der belastete, statische Negativfederweg (N2). Den Gesamtfederweg des Hinterrads zu ermitteln, ist etwas komplizierter.

Als Näherung kann der Wert aus dem Handbuch gelten; bei Straßenmotorrädern sind 120 bis 130 mm üblich. Um N1 und N2 zu ermitteln, markieren Sie einen Punkt am Motorradheck und messen von dort zur Radachse.

Federbasis einstellen

Foto:

An der Gabel wird die Federbasis über Gewindespindeln am oberen Ende der beiden Holme justiert, am Federbein entweder komfortabel über eine Hydraulik mit Drehknauf, etwas weniger komfortabel mit einem Hakenschlüssel (siehe rechts).

Nähern Sie sich schrittweise den eingangs erwähnten Zielwerten und prüfen Sie nach jeder Änderung auf einer bekannten Strecke, ob sich das Fahrverhalten Ihres Motorrads verbessert hat und ob Sie sich noch wohl fühlen. Wenn Sie die Federbasis für einen korrekten N2 so weit erhöhen müssen, dass N1 gleich Null wird, ist die Feder zu weich. Dann hilft nur der Weg zum Spezialisten, der die Federn oder gleich das ganze Federbein tauscht - oder Sie arrangieren sich mit einem Kompromiss.



Foto:

Schwere Fahrer oder Fahrer, die oft mit Sozius fahren, können den N2-Wert um etwa 5 mm geringer ansetzen, die Federbasis also etwas höher drehen. Sehr leichte Fahrer stellen 5 mm mehr Negativfederweg ein. Wer den Toleranzbereich ausreizt, beeinflusst auch das Fahrverhalten seines Motorrads: Eine höhere Federbasis (also weniger statischer Negativfederweg) an Gabel und Federbein macht es tendenziell handlicher, eine tiefere Federbasis macht es stabiler.

Technische Begriffe auf einen Blick

Druckstufendämpfung
Die Druckstufendämpfung bremst das Einfedern. Je straffer sie eingestellt ist, desto stärker die Bremswirkung.

Federbasis
Die Federbasis, auch "Vorspannung" genannt, bestimmt das Verhältnis von Positiv- und Negativfederweg.

Federhärte
Eigenschaft einer Feder, wird in Newton/mm, gelegentlich auch in kg/cm angegeben: So viel Kraft ist nötig, um die Feder um das jeweilige Maß zu stauchen.

High-/Lowspeed-Dämpfung
Erlaubt eine nach schnellen und langsamen Federbewegungen getrennte Einstellung; hat nicht direkt mit der gefahrenen Geschwindigkeit zu tun, sondern mit der Geschwindigkeit des Dämpferkolbens.

Negativfederweg
Steht zum Ausfedern zur Verfügung; ändert sich je nach Fahrsituation.

Positivfederweg
Steht zum Einfedern zur Verfügung, ändert sich je nach Fahrsituation.

Progression/Progressiv
Ein Fahrwerk, das der Einfederbewegung einen steigenden Widerstand entgegenstellt, arbeitet progressiv. Realisierbar durch entsprechende Federn, eine Umlenkung oder eine wegabhängige Dämpfung.

Zugstufendämpfung
Bremst das Ausfedern. Ist sie zu stark, bleibt das Motorrad zu lange eingefedert und kann die nächste Welle nicht mehr dämpfen. Ist sie zu schwach, federt das Motorrad zu schnell aus und wird unruhig.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote