Touratech FSAD-Fahrwerk gegen Chattering Hightech beruhigt nervöse Federgabeln

Touratech forscht an einer technischen Lösung, um das gefürchtete Gabel-Chattering bei Renn- und Straßenmotorrädern abzustellen. PS durfte einen Prototyp der FSAD-Technik auf einer BMW S 1000 RR in Almería testen.

Auf der Rennstrecke in Almeria trafen wir Stefan Nebel und Lars Würdemann. Die beiden sorgten beim PS-TunerGP 2016 mit der Touratech-BMW S 1000 RR für das schnellste Superbike. Doch diesmal stieg der Ex-IDM-Superbikemeister Nebel auf eine Panigale, während uns Lars Würdemann von der Testarbeit berichtete. Eine komplett neue Gabel entwickelt das Fahrwerks­team von Touratech, „mit integriertem FSAD“, so Würdemann. FSAD? „Frequency Sensitive Active Damper“, erklärt er. Dabei geht es darum, der Gabel die Kompromisslösung für die ungefederten und gefederten Massen abzunehmen, damit sie sich gemeinsam mit dem Federbein nur noch um die Chassisbewegung kümmern muss. Ein zweites System, eben das FSAD, übernimmt dafür die Radbewegung und arbeitet aktiv gegen nicht gefederte Massenbewegungen. Einfacher ausgedrückt: Die Auflagefläche des Reifens soll in allen Fahrsituationen möglichst immer gleich bleiben.

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Gabel fühlte sich einfach knackiger an

Hintergrund: Bisher war man der Eigendämpfung des Reifens weitestgehend ausgeliefert. Stürmt man etwa über eine kurze Bodenwelle, arbeitet neben dem Fahrwerk auch der Reifen selbst. Die Karkasse wird auf der Bodenwelle zusammengedrückt, federt dann aber schnell wieder aus. Dieses Phänomen wiederholt sich in abnehmender Stärke so lange, bis die Karkasse „ausgewippt“ hat. Das gleiche passiert auf der Bremse und bei anderen Lastwechseln im Motorrad. Leider hat dieser Effekt den Nachteil, dass sich das Motorrad gerade im Grenzbereich damit nicht besonders gut anfühlt oder es sogar zum gefürchteten Chattering kommt, einem hochfrequenten Rattern in der Gabel.

So weit, so gut, aber wie ist dem beizukommen? Dazu überließ uns das Team dann eine BMW, an der das FSAD – zwei schwarze Metallröhren – jeweils noch separat an beiden Gabelholmen befestigt war (sieht aus wie eine Gasdruck-gedämpfte Gabel), und ließ uns einige Runden drehen. Nicht nur das Touratech-Fahrwerk machte einen sehr guten Eindruck. Irgendwie fühlte sich die Gabel einfach „knackiger“ an, besonders im Vergleich zu unserer Serien-BMW. Nach einem kurzen Boxenstopp montierte Würdemann die FSAD-Teile ab und wir drehten weitere Runden.

Ein Gewicht arbeitet gegen die Federbewegung

Jetzt wurde offensichtlich, dass sich die Front zumindest in Nuancen unpräziser anfühlte und Vertrauen kostete. Besonders in einer Linkskurve, um deren Scheitelpunkt die ansonsten tadellose Strecke einen Asphaltflicken hatte, tippelte die Front fein seitlich weg. Und auch am Ende der langen Geraden mit dem heftigen Bergaufbremser und der sofort folgenden engen Rechts ging dieses feine Gefühl von vorher flöten.

Eric Lindemann, der das FSAD als Mastermind mit seiner Firma Tractive Suspension mit Touratech entwickelt hat, erklärt uns anschließend knapp die Funktionsweise. Details will er uns dabei nicht offenbaren, da das ganze Patentverfahren noch läuft, aber im Prinzip arbeitet in dem Metallgehäuse ein bewegliches Gewicht immer gegen die Federbewegung des Reifens. Dabei entstehen riesige Kräfte (Newtonsches Gesetz), was offenbar funktioniert.

Da moderne Gabeln mittlerweile die Dämpfung in einem Holm unterbringen, soll das FSAD künftig im freien Holm platziert werden, und genau daran arbeiten Lindemann, Nebel und Würdemann mit der Panigale. Das System wäre so noch besser, da die Dämpfungsachse bei beiden Systemen dann exakt gleich ist. Dürfen wir mal die Ducati fahren? „Noch nicht“, lacht die Truppe. Bis zum TunerGP im Mai soll sie aber einsatzbereit sein. „Und auf dem holprigen Belag in der Lausitz werdet ihr staunen“, freut sich Nebel. Da sind wir jetzt natürlich mega-gespannt.

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