Gebraucht-Check: BMW BMW Gebrauchtberatung: F 800
Ein Lehrstück in fünf Akten: Wie aus einem Fehlstart ein Erfolg wird. Warum Reihe wie Boxer klingt. Was das Klonk bewirkte. Warum 650 eigentlich 800 sind. Wie es sich ohne Tele-, Duo- oder Paralever lebt. MOTORRAD erklärt, worauf Sie beim Kauf eine gebrauchten BMW-Rennmaschine achten sollten.
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BMW F 800 S, BMW F 800 ST
Einfach gut: Die F 800 verzichtet auf den sonst bei BMW üblichen Fahrwerks-Schnickschnack – und ist trotzdem flott.
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Wir haben den Boxer für die Traditionalisten und den Einzylinder für die Frauen der Traditionalisten. Und wir haben die K-Modelle für alle Vierzylinder-Fans mit Japaner-Phobie - fehlt uns noch irgendetwas?"
Die BMW-Verantwortlichen mussten nicht lange überlegen: "Uns fehlt die typische Mittelklasse!" Als Reaktion auf diese Erkenntnis präsentierten die Bayern 2006 mit der anfangs nur zweiteiligen F-800-Kollektion die vierte Modellreihe ihres Baukastens. Die halbnackte S und ihre unverständlicherweise erst ein paar Monate später nachgeschobene Tourenschwester ST machten gar keinen Hehl daraus, dass ihre Produktion deutlich günstiger als die der Boxer sein musste. Zwei schmucklose Aluprofile als Rahmen, Zahnriemen statt Kardan, Telegabel statt Telelever, ein direkt angelenktes Federbein und damit keinerlei Fahrwerks-Schnickschnack sowie ein - zumindest äußerlich - recht simpler Reihenzweizylinder, der von Rotax in Österreich gefertigt wurde - hübsch war anders.
Doch die pragmatischen Schwestern überzeugten von Anfang an mit Fahrstabilität, geringem Verbrauch, prima Gasannahme, viel Kraft im unteren und mittleren Drehzahlbereich und einem höchst erfreulichen Sound.
Sanfter Charakter: Bessere Gasannahme, geringere Lastwechsel – die F 650 GS ist für manchen die bessere F-Wahl.
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Der in seinem Inneren ganz und gar nicht so simple Twin (Stichwort "Hilfspleuel") klingt so kernig wie seine Boxer-Schwestern, mit denen er als Gleichläufer auch technisch eng verwandt ist. Es hätte also der Beginn einer wunderbaren Mittelklasse-Karriere werden können. Wurde es aber nicht; denn zum Boxer-Sound gesellten sich fiese Nebengeräusche: Die F klonkte, krachte und klackerte. Beim Schalten, beim Lastwechsel, im Schiebebetrieb - eigentlich immer. BMW bekam das Problem Anfang 2007 in den Griff, doch die F 800, besonders in der etwas unbequemeren S-Ausführung, blieb erst einmal beim Händler stehen. Der deutlich menschenfreundlicheren ST gelang es in der Folge durchaus, einen aus gesetzteren und ruhigeren Charakteren bestehenden Fan-Kreis um sich zu scharen, doch erst im Frühjahr 2008 zündete das Thema F 800 richtig: Die mit neuem Rahmen und überarbeitetem Motor antretende F 800 GS und ihre Schwester F 650 GS stürmten die Zulassungs-Charts.
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Mit dem Single gleichen Namens hat die 650er nichts gemein. Ihr Hubraum beträgt wie bei der F 800 GS 798 cm³, aber aus marketingtechnischen Überlegungen ("Vielleicht trauen sich Anfänger nicht auf eine 800er") kam es bei der einfacher ausgestatteten und mit 71 statt 85 PS schwächeren GS zum Namens-Wirrwarr. Der Zirkus war aber vermutlich nicht so falsch: Die F 650 GS ist der bestverkaufte F-Twin. Diesen Rang wird ihr aber wohl die genial handliche und dabei schicke F 800 R ablaufen. Der 87 PS starke Feger geht neu und gebraucht weg wie warme Semmeln.