Gebrauchtberatung: Yamaha FZS 1000 Fazer, FZ1 Fazer, FZ1 Gebrauchte Yamaha Fazer richtig kaufen
Seit es die Fazer gibt, ist eins klar: Die Kombination aus dynamischem Antrieb und aktivem Fahrwerk mit langstreckentauglicher Sitzposition und hoher Alltagstauglichkeit ist machbar. Und der Techno-Style gibt dem ganzen die passende Form.
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Dynamischer Antrieb und aktivesFahrwerk mit langstreckentauglicher Sitzposition - das sind die Tugenden der Yamaha Fazer.
Foto: Archiv
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Es ist noch gar nicht so lange her, da war die Vierzylinderwelt in der großen Klasse noch in klare Lager geteilt: Wer aktuelle Motorentechnik, stabile Fahrwerke und moderne Fahrwerks- und Bremstechnik sein Eigen nennen wollte, kam an einem reinrassigen Supersportler nicht vorbei. Verfechter des aufrechten Sitzens und Freunde des Fahrens zu zweit mussten sich mit Naked-oder Retrobikes vom Schlage einer Suzuki Bandit 1200, Kawasaki ZRX 1100/1200 oder Yamaha XJR 1300 begnügen. Zweifellos auch nette Motorräder, aber nicht eben Speerspitzen der Zweiradtechnik.
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Sowohl reisende Sportler als auch sportliche Reisende fühlen sich auf der ersten Fazer wie zu Hause.
Foto: Markus Jahn
Das änderte sich 2001 mit Erscheinen der FZS 1000, bekannter unter ihrem Beinamen Fazer. Das Konzept würde man heute als Crossover bezeichnen, das Vermischen verschiedener Konzepte zu einem neuen. Vom Sportler R1 stammen neben dem für mehr Biss in der Mitte leicht gedrosselten Motor auch die zu Recht als eine der besten geltende Bremse mit den beinahe schon legendären einteiligen Bremssätteln. Auch das Konzept, von der straffen Seite des voll einstellbaren Fahrwerks Straßenlage und Komfort zu verbinden, stammt vom Sportler. Diese Umsetzung gelang allerdings da noch nicht so gut wie der Antrieb. Bereits 2003 wurde die Gabel überarbeitet und auch am hinteren Federbein sehen die Fans Handlungsbedarf. Beliebt sind umgebaute Serienfederbeine (z. B. von FRS Racing) oder der Umbau auf Wilbers oder Öhlins. Auf der sporttouristischen Seite gibt es wenig zu mäkeln.
Die Unterbringung des Piloten ist aufrecht genug für lange Strecken, aber auch ausreichend dynamisch für den Fast-Forward-Modus. Der Sozius hat es nicht ganz so gut: kleines Polster, hohe Rasten. Dafür leidet der Fahrer unter dem Lärm der Verkleidungsscheibe. Abhilfe schaffen Zubehörscheiben, zum Beispiel von MRA. Über die gesamte Bauzeit wurde an der Fazer wenig geändert: 2003 modifizierte man die Gabelabstimmung und der Lichtschalter fiel weg, 2005 gab es einen U-Kat zwecks Einhaltung der Euro-2-Norm.
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Ebenso wenig wie Yamaha sieht ein Großteil der Fans Grund zum Schrauben. In der Regel beschränken sich die Umbauten neben der erwähnten Fahrwerksmodifikation auf eine Heckhöherlegung (z.B. von www.bikefarmmv.de) für leichteres Handling und andere Auspuffe.
Ein Vergleichstest im Schwesterblatt MOTORRAD, Ausgabe 14/2002, zeigte jedoch, dass in puncto legaler Leistung am Serientopf kein Weg vorbei führt. Mechanisch ist der Reisesportler absolut solide, wie ein Dauertest über 63000 Kilometer in PS 2/2003 zeigte.
Selbst bei tiefen Einblicken in das entsprechende Forum (www.fazerforum.eu) tun sich keine Abgründe auf. Neben gelegentlichen Synchronisationsproblemen der Vergaser sowie ausgeschlagenen Buchsen des EXUP-Systems ist die Ventilspielkontrolle ein Thema. Laut Yamaha ist die bei 40000 Kilometer fällig, weswegen diese Inspektion recht teuer ist. Interessenten entsprechender Exemplare sollten darauf achten, dass diese Inspektion erfolgt ist. In der Praxis ist die Kontrolle aber schon früher sinnvoll, weil mitunter nötig.
Typ RN 0L4
Trotz Drosselung ist der Ex-R1-Antrieb ein echter Racer geblieben. Unten unwillig, in der Mitte mau, aber obenrum ab 7000/min .brennt er ein Feuerwerk ab, das bis 11500 anhält
Foto: Markus Jahn
Als 2006 der Nachfolger der durchaus erfolgreichen FZS 1000 vorgestellt wurde, waren die Erwartungen hoch, schließlich war das Konzept dasselbe: Leicht gedrosselter R1-Motor, geile Bremse, gutes Fahrwerk. Und das Ganze sogar in zwei Versionen: mit und ohne Halbschale. Um es gleich vorwegzunehmen, das mit der Bremse hat funktioniert.
Brachiale Wirkung, klarer Druckpunkt und hohe Transparenz waren schon immer die Markenzeichen der Bremsanlagen mit den berühmten einteiligen Bremssätteln. Und das ab 2007 in der Fazer und ab 2008 auch bei der nackten FZ1 serienmäßige ABS macht seine Sache bis auf eine latent vorhandene Überschlagsneigung auf griffigem Untergrund auch sehr ordentlich.
Am Fahrwerk und der Ergonomie scheiden sich die Geister. Zwar sind die beiden ungleichen Schwestern für den flotten Ausritt straff genug gefedert und gedämpft, doch setzen die weit vorne und oben liegenden Fußrasten dem sportlich-schrägen Treiben schraddelnderweise recht früh ein Ende. Hinter dem kaum gekröpften Lenker sitzt der Pilot mehr in als auf dem Bike, wobei er auf der Fazer neben taghellem Licht auch einen guten Windschutz genießt. Neben der Verkleidung hat die bei Markteinführung 600 Euro teurere Fazer ihrer hüllenlosen Schwester den Hauptständer, Soziushaltegriffe und ein besser gepolstertes Soziuskissen voraus.
Beiden wiederum gemein ist bis heute die unglückliche Motor- und Getriebeabstimmung. Mittels niedrigerer Verdichtung (11,5:1 statt 12,4:1 bei der R1), zahmeren Steuerzeiten mit weniger Ventilhub und einer 2,45 Kilogramm schwereren Kurbelwelle, sollte dem Ex-Sportler mehr Punch untenrum anerzogen werden. Was gründlich misslang. Obendrein ist neben dem ersten Gang auch die Gesamtübersetzung ziemlich lang geraten, was in Kombination mit der Unten-nix-in-der-Mitte-etwas-und-oben-alles-Leistungsabgabe und der zumindest im ersten Modelljahr ruppigen und verzögerten Gasannahme zu einem wenig souveränen Auftritt führt.
Es überrascht daher kaum, dass dieser Problematik entsprechend viel Aufmerksamkeit gewidmet wird. Kleinere Ritzel mit 16 oder gar 15 Zähnen z. B. von Enuma (www.enuma.de) sollen dem Durchzug auf die Sprünge helfen und mit Power Commandern oder ähnlichen Eingriffen ins Mapping wird versucht, die Gasannahme zu verbessern. Mit unterschiedlichem Erfolg - und auch nicht wirklich legal.
Was für die R1 gut ist, muss für die FZ1 nicht schlecht sein, dachte Dominik Klein und hauchte ihr 183 PS ein.
Foto: Markus Jahn
Yamaha-Händler Dominik Klein (www.yamaha-klein.de) geht das Problem mit der ihm eigenen Konsequenz an. Am Ende seiner Bemühungen liegen echte 183 PS an, leider ist das Ganze nicht mehr zulassungsfähig (siehe PS 10/2010). Ungeachtet der eigenwilligen Abstimmung, die die 1000er in Vergleichstests meist die hinteren Ränge belegen ließ, brachte Yamaha in Deutschland bis dato fast 8000 Einheiten unters Volk, wobei nicht einmal der Importeur sagen kann, wie die Verteilung aussieht. Anhand der Gebraucht-Offerten im Internet scheint die verkleidete Fazer mit etwa 60 Prozent leicht im Vorteil zu sein.
Zum Modelljahr 2007 gab es nach offizieller Auskunft die einzigen technischen Modifikationen des Streetfighters.
Neben dem erstmals wahlweise erhältlichen ABS und einer verbesserten Fahrwerksabstimmung mit einer weicheren Feder hinten änderte sich laut Yamaha-Deutschland nichts. Auch beim Mapping der Einspritzsoftware soll alles beim Alten geblieben sein. Verwunderlich ist nur, dass sich die Ersatzteilnummer des Steuergeräts geändert hat, und die Gasannahme sich ab 2007 deutlich weniger ruppig, wenngleich längst nicht samtweich gestaltet. In den weiteren Jahren wurden nur die Farben geändert.
Das Schwesterblatt MOTORRAD widmete sich in Heft 9/2008 ausführlich den Schwächen der Yamaha und kam dabei unter anderem zu den Ergebnissen, dass das Fahrverhalten mit Pneus wie dem Metzeler Sportec M3 oder dem Michelin Pilot Power sportlichen Piloten entgegen kommt. Und mit Dämpfern von Akrapovic oder Bos stieg die Leistung um fünf bzw. sechs PS.
Fazit: Mechanische Probleme sind bei der FZ1 bzw. Fazer unbekannt, und der Gebrauchtinteressent kann unter einem großen Angebot wählen. Die Nackte wird gerne auffällig gepimpt (Auspuff, Heck, Miniblinker, Lenker, etc), was nicht immer den Vorschriften der StVZO entspricht, während sich bei der Fazer gelegentlich sogar ein Topcase ans Heck verirrt. Generell gilt: Wer mit der Yamaha glücklich werden will, muss sich auf sie einlassen, am besten mit dem Motto: Leben und drehen lassen.