13.12.2011 Von: Volkmar Jacob
Erschienen in: 03/ 2011 PS

Yamahas Supersportler als Gebrauchte Gebrauchte Yamaha YZF-R1 von 2004 bis 2010

Yamahas YZF-R1 Supersortler begeisterte Sportfahrer schon immer mit ihrem aggressiven Look und dem scharfen Sound. Wie gut ist sie noch als Gebrauchte?
In diesem Artikel: Yamaha YZF-R1

Yamaha YZF-R1 2007 2009

Die Yamaha YZF-R1 aus den Jahren 2007 und 2009.  

Foto: Bilski  

Den Motor der R1 kriegst du kaum kaputt, schon gar nicht auf der Landstraße“, ist Rainer Tschauder von der Tuningschmiede TTSL überzeugt. Weitere R1-Spezialisten stimmen zu. Damit schließt das Yamaha-Superbike zu den anderen japanischen Second-Hand-Tausendern auf, denen wir in den zurückliegenden drei PS-Ausgaben eine hohe Zuverlässigkeit bescheinigen konnten. Wie in den Gebrauchtberatungen zuvor konzentrieren wir uns auf die Modelle der vergangenen sechs bis sieben Jahre. Bei der R1 ist das der Typ RN 12, den Yamaha von 2004 bis 2006 produzierte, die RN 19 von 2007 und 2008 sowie der aktuelle Brenner RN 22, der seit 2009 im Revier wildert.

Außer Zuverlässigkeit haben diese Bau-reihen aber noch weitere Quali-täten. Ihre Top-Verarbeitung beispielsweise und die hochwertige Anmutung, die sich quer durch sämtliche Modellreihen zieht und dank der sich die R1 wohltuend von den anderen japanischen Superbikes abhebt. Auch das aggressive Design und der knurrige Sound machen die Yam zum Objekt der Begierde. „Die R1 blieb sich von Anfang an treu“, schwärmt Stefan Wahl vom Motorradhaus Motorcorner in Schwaben und fügt hinzu: „Dafür verehren sie ihre Fans.“ Für die aktuelle Version gilt das mit Einschränkung, denn angesichts ihrer breiten Scheinwerferfront und der eckigen, kurzen aber vor allem dicken Auspufftöpfe wirkt sie pummeliger als ihre älteren Schwestern. Das löste in der Szene allenfalls verhaltenen Beifall aus. Dafür brilliert sie mit inneren Werten - doch dazu kommen wir noch.

Modell 2004-2006

Die RN 12 räumte in ihrem Premierenjahr gnadenlos ab. Mit 3499 verkauften Einheiten überflügelte sie die Konkurrenz klar; kein anderer Hersteller verkaufte so viele Superbikes wie Yamaha. Dass die Yam nie einen Vergleichstest gewinnen konnte, kümmerte ihre Fans nicht; schließlich lag sie immer nur wenige Punkte hinter der Spitze. Geringfügige Modifikationen schließen die Lücke: Knackige ABE-Bremsbeläge aus dem Zubehörhandel verbessern Wirkung und Dosierung der mitunter etwas zahnlosen Stopper (Empfehlungen: AP Racing, Typ LMP 234 F für 29,50 Euro je Bremssattel; Brembo, Typ 07 YA 23 SA für 38,50 Euro; Lucas, Typ MCB 611 SV für 35,95 Euro je Sattel).

Hinter der Verkleidungsscheibe von Puig (Typ „Bubble“, 72 Euro) herrscht im Gegensatz zum Original nahezu Windstille. Viele Sportfahrer spendieren ihrem Schätzchen auch Auspufftöpfe, die als Slip-on-Anlage auf die originalen Krümmer gesteckt werden. Sie taugen weniger zur Leistungssteigerung, verleihen dem Bike aber eine individuelle Note. Von sechs getesteten Anlagen überzeugten PS anno 2004 die leichte Akrapovic „SP Series“ für 900 Euro; die „Slip-on oval“ von Bos - die zwar schwerer ist als die Originalanlage, dafür aber zwei PS mehr Spitzenleistung und eine etwas fülligere Drehzahlmitte generiert (929 Euro) - sowie die ebenfalls recht schwere, aber günstige Remus „Revolution GP Alu“ für 724 Euro. Wir testeten die Anlagen mit dem serienmäßigen, mit einem Kat bestückten Verbindungsrohr zwischen Krümmer und Endtöpfen.

Immer wieder gab der spürbare Leistungseinbruch bei mittleren Drehzahlen Anlass zur Kritik. Legal lässt sich die Leistungsdelle nicht beseitigen; fürs Rennstreckenballern empfehlen Tuner längere Ansaugtrichter, einen Racing-Auspuff und ein auf dieses Paket abgestimmtes Motormanagement, beispielsweise über einen Power-Commander. Für die Renne braucht die R1 auch stärker gedämpfte Federelemente. Zwar sprechen Gabel und Federbein hervorragend an, ihre Reserven genügen aber lediglich für öffentliches Gefilde. Mit einem Umbau, etwa von HH-Racetec (zirka 420 Euro), bietet die Seriengabel große Dämpfungsreserven und arbeitet sehr sensibel. Am Heck überzeugte das voll einstellbare Federbein von Öhlins (YA343) für 1325 Euro. Auch ein strafferer Lenkungsdämpfer ist auf der Piste Pflicht: Öhlins, Wilbers und WP Suspension führen gute Kickback-Killer. Stellvertretend für die riesige Auswahl an sportlichen Fußrasten stehen die Rizoma, Typ PE 111 B, für 429 Euro und die Lucas, Typ MCF 168 RAC, für 360 Euro. Wer seine RN 12 oder RN 19 ausschließlich für den Rennstreckengebrauch umrüsten möchte, findet spezielle Tipps dazu in PS 4/2008.

Der einzige R1-Rückruf betraf die Modelle 2004 und 2005 (Rahmennummern JYARN 1210000301 bis JYARN 1210026627). Ein schadhafter Drosselklappensensor führte bei einigen Maschinen zu Motoraussetzern. Interessenten sollten bei diesen Baureihen checken, ob die Umrüstaktion durchgeführt wurde.

Die ausgereifteste RN 12 stammt von 2006. Zahlreiche Modifikationen an Motor und Chassis machen sie zu einer erstklassigen Begleiterin. Damit künftige R1-Treiber nur einwandfreie Bikes abgreifen, warnt der saarländische Yamaha-Händler Dominik Klein vor R1-Billig-angeboten: „Finger weg von scheinbar günstigen italienischen Maschinen; vom Stiefel kommt viel Schrott, der in Deutschland oberflächlich aufbereitet wird“.

Bremsen Yamaha R1

Selbst auf der Rennstrecke brauchen nur wahre Tiere auf der Bremse schärfere Beläge.  

Foto: Bilski  

Modell 2007/2008

„Beste R1 ever!“; Frank Krekeler von SKM ist von der RN 19 überzeugt. Als Tuner freut er sich über die Standfestigkeit des Triebwerks ebenso wie über die guten Möglichkeiten zur Feinbearbeitung des Vierventil-Zylinderkopfs. Außerdem wirken sich die zahlreichen Änderungen an der Motorperipherie sowie am gesamten Fahrwerk positiv auf die Performance aus - für die Landstraße ein nahezu perfekter Renner. Wenn nur nicht wieder diese Leistungsdelle bei mittleren Drehzahlen wäre...

Ein Dauertest über 50 000 Kilometer von MOTORRAD attestiert dem Bike kerngesunde Innereien. Ausnahmen: Die Auslass-Ventilführungen weiteten sich konisch, und das Spiel einiger Ventilschäfte war nicht maßhaltig. In der Einbautoleranz lag dagegen das Spiel der Pleuel- und der Kurbelwellen-Haupt-lager. Sie verunzierten aber teils deutliche Laufspuren. Wer oft mit fünfstelligen Drehzahlen unterwegs ist (Rennstrecke) oder deutlichen Leistungsverlust und/oder erhöhten Ölverbrauch feststellt, sollte das Aggregat untersuchen lassen. Für alle anderen gilt: fahren, genießen, freuen.

Als nützlich für den Alltag erwies sich die Racing-Verkleidungsscheibe von MRA (79,90 Euro). Weiteres Zubehör braucht der RN 19-Pilot nur für die Rennstrecke: Gabel-umbau, Federbein, Lenkungsdämpfer, Fußrasten, gegebenen-falls Racing-Beläge.

Modell ab 2009

Endlich hat die R1 auch in der ersten Drehzahlhälfte genug Punch. Ein komplett neuer Motor und eine kürzere Übersetzung machen’s möglich. Damit presst die RN 22 erstklassige Durchzugswerte auf den Asphalt und liegt gleichauf mit den kräftigsten Superbikes. Und dank des für Reihenvierzylinder unüblichen 90-Grad-Kurbelwellenversatzes blubbert die aktuelle Yam einen klasse V4-Sound in die Landschaft.

Erstmals seit langem entschied sie wieder Vergleichstests für sich (PS 8/2009 und 3/2010). Außer des fehlenden ABS kennt sie auf der Landstraße nur zwei Schwächen: die Serienbereifung (Michelin Power Pure) und die hohen Kühlwassertemperaturen. Michelin reagierte auf die Kritik und homologierte den bewährten Pilot Power für die RN 22. Für thermische Stabilität sorgt ein Zusatzkühler, der an das Serienteil angeschraubt wird. „Das macht nur auf der Rennstrecke Sinn, für den normalen Gebrauch genügt die serienmäßige Kühlleistung“, erklärt Klein. Wer die jeweiligen Ratschläge befolgt, findet genügend attraktive Angebote. Und wird mit jedem der drei Modelle happy - Hand drauf!


WEITER ZU SEITE 2: Technische Daten (RN 12)

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