14.07.2011 Von: Uli Holzwarth
Erschienen in: 06/ 2011 MOTORRAD CLASSIC

Kaufberatung: Youngtimer-Motorräder Motorrad-Youngtimer bis 1000 Euro richtig kaufen

Billig kaufen und dann teuer reparieren? Keine gute Taktik. Mit der richtigen Strategie und ein wenig Glück findet man dagegen selbst für kleines Geld gepflegte, alltagstaugliche Youngtimer-Motorräder.
In diesem Artikel: Honda CB 450Honda CX 500Suzuki DR 600 S/R/DakarMZ ETZ 125/150Yamaha FJ 1200Suzuki GSX 750Moto Guzzi V 35/50/65Honda XBR 500Yamaha XS 400

Kaufberatung-Youngtimer Honda XBR 500 S

Kaufberatung für Youngtimer-Motorräder bis 1000 Euro.  

Foto: Holzwarth  

Machen wir uns nichts vor: Die Suche nach den Perlen im Ölsumpf des Youngtimer-Markts ist eher etwas für Hartgesottene, die sich von Pleiten, Pech und Pannen nicht abschrecken lassen.

Gebrauchtgarantien oder Händlergewährleistung? Gibt es in der 1000-Euro-Liga nicht. Dafür mangelt es häufig nicht an Mängeln, offensichtlichen wie versteckten. Der siebte oder achte Halter einer Maschine hat mit Pflege und Wartung erfahrungsgemäß halt nicht mehr viel am Hut. Mitunter auch nicht mit der Wahrheit: Frust und Enttäuschungen wegen geschönter Annoncen gehören zum Alltag bei der Suche nach Low-Budget-Bikes.

Das schreckt Sie nicht ab? Prima, dann kann die Suche ja beginnen. Denn die Chancen, im riesigen Angebot der untersten Preiskategorie einen gut erhaltenen Youngtimer zu finden, stehen eigentlich gar nicht so schlecht. Vorausgesetzt, man beachtet einige Regeln, bewahrt kühlen Kopf und handelt mit gesundem Menschenverstand. Dafür braucht es aber Zeit. Und viel Wissen.

Also erst mal alle Informationen sammeln, die man über die in Frage kommenden Motorräder bekommen kann. Egal, ob beim Händler um die Ecke oder in den einschlägigen Internetforen. Dabei nicht auf ein bestimmtes Modell oder Ausstattung versteifen, sondern auch Alternativen in Betracht ziehen. Besonders, wenn ein guter Gesamtzustand und eine nachvollziehbare Historie dafür sprechen. Außerdem verlängert die selbst auferlegte Beschränkung auf nur einen Motorrad-Typ die Suche mitunter erheblich, zudem setzt man sich unnötig unter Druck.

Mit dem Schrauber-Talent ist es nicht so weit her? Dann kommen vorzugsweise Modelle in Frage, die für ihre robuste Mechanik und Zuverlässigkeit bekannt sind. Exoten, übrigens auch die aus japanischer Fertigung, sind in dieser Preisklasse nur zweite Wahl, weil Ersatz- oder Gebrauchtteile bei den einst wenig gefragten Bikes inzwischen zur (teuren) Mangelware zählen.

Vorsicht auch bei gedrosselten Motorrädern, insbesondere jenen mit 27 PS. Viele dieser 80er-Jahre-Modelle wurden nämlich mit einem hohen technischen Aufwand zugestopft, um sie in der damals populären Einsteigerklasse anbieten zu können. Ein Aufwand, der sich heutzutage rächt, weil das Entkorken selbst mit Gebrauchtteilen den wirtschaftlich vertretbaren Rahmen bei weitem sprengt. Bei einer Honda VT 500 E werden hierzu beispielsweise andere Nockenwellen, Krümmer und Vergaser benötigt - jeweils im Doppelpack, versteht sich.

Für die Recherche empfiehlt sich zunächst eine freiwillige Selbstbeschränkung. Eine Besichtigung am anderen Ende der Republik macht bei 1000-Euro-Krädern erfahrungsgemäß keinen Sinn. Mal eben ein Viertel der geplanten Kaufsumme für Sprit verfeuern? Dafür ist das Risiko einer bösen Enttäuschung vor Ort einfach zu groß. Selbst wenn die (wenig aussagekräftigen) Fotos im Internet etwas anderes versprechen.

Darüber hinaus gilt es, schon beim Sichten der Anzeigen unseriöse Offerten auszusortieren. Formulierungen wie "TÜV kein Problem" oder "kleine Macke, die sich leicht beheben lässt", sind immer ein Grund für Argwohn: Wenn es tatsächlich so einfach wäre, hätte ein seriöser Anbieter dies längst erledigt. Außerdem: Ohne gültige Hauptuntersuchung scheitern Um- oder Anmeldung.

Oberstes Gebot beim Ortstermin: Vier Augen sehen mehr als zwei. Also nie alleine zu einer Besichtigung fahren. Und sich nicht unter Druck setzen lassen ("gleich kommen weitere Interessenten"). Sondern akribisch nach verschlissenen Teilen und verräterischen Standschäden fahnden (Rost im Tank, überalterte Reifen, spröde Gummis). Eine ausreichend lange Probefahrt ist natürlich Pflicht, ebenso ein schriftlicher Kaufvertrag. Bei Zweifeln heißt es: Finger weg, lieber dem Bauchgefühl vertrauen!

Dann geht die Suche eben weiter, die nächste Gelegenheit kommt bestimmt. Wohl dem, der dabei nicht in einen Rausch gerät. Schließlich ist gerade das Low-Budget-Segment das Revier der Jäger und Sammler. Da sollten wir uns nichts vormachen.


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