Aprilia ETV CapoNord

Ermuntert durch den seit 1998 andauernden Erfolg des Supersportlers RSV mille, begab sich der kleine Hersteller aus Noale im Jahr 2001 in die Höhle des Löwen – beziehungsweise in die Ecke des Boxers – und brachte mit der Caponord eine ausgewachsene Reiseenduro auf den Markt. Um der stark Bayern-affinen Kundschaft einen Kaufanreiz zu geben, ging Aprilia in die Vollen: Dem famosen und robusten 60-Grad-V2 wurde zugunsten eines fülligeren Drehmomentverlaufs mittels kleinerer Drosselklappen, anderer Kolben und Nockenwellen ein wenig Spitzenleistung genommen. Doch auch mit 98 PS steht die Caponord in ihrem Genre am oberen Ende der Powercharts. Das erstmalig bei einer Reiseenduro eingesetzte Aluminium-Fahrwerk hat mit der Leistung keine Schwierigkeiten. Die Bremsen stehen flotter Gangart aufgeschlossen gegenüber, allein die unsensible Gabel kann die Freude ein wenig trüben. Dafür lacht der Sozius, denn besser als hier sitzt er selten. Der Fahrer hingegen labt sich am auskunftsfreudigen Cockpit, kämpft jedoch mit Verwirbelungen hinter der hohen Cockpitscheibe.
Leider ging das innovative Konzept von Aprilia kommerziell nicht auf, gerade mal 1000 Exemplare Bestand vermeldet das Kraftfahrt-Bundesamt. Und so zeigen die Preisforderungen der Verkaufswilligen das Dilemma vieler Exoten: Einerseits will man das einst teure Stück nicht verschenken, andererseits gibt es gut abgestandene Neufahrzeuge bereits für unter 9000 Euro. Da die Caponord bis heute nur die Euro-2-Norm erfüllt, müssen die ver-bliebenen Bestände bis Ende des Jahres zwingend unters Volk. Mit steigenden Preisen ist nicht zu rechnen. Ab 2005 wurde die Caponord für 500 Euro Aufpreis mit ABS angeboten. Modellspezifische Schwachstellen sind nicht bekannt. Hinter der irreführenden Adresse www.katzeninformation.de/phpBB2/ (kein Witz!) verbirgt sich ein recht umfangreiches Forum für alle Freunde des charismatischen V2.

DATEN
(MOTORRAD 2/2005)
Motor
Wassergekühlter 60-Grad-V2-Motor, Kurbelwelle quer liegend, je zwei oben liegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Trockensumpfschmierung, Einspritzung, Ø 51 mm, Doppelzündung, G-Kat, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub97,0 x 67,5 mmHubraum998 cm3Nennleistung72 kW (98 PS) bei 8250/minMax. Drehmoment92 Nm bei 6500/min
Fahrwerk
Brückenrahmen aus Aluminium, Telegabel, Ø 50 mm, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 300 mm, Scheibenbremse hinten, Ø 270 mm. Reifen110/80 VR 19; 150/70 VR 17

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