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BMW K 1200 GT.

BMW K 1200 GT in der Gebrauchtberatung Zweirad-ICE

Lange genug hatten sich die Bayern auf ihrem ureigensten Terrain von gewissen Japanern provozieren lassen, doch 2006 war Schluss damit. BMW brachte den ultimativen Zweirad-ICE: die BMW K 1200 GT.

Wenn ein bärenstarker Vierzylinder mit einem auch bei über 200 km/h topstabilen Fahrwerk kombiniert wird und die ganze Sache auf besten Langstreckenkomfort für Fahrer und Sozius, ordentlich Platz fürs Gepäck sowie guten Wind- und Wetterschutz trifft, dann ist natürlich die Rede von – richtig geraten – einer Yamaha.

Genauer gesagt von der 144 PS starken Yamaha FJR 1300. Der hatte BMW anno 2001 nichts entgegenzusetzen, was umso ärgerlicher war, da doch dynamischer Reisekomfort quasi Grundbestandteil bajuwarischer Motorradbaukunst sein sollte. Ein Jahr nach dem FJR-Debüt schob BMW mit der auf Basis der alten K 1200 RS eher halbherzig zum Tourer aufgehübschten und „nur“ 130 PS leistenden BMW K 1200 GT etwas halbwegs Vergleichbares nach. Mit mäßigem Erfolg – die Yamaha blieb das Maß der Dinge.

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Neue BMW K 1200 GT 152 PS stark

Das ging so bis zur EICMA im Spätherbst 2005. Doch von da an war Schluss mit lustig: Ein komplett neuer Übertourer, der – ganz tolle Idee – den unveränderten Namen der traurigen Vorgängerin verpasst bekam, sollte fortan die an üppig motorisiertem Langstreckenkomfort interessierte Kundschaft bedienen. Komplett neu? Jein. Mit der Längsliegender-Ziegelstein-GT hatte die neue BMW K 1200 GT außer den Radgrößen nichts mehr gemein: 17 Prozent mehr Leistung, ein um elf Prozent höheres maximales Drehmoment, sechs Prozent weniger Masse, sogar 19 Prozent mehr Zuladung und eine um 17 Prozent erweiterte Reichweite waren die in Zahlen messbaren Auswirkungen.

Mit den seit 2005 im BMW-Programm zu findenden Schwestermodellen K 1200 S und K 1200 R herrschte dann aber doch eine ziemlich weitgehende Deckungsgleichheit. Neue Nockenwellen mit zahmeren Steuerzeiten und ein angepasstes Motormanagement sollten allerdings dafür sorgen, dass der Drehmomentverlauf noch etwas fülliger geriet. Das klappte hervorragend, denn auf Anhieb doste die 152 PS starke BMW K 1200 GT die direkte Konkurrenz kräftig ein.

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Foto: www.r-photography.info
BC heißt Bordcomputer.
BC heißt Bordcomputer.

In den ersten Vergleichstests mussten sich die Honda Pan European und auch die Yamaha FJR 1300 A geschlagen geben; im weiteren Verlauf hatte auch die neue Kawasaki 1400 GTR unterm Strich keine Chance. Das Warum mögen ein paar zeitgenössische Testzitate verdeutlichen. Kategorie Motor: „Die BMW K 1200 GT zieht im sechsten Gang besser durch als das übrige Testfeld im fünften.“ Kategorie Fahrwerk: „In neun von elf Fahrwerkskriterien fährt sie der Konkurrenz auf und davon. Sie ist die handlichste, lenkpräziseste und in Kurven wie auf der Autobahn die stabilste.“

Ein bärenstarker Motor, top Komfort und unbeirrbare Stabilität, auch mit voller Beladung und bei Höchstgeschwindigkeit – das waren die Pfunde, mit denen die K 1200 wuchern konnte. Nicht zufällig genau die Pluspunkte, die zuvor die FJR so erfolgreich gemacht hatten. Ein perfektes Motorrad war und ist die BMW K 1200 GT deshalb noch lange nicht. Das laute Getriebe, das zum Teil ruppige Lastwechselverhalten und die zwar brachial zupackenden, aber nicht übermäßig fein dosierbaren Bremsen stehen dem unter anderem im Wege. Ein Supertourer-Schnäppchentipp für Gebrauchtkäufer ist sie aber allemal.

Foto: www.r-photography.info
ESA-Fahrwerk, Heizgriffe und -sitze sowie Tempomat sind ebenfalls Sonderausstattungen.
ESA-Fahrwerk, Heizgriffe und -sitze sowie Tempomat sind ebenfalls Sonderausstattungen.

Modellpflege

2005:

  • Im November Vorstellung der BMW K 1200 GT auf der Motorradmesse EICMA in Mailand.

2006:

  • Markteinführung im März
  • Farben: Darkgraphitmetallic (Sitzbank Grau, Seitencover Granitgrau), Tiefblaumetallic (Sitzbank Schwarz, Seitencover Schieferfarben), Kristallgraumetallic (Sitzbank Schwarz, Seitencover Schieferfarben)
  • Grundpreis: 17.000 Euro (mit üblichen Extras knapp 19.000 Euro)

2007:

  • Keine Technik- bzw. Farbänderungen
  • Grundpreis: 17.440 Euro

2008:

  • Technische Änderung: Service-Anzeige im Multifunktionsdisplay, optionales Sicherheitspaket mit ASC und RDC, drei Sonderausstattungspakete lieferbar
  • Farbänderungen: Kristallgraumetallic entfällt, neu: Aventurinsilbermetallic
  • Grundpreis unverändert

2009:

  • Keine Technik- bzw. Farbänderungen
  • letztes Modelljahr
  • das Nachfolgemodell K 1300 GT steht bereits zum Verkauf
  • Grundpreis der BMW K 1200 GT: 17.800 Euro, Tageszulassungen mit Vollausstattung (z. T. aus 2007) werden schon ab 12.500 Euro angeboten

Verkaufszahlen:

  • In Deutschland 3316 Stück
  • weltweit 15.533 Stück.

Technische Aktionen:

  • 8/2006: Raddrehzahlsensor vorn ersetzt
  • 11/2006: Überprüfung Kabelverlegung zur Ringantenne
  • 1/2007: Austausch des Öltank-Verschlussdeckels
  • 2/ 2008: Bremsscheibenverschraubung vorn, Gewindestift Ölkanal nachgerüstet
  • 11/2010: Umlenkhebel am hinteren Federbein ersetzt
  • 6/2015: Radflansch erneuert
Foto: www.r-photography.info
Nahezu jedes GT-Cockpit ist mit dem (aufpreispflichtigen) Bordcomputer bestückt. Eine Fotozelle regelt die Instrumentenbeleuchtung.
Nahezu jedes GT-Cockpit ist mit dem (aufpreispflichtigen) Bordcomputer bestückt. Eine Fotozelle regelt die Instrumentenbeleuchtung.

Technische Daten BMW K 1200 GT

Technische Daten BMW K 1200 GT (K12S)
Modelljahr 2006
Motor
Zylinderzahl, Bauart 4 , Reihenmotor
Bohrung/Hub 79,0 / 59,0 mm
Hubraum 1157 cm³
Ventile pro Zylinder vier Ventile pro Zylinder
Verdichtung 13,0
Leistung 112,0 kW ( 152,3 PS ) bei 9500 /min
Max. Drehmoment 130 Nm
Zahl der Gänge Sechsganggetriebe
Hinterradantrieb Kardan
Fahrwerk, Räder, Bremsen
Rahmen Brückenrahmen
Federweg vorn/hinten 115 mm / 135 mm
Reifen 120/70 ZR 17 , 180/55 ZR 17
Bremse vorn/hinten 320 mm Vierkolben-Festsättel / 294 mm Doppelkolben-Schwimmsattel
ABS Ja
Maße und Gewichte
Radstand 1571 mm
Lenkkopfwinkel 60,6 °
Nachlauf 112 mm
Leergewicht vollgetankt 282 kg
Sitzhöhe k.A.
Zulässiges Gesamtgewicht 520 kg
Höchstgeschwindigkeit 252 km/h
Preis
Neupreis k.A.
Foto: BMW
Großflächige, für einen Tourer aber recht schmal geschnittene Verkleidung; Koffer und elektrisch verstellbarer Windschild serienmäßig.
Großflächige, für einen Tourer aber recht schmal geschnittene Verkleidung; Koffer und elektrisch verstellbarer Windschild serienmäßig.

Marktsituation

Gut sortiertes Angebot, es herrscht tendenziell eher ein Käufermarkt. Ab 6000 Euro geht es mit Privatangeboten los, die günstigsten Händler­offerten starten bei rund 6500 Euro.

6489 EUR

Beispiel: EZ 7/2006, 80.000 km, erster Hd.

Händler-Angebot aus Baden-Württemberg; Preis am unteren Limit aufgrund vieler Kilometer, dafür aber Komplettausstattung, aus erster Hand und sehr gepflegt.

ab 7000 Euro

Beispielanzeige: 33.000 km, EZ 4/2008, HU 4/2016, aus zweiter Hand, Schwarzmet., ESA, Xenon, Topcase, scheckheftgepfl., alle Rückrufe erledigt, 7750 Euro (Privatangebot aus Bayern).

Mittleres Preisniveau: Um 7000 Euro gibt es bereits einige gute Privatangebote gepflegter Maschinen, die Kilometerleis­tung liegt dann meist über 40.000. Zwischen 7500 und 8000 Euro herrscht die größte Auswahl, die Laufleistung beträgt dann 30.000 bis 50.000 Kilometer.

ab 8000 Euro

Beispielanzeige: 24.023 km, EZ 12/2007, HU neu, aus zweiter Hand, Blaumetallic, ESA, ASC, RDC, Xenon, Bordcomputer, Topcase, 8490 Euro (Vertragshändlerangebot aus Niedersachsen)

Hohes Preisniveau

8500 Euro sind die übliche Obergrenze, darüber gehen nur „fast Neue“ mit vierstelliger Kilometerleistung.

Foto: Herder
Karl Maier (58).
Karl Maier (58).

Interview mit BMW-Händler Karl Maier

MOTORRAD: Wer hat denn die BMW K 1200 GT neu gekauft?

Karl Maier: Da sind schon viele von Yamaha rübergekommen, von der FJR 1300, die gesagt haben: „Mit der Bucklerei, da hört’s mir schon langsam auf, wir wollen was G’scheites haben.“ Ein paar Ex-Pan-European-Fahrer waren auch dabei. Und natürlich bisherige K-Fahrer, da ist der BMW-Kunde ja sehr solidarisch. Eine Probefahrt genügte, da war die GT praktisch schon verkauft.

BMW: Und wer interessiert sich heute für eine gebrauchte BMW K 1200 GT?

Karl Maier: Leute in unserem Alter (Anm. d. R.: Der Interviewer ist 53 Jahre alt), die vom japanischen Vierzylinder kommen, mit dessen Sitzposition nicht mehr klarkommen und mehr Tourentauglichkeit haben wollen. Die sollten dann aber schon eine Höhe von 1,75 Meter aufwärts haben. Zu zweit mit beladenen Koffern und womöglich Topcase braucht’s dann schon ein gestandenes Mannsbild, dann gibt’s auch einen richtigen Fahrspaß.

MOTORRAD: Stichwort Extras: Ist dir jemals eine BMW K 1200 GT in Basisausstattung untergekommen?

Karl Maier: Eigentlich nicht. Beim Xenon hat zwar schon der ein oder andere gezuckt und wollte es nicht haben, aber ESA und ASC haben alle genommen. Einmal habe ich aber doch eine Gebrauchte ohne ESA reinbekommen – da warst dann schon dritter Sieger, und der Preis ist auch mindestens 1000 Euro untern normalen Verkaufspreis abgerutscht.

MOTORRAD: Wie lautet der ultimative Karl-Maier-K-1200-GT-Gebrauchtkauf-Schraubertipp?

Karl Maier: Unbedingt nach 60.000 Kilometern die Steuerkette tauschen lassen. Da gibt’s einen verbesserten Satz für 175 Euro, an Arbeitslohn kommt dann knapp das Gleiche dazu.

Bucheli Reparatur­anleitung Band 5276.
Bucheli Reparatur­anleitung Band 5276.

Weitere Infos

Tests in MOTORRAD:

  • 7/2006 (FB)
  • 10/2006 (TT)
  • 15/2006 (VT)
  • 17/2006 (VT)
  • 18/2006 (VT)
  • 13/2007 (VT)
  • 18/2007 (VT)

FB = Fahrbericht, TT =  Top-Test, VT  =  Vergleichstest; Artikel-Download unter www.motorradonline.de/ekiosk

    Internet:

    • Fansites: www.bmw-k-forum.de
    • Gebrauchtangebote: www.motorradonline.de/k1200gt_kaufen

    Literatur:

    Bucheli Reparaturanleitung Band 5276: BMW K 1200 S, K 1200 R, K 1200 R Sport, K 1200 GT, ab Modelljahr 2004, ISBN 978-3-7168-2095-7, 184 Seiten, 29,90 Euro; Tipps und Tricks, um u. a. Inspektionen selbst machen zu können; sehr ausführliche Infos zu Werkzeug, Füllmengen und Anziehdrehmomenten, für Hobbyschrauber gut geeignet.

    Foto: www.factstudio.de, jkuenstle.de
    Die Konkurrenz: Honda Pan European, Kawasaki 1400 GTR, Triumph Sprint ST und Yamaha FJR 1300 A.
    Die Konkurrenz: Honda Pan European, Kawasaki 1400 GTR, Triumph Sprint ST und Yamaha FJR 1300 A.

    Konkurrenz

    Honda Pan European

    • Vierzylinder-V-Motor
    • 1261 cm³
    • 127 PS
    • 329 kg
    • 0–100 km/h in 3,6 sek
    • Vmax: 225 km/h
    • Verbrauch 5,1 Liter
    • ab 4500 Euro

    Faszinierender Motor, erstklassiger Komfort für Fahrer und Sozius, ein Top-Tourer, kein Raser – Stichwort Pendeln.

    Triumph Sprint ST

    • Dreizylinder-Reihenmotor
    • 1050 cm³
    • 126 PS
    • 263 kg
    • 0–100 km/h in 3,5 sek
    • Vmax: 259 km/h
    • Verbrauch 5,7 Liter
    • ab 3200 Euro

    Mehr Sport- als Supertourer mit entsprechenden Komfort-Abstrichen, dafür leichter und mit eigenem Triple-Reiz.

    Kawasaki 1400 GTR

    • Vierzylinder-Reihenmotor
    • 1352 cm³
    • 155 PS
    • 313 kg
    • 0–100 km/h in 3,2 sek
    • Vmax: 255 km/h
    • Verbrauch 4,8 Liter
    • ab 6600 Euro

    Bärenstarker Hightech-Tourer mit laufruhigem ZZR 1400-Herz, kann der Konkurrenz aber nicht wirklich davonfahren.

    Yamaha FJR 1300 A

    • Vierzylinder-Reihenmotor
    • 1298 cm³
    • 144 PS
    • 305 kg
    • 0–100 km/h in 3,3 sek
    • Vmax: 245 km/h
    • Verbrauch 5,0 Liter
    • ab 4500 Euro

    Bewährter Klassiker, begründete ab 2001 die neue Klasse des sehr fahraktiven und trotzdem komfortablen Tourers.

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