BMW R 1150 RT

Wie die Buchstabenkombination LT bei den Vierzylindern steht RT bei der Boxer-Baureihe für das Topmodell. Auch wenn beim Boxer alles ein wenig kleiner und zierlicher ausfällt als beim Reihenvierer, so bleibt er doch eine imposante und optisch recht eigenwillige Erscheinung. Weswegen die RT polarisiert: Man liebt sie oder findet sie hässlich. Bekanntlich folgt aber die Form der Funktion, und die ist, was die Toureneigenschaften betrifft, über fast jeden Zweifel erhaben. Fahr- und Sitzkomfort vorn wie hinten sind tadellos, der Fahrersitz ist dreifach in der Höhe verstellbar. Und die Scheibenposition lässt sich sogar elektrisch verstellen.

Nicht nur beim Rangieren, sondern auch beim Fahren machen sich die rund 100 Kilogramm, die die RT weniger wiegt als die LT, positiv bemerkbar. Mit dem Boxer geht zügiges Reisen noch leichter von der Hand, auch wenn der unharmonische und ruppig zupackende Bremskraftverstärker eine lange Eingewöhnung erfordert. Für sich betrachtet ist der Boxermotor ein prima Tourertriebwerk, er läuft zumindest im unteren und mittleren Drehzahlbereich kultiviert und drehmomentstark, erst oben raus beginnt es zu kribbeln. Im direkten Vergleich mit den Antrieben einer LT, Pan European oder FJR wird allerdings deutlich, dass der Boxer mit 95 PS und 100 Nm in dieser Klasse am unteren Ende der Powerskala spielt. Und es reift die Erkenntnis, dass mit jedem Newtonmeter mehr und jedem Gangwechsel weniger die Souveränität steigt, besonders weil die lang übersetzte Sechsgangbox der R 1150 RT nicht gerade als Meilenstein ihrer Zunft gilt. Dessen ungeachtet erfreut sich die RT in Tourerkreisen größter Beliebtheit. Eine Tatsache, die sich auch in den hohen Gebrauchtpreisen widerspiegelt. Überhaupt kann die RT auf ähnlich treue Fans wie die Gold Wing oder E-Glide bauen, im entsprechenden Forum herrscht reger Betrieb.

Plus
Fahrwerk: handlich, stabil und zielgenau
Sitzbank: höhenverstellbar und langstreckentauglich
Ausstattung: gut, ABS und Koffer serienmäßig

Minus
Batterie: entlädt sich bei längerer Standzeit
Antrieb: starke Lastwechselreaktionen
Bremskraftverstärker: gewöhnungsbedürftig

Marktsituation
Das Angebot an Boxern ist deutlich größer als das der Vierzylinder und wird etwa hälftig von Händlern und privat gestellt. Gegenüber der LT bekommt man fürs gleiche Geld einen zwei Jahre jüngeren Boxer, für 7000 bis 10000 Euro also die Baujahre 2001 bis 2004. Richtige Vielfahrer sind auch hier in der Minderheit, Jahresfahrleistungen um 6000 Kilometer die Regel. Die meisten Angebote sind üppig mit Zubehör ausgestattet. Ausgemusterte Behördenmaschinen spielen in dieser Preiskategorie keine Rolle und fallen durch hohe Laufleistung sowie besondere Ausstattung (Einzelsitz, kleine Koffer et cetera) auf.

Technische Daten (Baujahr 1997)
Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor, 1130 cm³, 70 kW (95 PS) bei 7300/min, Gewicht 281 kg, Zuladung 214 kg, Tankinhalt 25 Liter, Sitzhöhe 805–845 mm, Höchstgeschwindigkeit 202 km/h, Verbrauch (Landstraße) 5,1 l/100 km, Super

Tests in MOTORRAD
7/2001 (FB), 5/2002 (KV), 14/2002 (VT), 24/2002 (TT), 18/2004 (KV)
FB=Fahrbericht, KV= Konzeptvergleich, VT=Vergleichstest, TT=Top-Test; Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229

Internet: Fansites: www.boxer-forum.de
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