Gebrauchtberatung: 125er-Motorräder Kleine Bikes, großer Spaß und das zu günstigen Preisen

Nein, das ist keine 1000er, die da fährt. Aber auch mit 15 PS und weniger kann Fahren richtig Spaß machen, und das gilt nicht nur für jugendliche Einsteiger. Das Beste am 125er-Spaß ist: Er muss nicht viel kosten.

Foto: jkuenstle.de

Hurra, es tut sich was! Auf dem 125er-Gebrauchtmarkt sowieso, doch dazu gleich. Zunächst mal ein ganz anderes Thema: der Führerschein. Ihr Youngster, passt gut auf, denn bald wird es richtig spannend. Mit dem Stichtag 19. Januar 2013 fällt die lästige 80-km/h-Begrenzung für Jugendliche, unabhängig vom Datum der Führerscheinerstellung. Auch 16-Jährige müssen dann mit ihren 125er-Maschinen, die maximal 15 PS leisten dürfen, nicht mehr erbärmlich hinter jedem Laster kleben. Reiter des im Bild oben gezeigten Bestsellers Yamaha YZF-R 125 können dann mit einem Topspeed von rund 120 km/h sogar längere Autobahnfahrten wagen. Endlich normal im Verkehr mitschwimmen, endlich erwachsen! Und nach zwei Jahren Leichtkraftrad (Führerschein A1) braucht man für den Erwerb des neuen A2-Führerscheins (Motorräder bis 48 PS) nur noch eine praktische Prüfung ablegen. Unterm Strich lohnen sich die „Lehrjahre“ auf der 125er also wieder mehr. Aber auch alle, die schon vor dem 1. April 1980 ihre Autopappe in der Hand hielten, dürfen ja mit 15 PS und 125 Kubik rumcruisen und - neu ab 2013 - nach bestandener Fahrprüfung auf ein 48-PS-Bike umsteigen. Auf motorisierten Zweirädern unerfahrenen oder untrainierten „Oldies“ sei allerdings angeraten, sich vor dem Umstieg aufs große Motorrad lieber selbst eine Probezeit zu verordnen. Tipp: jetzt günstige 125er besorgen (vielleicht sogar zusammen mit dem Nachwuchs), viel fahren, dabei viel Spaß haben und Sicherheit erlangen - dann erst umsteigen.

Nun zum Gebrauchtmarkt: Egal ob Jung oder Alt jeder findet was! Vor allem bei den Viertaktern wurde das -Secondhand-Angebot in den letzten Jahren erfreulich -belebt. Viele Zweitakter verabschieden sich indes vom Markt, weil sie mit ihren Abgas- und Verbrauchswerten einfach nicht mehr zeitgemäß sind. Zum Leid der Händler haben einige Hersteller die 125er-Entwicklung etwas verpennt (etwa Kawasaki und Suzuki), bieten nur wenig attraktive Modelle. Honda und Yamaha hingegen landeten mit ihren kleinen Sportbrummern CBR und YZF Volltreffer auf dem Verkaufsparkett.

Die Zweitakterriege muss sich jedoch noch nicht geschlagen geben, hat mit dem Altstar Aprilia RS 125 nach wie vor ein heißes Eisen im Feuer. Generell schaut der Motorradnachwuchs lieber auf Sportware, dazu zählen auch Supermotos und Enduros. Interessant, dass Anbieter von China-Ware wie etwa Kreidler, die häufig nur bei Rollerhändlern feilgeboten werden, auf diesen Zug aufspringen, offenbar mit einigem Erfolg. Fakt ist, dass ehemalige Exoten nun auch auf dem 125er-Gebrauchtmarkt als Neuwertbikes eine echte Alternative zu den etablierten Japan-Maschinen darstellen.

Welches Genre sich in den letzten Jahren hingegen fast schon unsichtbar machte, sind Chopper und Cruiser. Bei guter Pflege (nicht selten, da diese 125er gerne von älteren Herrschaften bewegt werden) empfehlen sie sich als prima Gebrauchte. Die Suche lohnt jedenfalls. In Zeiten von steigenden Benzinpreisen und zunehmender Parkplatznot in den Städten gewinnen auch bei volljährigen Fahrern sparsame und zuverlässige Allrounder vom Schlage einer Honda Varadero oder Yamaha YBR an Beliebtheit, denn Ersatzeile sind günstig und Versicherung und Steuer liegen zusammen unter 100 Euro. Hurra, das tut dem Geldbeutel nicht viel!

Anzeige
Foto: Archiv

Aprilia Rs 125

Den Preis für die Schönheitskönigin heimst die rassige Aprilia ein. Wertige und hübsche Ausstattungs- und Verarbeitungsdetails erfreuen an vielen Stellen das Auge: der polierte Rahmen, die feine Schwinge, Mamma mia, che bella! Italienisches Renn-Flair kommt auch beim Fahren auf. Zweitakter sind heutzutage zwar eigentlich nicht mehr zeitgemäß, doch was solls - Spaß macht so ein Giftzwerg nach wie vor, denn gegenüber Viertaktern ist das Ansprechverhalten spontaner. Die Bremsen packen formidabel zu, der steife Alu-Brückenrahmen und breite Reifenformate sorgen für eine satte Straßenlage, wenn am Hahn gezogen wird. Rennstrecken-Action möglich - logisch, dass dies beim Motorradnachwuchs gut ankommt. Einigermaßen gepflegte, nicht älter als fünf Jahre alte Exemplare mit nur einem Vorbesitzer werden allerdings selten unter 2500 Euro angeboten, und neben der Anschaffung sind auch die laufenden Kosten für dieses Sportgerät im Vergleich zu anderen 125ern für Sparfüchse eher abschreckend.

Plus

  • Fahrwerk supersportlich und sehr stabil;
  • Bremsleistung hervorragend;
  • Beschleunigung und Topspeed erstklassig


Minus

  • Alltagstauglichkeit sehr beschränkt;
  • Unterhaltskosten deutlich über Klassendurchschnitt (typisch für Zweitakter: insgesamt hoher Kraftstoff-Öl-Verbrauch)


Daten (Modelljahr 2008):
Wassergekühlter Einzylinder-Zweitaktmotor, 125 cm³, eine Ausgleichswelle, 11 kW (15 PS) bei 8500/min, 13 Nm bei 8000/min, Brückenrahmen aus Aluminium, Upside-down-Gabel, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Reifen 110/70 ZR 17, 150/60 ZR 17, Gewicht vollgetankt 141 kg, Zuladung 176 kg, Tank-inhalt/Reserve 14/3,5 Liter, Sitzhöhe 810 mm, Höchstgeschwindigkeit 118 km/h, Verbrauch 4,5 l/100 km (Landstraße), theor. Reichweite 310 km

Anzeige
Foto: Aprilia

Honda CBR 125 R

Sie entpuppte sich als Glücksfall für die 125er-Szene. In Thailand gebaut und in erster Linie für den asiatischen Markt vorgesehen, legte sie auch hierzulande nach ihrem Debüt 2004 einen regelrechten Erfolgsritt hin: An die 25000 Stück wurden zugelassen. Die einfach gestrickte Machart mit günstigen Anbauteilen, aber insgesamt einer sehr soliden Qualität und Verarbeitung, erweckt Vertrauen in ein langes Motorradleben und schont den Geldbeutel. 2007 erhielt die CBR eine Einspritzung und eine neue Verkleidung, das ultrahandliche Fahrverhalten und die bemerkenswerte Zuverlässigkeit des ausgesprochenen Leichtgewichts änderten sich nicht. Gepflegte Gebrauchte mit nur einem Vorbesitzer und weniger als 20000 Kilometern finden sich schon um 1000 Euro.

Plus

  • Verbrauch sehr gering;
  • Ersatzteile günstig;
  • Werkstattnetz groß;
  • Gewicht niedrig, dadurch handlich;
  • Fahrleistungen als Viertakter ausgewogen;
  • Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt auch als Gebrauchte, günstig erhältlich


Minus

  • Ergonomie für Fahrer ab 1,80 Meter unpassend;
  • Reifendimensionen sehr schmal


Daten (Modelljahr 2008):
Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, 125 cm³, zwei Ventile pro Zylinder, 10 kW (14 PS) bei 10000/min, 11 Nm bei 8250/min, Brückenrahmen aus Stahl, Telegabel, Zweiarmschwinge aus Stahl, Reifen 80/90-17, 100/80-17, Gewicht vollgetankt 124 kg, Zuladung 180 kg, Tank-inhalt 10 Liter, Sitzhöhe 790 mm, Höchstgeschwindigkeit 115 km/h, Verbrauch 2,6 l/100 km (Landstraße), theoretische Reichweite 385 km

Yamaha YZF-R 125

Yamaha YZF 125 R

So einfach kann es gehen. Man nehme das Sportlerflaggschiff aus dem eigenen Programm - bei Yamaha ist das die R1 -, lehne den 125er-Spross designmäßig sehr nah an, verpasse ihm im Idealfall noch gute Fahrleis-tungen, sprich: die voll erlaubten 15 PS sowie knackige Bremsen, breite Reifen und ein stabiles Fahrwerk - und fertig ist der Bestseller. So war es 2008 bei der damaligen Newcomerin YZF-R 125, die den Markt regelrecht aufwühlte. Die aggressive Erscheinung, das steile Rahmenheck sowie der klassenbeste Viertakter, der die langsam aussterbende Zweitaktkonkurrenz locker in Schach hält - das alles imponiert jugendlichen Motorradeinsteigern. Und deren Vätern wohl auch, die sich des Öfteren gerne an der Finanzierung der neu fast 4000 Euro teuren Maschine beteiligen. Aus zweiter Hand sind gute und gepflegte Exemplare allerdings kaum unter 2000 Euro zu ergattern, obwohl das Angebot riesig ist. Die Nachfrage aber eben auch.

Plus

  • Motor spritzig, mit besten Fahrleistungen in seiner Klasse;
  • Dauerhaltbarkeit sehr gut, bestand locker den MOTORRAD-Dauertest (25 000 Kilometer);
  • Spritverbrauch gering;
  • Bremsen und Fahrwerk sehr stark


Minus

  • Kettenverschleiß recht hoch;
  • Bremsbeläge müssen relativ häufig getauscht werden


Daten (Modelljahr 2008):
Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, 125 cm³, vier Ventile pro Zylinder, 11 kW (15 PS) bei 9000/min, 12 Nm bei 8000/min, Brückenrahmen aus Stahl, Telegabel, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Reifen 110/80-17, 130/70-17, Gewicht vollgetankt 141 kg, Zuladung 182 kg, Tank-inhalt/Reserve 13,8/1,2 Liter, Sitzhöhe 830 mm, Höchstgeschwindigkeit 119 km/h, Verbrauch 2,6 l/100 km (Landstraße), theoretische Reichweite 460 km

Honda Varadero 125

Honda Varadero 125

Bei anderen, womöglich noch zweitaktenden Klassenkameraden wäre ein Alter von über zehn Jahren und eine Laufleistung von über 30 000 Kilometern ein Hinderungsgrund beim Kauf. Zu groß das Risiko, sich eine Baustelle einzufangen. Anders bei der kleinen Varadero: Die 125er tritt auf wie ein erwachsenes Mittelklasse-Modell, bietet auch großen und schweren Fahrern immer das Gefühl, nicht auf einem Moped zu sitzen, und der wassergekühlte V2-Viertakter ist außerdem noch extrem langlebig. Das reife Motorrad-Feeling macht diese Maschine auch für Besitzer eines Autoführerscheins vor April 1980 interessant, insbesondere, wenn die Maschine mit Sohn oder Tochter geteilt werden soll. Die 15 PS mühen sich mit der vollgetankt fast 170 Kilo schweren Maschine etwas ab - flotte Fahrdynamik sollte man besser nicht erwarten. Gute Secondhand-Offerten erst um 2500 Euro.

Plus

  • Verarbeitung und Zuverlässigkeit im 125er-Vergleich extrem hoch;
  • hohe Laufleistungen (über 30000 Kilometer) bei guter Pflege kein Problem;
  • Ergonomie auch für Fahrer über 1,85 Meter geeignet


Minus

  • Gebrauchtpreise auch von älteren Maschinen recht hoch;
  • Bremsleistung eher mäßig


Daten (Modelljahr 2002):
Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Mo-tor, 125 cm³, zwei Ventile pro Zylinder, 11 kW (15 PS) bei 11000/min, 11 Nm bei 9000/min, Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel, Zweiarmschwinge aus Stahl, Reifen 100/90-18, 130/80-17, Gewicht trocken 149 kg, Zuladung 198 kg, Tank-inhalt/Reserve 17,5/2 Liter, Sitzhöhe 800 mm, Höchstgeschwindigkeit 110 km/h, Verbrauch 3,8 l/100 km (Landstraße), theor. Reichweite 460 km

Foto: Künstle

Kreidler 125 DD

Beim Namen Kreidler schwelgen viele Motorradfahrer nach wie vor in Erinnerungen an selige Mopedzeiten. Jugendliche Hier-und-jetzt-sofort-Käufer können mit dieser Nostalgie nur wenig anfangen, für sie ist etwas ganz anderes interessant: der Preis. Dass die Maschine nicht wie einst in Kornwestheim bei Stuttgart, sondern in China gefertigt wird, ist Interessenten der DD ebenfalls recht wurscht, wohlwissend, dass 125er-Neuware knapp über 2000 Euro wohl kaum aus deutschem Schmiedewerk entstammen kann. Aus zweiter Hand findet sich die schnieke und sehr fahrstabile Supermoto-Maschine (ab 2008) schon ab 1000 Euro. Der weitgehend mit dem Motor der Suzuki DR 125 baugleiche Einzylinder macht kaum Mucken, ist mit lahmen 11 PS aber für das Fahrzeuggenre etwas untermotorisiert.

Plus

  • Bremsen kräftig;
  • Fahrwerk stabil und überraschend souverän;
  • Ausstattung umfangreich;
  • Anschaffung günstig


Minus

  • Fahrleistungen im Klassenvergleich eher unter Durchschnitt;
  • Zuladung von nur rund 150 Kilo eher bescheiden

Daten (Modelljahr 2009):
Luftgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, 125 cm³, zwei Ventile pro Zylinder, 8,4 kW (11,4 PS) bei 9500/min, 9,8 Nm bei 8000/min, Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Upside-down-Gabel, Zweiarmschwinge aus Stahl, Reifen 110/70-17, 130/70-17, Gewicht vollgetankt 131 kg, Zuladung 152 kg, Tank-inhalt 10,5 Liter, Sitzhöhe 870 mm, Höchstgeschwindigkeit 101 km/h, Verbrauch 3,1 l/100 km (Landstraße), theoretische Reichweite 340 km

Foto:

Yamaha YBR 125

Darfs auch etwas weniger sein? Das zierliche Naked Bike sieht nicht gerade betörend aus, kommt salopp gesagt etwas mickrig rüber. Das sollte Einsteiger allerdings nicht stören, denn die Preise für gute Secondhand-YBRs sind auch mickrig (schon unter 1000 Euro ordentliche Angebote), genau wie die Unterhaltskosten und der Benzinverbrauch. Und die seit 2005 erhältliche Maschine (ab 2007 Einspritzer) ist gebraucht zahlreich vertreten und fährt gut. Nur zweieinhalb Zentner lassen sich stressfrei und quirlig in der Stadt sowie im Landstraßengeläuf hin und her werfen. Bei der üppigen Zuladung passt viel Reisegepäck auf dieses bewährte 10-PS-Lasttier, das in Asien zigtausendfach als Familienmobil dient. Hilfreich auf Tour: der praktische Gepäckträger und die sehr großzügig bemessene Sitzbank mit erstaunlich hohem Langstreckenkomfort. Auf Schnellstraßen fühlt man sich mit der YBR allerdings etwas deplatziert - Tempo 100 kann nur bergab oder mit Rückenwind geknackt werden.

Plus

  • Verbrauch und Reichweite sensationell gut;
  • Technik ausgereift und zuverlässig;
  • Gebrauchtangebot groß und vielfältig,
  • insgesamt niedriges Preisniveau


Minus

  • Trommelbremse hinten eher schlapp;
  • Höchstgeschwindigkeit gering,
  • Autobahnetappen sehr nervig


Daten (Modelljahr 2009):
Luftgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, 125 cm³, zwei Ventile pro Zylinder, 7,5 kW (10 PS) bei 7800/min, 10 Nm bei 6000/min, Einschleifenrahmen aus Stahl, Upside-down-Gabel, Zweiarmschwinge aus Stahl, Reifen 2.75-18, 90/90-18, Gewicht vollgetankt 125 kg, Zuladung zirka 200 kg, Tank-inhalt 13 Liter, Sitzhöhe 780 mm, Höchstgeschwindigkeit 97 km/h, Verbrauch 2,6 l/100 km (Landstraße), theoretische Reichweite 500 km

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel