Gebrauchtberatung: ABS-Bikes bis 4000 Euro Günstige ABS-Bikes

Die meisten wollen es, aber nicht jeder kann es sich leisten: ABS. Obwohl immer mehr Modelle mit dem hilfreichen Bremsassistenten ausgerüstet sind, ist das Angebot an preisgünstigen und wirklich guten Gebrauchten überschaubar.

Foto: Jahn
Ein Detektivspiel: die Suche nach günstigen, attraktiven Gebrauchtofferten mit dem Ausstattungsmerkmal ABS. Zwar finden sich zahlreiche Angebote, doch meist handelt es sich um betagte Maschinen mit teils sehr hohen Laufleistungen, die lediglich in versierten Schrauberhänden gut aufgehoben sind. Dennoch: Wer etwas Geduld aufbringt, ermittelt ehrenwerte Technologieträger von einst, die liebevoll gepflegt und gewartet wurden. Als Neufahrzeuge waren sie beinahe unbezahlbare Traummotorräder, jetzt sind sie für unter 4000 Euro zu haben und das Geld auch wert. Einzig Motorrad-Novizen, für die ein ABS besonders empfehlenswert ist, tun sich mit diesen vergleichsweise schwerfälligen Alträdern nicht so leicht, die zudem öfters nicht mit 34 PS erhältlich sind. Die Recherche zeigt aber dass sich in der Preisklasse bis 4000 Euro inzwischen auch eine wachsende Zahl moderner Vertreter der ABS-Zunft finden wie die Honda CBF 600 oder BMW F 650 CS, die einen 1a-Gegenwert bieten. Fazit: Selbst mit einem schmaleren Budget wird der ABS-Interessent nicht mehr ausgebremst.
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BMW K 1100 RS

Eingekeilt von zwei beinahe übermächtigen Erfolgsmodellen, K 100 RS und K 1200 RS, hat es die von 1993 bis 1996 gebaute K 1100 RS als Gebrauchte heutzutage etwas schwer. Liebhaber des "fliegenden Ziegelsteins" – amerikanische Journalisten hatten Anfang der Achtziger bei der Vorstellung der K 100 RS den längs liegenden Vierzylinder "flying brick" getauft – bevorzugen die betagtere, jedoch kaum günstigere 1000er aufgrund deren Kultstatus. Und die entschieden modernere Nachfolgerin K 1200 RS spricht als Vertreterin einer neuen Technik-Generation auch Interessenten außerhalb eng abgesteckter BMW-Fanzirkel an. Aber gerade weil die 1100er oftmals gar nicht auf der Rechnung steht, ist sie ein heißer Tipp: als langlebige, sehr gediegene ehemalige Hochpreis-Touringmaschine (Vollausstattungs-Neupreis 1993: umgerechnet über 12000 Euro) mit ABS zum fairen Kurs. Mit ihr kann man getrost eine Langzeitbeziehung eingehen. Ihre nüchternen Formen sind genauso zeitlos wie ihre Qualitäten als sehr bequemer Reisestuhl. Der etwas rau laufende Vierzylindermotor taugt bei guter Wartung für Laufleistungen weit über 100000 Kilometer. Allerdings sollte der Fahrer penibel auf den Ölstand achten: Nur minimal zu viel Öl im Reservoir erhöht den Druck dermaßen, dass auf Dauer die Dichtungen in die Knie gehen. Ansonsten gilt die 1100er mit Kardanantrieb, Einspritzung und guter Verarbeitung als wenig reparaturanfällig. Das stabile Fahrwerk nimmt das vergleichsweise hohe Gewicht gelassen und erlaubt sportliches Kurvensurfen, die üppige Zuladung von über 200 Kilogramm die Mitnahme von viel Gepäck und Sozius. So spricht doch einiges für die 1100er. Deutlich mehr Durchzug als die K 100 RS macht sie zum souveräneren Motorrad und ein spürbar geringerer Anschaffungspreis als die 1200er zur Empfehlung für Sparfüchse.


Plus
Wetterschutz sehr gut
Ergonomie passt auch bei längeren Touren und Reisen
Wertverlust als Gebrauchte nur gering

Minus
Laufkultur etwas rau, lästige Motorvibrationen
Gewicht um 280 Kilogramm vergleichsweise hoch
Getriebe hakig


Marktsituation
Beim überschaubaren Angebot an gebrauchten K 1100 RS mit ABS finden sich mit etwas Geduld auch bei Händlern einige recht passable, preis-günstige Exemplare. Unter 3000 Euro werden eigentlich nur Fahrzeuge angeboten, die guten Gewissens lediglich in Bastlerhände gehören. Zehn bis 15 Jahre alte, technisch der Laufleistung von 50000 bis 80000 Kilometern entsprechend einwandfreie Maschinen kosten je nach Pflegezustand zwischen 3000 und 4000 Euro. Da die Nachfrage nach der 1100er eher verhalten ist, lohnt handeln, insbesondere bei Privatanbietern ohne Gewährleistungspflicht!


Daten (Baujahr 1993)
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, 1092 cm³, 74 kW (100 PS) bei 7500/min, Gewicht 281 kg, Zuladung 204 kg, Tankinhalt/Reserve 21/5 Liter, Sitzhöhe 800 mm, Höchstgeschwindigkeit 219 km/h, Verbrauch 4,5 bis 10,4 l/100 km, Super


Tests in MOTORRAD
1/1993 (T), 6/1993 (ABS-Vergleich), 12/1993 (VT), 16/1994 (VT), 9/1997 (VT)

T=Test, VT=Vergleichstest; Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229


Internet
Fansites: www.flyingbrick.de
Gebrauchtangebote: http://markt.motorradonline.de/bike564.htm
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Archiv

BMW F 650 CS

Die BMW F 650 CS, in Anlehnung an den Skisport auch "Scarver" (für Street Carver) genannt, ist wieselflink wie kaum eine andere. Mit G-Kat, Zahnriemen, optionalem ABS und mutigem Design stellte BMW 2002 damit eine wirklich frische Neuheit in der eher faden Mitteklasse vor. Poppig, modisch, anders – doch keiner war so richtig scharf darauf. Ende 2005 rollten die letzten Scarver vom Band, obwohl das Konzept fast jedem passt: Frauen und Männer mit kurzen Beinen kommt die niedrige Sitzhöhe von 780 Millimetern entgegen, junge und ältere Einsteiger haben mit der handlichen und grundsoliden Maschine keinen Stress, und erfahrene Asphaltcowboys galoppieren mit breiter Straßenbereifung und den ausreichenden 50 PS forsch über jeden noch so schlechten Fahrbahnbelag – spaßig und sportlich wie auf Skiern bei der Abfahrt in Sankt Moritz. Und dazu noch vergleichsweise billig, denn bei Unterhalts- und Spritkosten gehört die CS zu den günstigeren Vertretern ihrer Klasse. Secondhand bietet der zuverlässige Einzylinder-Feger einen Top-Gegenwert, zumal er im Vergleich zur Enduro F 650 GS meist deutlich preiswerter offeriert wird. Anders als viele andere gebrauchte ABS-Maschinen bis 4000 Euro haben CS häufig erfreulich geringe Laufleistungen um 10000 Kilometer. Wem es also auf das wichtige Sicherheits-Feature ABS ankommt und wer sein Geld überlegt zusammenhält, fährt mit der Scarver genau richtig. Vielleicht sitzen dann sogar noch ein paar Euros für neue Skier locker.


Plus
Verbrauch sehr gering
Sitzhöhe auch für kleine Piloten passend
Zahnriemenantrieb erspart Wartungsstress

Minus
Design sehr gewöhnungsbedürftig, Image eher mäßig
Hauptständer nicht erhältlich
Zuladung gering


Marktsituation
Respektabel: Von dem lediglich vier Jahre lang gebauten Motorrad sind über 6000 Stück in Deutschland zugelassen. Gebrauchtmaschinen mit ABS werden vergleichsweise häufig inseriert, die Nachfrage hält sich bei dem insgesamt guten An­gebot in Grenzen. Offerten starten ab rund 3000 Euro, in der Regel sind es die Baujahre 2002/2003 mit etwa 30000 Kilometern. Wenig gefahrene ABS-Scarver (unter 10000 Kilometer) starten ab 3500 Euro, für gut gepflegte, jüngere Maschinen (Baujahr 2004/2005) sollte man um die 4000 Euro einplanen. Händler- und Privatangebote halten sich in etwa die Waage.


Daten (Baujahr 2001)
Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, 652 cm³, 37 kW (50 PS) bei 6800/min, Gewicht 193 kg, Zuladung 177 kg, Tankinhalt 15 Liter, Sitzhöhe 770 mm, Höchstgeschwindigkeit 180 km/h, Verbrauch (Landstraße) 3,7 l/100 km, Normal


Tests in MOTORRAD
26/2001 (TT), 2/2002 (VT), 5/2003 (34-PS-VT), 4/2004 (T), 13/2004 (VT), 13/2005 (VT)

T=Test, TT=Top-Test, VT=Vergleichstest; Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229


Internet
Fansites: www.f650.de
Gebrauchtangebote: http://markt.motorradonline.de/bike1239.htm

Honda CBF 600

Es besteht ein grundlegender Unterschied zwischen "billig" und "preiswert". Beispiel Honda CBF 600: Landläufig gilt sie als billige Einsteigermaschine. Das ist falsch. Die 2004 eingeführte 600er ist schließlich alles andere als eine Billignummer: komplette Edelstahl-Auspuffanlage, variable Sitzhöhe, sehr ordentlich verarbeitete Gussteile. Das ABS regelt wie schon zuvor beim Roller Silver Wing nahezu perfekt, die Grundzüge des Chassis stammen von der Honda Hornet 600. Der extrem zuverlässige Vierzylindermotor hat sich bereits seit Generationen im feinen Sportler CBR 600 F bewährt, seit der einzigen größeren Modellpflege für den Jahrgang 2008 werkelt der Einspritzmotor aus der aktuellen CBR 600 RR, eingebettet in einem Alu- statt Stahlrahmen. Devise bei Honda: auf Erprobtes und Bewährtes bauen. Die Herstellungskosten halten sich dadurch in Grenzen, was den Endpreis senkt. Tatsächlich gibt es nur wenige Motorräder um 7000 Euro, bei denen der Gegenwert derart hoch ist wie bei den CBF-Modellen und die zudem mit ABS ausgestattet sind. Platzverhältnisse und Ergonomie taugen für lange Touren, versicherungsgünstige 78 PS reichen für Landstraße und Autobahn vollkommen. Wirklich prima, die CBF 600/S, gleichwohl ist sie für viele Interessenten als Neumaschine immer noch zu teuer. Gebraucht hingegen wird sie schon unter 4000 Euro angeboten: gepflegte Maschinen mit geringen Laufleistungen für die Hälfte des Neuwerts. Zurzeit kommt man wohl kaum an ein besseres, preiswertes ABS-Motorrad heran. Das sich übrigens auch gut wieder verkaufen lässt. Händler berichten, dass gebrauchte CBF 600 mit ABS in der Regel sehr schnell einen Interessenten finden. Exemplare ohne den Bremsassistenten sind dagegen nur mühsam zu veräußern – da hilft auch kein Preis-Dumping, denn billiger wäre in diesem Fall nicht besser.


Plus
Wartungskosten gering, Inspektion alle 12000 Kilometer
34-PS-Variante erhältlich
Verbrauch unter fünf Liter auf 100 Kilometer problemlos möglich

Minus
Rangieren etwas kompliziert, großer Wendekreis (5,85 Meter)
Image bieder, sachlich
Motor konzeptionsbedingt etwas durchzugsschwach


Marktsituation
Die CBF ist vergleichsweise jung, als Bestseller dennoch auf dem Gebrauchtmarkt schon recht präsent – und gefragt. Bei der Suche darauf achten, dass es sich tatsächlich um die ABS-Version handelt, denn obwohl das optional erhältliche, aufpreispflichtige Sicherheits­feature unbedingt empfehlenswert ist, hatte sich eine kleine Gruppe Erstbesitzer (laut Honda rund zehn Prozent) dagegen entschieden. Die meisten Angebote zwischen 3000 und 4000 Euro sind Baujahr 2004 oder 2005 und sie haben in der Regel noch keine 20000 Kilometer auf der Uhr.


Daten (Baujahr 2004)
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, 600 cm³, 57 kW (78 PS) bei 10500/min, Gewicht 229 kg, Zuladung 175 kg, Tankinhalt 19 Liter, Sitzhöhe 770–800 mm, Höchstgeschwindigkeit 210 km/h, Verbrauch (Landstraße) 4,8 l/100 km, Normal


Tests in MOTORRAD
7/2004 (TT), 10/2004 (ABS-VT), 16/2004 (KV), 9/2005 (VT), 20/2006 (VT), 5/2007 (ABS-VT)

KV=Konzeptvergleich, TT=Top-Test, VT=Vergleichstest; Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229


Internet
Fansites: www.cbf600forum.de, www.honda-board.de
Gebrauchtangebote: http://markt.motorradonline.de/bike1500.htm
Foto: Archiv

Yamaha GTS 1000 A

Das war ein Techno-Knaller! Die Besonderheiten der GTS 1000 haben beim Debüt 1993 wohl kaum jemanden kalt gelassen. Allein die augenfällige Achsschenkellenkung! Sehgewohnheiten von damals orientierten sich an altbekannten Telegabeln, und auch heutzutage kann der Betrachter den Blick von dieser exotischen Konstruktion kaum abwenden. Die Augen wandern weiter zur avantgardistischen „Omega“-Rahmenkonstruktion aus Aluminium und Stahl, die das Motorrad noch immer futuristisch anmuten lässt. Der Motor: der abgewandelte Vierzylinder aus dem Brachial-Sportler FZR 1000, für Sporttouristen auf 100 PS gekappt, dafür auf mehr Durchzug getrimmt. Benzin wird elektronisch eingespritzt, die Rückstände verbrannten Kraftstoffs durch einen geregelten Kat geleitet. Inzwischen kaum noch bemerkenswert, war dies vor 15 Jahren sehr fortschrittlich. Insgesamt blieb es bei der GTS meistens bei neugierigen Blicken. Das belegen die Zahlen: Bis zum Baustopp 1996 verkauften sich von der 1000er nur rund 1200 Stück. In der Praxis konnte eben außer den hervorragenden Bremsen mit fein ansprechendem Antiblockiersystem die übrige Technik kaum die hohen Erwartungen erfüllen, die man ans sehr anspruchsvolle Hochpreis-Segment stellte. Und das Fahrwerk musste aufgrund einer unvorteilhaften Bereifung viel Kritik einstecken – der breite 130er vorn sorgt für heftige Unruhe, deshalb ist eine Umrüstung (mit frei verfügbarem Teilegutachten) auf eine 120er-Dimension unbedingt empfehlenswert. Bei GTS aus zweiter Hand ist das oftmals schon erledigt, und die extravagante Yamaha entpuppt sich dann als tolle Touringmaschine – superbequem und sehr zuverlässig noch dazu. Eben mehr als ein Fan-Objekt und aktuell zu einem Kurs zu ergattern, der Zugreifen statt nur Anschauen erlaubt.


Plus
Motor mit G-Kat und Durchzug satt
Bremsen einwandfrei, fein regelndes ABS
Zuladung großzügig, voll reisetauglich

Minus
Gewicht sehr hoch
130er-Vorderreifen bringt Unruhe ins Fahrwerk
Verbrauch bei flotter Autobahnfahrt deutlich über acht Liter


Marktsituation
Gebrauchte GTS sind auf dem Markt eher rar. Ein etwas höherer Suchaufwand führt Interessenten jedoch nach einiger Zeit ziemlich sicher zum Erfolg. Die wenigen Gebrauchten stehen erfreulicher-
weise meist beim Händler, bei Privatangeboten handelt es sich überwiegend um liebevoll gepflegte Maschinen mit Scheckheft. Ab 3000 Euro
ist der Technologieträger von einst als gute Gebrauchte zu ergattern, allerdings muss sich der Interessent auf Laufleistungen von min-destens 50000 Kilo­metern einstellen. Um 4000 Euro sollte die Maschine nicht mehr als 40000 Kilometer auf der Uhr haben und technisch absolut fit dastehen.


Daten (Baujahr 1998)
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, 1003 cm³, 72 kW (98 PS) bei 9000/min, Gewicht 279 kg, Zuladung 221 kg, Tankinhalt/Reserve 20/3 Liter, Sitzhöhe 790 mm, Höchstgeschwindigkeit 226 km/h, Verbrauch (Landstraße) 5,6 l/100 km, Normal


Tests in MOTORRAD
6/1993 (VT), 16/1994 (VT), 20/1994 (LT), 12/1998 (T)

LT=Langstreckentest, T=Test, VT=Vergleichstest; Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229


Internet
Fansites: www.gts1000.net, www.gts1000page.de
Gebrauchtangebote: http://markt.motorradonline.de/bike877.htm

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