Gebrauchtberatung BMW F 650 GS Wie geschnitten Brot...

Die BMW F 650 GS ist ein Erfolgstyp: moderner Einzylinder, ausgefallene Optik und über 34000 verkaufte Modelle seit ihrem Start im Jahr 2000.

Foto: Jahn
Gebrauchtberatung BMW F 650 GS
Gebrauchtberatung BMW F 650 GS
Die Leserzuschriften über die BMW F 650 GS unterscheiden sich in zweierlei Dingen von denen, die uns sonst erreichen. Zum einen waren es gut 50 Prozent Fahrerinnen, die dem Leseraufruf folgten, zum anderen weichen die Meinungen über das Motorrad stark voneinander ab. Je nachdem, ob die Besitzerinnen und Besitzer mehr Wert auf gute Fahrbarkeit oder auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis legen.
Zu den am meisten beklagten Mängeln gehören: undichte Kühler, schlechte Verarbeitungsqualität, hohe Inspektionskosten und ein ungenügender Spritzschutz des vorderen Kotflügels. Als Vorzüge hingegen werden genannt: leichtes Handling, hohe Tourentauglichkeit, kräftiger Motor und ein stabiles Fahrwerk. All diese Vorzüge, aber auch die Mängel waren so oder so ähnlich im Langstreckentest von MOTORRAD (Heft 24/2001) zu lesen. Die Heckabdeckung ging gleich zweimal verloren, und als besonders nervig erwiesen sich die selbständig einklappenden Außenspiegel. Ansonsten hinterließen die 50000 Kilometer kaum Spuren an der GS. Hätte nicht Pitting an einem Zahnrad des vierten Gangradpaars das Bild getrübt.
Der von Rotax in Österreich produzierte Single hat mittlerweile mustergültige Manieren. Die Zeiten, als er unter 3000 Umdrehungen wild mit der Kette schlug, sind seit dem Wechsel vom F 650- zum GS-Modell im Jahr 2000 vorbei. Der Zylinderkopf musste sich tiefgreifende Änderungen gefallen lassen, eine Einspritzanlage bereitet das Gemisch auf, und ein geregelter Katalysator reinigt die Abgase. Diese Behandlung kam der Leistungsentfaltung sowie den Schadstoffemissionen und den Verbrauchswerten zugute. Speziell im Konsumverhalten gibt sich die F 650 GS innerhalb der Zweiradfraktion geradezu vorbildlich.
Das Rahmenkonzept mit dem unkonventionell unter der Sitzbank platzierten Tank überzeugt durch einen tiefen Schwerpunkt. Die Federbasis des Federbeins ist per Handrad hydraulisch verstellbar und erfüllt im Solobetrieb seine Aufgabe ordentlich. Nur Enduristen und Spediteure wünschen sich mehr Dämpfung. Seit Dezember 2001 konsumiert die GS statt Super das günstigere Normalbenzin, frühere Modelle lassen sich durch Austausch der Einspritzdüse umrüsten (zirka 200 Euro). Auch sollte man beim Kauf einer GS darauf achten, dass das Anlasserrelais ausgetauscht wurde (Rückrufaktion 2000), sonst lässt sich das Motorrad eines Tages vielleicht nicht mehr abstellen.
Im Vergleich zu den hohen Verkaufszahlen sind sehr wenige F 650 GS auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich. Der Wiederverkaufswert ist, wie von den Bayern gewohnt, sehr stabil. Ein Schnäppchen kann man höchstens bei einem der wenigen ABS-losen Modelle machen, da dort die Nachfrage nicht so groß ist. Jedoch fahren über 90 Prozent die Bremshilfe spazieren, auf eine günstige Gelegenheit wird man vielleicht lange warten müssen.
Die BMW F 650 GS hat ihre Sonnen- und Schattenseiten – sucht man eine moderne, flexible und leicht zu fahrende Alltagsbegleiterin? Zuschlagen! Wenn man mehr der Typ Dr. Ferdinand Piëch ist und das Auge sich an kleinen und gleichmäßigen Spaltmassen erfreut oder wenn man allergisch auf abvibrierte Zierleisten reagiert, sollte man weitersuchen. Oder auf vier Räder umsteigen.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote