Gebrauchtberatung: BMW K 1200 RS Der schwere Tourer von BMW als Gebrauchte

Pfundig, mondän, massiv - die 1200er-RS ist immer noch ein Schwergewicht im Sporttourismus. Die Preise auf dem Gebrauchtmarkt purzeln indes kiloweise.

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So alt ist sie noch gar nicht, aber sie rückt zunehmend aus dem Motorradgedächtnis, die (vorerst) letzte RS mit satten 290 Kilo Gewicht, fast ein Zentner mehr als die Ur-RS aus den 80ern. Doch während bei K 100 RS und K 1100 RS nur 90 respektive 100 PS anschieben, sind es bei der 1997 erstmals angebotenen 1200er kräftige 130 Pferde. Das reicht dicke für den majestätischen Galopp durch die Gegend. Verbessere: durch die Gegenden. Denn mit der Vierzylinder-BMW lässt sich jeder Winkel Europas im Schnelldurchlauf touristisch erobern. Wahnsinns-Sitzkomfort, souveräne Leistungsentfaltung, pflegeleichter Kardan, verstellbares Windschild, variable Sitzbankhöhe und Ergonomie der Lenkerenden - klasse, ein perfektes Reisegerät! Im kurvenreichen Zielgebiet freut sich der Fahrer dann über die für das hohe Gewicht vergleichsweise hohe Fahrdynamik sowie den langhubig ausgelegten, elastischen Reihenvierer, der schon bei knapp über 4000/min rund 100 Nm Drehmoment rausdrückt.

Bis zum letzten offiziellen Verkaufsjahr 2006 avancierte die K 1200 RS jedenfalls aufgrund ihrer Qualitäten zu einem Bestseller innerhalb der Sporttourismus-Szene. Doch 2007 kam die Neue. Auch ein K-Modell, ebenfalls eine 1200er, aber der Zusatz RS („Reise/Sport“) war nunmehr passé, seitdem lautet das Kürzel nur noch S wie „Sport“. Die Nachfolgerin K 1200 S kann eigentlich alles besser, tritt jedoch vielen BMW-Fans zu, tja, wie soll man sagen, zu „japanisch“ auf. Anhänger traditioneller bayerischer (Motorrad-)Kultur meinen: wenn schon vier Zylinder, dann bittschö mit längsliegender Kurbelwelle. Der „Ziegelstein“ als Motor war, ist und bleibt Stilmerkmal. Doch mit aktuellen Sporttourern kann die RS schwer mithalten, und für einen Klassiker ist sie noch zu jung, löst kaum Nostalgiegefühle aus. Das macht sie zum Gebrauchttipp, denn es gibt viel Technik, viel Gegenwert zu sehr vernünftigen Preisen.

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Besichtigung / Marktsituation

Bei Exemplaren mit hohen Laufleistungen ohne regelmäßige Werkstattwartung (Scheckheft prüfen) sind ABS-Ausfälle keine Seltenheit. Liegt bereits ein Defekt vor (am besten vom Profi checken lassen), Finger weg! Die Reparatur dieses Bauteils kostet rund 2000 Euro. Außerdem nach Undichtigkeiten an Gabel, Getriebeausgang und Achsgetriebe fahnden und prüfen, ob Elektrik und Anzeigen einwandfrei funktionieren. Bei der Probefahrt auf die Kupplung achten, die häufiger nach 30 000 Kilometern arg strapaziert ist. Normal: Ölverbrauch von bis zu einem halben Liter auf 1000 Kilometer. Bei ordentlicher Wartung (gutes Zeichen: wenige Vorbesitzer) ist die langlebige 1200er jedoch eine solide Bank, sodass auch Laufleistungen deutlich über 50 000 Kilometer nicht vom Kauf abhalten sollten. Zubehör spielt bei diesem Modell kaum eine Rolle, da es in der Regel schon als Neufahrzeug meist reichhaltig ausgestattet wurde.

Marktsituation

Die K 1200 RS ist zur Privatsache geworden. Jedenfalls dort draußen in den Weiten des Gebrauchtmarkts, denn dieses BMW-Modell ist nur selten mit geringen Laufleistungen anzutreffen, und für Händler ist eine Maschine mit hohem Kilometerstand ein eher schwieriges -Objekt. Beinahe die Hälfte aller Offerten vermeldet Kilometerstände von weit über 50 000, erstaunlich häufig im Angebot sind außerdem Extrem-Langläufer mit 80 000 Kilometern, vereinzelt sogar mit sechsstelligen Laufleistungen. Solche Motorräder lassen sich nur über den Preis verkaufen, konkret: um 3000 Euro. Schöne Maschinen ab Baujahr 2001 mit Laufleistungen unter 30 000 Kilometer sind wegen des neueren ABS bei Interessenten beliebt und finden auch über 5000 Euro noch problemlos und schnell einen Käufer. Auf hohem Preisniveau (über 6000 Euro) suchen eigentlich nur noch bekennende RS-Fans gezielt nach Exemplaren mit ungewöhnlich niedrigen Laufleistungen um 10 000 Kilometer, um unter besten Voraussetzungen eine Langzeitbeziehung mit diesem Motorrad einzugehen.

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Foto: Archiv

Technische Daten

Motor
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, geregelter Katalysator, hydraulisch betätigte Einscheiben-Trockenkupplung, Sechsganggetriebe, Kardan.
Bohrung x Hub 70,5 x 75 mm
Hubraum 1171 cm³
Nennleistung 96 kW (130 PS) bei 8800/min
Max. Drehmoment 117 Nm bei 6800/min

Fahrwerk
Brückenrahmen aus Aluguss, längslenkergeführte Telegabel, Zweigelenk-Einarmschwinge aus Aluguss, Federbein mit verstellbarer Federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten, Teilintegral-ABS.
Alu-Gussräder 3.50 x 17; 5.00 x 17
Reifen 120/70 ZR 17, 170/60 ZR 17

Maße + Gewichte
Radstand 1555 mm, Lenkkopfwinkel 62,8 Grad, Nachlauf 124 mm, Gewicht vollgetankt* 295 kg, Zuladung* 205 kg, Tankinhalt 20,5 Liter.

Messungen (MOTORRAD 8/2001)
Höchstgeschwindigkeit** 247 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 3,3 sek
Durchzug 60-100 km/h 4,8 sek
Verbrauch 6,7 l/100 km (Landstraße), 6,7 l/100 km (bei 130 km/h)

*MOTORRAD-Messungen; **Herstellerangabe

Foto: Archiv

Modellpflege

1997
Markteinführung der K 1200 RS als erstes K-Modell mit Telelever und Aluguss-Rahmen zum Preis von 27 500 Mark (14 061 Euro).
1999
Geänderte Kolben (für geringeren Ölverbrauch). Preis: 27 800 Mark (14 214 Euro).
2000
Entfall 98-PS-Leistungsvariante, nunmehr 130 PS serienmäßig. Preis: 28 100 Mark (14 367 Euro).
2001
Neues Verkleidungsoberteil und größeres Windschild, EVO-Bremse am Vorderrad, Teilintegral-ABS nun serienmäßig, neue Blinker und größere Rückspiegel, Komfortlenker serienmäßig (niedrigerer Lenker weiterhin als Sonderzubehör erhältlich), tiefer positionierte Fußrasten (für Fahrer um 30 mm, für Sozius um 20 mm) Preis unverändert.
2002
Dauerlicht, wartungsfreie Batterie. Preis: 14 700 Euro.
2006
Abverkauf nach Produktionsstopp im Jahr zuvor. Preis: 14 950 Euro

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