Gebrauchtberatung BMW K 1200 S

Die Bayernrakete fliegt als sportlicher Technologieträger durch die Vollgas-Galaxie. Das macht sie zur gesuchten Gebrauchten - allerdings nur dann, wenn der Preis am Boden bleibt.

Foto: fact
ESA heißt die Formel. Klingt nach Weltraum, leistet aber ganz irdisch auf der Straße beim Fahren beste Dienste. Der elektronische Fahrwerksassistent ist da-rüber hinaus auch immer dann von Vorteil, wenn die K 1200 S veräußert werden soll. Bei denen nämlich, die sich für dieses Motorrad interessieren, steht auf dem Wunschzettel: Hightech. Und davon die volle Packung, also ESA, ABS, DWA (Diebstahl-Warnanlage), RDC (Reifendruckkontrolle) et cetera. Dabei war die Maschine bei ihrer Vorstellung 2004 schon in der Grundausstattung ein feines Anschauungsobjekt modernster Motorrad-Technik. Seinerzeit die mit Abstand stärkste und schnellste BMW (167 PS, 280 km/h Spitze). Der Verbund von einer unkonventionellen so genannten Duolever-Konstruktion mit Längslenkern statt Telegabel vorn zusammen mit der schon bewährten Paralever-Einarmschwinge hinten bescherte eine einnehmend gute Fahrstabilität und -dynamik. Ungewöhnlich für die Bayern, wenngleich nicht besonders originell: Wie die Konkurrenz aus Fernost setzten die Konstrukteure beim Motor auf einen querliegenden Reihenvierer statt des zuvor für die K-Reihe prägenden längsliegenden „flying brick". Für BMW-Traditionalisten eigentlich ein Tabu, aber der Kardan besänftigt wiederum alle Hardliner.
Anzeige
Foto: Gargolov
Das Hightech-Konzept hat funktioniert, die 1200er wurde zum Bestseller. Obwohl anfangs allerlei Kinderkrankheiten (siehe Modellpflege) einen Auslieferungsstopp nach sich zogen, entschieden sich 2005 über 3000 Käufer für die Rakete aus Bayern, mehr als 8000 waren es bis zum Baustopp 2008. Und ESA, die Möglichkeit also, zwischen Komfort, Normal und Sport seine Gangart per Knopfdruck zu bestimmen, wurde häufig mit an Bord gewählt. Bei den heutigen Secondhand-Tarifen werden für eine damit ausgestattete K 1200 S allerdings keine Mondpreise mehr aufgerufen - deshalb ist sie aus zweiter Hand so beliebt.
Anzeige
Foto: Archiv

Besichtigung

Interessenten an einer K 1200 S des ersten Baujahrs (2005) sollten penibel darauf achten, dass alle Rückrufe und Überarbeitungsmaßnahmen. durchgeführt wurden, da dieser Jahrgang noch unter vielen Kinderkrankheiten litt. Helfen kann bei Privatkäufen unter Umständen der (hoffentlich) nette BMW-Händler von nebenan, der anhand der Fahrgestellnummer Aufschluss über alle geleisteten Arbeiten geben kann. Außerdem die Funktion der Kupplung, die des Öfteren Probleme bereitet, bei einer Probefahrt überprüfen. Ansonsten gilt die 1200er als sehr robust und zuverlässig, so dass sich bei der Besichtigung das Augenmerk hauptsächlich auf die Ausstattung und das Zubehör richten kann.

Beliebt sind Nachrüst-Schalldämpfer, denn das klobige und schwere Originalrohr kommt wenig sportlich daher. Allerdings übertrifft so gut wie kein Nachrüstteil die Leistungswerte des Originals, und bei der Geräuschmessung im MOTORRAD-Auspufftest (Heft 15/2007) fielen alle geprüften Schalldämpfer durch. BMW-Originalteile sind sehr beliebt, egal ob Koffersystem, Heizgriffe oder Hauptständer. Bei der Ausstattung ein Muss: ABS. Unbedingtes Soll: ESA. Ansonsten ist später der Wiederverkauf problematisch.
Foto: fact

Technische Daten

Motor:
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile pro Zylinder, Trockensumpfschmierung, Einspritzung, geregelter Katalysator, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, Kardan.
Bohrung x Hub 79 x 59 mm
Hubraum 1157 cm³
Nennleistung123 kW (167 PS) bei 10250/min
Max. Drehmoment 130 Nm bei 8250/min

Fahrwerk:
Brückenrahmen aus Aluminium, vorn Doppellängslenker aus Stahl (mit ESA: verstellbare Zugstufendämpfung), Zweigelenk-Einarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung (mit ESA: verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung), Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten, ABS.
Alu-Gussräder 3.50 x 17; 6.00 x 17
Reifen 120/70 ZR 17, 190/50 ZR 17

Maße und Gewichte:
Radstand 1571 mm, Lenkkopfwinkel 60,6 Grad, Nachlauf 112 mm, Gewicht vollgetankt* 254 kg, Zuladung* 196 kg, Tankinhalt 19 Liter.

Messungen:
MOTORRAD 20/2004)
Höchstgeschwindigkeit** 280 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h  3,0 sek
Durchzug 60-100 km/h       3,4 sek
Verbrauch 6,3 l/100 km (Landstraße); 6,8 l/100 km (bei 130 km/h), Super Plus *MOTORRAD-Messungen; **Herstellerangabe
Foto: Gargolov

Marktsituation

Die Markteinführung der neuen K 1300 S hat die Preise für gebrauchte 1200er ordentlich aufgewirbelt. Insbesondere Vorführer und vergleichsweise neuwertige Secondhand-Maschinen (nicht älter als zwei Jahre), die zusammen mit der aktuellen K 1300 S im Verkaufsraum stehen, lassen sich zum Verdruss der Händler bei-nahe nur noch über stark gesenkte Preise (bis zu 5000 Euro unter Neupreis) verkaufen. Der Interessent hat es hingegen gut, denn die Auswahl solcher Exemplare ist groß, die Verhandlungsspielräume beim Preis noch größer.

Privatanbieter haben es schwer, ihre - mitunter topgepflegte - K 1200 S zum gewünschten Preis um und über 10000 Euro loszuwerden, denn sie können keine Finanzierungsangebote, kostenlose Inspektionen oder ähnliche Reize bieten. Lediglich durch eine sehr gute Ausstattung (ESA, Bordcomputer, Navisystem etc.) und viele Zubehör-Dreingaben (Koffer, Gel-Sitzbank etc.) lassen sich Interessenten anlocken.

Sehr gefragt hingegen sind Gebrauchte unter 9000 Euro. In dieser Preisklasse stehen genügend Kaufwillige parat, die bei der japanischen Konkurrenz nicht glücklich werden. Speziell bei Fans der mittlerweile leicht angestaubten Honda CBR 1100 XX kann die 1200er-BMW punkten - sofern der Preis stimmt. Bei vordergründig günstigen Offerten unter 8000 Euro sind (hergerichtete) Unfallmaschinen keine Seltenheit. In dieser für das Modell niedrigen Preisklasse inserieren recht viele Privatanbieter.

Verfügbarkeit am Markt: sehr hoch
 Preisniveau in Euro Baujahre Km-Stand
 Niedrig 6500-7900  2005 25000-50000
 Mittel 8000-9900
 2006-2007 5000-25000
 Hoch 10000-12500
 2008 bis 5000

 

Baujahre
Typ
Verkäufe
 2005-2008 K40 8320
Foto: fact

Modellpflege

2004 Ab Herbst sind die ersten K 1200 S (als Baujahr 2005) ab 14850 Euro erhältlich. Wegen eines fehlerhaften Ventiltriebs stoppt BMW allerdings kurz nach dem Verkaufsstart die Auslieferung.

2005 Im Januar startet die Serienproduktion erneut. Bremsscheibenlagerung modifiziert, um vorheriges Quietschen zu beseitigen. Aufgrund von Fertigungstoleranzen werden bei betroffenen Fahrzeugen nach einem Rückruf die Kugelgelenke des Duolevers auf Kulanz getauscht. 2006 Anpassung an die Euro-3-Abgasnorm, Modifikationen an der ABS-Anlage.

2007 Für das Modelljahr 2007 (Start schon im August 2006) stattet BMW die K 1200 S mit dem neuen Integral-ABS II aus, überarbeitet das Getriebe und das Motormanagement. Basispreis: 15200 Euro.

2008 Bis August rollt die 1200er in Berlin vom Band und wird anschließend durch die Nachfolgerin K 1300 S abgelöst.

2009 Abverkauf. Im offiziellen Programm von BMW zum Preis ab 15852 Euro.

Die K 1200 S im Internet und Tests in MOTORRAD

Fansites: http://www.k1200s.de, www.bmw-k-forum.de

Gebrauchtangebote: http://markt.motorradonline.de/bike1577.htm

Tests in Motorrad:

20/2004 (TT), 22/2004 (KV), 7/2005 (T), 12/2005 (ABS-VT), 12/2006 (VT), 24/2006 (LT), 15/2007 (Auspuff-Test), 22/2007 (VT)


TT=Top-Test, VT=Vergleichstest, KV=Konzeptvergleich, LT=Langstreckentest

Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote