Gebrauchtberatung BMW R 100 GS

Boxer-Ausstand

BMW R 100 GS mit geringen Laufleistungen werden immer seltener. MOTORRAD hat sich zwei gebrauchte Exemplare dieser einst sehr beliebten Modellreihe näher angeschaut.

Foto: Bilski
Gesucht: gebrauchte Bayern-Boxer mit wenig Kilometern
Gesucht: gebrauchte Bayern-Boxer mit wenig Kilometern
Pünktlich zum vereinbarten Termin rollen wir auf den Hof des Handwerksbetriebs in einem Schwarzwald-Örtchen. Dort treffen wir auf vier Personen, die gerade in geselliger Runde ihre Mittagspause genießen. »Ihr seht aus wie Stuttgarter«, ruft uns einer zur Begrüßung entgegen, den wir deshalb als Eigen-
tümer der BMW vermuten. Ohne große Umschweife zeigt er auf die etwas abseits aufgebockte R 100 GS: »Dort steht das gute Stück. Der Schlüssel steckt, wenn du fahren willst. Anschauen kannst du sie selbst, bist ja schon groß genug.«
Ein wenig verdutzt ob der kurz an-
gebundenen Begrüßung und der etwas schroffen Art nehmen wir »das gute Stück« in Augenschein, interessiert beobachtet von vier Augenpaaren. Es ist eine BMW R 100 GS Paris-Dakar von 1992, deren Laufleistung nur 17700 Kilometer betragen soll. Was durchaus glaubhaft
erscheint, weil der im Brief eingetragene Zweitbesitzer den Boxer seit Juni 1997 stillgelegt hat. Und der jetzige Eigner er-
ledigte lediglich das zur Wiederzulassung fällige Vollgutachten, ließ die GS jedoch nicht auf sich zu. »Ich bin zwar schon ein alter Sack, aber mir gefallen sowohl die Sitzposition als auch die Leistungscharakteristik meiner Suzuki GSX 600 F viel besser«, gibt er uns als Verkaufsgrund an.
Möglicherweise liegt es an dieser offenkundig fehlenden emotionalen Bindung zu seiner GS, dass es mit dem Pflege-
zustand nicht zum Besten bestellt ist. Für stolze 4900 Euro erwartet man als Kaufinteressent einfach etwas weniger Rost an Schrauben, Speichen und anderen Metallteilen. Ebenfalls weniger augenfällig dürfte für unseren Geschmack der Streusalzbelag auf Aluminiumteilen wie den Felgen oder dem Motorgehäuse ausfallen. Von größeren Strapazen im Vor-
leben dieser GS zeugen darüber hinaus der gebrochene Kunststoff-Motorschutz sowie die Bruchstelle einer Kühlrippe des linken Ventildeckels. Außerdem zieren Tank und Verkleidung zahlreiche kleine Kratzer, die sich jedoch zum größten Teil wieder herauspolieren lassen sollten. Ein kritischer Blick unter den Motor offenbart zu allem Überfluss noch deutlichen Öl-
nebel im Bereich zwischen Motor und
Getriebe. Dies könnte ein Indiz für einen defekten Kurbelwellen-Dichtring sein. Ein Schaden, der bei den Zweiventil-Boxern öfter auftritt und zum Verölen der Trocken-kupplung führt, was letztlich den Austausch dieses Bauteils erfordert. Vor einer Probefahrt empfiehlt sich in solch einem Fall die gründliche Entfernung der Ölrückstände, um die Herkunft besser lokalisieren zu können.
Doch zur Probefahrt kommt es erst gar nicht. Der Besitzer beharrt nämlich trotz der aufgeführten Mängel auf einem Preislimit von 4500 Euro, einschließlich einem Satz neuer Reifen. »Kein Cent
weniger, sonst bleibt sie stehen!« Nun denn, wir suchen lieber weiter.
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