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Gebrauchtberatung: BMW R 1150 R Die BMW R 1150 R gebraucht kaufen

Die BMW R 1150 R sieht deutlich besser aus und kann viel mehr als das Vorgängermodell. Im Vergleich zur Nachfolgerin gehört sie noch längst nicht zum alten Eisen. Es gibt also viele gute Gründe, sich näher mit der zweiten Generation des Vierventil-Roadsters zu beschäftigen.

Tschüss, Cowboysattel, auf Wiedersehen, Buckeltank, ade, Ölkühler-Bastelei! Die BMW R 1150 R, Nachfolgerin der seit 1994 verkauften und immer etwas verwachsen wirkenden 1100er sieht auf den ersten Blick deutlich gefälliger aus: Filigranere (und dabei breitere) Doppelspeichenräder, ein wesentlich eleganterer Längslenker des Telelevers und eine vom GS-Schwestermodell übernommene Edelstahl-Auspuffanlage komplettieren das erfolgreiche Make-up.

Doch auch technisch tat sich fürs Modelljahr 2001 eine Menge: Fünf PS mehr Spitzenleistung und ein fülligerer Drehmomentverlauf machen die BMW R 1150 R zum erfreulich niedertourig fahrbaren Durchzugswunder, das auch deutlich leistungsstärkere Maschinen beim Zwischenspurt ziemlich alt aussehen lässt. Dazu passend: ein Sechs- statt Fünfganggetriebe, dessen letzte Fahrstufe wahlweise direkt oder als Overdrive agiert.

Ebenfalls 2001 neu: das für 1995 Mark orderbare Integral-ABS, bei dem der Handbremshebel auch den hinteren Stopper aktiviert. Was weniger gewöhnungsbedürftig ist als der im ABS-Paket enthaltene Bremskraftverstärker, der nur bei eingeschalteter Zündung und dann auch recht digital arbeitet.

Ohne Zündung steht nur eine deutlich bescheidenere Restbremsfunktion zur Verfügung, was manchem BMW R 1150 R-Neuling beim Rangieren pulssteigernde Momente beschert haben dürfte. Doch abgesehen vom Bremskraftverstärker-Irrweg und dem zumindest bis 2003 (Einführung Doppelzündung) bei manchem Exemplar etwas nervenden Konstantfahrruckeln, ist die BMW R 1150 R heute noch ein topmodernes Motorrad, das mit seiner auch von weniger erfahrenen Motorradfahrern leicht zu beherrschenden Agilität aus Unwissenden Boxer-Gläubige machen kann. Erst recht in der verschärften Rockster-Ausführung.

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Foto: fact
Wo die rustikale Vor­gängerin zwei Lenkerhälften und offenes Ölkühler-Gewürge trug, zeigt die 1150er eintei­liges Stahlrohr und verkleidenden Kunststoff.
Wo die rustikale Vor­gängerin zwei Lenkerhälften und offenes Ölkühler-Gewürge trug, zeigt die 1150er eintei­liges Stahlrohr und verkleidenden Kunststoff.

Besichtigung

Bei kaltem Motor quietscht ab und an der Keilrippenriemen, der BMW R 1150 R, der die Lichtmaschine antreibt – nicht dramatisch, aber bei über 40000 Kilometern Laufleistung steht ggf. ein Wechsel an. Die Beschichtung des vorderen Motordeckels ist meist frühzeitig fertig, und auch das verchromte Plastik der Instrumentenverkleidung sieht schnell müllig aus – beides nur Schönheitsfehler. Viel wichtiger: Das hintere Radlagerspiel prüfen, die nahezu spielfreie Paralever-Lagerung leidet besonders unter einem ausgelutschten Federbein. Undichtigkeiten an der Hinterachse sind gar nicht so selten.

Noch wichtiger: eine topfitte Batterie, da das ABS auf zu wenig Spannung mit nervigem Kontrolllampenflackern antwortet. Die Wartungsintervalle zum Bremsflüssigkeitswechsel sollten peinlich genau eingehalten werden, da das ABS der BMW R 1150 R sehr empfindlich auch auf kleinste Schwebteilchen reagiert. Dann wird’s richtig teuer. Die beste Gebrauchtkaufabsicherung: ein komplettes Wartungsheft.

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Marktsituation

Das Angebot an BMW R 1150 R ist üppig, doch das hat keinen großen Einfluss auf das immer noch verhältnismäßig hohe Preisniveau. Unter 4000 Euro gibt es nur vereinzelt Kilometerkönige, womöglich ohne ABS und mit Wartungsstau. Ab 5000 Euro herrscht dagegen eine große Auswahl an recht gepflegten Exemplaren mit überschaubarer Laufleistung und meist auch guter Ausstattung – ein kleiner Windschild und Koffer sind oft dabei.

Die im Neuzustand immer etwas teurere Rockster wird als Gebrauchte praktisch zum gleichen Tarif gehandelt – mit Ausnahme des Jubiläumsmodells "Edition 80". Absoluten Originalzustand (weiße Räder!) und ganz geringe Laufleistung vorausgesetzt, werden von Sammlern dafür auch schon mal etwas über 7000 Euro gezahlt. Ansonsten wird spätestens bei 6500 Euro die Luft für Verkäufer ziemlich dünn. Eine gebrauchte R 1150 R ist der typische Erst-Boxer für BMW-Neulinge – und bei denen sitzt das Geld naturgemäß meistens nicht übermäßig locker.

Verfügbarkeit am Markt: sehr hoch

Preisniveau in Euro  Baujahre  km-Stand 
Niedrig3500-44002001-200350000-90000
Mittel4500-59002001-200620000-60000
Hoch6000-70002003-200610000-30000
Typim Programm  Verkäufe
R 1150 R2001-200611426
R 1150 R Rockster2003-20052715
Foto: Herzog
Geringe oder gar einheitliche Spaltmaße und sauber verlegte Kabel gehören nicht zu den ganz großen Stärken, die Zuverlässigkeit stimmt aber trotzdem.
Geringe oder gar einheitliche Spaltmaße und sauber verlegte Kabel gehören nicht zu den ganz großen Stärken, die Zuverlässigkeit stimmt aber trotzdem.

Technische Daten BMW R 1150 R

Motor
Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, elektronische Saugrohreinspritzung, geregelter Katalysator, hydraulisch betätigte Einscheiben-Trockenkupplung, Sechsganggetriebe, Kardan.
Bohrung x Hub: 101 x 70,5 mm
Hubraum: 1130 cm³
Nennleistung: 62,5 kW (85 PS) bei 6800/min
Max. Drehmoment: 98 Nm bei 5300/min

Fahrwerk
Tragende Motor-Getriebe-Einheit, geschraubter Hilfsrahmen, längslenkergeführte Telegabel, Federbein, verstellbare Zugstufendämpfung, Zweigelenk-Einarmschwinge aus Aluguss, Zentralfederbein, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten.
Drahtspeichenräder: 3.50 x 17; 5.00 x 17
Reifen: 120/70 ZR 17; 170/60 ZR 17

Maße und Gewichte
Radstand 1487 mm, Lenkkopfwinkel 63 Grad, Nachlauf 127 mm, Federweg v/h 120/135 mm, Sitzhöhe* 820 mm, Gewicht vollgetankt* 252 kg, Tankinhalt/Reserve 20,4/4 Liter.

Messungen (MOTORRAD 8/2001)
Höchstgeschwindigkeit: 209 km/h
Beschleunigung 0–100 km/h: 3,6 sek
Durchzug 0–140 km/h: 8,4 sek
Verbrauch: 5,3 l/100 km (Landstraße), 7,0 l/100 km (bei 160 km/h)

Modellpflege BMW R 1150 R

2001 Im März Markteinführung der R 1150 R, Preis: 18 950 Mark (9689 Euro).

2002 Zusätzliche Sonderausstattung lieferbar: höhere Sitzbank (830 mm). Preis: 9950 Euro.

2003 Im Januar Markteinführung des Schwestermodells Rockster; stahlummantelte Bremsleitungen bei R 1150 R serienmäßig, Getriebe verbessert (Schaltbarkeit, Geräusche), Umstellung auf Doppelzündung. Preise (R 1150 R/Rockster): 10 200/10 600 Euro.

2004 Stahlummantelter Kupplungsschlauch und Steckdose serienmäßig, seitliche Anlasserhalterung bekommt Stützpunkt für den Fremdstart, Rockster auch mit stahlummantelten Bremsleitungen. Ende April Markteinführung des weltweit auf 2003 Exemplare limitierten Rockster-Sondermodells "Edition 80" für 12 000 Euro (ABS, Heizgriffe und Plakette serien­mäßig, Sonderfarbe Mattweiß). Preise (R 1150 R/Rockster): 10 350/10 750 Euro.

2005 Diebstahlwarnanlage als Sonderausstattung lieferbar. Letztes offizielles Modelljahr der Rockster. Preise (R 1150 R/Rockster): 10 450/10 850 Euro.

2006 Letztes offizielles Modelljahr der R 1150 R. Preis: 10 600 Euro. Rückrufe („Technische Aktionen“): Im Februar 2004 Austausch des vorderen Federbeins bei Maschinen des Produktionszeitraums 10/2003 bis 11/2003.

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