Gebrauchtberatung BMW BMW F 650 GS

Sieben Jahre Marktpräsenz – und was für eine. Die BMW F 650 GS und ihre Schwestern CS und Dakar fanden über 33000 Käufer. Aus zweiter Hand ist die F ebenfalls ein Bestseller.

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Ganz schön pfiffig damals, um die Jahrtausendwende, als BMW für die Saison 2000 in der chronisch unterbewerteten Mittelklasse eine Maschine auf den Markt brachte, die in Sachen Design und Technik neue Wege ging.

Ein wassergekühlter Einzylindermotor mit Einspritzung und geregeltem Katalysator bildete das Herzstück der F 650 GS, welche die doch etwas altbacken wirkende F 650 ablösen sollte. Schnittiges, der großen GS nachempfundenes Aussehen, harmonisches, spaßorientiertes Fahrverhalten, durchdachte, funktionale Details – jawohl, die kleine GS ist durchaus als großer Wurf zu bezeichnen. Für BMW entpuppte sich die vielseitige, auf Wunsch mit ABS erhältliche Enduro jedenfalls als nachhaltiger Gewinn. Fahrschulen schätzten sie ebenso wie viele Einsteiger wegen der optional niedrigen Sitzhöhe von lediglich 750 Millimetern und des geringen Gewichts von um die 200 Kilogramm. Wie viele Führerscheinneulinge später markentreue Kunden bleiben, lässt sich zwar nicht genau beziffern – ein Fehler war es beim grandiosen Verkaufserfolg der F 650 GS (deutlich über 20000 Stück) jedoch gewiss nicht, in diesem Segment ein technisch aufwendiges Motorrad auf die Räder zu stellen. Die Konkurrenz jedenfalls hatte dem für einige Zeit nur wenig entgegenzusetzen. Bis auf Farbvarianten und geringfügige technische Änderungen hat sich in der Modellgeschichte der F 650 GS allerdings wenig getan, und seit 2005 sind die goldenen Verkaufszeiten der standfesten Einzylinder-Enduro vorbei. Sie und ihre Schwestern werden trotz der neuen, aufregenden Zweizylinder-F-Modelle jedoch wohl nicht so schnell in Vergessenheit geraten. Der Gebrauchtmarkt zeigt, dass die BMW dort ehrenwert die Mittelklasse als spannendes Segment verteidigt.
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Besichtigung

Die 50000 Kilometer im anspruchsvollen MOTORRAD-Langstreckentest überstand die F 650 GS weitgehend schadlos. Fast alle Bauteile des bei Rotax gefertigten, erfreulich standfesten Motors lagen innerhalb der Verschleißtoleranz – für Einzylinder keinesfalls selbstverständlich.

Ärgernisse wie mangelhaft befestigte Kunststoffabdeckungen, lose Spiegelausleger, ein undichter Wasserkühler oder eine frühzeitig verschlissene Kupplung gab’s trotzdem. Die Vorlage eines lückenlosen Inspektionshefts und eine penible Begutachtung der angebotenen Gebrauchten empfiehlt sich deshalb unbedingt, insbesondere bei Laufleistungen über 30000 Kilometer. Gut: Heizgriffe, Gepäcksysteme, wirksamere Zubehör-Vorderrad-Kotflügel. Besonders gut: das optional erhältliche und sehr empfehlenswerte ABS sowie eine härtere Feder für den hinteren Dämpfer bei schwereren Fahrern.
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Marktsituation

Das Angebot ist derart groß, dass Interessenten schnell den Überblick verlieren können. Am einfachsten ist wohl der Gang zu BMW-Händlern, wobei dort für manche F 650 GS aus zweiter oder dritter Hand oftmals recht happige Preise gefordert werden. Mit etwas Glück ortet man auch bei markenfremden Vertragshändlern faire und feine Angebote, denn die beliebte BMW wird von Motorrad-Einsteigern beim Wechsel auf eine größere Maschine gerne in Zahlung gegeben.

Bei Gebraucht-Gemischtwarenhändlern ist indes die Chance auf eine gute Offerte eher gering, da bei ihnen das vergleichsweise teure Mittelklasse-Motorrad aus dem (Preis-)Rahmen für Einzylindermaschinen fällt. Teilweise unrealistische Preisvorstellungen sind auch bei Privatanbietern der Grund, warum ihnen die eigentlich sehr gefragte F 650 GS nicht buchstäblich aus der Hand gerissen wird. Interessenten sollten dennoch eine ausgiebige Privatanzeigen-Recherche wagen und vielversprechende Offerten gründlich überprüfen, obwohl generell kaum echte Schnäppchen zu erwarten sind.
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Der richtige Weg in der Mittelklasse

Technischer Fortschritt ist in der supersportlichen und touristischen Oberklasse gang und gäbe. Weil sich gute Technik auch gut und teuer verkaufen lässt. In der weitgehend vom Rotstift diktierten Mittelklasse waren noch bis vor gar nicht allzu langer Zeit gute Features wie ein Bremsassistent oder ein abgasreinigendes System eher die Ausnahme.

BMW hat um die Jahrtausendwende goldrichtig gehandelt, die Lücke klug genutzt und auch ohne hochgekochte Diskussionen um Klimawandel oder Sicherheit seinem preisgünstigsten, wenngleich nicht gerade billigen Modell, der Einzylinder-GS, ein ABS (im Bild links) und einen geregelten Katalysator verpasst. Das war und ist für viele Käufer von Mittelklasse-Bikes das überzeugendste Argument.
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Modellpflegemaßnahmen

2000: Für 6621 Euro ist die wassergekühlte Einzylindermaschine F 650 GS mit Einspritzung, G-Kat und ABS (optional) erstmals im BMW-Angebot

2001: Anpassung der Motorelektronik auf Normalbenzin (mindestens 91 Oktan)

2004: Motor mit Doppelzündung. Vorderrad-Kotflügel und Windschild modifiziert, größerer Scheinwerfer, neue Gepäckbrücke, geänderte Ergonomie des Kupplungshandhebels. Neue Farben: Gelb, Schwarz, Silbermetallic. Preis: 7250 Euro

2007: Letztes Baujahr, für 7540 Euro im Angebot. Im November präsentierte BMW für 2008 auf der Motorradmesse Eicma in Mailand/Italien die Zweizylinder-Nachfolgemodelle F 650 GS und F 800 GS
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Die Dakar-Version

Die seit 2001 rund 4300 mal verkaufte Dakar-Version (ebenfalls Typ R 13) wird im Vergleich zur Standard-GS aus zweiter Hand meist etwas teurer angeboten. Ein gut informierter Fan-Kreis sucht gezielt nach ihr. Meist sind es größere Motorradfahrer ab 1,80 Meter, auch Einsteiger, für die 890 Millimeter Sitzhöhe keine Hürde bedeuten. Im Gegenteil: Sie suchen die luftige Höhe, um sich nicht eng zusammenfalten zu müssen. Und ein Riesentrumm von Motorrad, wie etwa eine gewichtige Zweizylinder-Enduro, wollen sie nicht unter sich bändigen. Die leichte und handliche BMW mit ausreichend starkem, vibrationsarmem Einzylindermotor ist dann die richtige Wahl und außerdem eine geldbeutelfreundliche Alternative.

Globetrotter finden in der Dakar eine ausgezeichnete Reisepartnerin, mit der einem alle Wege von der Autobahn bis zur Wüstenpiste offen stehen. Marathon-Etappen sind für die sehr genügsame und ausgewogene Enduro ebenfalls kein Problem: Bei rund 500 Kilometer Reichweite gibt trotz sofamäßigen Sitzkomforts wohl eher die Ausdauer des Fahrers den Pausentakt vor.
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Die CS-Version

Dass dieses Entlein irgendwann mal zum schönen, stolzen Schwan mutiert, der zum Kult à la Suzuki Katana oder auch BMW R 1100 GS wird, ist wohl Wunschdenken. Dass die CS mit dem markigen Zunamen »Scarver« einem weniger auf Ästhetik bedachten Käufer schnell ans Herz wächst, ist hingegen kaum von der Hand zu weisen.

Denn clevere Motorrad-Rationalisten wissen: Die von 2002 bis Ende 2005 gebaute F 650 CS ist eine sehr ausgereifte Einzylindermaschine mit prima Fahrleistungen. Sie ist vielleicht nicht so lässig, wie die Marketingleute glauben machen wollten, dafür aber zuverlässig. Und sie fährt und rangiert sich dank niedriger Sitzhöhe (750 Millimeter) kinderleicht. Das empfinden vor allem noch unsichere Einsteiger sowie kürzer gewachsene Männer und Frauen als schlagendes Kaufargument. Aber auch fortgeschrittene und forsche Fahrer finden in der immerhin rund 7500-mal verkauften CS einen geeigneten Untersatz für jede Schandtat. Die aufgrund ihres eigenwilligen Designs unpopuläre CS ist im Vergleich zu ähnlich beanspruchten GS-Gebrauchten preislich attraktiv, nämlich um einige Hunderter günstiger.

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