Gebrauchtberatung Buell XB9/12R/S Unter der Lupe: Buell XB9/12R/S

Feingliedrige Technik und filigrane Details bieten XB-Buells wahrlich nicht. Dafür sind sie ehrliche und eigenwillige Charaktere mit hohem Suchtpotenzial.

Foto: Buell
Buells der XB-Reihe wirken im Vergleich zu denen der Rohrrahmen-Generation schon sehr ausgereift, wenngleich immer noch weit entfernt von japanischer Präzision. Erfinder und Namens­geber Erik Buell verfolgt ein radikales Konzept: Konzentration der Massen zur Verbesserung von Handling und Fahrbarkeit. Was in eigenwilligen Lösungen wie dem Rahmen als Benzin- und der Schwinge als Öltank mündet.

So ganz funktioniert das Konzept nicht, die Kombination von kurzem Radstand, steilem Lenkkopf und riesiger, innen umfassender Bremsscheibe sorgt je nach aufgezogener Bereifung für kippeliges Fahrverhalten und teilweise enormes Aufstellmoment beim Bremsen. Ausgerechnet die anfangs verwendete Erstbereifung Dunlop D 207 harmoniert überhaupt nicht mit den Buell-Modellen.
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Foto: Buell
Die beiden Motoren mit 985 und 1202 cm3 Hubraum stammen ursprünglich aus der Harley Sportster und wurden für den Einsatz in den XB heftig umgekrempelt. Der kleinere ist recht drehfreudig, doch insgesamt passt der bulligere Drehmomentverlauf des großen besser zum Charakter des Amibikes. Bei engagierter Betätigung von Gas und Brem­se verliert eines der Räder gerne mal den Bodenkontakt. Letztlich ist und bleibt eine Buell ein Bike für den lustvollen Sonntagstrip über die Haus­strecke, wie auch die oft geringe Laufleistung der Angebote belegt.
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Foto: Jahn

Technische Daten

Lightning XB12S, Bj. 2004

Motor
luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-45-Grad-V-Motor, Kurbelwelle quer liegend, vier unten liegende, zahnradgetriebene Nockenwellen, zwei Ventile pro Zylinder, Hydrostößel, Stoßstangen, Kipphebel, Saugrohreinspritzung, ø 49 mm, keine Abgasreinigung, Lichtmaschine 520 Watt, Batterie 12 V/12 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, Zahnriemen.
Bohrung x Hub 88,9 x 96,8 mm
Hubraum 1202 cm3
Verdichtungsverhältnis 10,0:1
Nennleistung 74,6 kW (101 PS) bei 6600/min
Max. Drehmoment
110 Nm bei 6000/min

Fahrwerk
Brückenrahmen aus Alu-Profilen, Upside-down-Gabel, ø 43 mm, voll einstellbar, AluminiumSchwinge, Zentralfederbein, direkt an-gelenkt, voll einstellbar, innenumfas-sende Scheibenbremse vorn, ø 375 mm, Scheibenbremse hinten, ø 240 mm.
Alu-Gussräder 3.50 x 17; 5.50 x 17
Reifen 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17

Maße und Gewichte
Radstand 1320 mm, Lenkkopfwinkel 69 Grad, Nachlauf 83 mm, Federweg v/h 119/127 mm, Sitzhöhe 810 mm, Gewicht vollgetankt 209 kg, Zuladung 176 kg, Tankinhalt 14 Liter.

Messungen
MOTORRAD 22/2004

Fahrleistung
Höchstgeschwindigkeit*217 km/h
Beschleunigung
0–100 km/h 3,9 sek
Durchzug
60–100 km/h 4,0 sek
Verbrauch 3,8 bis 5,4 l/100 km, Super Plus

*Herstellerangabe

Modellpflege

2002 Einführung Firebolt XB9R, Preis 11439 Euro
2003 Einführung Lightning XB9S, Preis 11439 Euro
2004 Einführung Firebolt/Lightning XB12R/S, Preis 11499 Euro, Preissenkung XB9R/S auf 10439 Euro, Erhöhung der Serviceintervalle von 4000 auf 8000 Kilometer, breiterer Sekundärzahnriemen, neue Riemenabdeckung, Schalthebel, Seiten-ständer, Rückspiegel
2005 Einführung Lightning CityX XB9SX (9279 Euro), XB9R/S entfallen. XB12R/S erhalten Dunlop D 208 statt D 207, Upside-down-Gabel mit 43er-Standrohren, überarbeiteter Ansaugtrakt
2006 Einführung Ulysses XB12X (11499 Euro) und Lightning Long XB12Ss (11249 Euro) mit längerer Schwinge. Alle Modelle erhalten ein neu konstruiertes Getriebe plus Kupplung sowie eine neue Schwinge. Feinschliff an vielen Details, unter anderem Zahnriemen und Airbox

2007 Einführung Lightning Low XB12Scg (ab 10525 Euro) mit niedriger Sitzhöhe und XB12STT Lightning Super TT (10999 Euro) in Supermoto-Optik. Erstbereifung Pirelli statt Dunlop. Straffere Fahrwerksabstimmung bei der Ulysses. Alle Buells erhalten eine neue Ölpumpe. Modifikationen von Ansaugtrakt, Motormanagement, Primär-gehäuse, Motordichtungen, Bremsscheiben-halterung, Auspuffbeschichtung und Sitzbank


Rückrufe
2002 Überprüfung des Seitenständers der XB9R wegen möglicher Bruchgefahr
2003 Überprüfung und Verlegung des Hupenkabels bei XB9/12S wegen Gefahr von Kurzschlüssen
2005 Überprüfung des Seitenständer-Gelenk-zapfens bei XB12R/S sowie XB9SX wegen möglichen Nichteinklappens im Fahrbetrieb
2007 Austausch des Neigungswinkelsensors bei XB12X wegen möglicher Fehlauslösung und Ausschalten der Zündung

Freiwillige Updates
– Die 2003er-XB9R erhält neuen Seitenständer mit erhöhter Stabilität auf unebenem Untergrund
– Einige Chargen der 2003er-Modelle von XB9R/S erhalten neue, verbesserte Radlager

Besichtigung

Obwohl eine Buell nicht an jeder Ecke herumsteht, wird sie oftmals weiter individualisiert. Besonders dem Klang wird gerne auf die Sprünge geholfen. TÜV hin oder her. Deshalb darauf achten, ob etwaige Veränderungen eingetragen sind. Ein vollständiges Serviceheft ist ebenfalls von Vorteil, da Buell im Rahmen von Inspek-tionen Verbesserungen und Updates vornimmt. Der ausladende Rahmen ist schon bei harmlosen Umfallern extrem kratzer- und beulengefährdet, deshalb Obacht bei großflächigen Abdeckungen.

Die Modelle der ersten Baujahre waren einem handgeschnitzten Prototyp stets näher als einem Serienfahrzeug, wie auch die vielen Rückrufe zeigen. Sofern regelmäßig beim Händler gewartet (Scheckheft), sollte das entsprechende Modell dem gegenwärtigen Stand der Technik entsprechen. Buells sind sehr eigenwillige Motorräder, im Zweifel gilt: »It’s not a bug, it’s a feature!« Eine ausgiebige Probefahrt hilft herauszufinden, ob man dem eigenwilligen Charakter einer Buell auf Dauer gewachsen ist.
Foto: Archiv

Buel S1/S3/M2/ X1

Erik Buell, Gründer und Namensgeber der Marke, war in den 1980er Jahren Ingenieur bei Harley-Davidson und in seiner Freizeit Rennfahrer aus Passion. Zudem ist er Patriot und träumte von einem amerikanischen Sportmotorrad. Nach einigen sehr eigenwilligen Kreationen für die Rennstrecke begann Anfang der neunziger Jahre die Fertigung von Straßenmotorrädern in Kleinstserien ausschließlich für die USA.

Erst 1997 schien mit der S1 die Zeit reif für den europäischen Markt. Leider waren die amerikanischen Donnerbolzen dem European way of riding nicht immer gewachsen, was zahlreiche Nachbesserungen an Motor und Fahrwerk zur Folge hatte. Neben den unten rechts aufgeführten Rückrufen wurden im Rahmen der regulären Inspektionen Verbesserungen durchgeführt, »updates« genannt. Ein vollständig gestempeltes Serviceheft ist deshalb von Vorteil. Ungeachtet der Bemühungen seitens Buell darf nicht vergessen werden, dass man es mit einem äußerst eigenwilligen Motorradkonzept zu tun hat, das sich nur schwer in gängige Schablonen pressen lässt. Die Kombination aus extremer Fahrwerksgeometrie, archaischem Antrieb sowie Detaillösungen, die sich weniger der Funktion als vielmehr dem Anderssein verpflichtet fühlen, ist zweifellos sehr reizvoll, im Alltag mitunter allerdings zermürbend. Die Rohrrahmen-Modelle sind noch vielmehr als die XBs wunderbare Motorräder für ungefiltertes Biken. Wer das akzeptiert, wird glücklich werden.
Foto: Archiv

Technische Daten M2 Cyclone, Bj 1999

Motor
luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-45-Grad V-Motor, Kurbelwelle quer liegend, vier unten liegende, zahnradgetriebene Nockenwellen, zwei Ven-tile pro Zylinder, Hydrostößel, Stoß-stangen, Kipphebel, Trockensumpf-schmierung, Gleichdruckvergaser, Ø 49 mm, keine Abgasreinigung, Lichtmaschine 297 Watt, Batterie 12 V/18 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, Zahnriemen.

Bohrung x Hub 88,8 x 96,8 mm
Hubraum 1199 cm3
Verdichtungsverhältnis 10,0:1
Nennleistung 65 kW (88 PS) bei 6100/min
Max. Drehmoment107 Nm bei 5400/min

Fahrwerk
Gitterrohrrahmen aus Stahl, Motor elastisch gelagert, Telegabel, Ø 43 mm, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Zweiarmschwinge, Federbein direkt angelenkt, komplett einstellbar, Scheibenbremse vorn, Ø 340 mm, Scheibenbremse hinten, Ø 230 mm.
Alu-Gussräder 3.50 x 17; 5.00 x 17
Reifen 120/70 ZR 17; 170/60 ZR 17

Maße und Gewichte
Radstand 1410 mm, Lenkkopfwinkel 65 Grad, Nachlauf 99 mm, Federweg v/h 119/ 125 mm, Sitzhöhe 820 mm, Gewicht vollgetankt 222 kg, Zuladung 180 kg, Tankinhalt* 19 Liter.

Messungen
MOTORRAD 6/1999

Fahrleistung
Höchstgeschwindigkeit*206 km/h
Beschleunigung
0–100 km/h3,6 sek
Durchzug
100–140 km/h10,0 sek
Verbrauch 4,9 bis 7,7 l/100 km, Super Plus

*Herstellerangabe

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