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Gebrauchtberatung 48 PS-Motorräder für Einsteiger Jetzt gibt's keine Ausreden mehr

Auf dem Gebrauchtmarkt locken tolle 48 PS-Motorräder für Einsteiger - mit teils sensationellen Preisen. 18 davon­ stellen wir euch vor. Faule Ausreden gibt es jetzt also keine mehr.

48-PS-Bikes

Der Handel mit Gebrauchtmotorrädern floriert. Pro Jahr werden in den deutschen Zulassungsstellen rund 400000 Besitzumschrei­bungen registriert. Die gängigen Internet­­portale sind voll mit Motorrädern jedweder Couleur, passend für jeden Geldbeutel. Wer mit frischem A2-Führerschein nach einem passenden Untersatz fahndet, wird aus einer Vielzahl von Möglichkeiten schöpfen können, wie die folgenden Seiten zeigen. 

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Gut erhaltenes Bike ab 1000 Euro

Der Motorradeinsteiger kann sich ganz sparsam herantasten und bereits ab 1000 Euro ein gut erhaltenes Bike abschießen. Er kann sich aber auch ein ganz speziell auf seine Bedürfnisse zugeschnittenes Motorrad vor die Garage stellen: den chromblitzenden Cruiser für die lockere Feierabendrunde, einen kompakten Tourer für die erste Fernreise durch die Alpen oder einen sportlichen Landstraßenfeger, mit dem auch längere Wochenendtrips Lust und Laune machen.

Generell gilt beim Gebrauchtkauf: nicht gleich mit der Frage „Was ist der letzte Preis?“ ins Haus fallen. Damit fällt bei seriösen Verkäufern gleich die Klappe. Die Chemie zwischen beiden Verhandlungspartnern sollte stimmen – und später lässt sich am ausgewiesenen Preis meist immer noch was drücken. Im Idealfall ist man bei einem Vor-Orttermin nicht alleine. Besonders Motorrad­novizen sollten nach Möglichkeit mit einem erfahrenen Kradler auf Einkaufstour gehen. Finger weg von ungepflegten Motorrädern, an denen noch der Dreck der letzten 2000 Kilometer klebt, die Kette trocken und ausgewaschen vor sich hin rostet und die Reifen poröse Risse zeigen. Auch die berühmten Scheunenfunde sind gefährlich: Standuhren haben meist eine Vielzahl von Standschäden. Müssen diese in der Werkstatt behoben werden, wird selbst die günstigste Anschaffung ein Fass ohne Boden. Und Ihnen geht es doch nur um eine Sache: endlich Motorrad fahren!

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Foto: Bella
Honda Shadow 750.
Honda Shadow 750.

Honda Shadow 750

Es muss kein gigantischer Zweiliter-Motor sein. Bereits in der kompakten 750er-Klasse finden Motorradnovizen authentisches Material, auf dem sich im besten Easy-Rider-Stil flanieren lässt. Ein ganz heißer Tipp: Hondas Shadow 750, die teils schon Youngtimer-Status hat. Bereits seit 1997 ist der wassergekühlte V-Twin unterwegs, im Jahr 2000 folgte vier Jahre lang das optisch schärfer gestylte Schwestermodell Black Widow. Seit 2004 verringert sich dank des Wechsels von Kette auf Kardan der Putz- und Pflegeaufwand, in der Spirit-Aus­führung (ab 2007) ist sie mit 21 Zoll großem Vorderrad ein wirklich klassisch gezeichneter Chopper.

Die 46 PS lassen sich, ohne zu überfordern, aus einer sehr niedrigen Sitzhöhe her­aus dirigieren. Chopper und Cruiser gelten als preisstabil, da macht die Shadow keine Ausnahme. Gepflegte Bikes der ersten Generation sind ab 2500 Euro zu haben, die gefragte Black Widow kostet mindestens 1000 Euro mehr.

Plus: Bewährter und zuverlässiger Motor; klasse Sound; Sitzhöhe auch für kurze Beine passen.

Minus: Mäßige Durchzugswerte; sehr hohes Gewicht; wenig Komfort; schlecht ablesbare Instrumente.

Daten: Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-V-Motor, 745 cm³, 33,5 kW (46 PS) bei 5500/min, Fünfganggetriebe, Kardan, Scheibenbremse vorn, Trommelbremse hinten, Reifen 120/90 R 17, 160/80 R 15, Gewicht 267 kg, Zuladung 183 kg; Tankinhalt/Reserve 14,6/3,5 Liter, Sitzhöhe 660 mm, Höchstgeschwindigkeit 151 km/h, Verbrauch (Landstraße) 4,2 Liter/100 km

Foto:
Yamaha MT-03.
Yamaha MT-03.

Yamaha MT-03

Neueinsteigern in die Motorradszene ist sicherlich schon einmal die gewaltige Yamaha MT-01 aufgefallen: ein Urviech mit fettem V-Twin, 1670 Kubik und 90 PS. Deutlich zu viel also für A2-Inhaber, die dafür aber Gefallen an der kleinen Schwes­ter MT-03 finden könnten. Auch hier charakteristisch: das von zwei kräftigen Endtöpfen gezeichnete Heck, dazu prägen weitere stilistische Anleihen an das große Vorbild das Gesicht der kompakten Einzylinder-Yamaha.

Trotz der leckeren Verpackung blieb der Auftritt der MT-03 in den Verkaufscharts seit ihrem Modellstart im Jahr 2006 eher bescheiden. Was allerdings nichts mit den Qualitäten zu tun hat, denn der muntere Motor macht mit kernigem Ballermann-Sound richtig Laune. Dazu passt die auf dynamisches Fahren ausgelegte Sitzposition, bei der es auch auf langen Etappen immer noch bequem zugeht. Nur auf buckligen Pisten wird es etwas zu unharmonisch, zu stark prägt sich der Kontrast von weicher Gabel und har­tem Federbein hinten aus.

Neu kostet die MT-03 knapp 7700 Euro, gebraucht lässt sich ein echtes Schnäppchen machen: Die Angebote beginnen bereits unter 3000 Euro, der Pflegezustand ist bei vielen Angeboten auf hohem, die Laufleistung dagegen auf erfreulich niedrigem Niveau.

Plus: Sauber abgestimmter und durchzugsstarker Motor; toller Sound; geringer Verbrauch; handlich.

Minus: Fahrwerk unausgewogen abgestimmt; Vorderradbremse verlangt nach kräftiger Hand; schwaches Fahrlicht.

Daten: Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, 660 cm³, 33 kW (45 PS) bei 6000/min, Fünfganggetriebe, Kette, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten, Reifen 120/70 ZR 17, 160/60 ZR 17, Gewicht 194 kg, Zuladung 188 kg; Tankinhalt/Reser­ve 15/4,2 Liter, Sitzhöhe 810 mm, Höchstgeschwindigkeit 160 km/h, Verbrauch (Landstraße) 4,5 Liter/100 km

Foto:
Kawasaki KLE 500.
Kawasaki KLE 500.

Kawasaki KLE 500

"Früher oder später kriegen wir Sie!" Ein Werbespruch, der auch zu dieser Soft-Enduro passt, die bereits 1991 ihr Debüt feierte und in der hier abgebildeten Form 2007 schließlich auslief. In den gängigen Internet-Verkaufs­portalen ist die KLE 500 dagegen immer noch häufig anzutreffen. Wer sich harte Budgetgrenzen bei der Motorradanschaffung setzt, sollte dieses hochbeinige Brot-und-Butter-Bike näher ins Auge fassen. Im Vergleich zur Konkurrenz wirkt der (seit 1997 mit 48 PS homologierte) Paralleltwin sehr fade, was vor allem mit der Einhaltung von Abgas- und Geräuschvorschriften zu tun hat. Trotz langer Federwege hat die 500er im Gelände keine echten Nehmerqualitäten, auf kurvenreichen Landstraßen kann sie sich dagegen deutlich besser in Szene setzen. Ab 1000 Euro!

Plus: Aufrechte Sitzposition mit guter Übersicht; Fahrstabilität und Handling.

Minus: Weiche Sitzbank nicht reisetauglich; weiche Gabel; zahnlose Vorderradbremse; geringe Reichweite; Fahrwerke bei hoher Laufleistung teils stark verschlisse.

Daten: Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, 499 cm³, 35 kW (48 PS) bei 8500/min, Fünfganggetriebe, Kette, Scheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten, Reifen 90/90 S 21, 130/80 S 17, Gewicht 205 kg, Zuladung 175 kg; Tankinhalt 15 Liter, Sitzhöhe 860 mm, Höchstgeschwindigkeit 168 km/h, Verbrauch (Landstraße) 4,8 Liter/100 km

Foto: Aprilia
Aprilia Pegaso 650.
Aprilia Pegaso 650.

Aprilia Pegaso 650

Ein extravagantes Motorrad aus Italien? Das klingt für Unbedarfte nach Zicken bei der Technik, hohen Unterhaltskosten und teurem Einkaufspreis. Wer sich aber für die Aprilia Pegaso interessiert, kann obige Vorurteile getrost streichen. 1992 erschien die 650er mit dem Einzylinder vom österreichischen Motorenbauer Rotax und machte zunächst als wildes, unkonventionelles Funbike den PS-starken, aber auf kurvigen Landstraßen zu schwerfälligen Sportlern das Leben schwer. Mit den Jahren kamen aber auch die Tücken der Modellpflege, und das früher rassige Funbike verlor deutlich an seinem einst radikalen Auftritt.

Für das Modelljahr 1997 sollte es mit deutlich größerem Tank an Tourentauglichkeit zulegen, wirkte damit aber pummeliger als zuvor. Auch das Sondermodell Garda (ab 1998) schlug mit se­rienmäßigem Kofferset in die gleiche Kerbe, was aber nicht viele Käufer bescherte.

Ab 2001 wurde der Vergaser durch eine moderne Einspritzanlage ersetzt, 2005 schließlich wurde die Pegaso wieder mehr in Richtung Ursprungsgedanke modelliert. Der neue Typ mit dem 48-PS-Motor vom Zulieferer Minarelli ist für Gebrauchtkäufer der Klasse A2 das interessanteste Modell – wieder schlank und rank, technisch fit und erstaunlich günstig: ab 3000 Euro!

Plus: Ausgezeichnete Bremsen; unverkrampfte, aktive Sitzposition mit entspanntem Kniewinkel; tolles Handling.

Minus: Motor unten­herum etwas zäh; Federbein leicht unterdämpft; ältere Modelle reparaturanfällig.

Daten: Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, 660 cm³, 35 kW (48 PS) bei 6250/min, Fünfganggetriebe, Kette, Scheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten, Reifen 110/70-17, 160/60-17, Gewicht 195 kg, Zuladung 206 kg; Tankinhalt/
Reserve 16/3,5 Liter, Sitzhöhe 800 mm, Höchstgeschwindigkeit 165 km/h, Verbrauch (Landstraße) 4,6 Liter/100 km

Foto:
Honda FMX 650.
Honda FMX 650.

Honda FMX 650

Mit dem 38 PS starken Einzylinder versuchte Honda im Jahr 2005 sehr spät noch mal ins Supermoto-Geschäft einzusteigen. Bei der Ausstattung ließ man sich nicht lumpen: Für den überschaubaren Neupreis von knapp 5800 Euro gab es hochwertige Schalldämpfer aus Edelstahl, leichte Alufelgen und ein damals noch exotisches Leuchtdioden-Rücklicht. Das Paket kam in der Szene aber nicht richtig an. Ob es am schon gut abgehangenen Einzylinder lag, der in seiner Grundform bereits in den 80er-Jahren in dem weit verbreiteten Enduromodell Dominator seinen Dienst versah?

Der Absatz schlug sich auch in der Bauzeit nieder. Bereits 2007 läutete Honda das letzte Modelljahr der FMX ein. Gebrauchtkäufer können sich jedenfalls auf die robuste, bewährte Technik verlassen. Attraktive Modelle aus privater Hand gibt es bereits unter 2000 Euro.

Plus: Sehr gepflegtes Gebraucht­angebot mit geringer Laufleistung; handlich; perfekt zum Pendeln; leicht.

Minus: Für die Hubraumklasse zu schwache Motorleistung; geringe Wertstabilität, Wiederverkauf schwierig; kleiner Tank.

Daten: Luftgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, 644 cm³, 28 kW (38 PS) bei 5750/min, Fünfganggetriebe, Kette, Scheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten, Reifen 120/70 R 17, 150/60 R 17, Gewicht 176 kg, Zu­ladung 179 kg; Tankinhalt/Reserve 11/3,8 Liter, Sitzhöhe 875 mm, Höchstgeschwindigkeit 145 km/h, Verbrauch (Landstraße) 5 Liter/100 km

Foto: Künstle
Suzuki GS 500 E.
Suzuki GS 500 E.

Suzuki GS 500 E

Wenn es in der Motorradszene so etwas Ähnliches wie die Golf-Klasse gibt, dann ist diese Suzuki einer ihrer klassischen Vertreter. Ihre Historie reicht weit zurück: 1988 wurde die GS 500 E vorgestellt, mit diversen Über­arbeitungen blieb sie bis 2007 im Programm. Für viele war sie neben dem Konkurrenzmodell von Honda (CB 500) das Fahrschulmotorrad, dem man nach erfolgreicher Lehrzeit die Treue hielt. Mit weit über 50.000 Verkäufen ist der Twin natürlich auch heute noch bestens im ­Bestand vertreten. Vorsichtig geschätzt dürfte noch über die Hälfte auf deutschen Straßen unterwegs sein.

Entsprechend reichhaltig ist das Angebot. Bei dem 45-PS-Bike kann man fast schon wählerisch sein. Die ganz frühe Reihe (bis Baujahr 2000) wird für Schnäppchenjäger unter 1000 Euro angeboten, die gründlich überarbeitete 500er (ab 2001) sowie die voll verkleidete F (ab 2004) ist gut gepflegt schon deutlich unter 2000 Euro zu bekommen. Stimmt der Pflegezustand, kann man beim Kauf nicht viel falsch machen. In erster Linie sollte nach versteckten Rostnestern gefahndet werden. Bei der Probefahrt heißt es: Ohren auf! Heulende Geräusche deuten auf defekte Getrieberäder hin.

Plus: Langlebiger Motor; spielerisches Handling; geringe Sitzhöhe; große Auswahl.

Minus: Gabel sehr weich abgestimmt; hart ansprechendes, aber unterdämpftes Federbein hinten; schlechte Lackqualität; bruchgefährdete Schweißnähte.

Daten: Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, 487 cm³, 33 kW (45 PS) bei 9000/min, Sechsganggetriebe, Kette, Scheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten, Reifen 110/70 H 17, 130/70 H 17, Gewicht 189 kg, Zuladung 191 kg; Tankinhalt 17 Liter, Sitz­höhe 740 mm, Höchstgeschwindigkeit 177 km/h, Verbrauch (Landstraße) 4,4 Liter/100 km

Foto:
Derbi Mulhacén 659.
Derbi Mulhacén 659.

Derbi Mulhacén 659

Mut zur Exotik? Derbi ist eine alte spanische Marke (gegründet 1922), die mittlerweile zum italienischen Piaggio-Konzern gehört. Mit der Mulhacén 659 versuchte die Roller- und Leichtkraftschmiede kurz (2006 bis 2011), bei den großen Motorrädern mitzumischen. Der Einzylindermotor stammt von ­Yamaha, was bei aller Exotik die Ersatzteilbeschaffung etwas entspannt.

Das schlanke Ge­fährt im trendigen Scrambler-Kleid begeistert vor allem bei Kurztrips, die Fahrwerksabstimmung passt selbst auf schlechten Wegstrecken, und die Vorderradbremse packt kraftvoll zu. Nur die Motorabstimmung passt nicht: Gerade in der Drehzahlmitte klafft ein mächtiges Leis­tungsloch. Wer den Tanz mit der Spanierin wagen will, muss intensiv suchen. Das 48-PS-Bike ist nur spärlich vertreten. Ab 2500 Euro.

Plus: Sauber ansprechendes Fahrwerk; standfeste, sehr gut zu dosierende Bremse; leicht; schön verarbeitet.

Minus: Schlechte Motorabstimmung; auf längeren Touren zu unbequem; schwer zu finden; kleiner Tank.

Daten: Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, 660 cm³, 35 kW (48 PS) bei 6250/min, Fünfganggetriebe, Kette, Scheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten, Reifen 110/80 ZR 18, 150/70 ZR 18, Gewicht 178 kg, Zuladung 192 kg; Tankinhalt 12 Liter, Sitzhöhe 820 mm, Höchstgeschwindigkeit 165 km/h, Verbrauch (Landstraße) 4,7 Liter/100 km

Tesride-Video: 48-PS-Twins im Vergleich

Video: Sieben 48-PS-Motorräder im Vergleichstest, aus MOTORRAD 19/2013.
Foto:
Cagiva Canyon 600.
Cagiva Canyon 600.

Cagiva Canyon 600

Fun, Fun, Fun! So lautete das Motto in den Neunzigern, und fast jeder Hersteller hatte ein sogenanntes Funbike im Programm: hochbeinige Enduros, die mit griffiger Straßenbe­reifung zum flinken Kurvenräubern umgestrickt wurden. So wie bei der Cagiva Canyon 600, die von 1996 bis 1997 mit ihrem raubeinigen Ein-zylinder für kernigen Vortrieb sorgte. Der kam als Baukastenlösung bereits bei anderen Modellen zum Einsatz, in der Canyon feuert das Triebwerk dank schärferer Nockenwellen und kürzerer Übersetzung gerade im oberen Drehzahlbereich seine Salven ab.

Kehrseite der Medaille: Schaltfaules Fahren ist nicht sein Ding, unter 3000/min geht es extrem ruppig zu. Wer sich für das Italo-Bike interessiert, sollte Geduld mitbringen und beim Gebrauchtcheck einen kundigen Begleiter zur Seite haben. Ab 1500 Euro.

Plus: Drehfreudiger, durchzugsstarker Motor; stabiles, gut abgestimmtes Fahrwerk; sehr ausgeprägte Handlichkeit.

Minus: Motor hackt und ruckelt im unteren Drehzahlbereich; zum Touren zu unbequeme Sitzbank; hoher Verbrauch.

Daten: Luft-/ölgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, 601 cm³, 25 kW (34 PS) bei 6000/min (offen 28 kW/38 PS), Fünfganggetriebe, Kette, Scheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten, Reifen 100/90-19, 140/80-17, Gewicht 185 kg, Zuladung 175 kg; Tankinhalt 20 Liter, Sitzhöhe 860 mm, Höchstgeschwindigkeit 157 km/h, Verbrauch (Landstraße) 6,4 Liter/100 km

Foto:
Kawasaki W 650.
Kawasaki W 650.

Kawasaki W 650

Lassen Sie ein Kind ein Motorrad malen – es wird wie die W 650 aussehen. Denn das ist diese Kawasaki: ein Motorrad wie aus dem Bilderbuch. Sie sieht aus, als hätte sie schon Jahrzehnte auf dem Buckel, kam aber erst 1999 in die Läden. Mit interessantem Stilmix zitiert sie doch klassischen englischen Motorradbau (BSA, Triumph) aus den frühen und späten 60er-Jahren. Beim Motor (bis 2003 mit 50 PS) wird es dann aber ganz und gar eigenständig: luftgekühlter Twin mit Königswelle als Nockenwellenantrieb und vier Ventilen pro Brennraum. Und zum Anlassen gibt es neben dem E-Starter einen authentischen Kickstarter.

Probefahrer sollten sich nicht über die zu weiche Gabel, überforderte Federbeine und lasche Bremsen wundern. Das gehört leider zur Kawa dazu. Ebenfalls neigt sie durch den hohen Lenker ab Tempo 120 zum leichten Pendeln. Besser wird es, wenn alternativ eine niedrige und kürzere Lenkstange verbaut ist. A2-Inhaber, die ihr erstes Motorrad als Zukunftsinvestition betrachten, liegen bei der Retro-Kawa goldrichtig. Bei guter Pflege bleibt sie wirklich wertstabil. Das Preispokern geht los bei 3000 Euro.

Plus: Handlich zu fahren; wartungsfreundlicher Aufbau; zuverlässige Technik.

Minus: Fahrwerk zu soft abgestimmt, gerät schnell an seine Grenzen; rostempfindliche Schrauben; dürftige Chromqualität; Ins­trumente können über die Jahre beschlagen.

Daten: Luftgekühlter Zweizylinder-Viertaktmotor, 675 cm³, 35 kW (47 PS) bei 6500/min, Fünfganggetriebe, Kette, Scheibenbremse vorn, Trommelbremse hinten, Reifen 100/90 H 19, 130/80 H 18, Gewicht 215 kg, Zuladung 180 kg; Tankinhalt/Reserve 15/3 Liter, Sitzhöhe 800 mm, Höchstgeschwindigkeit 164 km/h, Verbrauch (Landstraße) 4,8 Liter/100 km

Foto:Yamaha
Yamaha XVS 650 Drag Star.
Yamaha XVS 650 Drag Star.

Yamaha XVS 650 Drag Star

Yamahas kleiner Drag Star schwamm in den späten 90er-Jahren noch gut auf der langsam abebbenden Softchopper-Welle mit und konnte sich in seiner zehnjährigen Bauzeit (ab 1997) noch gut verkaufen: Über 25.000 Exemplare wurden in Deutschland abgesetzt. Was für den Gebrauchtinteressenten heißt: großes Angebot, wählerisch sein, Preis verhandelbar!

Für kleines Geld (ab 2000 Euro) wird großes Kino geboten: Starrrahmen-Look, brei­tes Hinterrad, langer Radstand. Dazu mangelt es auch nicht am genretypischen Chrombehang. Klarer Vorteil beim Chopper-Kauf: niedrige Tachostände, hoher Pflegestandard. Die Nachteile spürt man beim Fahren: schwerfälliger Antritt, träges Handling.

Plus: Wartungsfreundlicher Kardanantrieb; guter Geradeauslauf; niedrige Sitzhöhe.

Minus: Vibrationsanfällige Auspuffanlage; hohes Gewicht; Gabeldichtringe können mit den Jahren undicht werden.

Daten: Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-V-Motor, 649 cm³, 29 kW (40 PS) bei 6500/min, Fünfganggetriebe, Kardan, Scheibenbremse vorn, Trommelbremse hinten, Reifen 100/90 S 19, 170/80 S 15, Gewicht 231 kg, Zuladung 176 kg; Tankinhalt/Reserve 16/3 Liter, Sitzhöhe 680 mm, Höchstgeschwindigkeit 147 km/h, Verbrauch (Landstraße) 4,9 Liter/100 km

Foto:
Moto Guzzi Nevada 750.
Moto Guzzi Nevada 750.

Moto Guzzi Nevada 750

Die Nevada wollte nie der bloße Abklatsch amerikanischer Chopper-Kultur sein. Dazu reicht allein der Blick auf den charismatischen Guzzi-Motor mit seinen quer zur Fahrtrichtung stehenden Zylindern und längsliegender Kurbelwelle. Dieses Prinzip ist seit einem halben Jahrhundert typisch für die italienische Motorradmarke vom Comer See. Und nicht nur deswegen will der 750er-Twin in keine typische Chopper-Schublade passen. Die Nevada greift auch Designelemente klassischer ­Musclebikes aus den 80er-Jahren auf (Yamaha Vmax) und will darüber hinaus mit komforta­bler Sitzplatzgestaltung dem Fahrer echte Tourenqualitäten bieten. Was Chopper gemeinhin nicht zu bieten haben, gelingt der Nevada ganz passabel: auch den Sozius einigermaßen menschenwürdig an Bord unterzubringen.

Bei der Gebrauchtrecherche muss man aufpassen: Nicht alle Versionen der seit 1993 verkauften Ne­vada sind ab Werk A2-tauglich. So passt es zum Beispiel bei den ­Modellen Base und Club (ab 2000/2002), die gebraucht ab 2500 Euro gehandelt werden.

Plus: Gutmütige Motorcharakteris­tik, die es Einsteigern besonders leicht macht; entspannte, langstreckentaugliche Sitzposition.

Minus: Federelemente sind bei forcierter Fahrt schnell überfordert; zum Teil nachlässig verarbeitet; dürftiges Händlernetz.

Daten: Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-V-Motor, 744 cm³, 35 kW (48 PS) bei 6200/min, Fünfganggetriebe, Kardan, Scheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten, Reifen 100/90-18, 130/90-18, Gewicht 197 kg, Zuladung 203 kg; Tankinhalt 16 Liter, Sitzhöhe 770 mm, Höchstgeschwindigkeit 163 km/h, Verbrauch (Landstraße) 5,4 Liter/100 km

Foto:
Suzuki XF 650 Freewind.
Suzuki XF 650 Freewind.

Suzuki XF 650 Freewind

Böse Zungen behaupten, die Freewind ­habe ein völlig verquollenes Design, das man sich erst einmal schönfahren müsse. Letzteres ist allerdings kein Problem für Suzukis Reise-Enduro in der Kompaktklasse. Der Einzylinder mit Vierventilkopf erweist sich als durchaus drehfreudig und punktet zudem durch ­seinen angenehm weichen Antritt. Auch das Fünfganggetriebe funktioniert ohne Mucken und Haken.

Für den Fahrer wird ein äußerst bequemer Arbeitsplatz bereitgestellt, der auch bei längsten Touren noch komfortabel bleibt. Kleines Manko: die zu schwach ausgelegten Federelemente – hier sollte mit Zubehörteilen aufgerüstet werden. Verkauft von 1997 bis 2002, nun bereits ab 1000 Euro zu bekommen.

Plus: Durchzugsstarker, spontan ansprechender Motor; standfeste und kräftig zupackende Bremse; präzises Getriebe.

Minus: Federelemente (vor allem hinten) schnell überfordert; unbequemer Soziusplatz; Verarbeitung etwas zu rustikal.

Daten: Luft-/ölgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, 644 cm³, 35 kW (48 PS) bei 7000/min, Fünfganggetriebe, Kette, Scheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten, Reifen 100/90-19, 130/80-17, Gewicht 188 kg, Zuladung 187 kg, Tankinhalt 18 Liter, Sitzhöhe 830 mm, Höchstgeschwindigkeit 162 km/h, Verbrauch (Landstraße) 5,5 Liter/100 km

48-PS-Bikes unter 1500 Euro

Die erste Liebe mit wirklich kleinem Budget erobern? Auf dem Gebrauchtmarkt tummeln sich für bereits knapp über 1000 Euro zahlreiche Motorräder, die für A2-Inhaber besonders interessant sind. Das Spektrum reicht von Einfach bis Exotisch.

Foto: Herzog
BMW F 650.
BMW F 650.

BMW F 650

Der Einstieg in die weiß-blaue Markenwelt. Der 650er-Einzylinder ist zwar von Rotax, ansonsten überzeugt die Funduro mit klassischen BMW-Tugenden. Gilt als zuverlässig; viele Angebote haben mittlerweile aber schon astronomische Laufleistungen. Genau inspizieren!

Foto: Husqvarna
Husqvarna TE 610.
Husqvarna TE 610.

Husqvarna TE 610

Ein Klassiker aus den 90er-Jahren für Geländefreaks. On- wie offroad ein absolut überzeugendes Gefährt, um vom Alltag auszuspannen. Darf aufgrund der Leistungsgewichtsbestimmung für die A2-Klasse (0,2 kW pro Kilogramm) nur in der 34-PS-Version gefahren werden.

Foto: Faidt
KTM 620 Duke I.
KTM 620 Duke I.

KTM 620 Duke I

Seit 1994 lehrt der Herzog aus Mattighofen die Supersportler mit doppelter und dreifacher PS-Leistung das Fürchten. Der kernige Einzylinder muss von A2-Inhabern allerdings zunächst in der auf 31 beziehungsweise 34 PS gedrosselten Version gefahren werden.

Foto:
MZ Skorpion Replica.
MZ Skorpion Replica.

MZ Skorpion Replica

Die DDR-Marke baute im vereinig­ten Deutschland keine miefigen „Zweetokter“ mehr, sondern setzte auf japanische Technik. Der Einzylinder stammt aus der Enduro Yamaha XTZ 660. Die Skorpion-Reihe gab es in diversen Versionen, vom Naked Bike bis zur Sport-Replica.

Foto: Faidt
Suzuki LS 650 Savage.
Suzuki LS 650 Savage.

Suzuki LS 650 Savage

Eines der vielen Unikate im Chopper-Universum. Unter dem Fahrer pulsiert bei dieser Suzuki kein klassentypischer V-Twin, sondern hämmert ein fetter Eintopf mit 650 Kubik. Ansonsten verströmt sie gnadenlos den schwülstigen Stil der 80er-Jahr.

Foto:
Yamaha SZR 660.
Yamaha SZR 660.

Yamaha SZR 660

Ein Motorrad, das man leider viel zu schnell vergessen hat. Der sportliche Ein­zylinder begeistert mit toller Machart, leckeren Details und munterem Motor. Auch das Fahrwerk passt zur sportlichen Note der 660er. Kaufen wollten es dennoch nur wenige. Heute ein Insidertipp.

Info: 48-PS-Führerschein

Die übliche Schimpftirade auf die Brüsseler Bürokratie muss in diesem Fall kurz verstummen: Von der Neuregelung der Fahrerlaubnisklassen, die seit einem knappen Jahr Gültigkeit hat, profitieren vor allem die Anwärter auf die Fahrlizenz. Mit dem neuen Einsteiger-Motorradführerschein A2 ist die altbekannte 34-PS-Regelung passé, nach Bestehen der Prüfung geht es mit einem Plus von 14 PS auf die Piste. Gute Nachricht auch für Inhaber des bisherigen Stufenführerscheins: Auch diese dürfen ohne weitere Maßnahme auf 48-PS-Motorräder umsatteln und – sofern der Stufenführerschein vor dem 19. Januar 2013 gemacht wurde – nach zwei Jahren sogar alle Motorräder ohne weitere PS-Limi­tierung fahren.

Für die A2-Inhaber ist der Aufstieg in die große, sprich unbeschränkte Klasse nicht so generös geregelt. Erst nach Bestehen einer 40-minütigen praktischen Fahrprüfung auf einem Ü-48-PS-Motorrad fällt auch hier die Leis­tungsschranke, und man hält schließlich die Lizenz ohne Limit in der Hand.

Wer von den älteren Semestern schon immer vom Motorrad geträumt hat, die Führerscheinhürde aber nicht auf sich nehmen wollte, sollte jetzt umdenken. Denn die Brüsseler Novelle erleichtert auch Autofahrern den Umstieg aufs Motorrad. Wer den Pkw-Führerschein vor dem 1. April 1980 gemacht hat, darf sich – theoretisch ohne Pflichtfahrstunden – in einer Fahrschule direkt zu einer praktischen Fahrprüfung für den A2-Führerschein anmelden.

Foto: Gargolov
Wer später offen fahren will, sollte sich gleich ein leistungsstärkeres Bike suchen.
Wer später offen fahren will, sollte sich gleich ein leistungsstärkeres Bike suchen.

Info: Drosseln auf 48 PS

Nichts ist unmöglich. Theoretisch können A2-Inhaber auch auf einem ursprünglich 180 PS starken Supersportler oder üppigen 380-Kilo-Touren­bike unterwegs sein. Denn über einen entsprechenden Drosselkit lässt sich nahezu ­jedes Motorrad auf die erlaubte 35-kW-Grenze limitieren. Dazu wird die Leistung meist mechanisch über die Beschränkung des Gasgriffweges oder elektronisch über das Aufspielen eines neuen Motormappings reduziert.

Einer der größten An­bieter ist die bayerische Firma Alpha Technik (Telefon 0 80 36/30 07 20, www.alpha technik.de), die mittlerweile für über 200 Motor­räder Drosselkits auf 48 PS anbietet. Der Aufwand ist überschaubar: Der Kit selbst kostet je nach Modell rund 100 Euro, dazu kommen individuelle Werkstattkosten für den Einbau plus die Gebühren für die ­Änderung in den Fahrzeugdokumenten. Viele Händler bieten mittlerweile auch All-inclusive-Lösungen zum Festpreis an. Von den eingangs erwähnten Extrembeispielen sollte man jedoch Abstand nehmen. Bei einem Superbike würde man ­bereits nach zwei bis drei Millimetern Gasweg die 35- kW-Grenze erreichen, und mit einem etliche Zentner schweren Tourenbike ist man als Fahranfänger einfach hoff­- nungslos überfordert.

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