Gebrauchtberatung große V-Twins von Moto Guzzi Überlebens-Künstler

Trotz Momentabstützung, Einspritzung und moderneren Fahrwerken sind die Kardan-Guzzis mit ihren V-Twins unverwechselbar geblieben – knorrig und charakterstark, aber nicht ohne Macken. Und mit denen sollten auch Gebrauchtkäufer umgehen können.

Foto: fact
Seit nunmehr 40 Jahren streckt eine Moto Guzzi ihre zwei
luftgekühlten Zylinder im stolzen Victory-V in den Wind. Be-
gründer der im Zweiradbereich nahezu einmaligen Monokultur war
die V7, die Ende 1965 vorgestellt wurde. Deren längs eingebauter V-Twin – er wurde einst für ein Armeefahrzeug konstruiert – avancierte nach Erfolgen im Rennsport Anfang der 70er Jahre zum
Markenzeichen des traditionsreichen Herstellers aus Mandello.
Genauso typisch für eine Guzzi sind aufgrund des konsequenten
Baukastensystems die Trockenkupplung und die Kardanwelle zum Hinterrad. Das durch die längs liegende Kurbelwelle unvermeidliche Rückdrehmoment ist allen Modellen zu eigen, was Guzzi-Neulingen schon mal die Linie verderben kann.
Andererseits sind es genau diese Eigenheiten, die dem chronisch finanzschwachen italienischen Hersteller über all die Jahre eine treue Fangemeinde sicherten. Eine Guzzi ist und bleibt eben anders – bis heute. Wer statt eines Charakterzweirads lieber schnöde Funktionsware bevorzugt, sollte sich den Gedanken an eine gebrauchte Moto Guzzi deshalb besser abschminken. Wer jedoch ab und an auch mal selbst Hand anlegen kann und an der Beschäftigung mit übersichtlicher Mechanik ebenso viel Freude wie am Fahren hat, darf hingegen getrost zugreifen. Tatsache ist, dass so manche zickige Guzzi erst in den Händen eines Könners zum zuverlässigen Gefährten reifte. Und dort meist auch viele Jahre verbleibt, was speziell die Suche nach den beliebten Klassikern wie den frühen Le-Mans-Modellen, der Mille GT oder den älteren California-Typen mitunter zu einem langwierigen Unterfangen macht.
Aber auch die jüngeren Modelle stehen nicht an jeder Straßenecke. Die geringen verkauften Stückzahlen sorgten dafür, dass dem Hersteller in den vergangenen Dekaden immer wieder das Aus drohte. Selbst die ab Mitte der 90er Jahre angebotenen 1100er-Modelle mit Einspritzung und G-Kat fanden nur mäßig Absatz.
Nach der Übernahme durch Aprilia im Mai 2000 verbesserte sich zwar die Verarbeitungsqualität, letztlich jedoch nicht die finanzielle Situation. Unter dem Dach von Piaggio scheint das Überleben von Moto Guzzi nun endlich gesichert, wie die attraktiven Neuheiten Breva 1100, Griso oder Norge 1200 beweisen.

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