Gebrauchtberatung Honda CBF 600 Die Golfisierung des Motorrads

Die CBF 600 ist ein großer Schritt auf dem Weg zur vollständigen Golfisierung des Motorrads, denn funktional gibt es an der Honda kaum etwas auszusetzen.

Foto: Honda
Gründe, sich für eine CBF 600 zu interessieren, gibt es genug. Der Einstandspreis ist günstig, das ABS – so vorhanden – funktioniert tadellos. Sitzbank und Lenker sind verstellbar, und man hat die Wahl zwischen halbverkleideter und nackter Variante. Die praxistaugliche Ausstattung umfasst Hauptständer (in Verbindung mit ABS), Warnblinker und Edelstahl-Auspuffanlage, das Fahrwerk schwenkt dank straffer Abstimmung auch bei flotter Fahrt erst spät die weiße Fahne. So gesehen ist der seit seinem Erscheinen 2004 anhaltende Verkaufserfolg des Mittelklasse-Allrounders kein Wunder.

Objektiv betrachtet sind der schlecht erreichbare, da direkt am Vergaser angebrachte Choke und die zu kurzen Rückspiegelarme die einzigen technisch erklärbaren Mankos der CBF. Manche monieren die mangelnde Ausstrahlung der Honda: Pflichtbewusst, ehrlich, korrekt, ohne Hinterhältigkeiten komme sie daher, leider aber auch völlig emotionslos.

Sei's drum, die CBF ist eben kein Motorrad, vor dem man zwei Stunden in der Garage kniet und einfach nur schaut. Auch kann man dem aus der 1995er-CBR 600 F entnommenen und auf 78 PS gedrosselten Reihenvierzylinder nichts wirklich vorwerfen. Allein die konzeptbedingte Durchzugsschwäche des Motors, die nicht durch entsprechenden Vorwärtsdrang im oberen Drehzahlbereich ausgeglichen wird, trübt das insgesamt positive Bild. Und so ist für flotte Fortbewegung eben reges Rühren im exakten und leichtgängigen Sechsgang­getriebe angesagt. Seit Modelljahr 2005 hat Honda für 400 Euro Aufpreis das Modell Traveller mit Koffern und Topcase im Programm. Die bislang einzige Modellpflege stand 2006 an, fiel allerdings mit Klarglasblinkern und längeren Spiegelauslegern eher bescheiden aus.
Anzeige

Besichtigung

Die wichtigsten Entscheidungen wollen schon vor einer Besichtigung getroffen sein. Sind Verkleidung und/oder ABS gewünscht? Da die CBF über die Jahre bis auf die Farben fast unverändert angeboten wurde, spielt das Baujahr keine große Rolle. Vereinzelt gab es Probleme mit rostenden Tanks, Honda tauscht bei den betroffenen Fahrzeugen die Behältnisse auch nach der Garantie auf Kulanz aus. Mechanisch ist die CBF sehr robust, schließlich stammt der Antrieb aus der CBR 600 F, wo er knapp 30 PS mehr leistet und viel höher dreht. So kann sich die Besichtigung auf den Zustand der Verschleißteile und verdeckte Sturzspuren beschränken.
Anzeige

Marktsituation

Der CBF-Interessent hat gut lachen, das Angebot an Gebrauchten ist riesig. So kann ohne lange Suche das Wunschobjekt (mit oder ohne Verkleidung oder ABS) sogar in der gewünschten Farbe gefunden werden. Bei 3500 Euro beginnen die Preisvorstellungen. Unter 4000 Euro muss man meist auf das ABS verzichten oder längere Anfahrtswege in Kauf nehmen. Das Gros der Angebote liegt zwischen 4000 und 5000 Euro, wobei Laufleistungen noch tief im vierstelligen Bereich nicht unüblich sind. Die neu 300 Euro teure Verkleidung schlägt sich im Preis kaum nieder, eher schon das ABS, für das man neu 600 Euro mehr ausgeben musste. Voll ausgestattete Vorführer gibt es für rund 6000 Euro.

Modellpflege

2004
Markteinführung, Modellcode PC 38, Preis 6190 Euro, mit Ver­klei­dung 6490 Euro zuzüglich Nebenkosten, Aufpreis ABS 600 Euro

2005
Keine Änderungen, Preis unverändert. Auf Wunsch Reisepaket Traveller. Es beinhaltet zwei Koffer sowie ein Topcase in Fahrzeugfarbe zum Sonderpreis von 400 Euro.

2006
Neue Farben, Klarglasblinker, längere Ausleger an den Rückspiegeln. Traveller-Paket auf Wunsch. Preis 6240 Euro, mit Verkleidung 6540 Euro

2007
Keine Änderungen, Preis 6440 Euro, mit Verkleidung 6740 Euro

Daten CBF 600, Baujahr 2004

Motor
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei oben liegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, Gleichdruckvergaser, Ø 34 mm, kontaktlose Transistorzündung, U-Kat mit Sekundärluftsystem, Lichtmaschine 336 Watt, Bat­terie 12 V/6 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub 65,0 x 45,2 mm
Hubraum 599 cm3
Verdichtungsverhältnis 11,6:1
Nennleistung 57 kW (78 PS) bei 10500/min
Max. Drehmoment 58 Nm bei 8000/min

Fahrwerk
Rückgratrahmen aus Stahl, Motor mittragend, Telegabel Ø 41 mm, Zweiarmschwinge aus Stahl, Zentralfederbein, direkt angelenkt, verstellbare Feder­basis, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 296 mm, Scheibenbremse hinten, Ø 240 mm, ABS gegen Aufpreis.
Alu-Gussräder3.50 x 17;5.00 x 17
Reifen120/70 ZR 17;160/60 ZR 17

Maße und Gewichte
Radstand 1480 mm, Lenkkopfwinkel 64 Grad, Nachlauf 109 mm, Federweg v/h 120/128 mm, Sitzhöhe* 770 mm, Gewicht vollgetankt* 229 kg, Zu­ladung* 175 kg, Tankinhalt 19 Liter.

Messungen
(MOTORRAD 7/04)
Fahrleistungen
Höchstgeschwindigkeit**210 km/h
Beschleunigung0–100 km/h4,1 sek
0–140 km/h7,5 sek
Durchzug
60–100 km/h5,8 sek
100–140 km/h6,4 sek

Verbrauch
4,1 bis 5,1 l/100 km, Normalbenzin

*MOTORRAD-Messungen;**Herstellerangabe

MOTORRAD-Tests und Internet-Tip

4/04 (FB), 7/04 (TT), 9/04 (VT), 10/04 (ABS-VT), 16/04 (Alpen-KV), 1/05 (VT), 5/05 (VT), 9/05 (VT), 21/05 (VT), 7/06 (VT), 20/06 (VT), 5/07 (VT), 13/07 (VT);

Internet: www.honda-board.de

*T=Test, TT=Top-Test, VT=Vergleichstest, MR=Modellreport, KV=Konzeptvergleich; Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel