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Gebrauchtberatung Honda Deauville Der Tourer von Honda als Gebrauchte

Vollwert-Tourer im Midsize-Format. Das ist ein Fall für Freunde des gepflegten Understatements und nichts für Poser. Hondas V-Twin ist wie gemacht für kühle Rechner.

Gebrauchtberatung Honda Deauville.

Deauville. Das klingt zwar irgendwie nach Urlaub, aber noch nicht nach echter Exotik. Bei der Namenssuche muss irgendein Honda-Verantwortlicher in der Normandie hängen geblieben sein. Das französische Küstenstädtchen Deauville mit seinen bekannten Pferderennbahnen sollte schließlich Namenspate für Hondas kompaktes Urlaubsmobil werden: Reisen ja, flott auch, aber dabei immer schön auf dem Teppich bleiben.

Schließlich war die ganz dicke Hose in den späten Neunzigern noch nicht angesagt. Wer bei den Zulassungszahlen oben mitschwimmen wollte, musste mit attraktiven Mittelklassemodellen punkten und diese nach Möglichkeit unter dem Begriff „Alleskönner“ vermarkten können: Alltagsmuli, Wochenendkutsche, Urlaubsbegleitung. 1998 erschien die erste Ausgabe der Deauville als Nachfolgerin des (nackten) Erfolgsmodells NTV 650 mit charismatischem V2-Motor.

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Foto: Archiv

Besichtigung

Für Honda-Händler Herbert Stauch aus Filderstadt besitzt die Deauville die Zuverlässigkeit aus der berühmten VW Käfer-Werbung: „Die läuft und läuft und läuft!“ Das gilt selbst für ganz frühe Exemplare, die mittlerweile eine sechsstellige Kilometerleistung absolviert haben. Der Motor gilt grundsätzlich als thermisch gesund und lässt sich bei regelmäßiger Pflege dadurch nicht beeindrucken.

Probleme bereiten eher die Typen, die sich mangels artgerechten Auslaufs in den letzten Jahren mehr kaputt gestanden haben. Da ist die Batterie nicht mehr zu reaktivieren, oder die Vergaser sind komplett dicht. Bei Werkstattchef Wolfgang Harbusch von Honda Wellbrink in Lilienthal kranken die 650er-Deauvilles (RC47) maximal an verschlissenen Radlagern fürs Vorderrad oder einer defekten Benzinpumpe. Diese muss aber nicht ausgetauscht werden, sondern kann per Reparaturkit (ab ca. 25 Euro) wieder gerichtet werden. Nach versteckten Rostnestern (Tank, Rahmen, Krümmer) fahnden!

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Foto: Archiv

Marktsituation

Das Angebot ist reichhaltig und beginnt knapp unter 2000 Euro für die frühen Baujahre der Deauville. Mit entsprechendem Tachostand: Unter 50 000 Kilometern wird das Reisemobil in diesem Alter nicht häufig angeboten. Im Schnitt kann man von einer Jahresfahrleistung von 6000 Kilometern ausgehen. Meist dabei: ein umfangreiches Extrapaket, das die Reisetauglichkeit der Deauville nochmals deutlich steigert, wie zum Beispiel die extrahohe Tourenscheibe oder ein großes Topcase mit Rückenlehne für den Passagier.

Der jüngere RC52-Typ (ab 2006) wird fast ausschließlich mit ABS angeboten. Mit viel Glück lässt sich einer bereits für 3500 Euro ergattern, das Gros der Angebote bewegt sich aber nicht unter 5000 Euro. Dafür gibt es meist ein Fahrzeug mit lückenloser Scheckheftpflege, minimalen Gebrauchsspuren und einer Laufleistung unter 30 000 Kilometern. Das Easy-Going-Bike ist auch für 48-PS-Einsteiger interessant: Bei Alpha-Technik (www.alphatechnik.de) kostet der entsprechende Drosselsatz 105 Euro.

Modellpflege

  • 1998 Markteinführung unter der Modellbezeichnung NT 650 V Deauville (Typ RC47) in den Leistungsversionen 34, 50 und 56 PS. Preis: 14 270 Mark (7280 Euro).
  • 1999 Wegfahrsperre serienmäßig. Preis unverändert.
  • 2002 Modifizierter Motor mit leichteren Kolben soll Vibrationen minimieren, Entfall der 50-PS-Version für Deutschland. Wegen strengerer Abgasrichtlinien erhält die Deauville ungeregelte Katalysatoren und ein Sekundärluftsystem. Neu gestaltete Koffer mit größerem Volumen (plus neun Liter). CBS-Verbundbremse mit neuem Dreikolben-Bremssattel vorne serienmäßig. Preis: 7990 Euro.
  • 2004 Dauerlichtschalter und Warnblinkanlage serienmäßig, Batteriekapazität steigt von 9 auf 11,2 Ah. Preis: 8140 Euro.
  • 2006 Umfangreiche Modellpflege, Typenbezeichnung NT 700 V Deauville (Typ RC52), neuer Vierventil-Einspritzmotor mit 680 cm³ Hubraum und geregeltem Katalysator nach Euro-3-Norm. Volumen der Koffer wächst um rund 10 Liter auf jetzt 54 Liter, über breitere Deckel um weitere 17 Liter erweiterbar. Front- und Seitenverkleidung, Tank und Sitzbank modifiziert, neuer Doppelscheinwerfer, verstellbare Windschutzscheibe. CBS-Kombibremse serienmäßig, ABS optional erhältlich (Aufpreis 600 Euro). Preis: 8240 Euro.
  • 2012 ABS jetzt serienmäßig. Preis: 10 190 Euro.
Foto: Archiv

Technische Daten

Motor
Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-V-Motor, Kurbelwelle querliegend, je eine obenliegende, kettengetriebene Nockenwelle, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, geregelter Katalysator, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, Kardan.
Bohrung x Hub 81,0 x 66,0 mm
Hubraum 680 cm³

Nennleistung 48 kW (65 PS) bei 8000/min
Max. Drehmoment 66 Nm bei 6500/min

Fahrwerk
Brückenrahmen aus Stahl, Telegabel, Eingelenk-Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Doppelscheibenbremse vorn, Dreikolben-Schwimmsattel, Scheibenbremse hinten, Doppelkolben-Schwimmsattel, Verbundbremssystem.
Alu-Gussräder 3.50 x 17; 4.50 x 17
Reifen 120/70 ZR 17, 150/70 ZR 17

Maße + Gewicht
Radstand 1475 mm, Lenkkopfwinkel 61,5 Grad, Nachlauf 115 mm, Federweg v/h 115/120 mm, Sitzhöhe* 810 mm, Gewicht vollgetankt* 257 kg, Tankinhalt** 19,7 Liter.

Messungen
(MOTORRAD 7/2006)
Höchstgeschwindigkeit** 185 km/h
Beschleunigung
0-100 km/h 5,4 sek
Durchzug
60-140 km/h 13,8 sek
Verbrauch
4,6 l Normal/100 km (Landstraße)

Der oben genannte Bogen klingt zwar weit gespannt, doch die 650er hatte keine Mühe, diesen mit Vollverkleidung, wartungsarmem Kardan und sauber integrierten Koffern von Anfang an nicht zu überspannen. Im Laufe der Jahre wurde die Deauville sukzessive größer, legte an Koffervolumen und Bremsleistung (2002) und schließlich auch an Hubraum und Gewicht (2006) zu. In Sachen Zuverlässigkeit rangierte sie von Anfang an auf hohem Niveau.

Den Werkstätten blieb der zunächst bei Honda Montesa in Spanien (später Atessa/Italien) gefertigte Twin im Regelfall fern. Ihre Fahrer schätzen vor allem ihre handliche wie auch gutmütige Art, die sie in der Neuauflage als RC52 (2006) nochmals deutlich unterstreichen kann. Beim Landstraßenswing sind über 400 Kilometer Reichweite drin. Da ist man doch schon fast in Deauville und kann auch gleich ein Baguette für den Ausklang am Strand in der Kofferdurchreiche versenken.

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