Gebrauchtberatung Honda VFR 750 F Vau fürs Leben

Mit ihrer überragenden Zuverlässigkeit ist die Honda VFR 750 F die ideale Partnerin für Gebrauchtkäufer, die nicht auf eine kurze Romanze aus sind, sondern eine dauerhafte Beziehung anstreben.

Foto: fact
Der erste Versuch von Honda, die
auf Reihenvierzylinder setzende Kon-
kurrenz ab 1982 mit technisch aufwendi-
gen V4-Motoren zu übertrumpfen, endete Mitte der 80er Jahre mit einem Debakel. Brechende Kurbelwellen bei der VF 500 F, kapitale Schäden am Ventiltrieb von VF 750 F und VF 1000 F sowie permanente Überhitzungsprobleme bei der Tausender ruinierten nicht nur den Ruf der betroffenen Modelle nachhaltig, sondern auch das Ansehen des weltgrößten Motorradherstellers. Der über Jahrzehnte mit robusten Reihenmotoren erarbeitete Nimbus höchster Zuverlässigkeit war durch das ganz offensichtlich missglückte V4-Konzept mit einem Schlag – oftmals im wörtlichen Sinn – da-
hin. So manch altgedienter Vertragshändler erinnert sich heute noch mit Schrecken
an jene Zeit, als Garantiefälle im Akkord abgearbeitet werden mussten. Trotzdem hielten die Japaner unbeirrt am aufwen-
digen Bauprinzip fest.
Zu Recht, wie sich rückblickend feststellen lässt. Denn im Herbst 1985 be-
gann mit der Vorstellung der ersten Honda VFR 750 F ein neues, überaus erfolgreiches V4-Kapitel für die Japaner. Die VFR war ein von Grund auf neu konstruiertes Sportmotorrad, dessen Triebwerk mit den unglücklichen Vierzylinder-V-Motoren der ersten Generation kaum mehr gemeinsam hatte als das Konzept und den Zylinder-
winkel von 90 Grad.
Die Entwickler eliminierten gezielt alle Schwachstellen der stark kritisierten Vor-
gängermodelle. So transportierten nun-
mehr zwei Ölpumpen den lebenswichtigen Schmierstoff zuverlässig zu den hoch be-
lasteten Stellen. Eine Kurbelwelle mit 180 Grad Hubzapfenversatz verbesserte Kraftentfaltung wie Laufkultur, während leichtere Pleuel, Kolben, Ventile und Schlepphebel für mehr Drehfreude sorgten. Krönung des Ganzen war der Zahnradantrieb zu den Nockenwellen, dessen charakteristisches, helles Singen bei der großen VFR-Fan-
gemeinde längst Kultstatus genießt.
Obwohl die technische Basis des Triebwerks von den erfolgreichen Endurance-Rennern stammte, verkniff sich Honda
bei der VFR 750 F eine aggressive Kriegs-
bemalung. Um das filigrane Alu-Fahrgestell modellierten die Designer eine unaufdringliche, zeitlos elegante Schale. Die einfarbigen Metallic-Lackierungen gaben dem Sportmotorrad ein edles Erscheinungsbild und wurden zu einem Markenzeichen der VFR 750 F, das auch allen folgenden Generationen zu Eigen war.
Trotz des zurückhaltenden Auftritts hatte es bereits die Erstausgabe faust-
dick unter dem noblen Kunststoffkleid. Im ersten Vergleichstest (MOTORRAD 7 und 8/1986) verwies die VFR die Konkurrenz mit ihrem kräftigen und kultivierten Motor sowie dem gleichermaßen handlichen wie stabilen und sehr neutral abgestimmten Fahrwerk deutlich auf die Plätze. »Die VFR vereint Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit auf nahezu ideale Weise«, lautete da-
mals das Fazit der begeisterten MOTOR-
RAD-Tester.
Ein Urteil, das bis heute Bestand hat, weil Honda bei den zahlreichen, zum
Teil sehr tief greifenden Überarbeitungen (siehe Seite 55) stets bestrebt war, diesen Kompromiss zu perfektionieren. Etliche Langstreckentests und die Lobeshymnen begeisterter Vielfahrer untermauern zu-
dem, dass die solide Technik der Honda für Laufleistungen von weit über 100000 Kilometern gut ist. So verwundert es nicht, dass die VFR 750 F bis heute als der
Allrounder par excellence gilt. Vom sportlichen Kurvenwedeln über den Sozius-
transport auf Tour bis hin zu gelegent-
lichen Abstechern auf die Rennstrecke
beherrscht die VFR 750 die gesamte Bandbreite des Motorradlebens. Dass bei stärker spezialisierten Konzepten wie Su-
persportler oder Tourer die VFR 750 F das Nachsehen hat, kann Gebrauchtkäufern ohne entsprechende Ambitionen egal sein. Ebenso, dass modernere Bikes der 750er leistungsmäßig überlegen sind. Wer nicht ständig den direkten Vergleich hat, wird an einer gebrauchten VFR 750 F, insbeson-
dere den RC-36-Modellen ab 1994, kaum etwas vermissen. Acht Jahre nach Produktionseinstellung gehört die VFR 750 F deshalb noch immer zu den empfehlenswertesten Motorrädern auf dem Gebrauchtmarkt, für die man nicht einmal
allzu tief in die Tasche greifen muss.

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