Gebrauchtberatung Honda VFR

Passepartout

Hondas aufwendiges V4-Konzept konnte mit der Kat-Version ab 1998 sein ungewöhnlich solides Image pflegen. Der Nachteil für Gebrauchtkäufer: entsprechend hohe Preise.

Foto: Honda
Gebrauchtberatung Honda VFR
Gebrauchtberatung Honda VFR
Der Ruf von Hondas VFR-Modellreihe, seit 1986 im Programm, ist in Sachen Solidität und Zuverlässigkeit in der Motorradszene ziemlich einmalig. Laufleistungen von weit über 100000 Kilometern von betagteren VFR 750 ohne Motorrevision sind schon fast die Regel. Bei dem aufwendig konstruierten V4-Triebwerk treiben Zahnräder die je zwei obenliegenden Nockenwellen an, um für exaktere Steuerzeiten zu sorgen.
Mit der ab 1998 angebotenen VFR (800), Codekürzel RC 46, die mit Einspritzung und geregeltem Katalysator auch künftige, strenge Euro 2-Schadstoffgrenzwerte erfüllt, lieferte Honda für die umweltbewusster werdende Reiseklientel hierzulande die gelungene Alternative zum Vorreiter in Sachen Kat, BMW. Die VFR ist in den vier Jahren ihrer Produktion in Deutschland rund 7000mal verkauft worden. Für 2002 präsentiert Honda ein neues Modell seines Sporttourers, mit ein Grund, auf die Verdienste der Vorgängerin einzugehen. Pluspunkte verschafft sich die VFR bereits bei der Sitzprobe: Hand- und Fußarmaturen erscheinen großen und kleinen Piloten wie maßgeschneidert, die Sitzposition ist äuerst bequem.
Bis 6500/min gibt sich der Vorwärtsdrang des V-Vierzylinders eher unspektakulär, um sich bei höheren Drehzahlen als spontan und bissig zu outen. Korrespondierend zum Potenzial des 782-cm3-Motors erfreut den Piloten ein leicht sonores, kehliges Ansaugeräusch, das in Verbindung mit dem solide klingenden Mahlen des Zahnradstrangs eine ungewöhnliche, aber vertrauenerweckende Klangkulisse ergibt. Die Honda fährt sich sehr handlich und neutral, ihr Alufahrwerk meistert auch schlechte Straßen problemlos. Selbst enge Kurven und Spitzkehren stellen in Sachen Handlichkeit kein Problem dar.
Zunächst etwas ungewohnt, nach einiger Eingewöhnenszeit jedoch sehr effektiv einzusetzen: das Honda-Integral-Bremssystem. Bei dieser Kombination werden Vorder- und Hinterrad immer gleichzeitig, jedoch unterschiedlich stark bei der Betätigung von Hand- oder Fußbremshebel verzögert. Auf bekannten Strecken ertappt sich der VFR-Pilot beim ersten Versuch dabei, dass er schon einige Meter vor der Kurve viel zu langsam ist, so effektiv verkürzt das mitgebremste Hinterrad den konventionell eingeschätzten Bremsweg.
Der Beifahrer sitzt ähnlich kommod wie der Fahrer, die Position der Fußrasten lässt genug Platz für die Beine. Komfortabel sind auch die beiden Haltegriffe am Heck, für Harmonie beim Reisen zu zweit wie geschaffen. Das großzügig zugeschnittene Kunststoffkleid schützt gut vor Wind und Wetter. Praktische Details wie Gepäckhaken und die komplette Instrumentierung samt Uhr und Tankanzeige lassen die Augen der Fernreisefraktion leuchten. Die Gebrauchtmaschine, in der Sonderlackierung zum 50-jährigen Honda-Jubiläum, Zulassung 3/2000, hatte 3700 Kilometer Laufleistung und wurde von der Motor-Handelsgesellschaft, früher Schwabengarage in Göppingen, für 16490 Mark angeboten.
Als Honda mit der neuen VFR nicht wie gewohnt die ersten Vergleichstests dominierte, unterzog das Werk für 2000 das Modell noch einmal einer Überarbeitung. Weitere Krümmer und eine modifizierte Zündeinheit erhöhten die deklarierte Leistung auf 106 PS und minderten den Benzindurst. Die Kupplung, die beim 50000-Kilometer-Langstreckentest (MOTORRAD 11/1998) etwas ins Rutschen gekommen war, wurde mit modifizierten Federn, geändertem Bremshauptzylinder und einer Reibscheibe standfester und leichtgängiger gemacht.
Wirkliche Minuspunkte sind an dem außergewöhnlichen Sporttourer-Konzept kaum auszumachen. Vereinzelt werden leichte Vibrationen bei 8000/min in den Fußrasten kritisiert, größere Fahrer montieren für besseren Windschutz eine höhere Spoilerscheibe von MRA (Telefon 0 76 63/9 38 90) zu 149 Mark. Ab dem Modell 2000 besitzt die VFR Spiegel, die vielen Kunden formschöner finden und die dank etwas längerer Ausleger mehr Rücksicht bieten. Wer aus Gründen der Versicherungskosten das 106 PS starke Modell auf 98 PS drosseln lassen möchte, kann zum Beispiel bei Alpha-Technik (Telefon 0 80 36/30 07 20) fündig werden. Ein mechanischer Kit plus Gutachten kostet 150 Mark. Um Feder- und Fahrerbein vor aufwirbelnder Nässe zu schützen, ist beispielsweise bei der Firma Thurn Motorsport (Telefon 0 93 52/67 34) eine spezielle Hinterradabdeckung aus Kohlefaser zum Preis von 419 Mark erhältlich.
Bei der Reifenwahl kommt es darauf an, ob der VFRler eher sportlich oder touristisch unterwegs ist. Die Dunlop-Pneus D 207 bieten guten Grip auf nasser und trockener Fahrbahn, verschleißen aber relativ schnell. Ähnliche Eigenschaften besitzt die Bridgestone-Paarung BT 56/57, allerdings mit Abstrichen in Sachen Hochgeschwindigkeitsstabilität. Langlebiger sind die Metzeler ME Z4, die für hohen Fahrkomfort sorgen, in Haftung und Handling jedoch etwas hinter den beiden anderen Paarungen zurückstehen.
Für Gebrauchtkäufer ist die VFR eigentlich ein perfektes Angebot aufgrund der Langlebigkeit des Triebwerks und der Solidität der gesamten Konstruktion. Die Sache hat nur einen Haken: Die Angebote sind selten, die Preise entsprechend hoch. Daran wird auch der Modellwechsel kaum etwas ändern.




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Marktübersicht - Honda VFR

Das Barometer für Gebrauchtmarktpreise allgemien hängt zwar tief, doch auf die VFR trifft das leider (noch) nicht zu. Mit dem Debüt der neuen VFR für 2001 allerdings könnten auch die relativ hohen Preise für die RC 46 ins Rutschen kommen, weil das Angebot größer wird, immerhin sind hierzulande knapp 7000 Exemplare registriert. Die Schwacke-Liste notiert für die VFR, RC 46 : Baujahr 1998 (24 600 Kilometer) 12200 Mark; 1999 (16 200 Kilometer) 13400 Mark; 2000 (7800 Kilometer) 14900 Mark. Konkurrenz für den V4: die BMW R 1100 RS, der Vierventil-Boxer aus deutschem Hause, mit Kardan, ABS und geregeltem Kat, hierzulande sehr beliebt aber auch erheblich teurer. Außerdem im Segment der Sporttourer: die erstaunlich ausgewogene Triumph Sprint ST, deren explosiver Dreizylinder ebenfalls mit geregeltem Kat aufwartet, ebenfalls noch etwas hochpreisiger.

Lesererfahrungen - Honda VFR

Die VFR ist gutmütig zu fahren, sie verzeiht Fahrfehler. Die Sitzposition ist zwar sportlich orientiert, jedoch auf langen Etappen sehr bequem. Auch bei höherer Geschwindigkeit bietet die Verkleidung guten Windschutz, die Leistung ist für meine Ansprüche völlig ausreichend. Einziger Kritikpunkt: das Gewicht. Bei engen Serpentinen zum Beispiel und beim Rangieren ist die Handhabung etwas schwerfällig.Heidrun Leyrer, LudwigsburgMit der Honda VFR, Baujahr 1998, habe ich bisher 25000 Kilometer ohne Probleme zurückgelegt. Einziges Ärgernis: die zu empfiondliche Lackqualität. Die Erstbereifung Metzeler Z4 wich nach zirka 9000 Kilometern den haftfähigeren, weniger störrischen Bridgestone BT 57, die den Fahrspaß verbesserten. Lebensdauer zirka 6000 Kilometer. Momentan fahre ich Bridgestone BT 20, ein Reifen mit außerordentlicher Nass- und Trockenhaftung, allerdings tritt zwischen 50 und 70 km/h Lenkerpendeln auf. Ich montierte einen ABM-Superbikelenker mit längeren Stahlflexleitungen von Spiegler für den Primärbremskreis. Insgesamt war die VFR immer eine zuverlässige Allroundmaschine für Reise, Landstraße oder ein paar schnelle Nordschleifen-Runden. Wünschenswert wäre in der nächsten Generation ein 1000-cm³-Motor mit mehr Drehmoment.Arnd Wilhelmi, MainzMeine VFR habe ich mit einem Federbein und Gabelfedern von Technoflex ausgestattet. So habe ich mit vollbepackten Krauser-Koffersystem plus Sozia ein noch sichereres Gefühl. Scottoiler und ein K&N-Luftfilter sowie eine Hinterradabdeckung von Mad-Mix sind sinnvolles Zubehör. Eine Spoilerscheibe von MRA nimmt etwas Druck vom Oberkörper, sorgt aber auch für mehr Lärm im Helm. Um den Sound des genialen V4 noch zu toppen, wurde ein Leovinci-Schalldämpfer montiert.Andreas Hopp, Celle

Technische Daten - Honda VFR

steckbriefdatenMotorWassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor, je zwei obenliegende, zahnradgetriebene Nockenwellen, vier über Tassenstößel betätigte Ventile pro Zylinder, elektronische Saugrohreinspritzung, 0 36 mm, digitales Motormanagement, geregelter Kat, Hubraum 782 cm³, Nennleistung 78/72 kW(106/98 PS) bei 10500/min, Sechsganggetriebe, E-Starter, O-Ringkette.FahrwerkBrückenrahmen aus Aluprofilen, Telegabel mit verstellbarer Federbasis, Standrohrdurchmesser 41 mm, Einarmschwinge aus Alugss, Zentralfederbein mit verstellbarer federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn mit Dreikolbensätteln und schwimmend gelagerten Bremsscheiben, 0 296 mm, Scheibenbremse hinten 0 256 mm, Integralbremse, Alugußräder, Federweg vorn /hinten 120/120 mmMaße und GewichteSitzhöhe 800 mmTankinhalt 21 LiterGewicht vollgetankt 237 kgService-Intervalle alle 6000 kmTestwerteHöchstgeschwindigkeitSolo/mit Sozius 235 (212) km/hBeschleunigung Solo/mit Sozius0 – 100 km/h 3,3 (4,7) sekVerbrauch 6,5 Liter/100 kmErsatzteil-Preise SturzteileKupplungsarmatur 483 MarkHandbremsarmatur 338 MarkLenkerhälfte 200 MarkRückspiegel 98 MarkBlinker vorn 77 MarkTachometer 230 MarkDrehzahlmesser 230 MarkScheinwerfer 448 MarkGabelstandrohr 248 MarkVorderrad 863 MarkSchutzblech vorn 239 MarkSchalldämpfer 627 MarkTank lackiert 1167 MarkRahmen komplett 2648 MarkVerkleidungOberteil 938 MarkJe Seitenteil 724 MarkUnterteil 799 MarkVerschleißteileKetenkit 366 MarkBremsbeläge vorn, komplett 115 MarkKupplungsreibscheiben 154 MarkBremsscheibe vorn 511 MarkLuftfilter 71 MarkÖlfilter 16 MarkBatterie 147 MarkLambdasonde 43 MarkKatalysator (mit Krünmmer) 678 Mark Test in MOTORRAD1Test 2/2998Vergleichstest 7/1998Vergleichstest 2/1999Langstreckentest 11/1999Vergleichstest 2/2000Reisetest 18/2000Vergleichstest 1/2001Vergleichstet 9/2001ReifenfreigabenVorn Hinten120/70 ZR 17 180/55 ZR 17 Bridgestone BT 57 Dunlop D 204 Metzeler ME Z4

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