Gebrauchtberatung: Kawasaki ZX-6R Viel Motorradtechnik für wenig Geld

Nicht ohne Grund hat das Team Green eine treue Anhängerschaft, die auf die Supersportqualitäten der Ninja-Reihe schwört. Ein Tipp für budgetorientierte Gebrauchtkäufer: die Einspritzer der Kawasaki ZX-6R ab 2003.

Foto: Jahn

Wer sich nach dem Motto „Supersport“ auf den Gebrauchtmarkt stürzt, wird an der giftgrünen Kawasaki ZX-6R auf keinen Fall vorbeikommen. Und das ist auch gut so. Denn auf der einen Seite hat man sich über eine halbe Ewigkeit schon ein kleines Imperium aufgebaut. Immerhin liegt das eigentliche Debüt der ZX-6R bereits zwei Jahrzehnte zurück.

Von 1995 bis 2002 konnte man knapp 20.000 Exem­plare der Kawasaki ZX-6R mit 600 Kubik Hubraum absetzen. Von den Bikes bevölkern zwar immer noch einige Hundert die bekannten Internet-Gebrauchtbörsen und Kleinanzeigenmärkte, allerdings haben diese zum Teil schon stattliche Youngtimerreife erreicht.

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Einspritzmotor macht fit für die Zukunft

2003 folgt ein entscheidender Schritt: Die Kawasaki ZX-6R wird mit Einspritzmotor fit für die Zukunft gemacht. Doch das ist nur ein Aspekt. Mit einem kleinen Kniff in puncto Hubraum gewinnt die supersportliche Ninja deutlich an Alltagstauglichkeit. Allerdings liegt man mit 636 cm³ über dem erlaubten Maß der Supersportklasse, weshalb parallel eine RR-Version mit regelkonformen 599 cm³ angeboten wurde.

Gebrauchtkäufer, die mehr auf Landstraßen als auf Rennstrecken abbiegen, sollten aber grundsätzlich die 636er-Version der Kawasaki ZX-6R ins Visier nehmen. An radikalem Zuschnitt mangelt es auch dieser nicht: Radial-bremsen und Upside-down-Gabel unterstreichen ihre supersportlichen Ambitionen genauso wie das voll einstellbare Fahrwerk und der Kawasaki-typische Ram-Air-Schlund in der Verkleidungsmaske. Typisch für diese Maschinengattung: die häufigen Modellpflegemaßnahmen, die sie immer wieder nahe ans Optimum des dynamisch Machbaren bringen.

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Foto: fact

Die Einspritz-Modelle

2003
Neuer Kurs: Mit einem Hubraumplus auf 636 cm³ entspricht die kleine Ninja zwar nicht mehr dem Reglement der Supersportklasse, dafür überzeugt sie im Alltag durch mehr Fülle in der Drehzahlmitte. Parallel bis 2006 im Angebot: die Kawasaki ZX-6RR mit 599 cm³. Der Typ Kawasaki ZX636-B1H löst mit größerem Motor (636 cm³), elektronischer Einspritzung, Upside-down-Gabel und Radial-Bremssätteln die Vergasermodelle ab. Ebenfalls neu: Ventilsteuerung, Kolben und Getriebe. Farben: Grün, Schwarz und Blau. Preis: 9640 Euro.

2005
Typ Kawasaki ZX636-C1H mit Underseat-Schalldämpfer und voluminöserer Schwinge, Verkleidung und Windschild neu gestylt. Zylinderkopf modifiziert, Kolben und Motormanagement neu. Gewicht steigt von 188 auf 192 kg, Motorleistung  von 118 auf 130 PS. Farben: Grün, Blau und Silber. Preis: 10.295 Euro.

Foto: Kawasaki

2007
Neue lage: Vier Jahre später sinkt der Hubraum wieder auf die klassenüblichen 599 cm³. Damit verliert sie etwas an Druck in der Drehzahlmitte, doch neben dem Spitzenwert von 131 Ram-Air-PS beeindruckt dieser Jahrgang durch die gleichmäßige Leistungsabgabe. Bereits seit 2005 kauert der Auspuff unterm Heck.

Beim Typ Kawasaki ZX600P7F sinkt der Hubraum auf 599 cm³. Neu sind weiterhin Upside-down-Gabel und die auf bessere Aerodynamik abgestimmte Verkleidung. Neu platziertes Federbein, Leistung sinkt auf 125 PS, das Gewicht steigt auf 200 kg. Farben: Grün, Schwarz und Orange. Preis: 10.665 Euro.

2009
Typ Kawasaki ZX600R9F mit wieder reduziertem Gewicht (193 kg) und Leistungsplus (128 PS). Überarbeitungsmaßnah­men: seitlich platzierter Endschalldämpfer, leichter Heckrahmen, Motor steiler eingehängt, feiner ansprechende Big-­Piston-Fork-Gabel. Farben: Grün, Schwarz, Blau. Preis: 10.895 Euro.

Foto: Kawasaki

2013
Alter Wert: Wie vor zehn Jahren pfeift man auf das Supersportreglement und gibt dem jüngsten Ninja-Spross wieder 636 cm³ Hubraum mit auf den Weg. Und nicht nur das: Auch ABS und Traktionskontrolle begeistern im Alltagsgeschäft.
Typ Kawasaki ZX600RDF mit Hubraumplus (636 cm³) und 131 PS Spitzenleistung. Farben: Grün, Weiß. Preis: 13.195 Euro.

Foto: Jahn

Besichtigung und Marktsituation

Besichtigung

Natürlich sind 600er-Supersportler reine Drehorgeln, doch die Kawasaki ZX-6R lässt sich davon wenig beeindrucken. Von einer Häufung typischer Problemfälle bei den Typen ab Jahrgang 2003 kann jedenfalls keine Vertragswerkstatt berichten. Dafür eher der Ninja echte Zuverlässigkeit bescheinigen. Bisweilen kann es vorkommen, dass bei Fahrzeugen mit hoher Laufleistung (über 30.000 km) der zweite oder dritte Gang rausspringt – was auf Verschleiß bei Zahnrädern und Schaltgabel deutet.

Diesen Mangel sollte man durch eine entsprechend intensive Probefahrt mit der Kawasaki ZX-6R ausschließen. Bei der Besichtigung sollten vor allem alle Verschleißteile gründlich gecheckt werden. Gerne übersehen wird dabei die Dicke der Bremsscheiben. Sollte das zulässige Maß (ist aufgeprägt) unterschritten werden, ist teurer Ersatz fällig. Im Idealfall fragt man mit der Fahrgestellnummer beim Vertragshändler nach, ob für das Fahrzeug noch Servicearbeiten (Rückrufe, Umrüstaktion) offen sind.

Marktsituation

Wahnsinn: Was vor gut einem Jahrzehnt mehr oder minder State of the Art in den Boxengassen dieser Welt war, ist mittlerweile für bummelige 3000 Euro zu bekommen. Wer unter dem Aspekt „viel Motorradtechnik für wenig Geld“ auf Einkaufstour geht, sollte die Kawasaki ZX-6R ganz oben auf der Fahndungsliste notieren.

Das Angebot ist mehr als reichhaltig. Was aber auch gut ist. Denn so lässt sich stark strapazierte Ware von gut und vorbildlich gepflegtem Material trennen. Die Gebrauchtbörsen geben nämlich beides her: heruntergerockte Rennziegen, die schön mit Folie überzogen mächtig viele Schmauchspuren verbergen wollen, und 1A-Originalheimer, bei denen der (meist grüne) Lack noch wie am ersten Tag glänzt. Eine gute Investition: der Kawasaki ZX-6R Modelljahrgang ab 2009 mit der Big-Piston-Gabel ab 5000 Euro.

Verfügbarkeit am Markt: sehr hoch

Preisniveau in EuroBaujahrekm-Stand
Niedrig  3000-4000 2003-200625.000-50.000
Mittel4000-60002007-200915.000-30.000
Hoch6000-80002010-2013 5000-15.000
Typim Programm  Verkäufe
Kawasaki ZX636-B2003-20043142
Kawasaki ZX636-C2005-20062045
Kawasaki ZX600-P2007-20081830
Kawasaki ZX600-Rab 20091099*
*Stand Juni 2014
Foto: Jahn

Technische Daten Kawasaki ZX-6R

Motor
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, geregelter Katalysator, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung (Antihopping), Sechsganggetriebe, Kette.
Bohrung x Hub: 67,0 x 42,5 mm
Hubraum: 599 cm³
Nennleistung: 94,1 kW (128 PS) bei 14.000/min
Max. Drehmoment: 67 Nm bei 11.800/min

Fahrwerk
Brückenrahmen aus Aluminium, Upside-down-Gabel, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten.
Alu-Gussräder: 3.50 x 17; 5.50 x 17
Reifen: 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17

Maße und Gewichte
Radstand 1400 mm, Lenkkopfwinkel 66,0 Grad, Nachlauf 103 mm, Federweg v/h 120/134 mm, Sitzhöhe* 810 mm, Gewicht vollgetankt* 193 kg, Tankinhalt 17,0 Liter.

Messungen (MOTORRAD 6/2009)
Höchstgeschwindigkeit**: 262 km/h
Beschleunigung 0–100 km/h: 3,4 sek
Durchzug 60–100 km/h: 4,3 sek
Verbrauch: 5,0 l/100 km (Landstraße)

*MOTORRAD-Messungen, **Herstellerangaben

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