Gebrauchtberatung Kawasaki VN 1600

Der mächtige 1600er-Kardancruiser mit beinahe außerirdischer Zuverlässigkeit gilt unter Gebrauchten als sichere Bank. Auch die Modellvarianten bieten viel fürs Geld.

Foto: Kawasaki
Spricht man an dieser Stelle von Vulcaniern, so sind damit nicht Außerirdische vom Schlage eines Mr. Spock gemeint, sondern die Besitzer eines Kawasaki-Cruisers der VN-Reihe (amerikanischer Zusatz: "Vulcan"). Wobei viele Vulcanier Ende 2002 tatsächlich spitze Ohren bekamen, nachdem sie Kunde bekommen hatten, eine neue 1600er löse das Erfolgsmodell VN 1500 ab. Die 1500er, von 1995 bis 2002 im Programm - als Variante "Classic Tourer" noch ein Jahr länger -, zickte mitunter etwas herum. Etwa bei der Ölversorgung, da kam es hier und da zu Totalausfällen. Oder das Getriebe - auch nicht immer stressfrei. Und die 1600er? Macken? Fehlanzeige. Ein technisch einwandfreies, sehr zuverlässiges Motorrad. Noch mehr Lob verdient die von 2004 bis 2008 angebotene VN 1600 Mean Steak. Gegenüber der Classic das eindeutig bessere Motorrad, weil es mit sportlichem Fahrwerk und Top-Bremsen an den Start geht. Die Hot Rod-Optik der Mean Streak mochte allerdings außerhalb der Vulcanier-Welt zunächst niemanden so recht beeindrucken, die Classic-Variante traf seinerzeit besser den Zeitgeist. Das hat sich geändert. Aktuell liegen Cruiser in Dragster-Verpackung deutlich stärker im Trend, deshalb ist die 72 PS starke 1600er-Mean Streak (Classic: 67 PS) auf dem Gebrauchtmarkt ein besonders heißes Eisen. Das gilt übrigens gleichermaßen für die 2005 vorgestellte und mit rund 370 Kilogramm etwas übergewichtige Classic Tourer, da sie bei Vulcaniern mit Dauerblick gen Horizont besser punkten kann. Die Standard-VN 1600 Classic ist dafür am günstigsten aus zweiter Hand zu schießen, aufgrund des geringen Bestands wird sie allerdings generell hoch gehandelt. Ein Neu-Vulcanier muss also ein ordentliches Startkapital einbringen, jedoch mit der Garantie, dass das Geld gut angelegt ist.
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Foto: Gargolov

Besichtigung

Der Idealfall: nur ein Vorbesitzer, Verkauf über einen seriösen (Vertrags-)Händler, Inspektionsheft beamtisch geführt, Chromflächen blitzen. Dann braucht man nur über eines zu reden: den Preis. Passt dieser zum eigenen Budget, kann man getrost zuschlagen, denn Schwächen sind bei der VN 1600 so gut wie unbekannt. Nur bei der Classic gab es zwei Rückrufe (2004 und 2007) wegen undichter Ölfilter (Fahrgestellnummern VNT60AE000058 bis 003459) beziehungsweise Rissen im Bereich der vorderen oder hinteren Tankbefestigungspunkte (Brandgefahr, JKBVNT60AAA000042 - JKBVNT60AAA005907). Doch wie schon erwähnt, bei ordentlichen Inspektionen muss man sich als Interessent um derartige Angelegenheiten kaum Sorgen machen, denn Profiwerkstätten haben solche Mängel in der Regel schon längst behoben. Bleibt noch der Blick aufs mitgelieferte Zubehör. Bei der Mean Streak weniger wichtig, denn Fans wollen die cleane Optik nur selten stören. Die "Tourer" ist bereits vollausgestattet, aber bei der Standard-Classic gelten Teile wie Windschild, Packtaschen oder Zusatzscheinwerfer als attraktive Zugabe.
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Foto: Gargolov

Marktsituation

Etwa 1000-mal verkaufte sich die Classic, rund 450-mal die Mean Streak und nur zirka 300-mal die Tourer. Dementsprechend ist das Secondhand-Angebot dünn, aber wer gezielt sucht, findet attraktive Angebote, für die der Interessent mitunter längere Anfahrtswege einplanen sollte. Laut Schwacke-Liste beginnen die Preise bei 5500 Euro, wenn die Maschinen über 50000 Kilometer auf der Uhr haben. In Wirklichkeit sind derart hohe Laufleistungen bei der VN 1600 allerdings kaum anzutreffen, selten stehen mehr als 30000 Kilometer auf der Uhr. Noch seltener als extrem hohe Laufleistungen finden sich Käufer, wenn die Preisforderungen die 10000er-Schmerzgrenze überschreiten. Der eine oder andere private Anbieter denkt zwar, jahrelange liebevolle Zuwendung für die Maschine müsse entlohnt werden, und in der Tat entscheidet eine gute Pflege über einen höheren Preis, aber topgepflegte Exemplare der ersten beiden Baujahre sind bereits um die 6000 Euro zu orten.

Verfügbarkeit am Markt: gering
 Preisniveau in Euro
 Baujahre Km-Stand
 Niedrig 5200-6400
 2003-2005 über 20000
 Mittel 6500-7900
 2003-2006 5000-20000
 Hoch 800-9500
 2005-2008 unter 10000
   
 Typ im Programm
 Verkäufe
 VN 160-A, B und D  ab 2003
 1728

 

Tests in MOTORRAD:
9/2003 (VT), 7/2004 (FB Modell Mean Streak)
FB=Fahrbereicht, VT=Vergleichstest
Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229


Internet:
Fansites:

www.vulcanier-germany.de,
www.vn-biker.de

Gebrauchtangebote:
http://markt.motorradonline.de/bike2213.htm

Foto: Gargolov

Technische Daten

Daten vom Typ VN 1600-A; Modelljahr 2003

Motor:

Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-50-Grad-V-Motor, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, elektronische Einspritzung, ungeregelter Katalysator, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, Kardan.
Bohrung x Hub 102 x 95 mm
Hubraum 1553 cm³
Nennleistung 49 kW (67 PS) bei 4700/min
Max. Drehmoment 127 Nm bei 2700/min

Fahrwerk:
Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel, Eingelenk-Zweiarmschwinge aus Stahl, zwei Federbeine, luftunterstützt, verstellbare Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten.
Reifen 130/90 H 16, 170/80 HB 16

Maße und Gewichte:

Radstand 1680 mm, Lenkkopfwinkel 58 Grad, Nachlauf 168 mm, Gewicht vollgetankt* 345 kg, Zuladung* 178 kg, Tankinhalt 20 Liter.

Messungen (MOTORRAD /2003):

Höchstgeschwindigkeit** 168 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 5,7 sek
Durchzug 60-100 km/h 6,5 sek
Verbrauch 6,4 l/100 km (Landstraße), 7,8 l/100 km (bei 130 km/h), Super

*MOTORRAD-Messungen; **Herstellerangabe

Modellpflege

2003
Die VN 1600 Classic (Typ A) tritt das Erbe der erfolgreichen VN 1500 an, die 2003 in den Modellvarianten Drifter, Mean Streak und Classic Tourer FI parallel im Programm bleibt. Preis für die 1600er: 11390 Euro.

2004
Modell Mean Streak (Typ B) für 12195 Euro mit fünf PS mehr Leistung (72 PS) und 80 cm³ mehr Hubraum. Außerdem besitzt die Mean Streak ein sportlicheres Fahrwerk mit Upside-down-Gabel sowie die aus dem Sportmotorrad ZX-9R übernommene Dreikolben-Bremsanlage. Weitere Unterschiede: steifere Schwinge, größere Spiegel, weniger tief gezogener Kotflügel vorn, Heckteil samt Rückleuchte komplett anderes, schlankeres Design.

2005
Markteinführung der Modellvariante Classic Tourer (Typ D) mit verstärktem Rahmen, Rückenlehne für Sozius, neu gestaltetes Sitzpolster, Trittbretter auch für den Mitfahrer, Kofferset und Windschild serienmäßig. Gewicht: 374 Kilogramm. Preis 14195 Euro.

2008
Die 1600er wird vom Modell VN 1700 (Classic und Mean Streak) abgelöst.

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