Gebrauchtberatung Kawasaki Z 1000

Wer wagt, gewinnt

Nackt, fast 130 PS stark, mit unkonventionellem Streetfighter-Look – die Markteinführung der Kawasaki Z 1000 war ein mutiger Schritt. Der mit Erfolg belohnt wurde. Auch als junge Gebrauchte ist sie ein Wagnis wert – wenn der Preis stimmt.

Foto: fact
Auch ohne solche Künststücke zog die Z 1000 von Anfang an die Blicke auf sich.
Auch ohne solche Künststücke zog die Z 1000 von Anfang an die Blicke auf sich.
Schon Monate vor ihrer Präsentation auf der Münchner Messe Intermot 2002 gab es Gerüchte, dass eine Kawasaki kommen sollte, die man so von den Grünen nicht erwarten würde. Und tatsächlich: Unmittelbar nach ihrem scharfen Auftritt damals in Bayern kürte man die neue »Zett« zu einem der Highlights für die kommende Saison.
Die Überraschung war besonders groß, da der kleinste japanische Hersteller in den Jahren zuvor eher dröge Naked Bikes auf den Markt gebracht hatte. Die glorreiche Tradition der äußerst reizvollen Vierzylinder Z1 und Z 900 aus den Siebzigern, an
die sich die neue Z 1000 anlehnt, schien offensichtlich in Vergessenheit geraten. Die moderne Interpretation der »Z«-Philosophie wurde jedoch von mehr als nur von treuen Kawa-Jüngern verstanden: Bisher verkauften sich von dem Modell fast 7000 Stück, davon über 2500 allein im Jahr ihrer
offiziellen Markteinführung 2003. Und kaum stand das Motorrad beim Händler, da gab’s auch schon die ersten Fan-Clubs und modellspezifischen Internet-Communities (siehe Kasten Seite 69). Den Erfolg einzig und allein mit dem Retro-Faktor zu erklären wäre allerdings zu eindimensional.
127 PS leistet der aus dem Supersportler ZX-9R entliehene und modifizierte Reihenvierzylinder – 2003 war das noch herrliche Unvernunft, heute haben beim Wettrüsten unter den kompakten Nackten andere die Nase vorn. Dennoch ist die Leistung der mit 953 cm3 Hubraum großzügig als 1000er klassifizierten Kawasaki immer noch mehr als ausreichend. Wobei: Auf dem Papier erweckte die Leistung
bei vielen Fahrern höhere Erwartungen,
die enttäuscht wurden. Die Urgewalt und Souveränität einer Yamaha FZS 1000 Fazer oder die Spritzigkeit eine Honda Hornet 900 gehen der Z 1000 ab, mit feinen Manieren stapelt sie sogar etwas tief. Weich, fast schon zurückhaltend gibt sich der Motor.
Im Gegensatz zum sonstigen Auftreten des Motorrads: In knallbunten Farben und mit leckeren Zutaten wie einer polier-
ten Edelstahl-Auspuffanlage oder einem schnittigen Heck fällt sie dem Betrachter sofort angenehm, weil ausgefallen auf. Starke Bremsen aus der ZX-9R, eine Upside-down-Gabel sowie eine gelungene Fahrwerksabstimmung, die Unruhen selbst
auf miesen Landstraßen überwiegend unterbindet, machen aus der »Zett« auch beim Fahren einen heißen Feger.
Gründe genug, warum die Kawasaki als Secondhand-Maschine sehr beliebt
ist, zumal sie sich in nunmehr über drei Jahren Bauzeit als sehr zuverlässig er-
wiesen hat. Konkurrenz kommt jedoch
wie bei allen jungen Gebrauchten aus den
eigenen Reihen: durch Neufahrzeuge, die zu attraktiven Finanzierungskonditionen angeboten werden. Mutiges, aber faires Verhandeln lohnt deshalb bei einer Gebrauchtofferte. Denn wer wagt, gewinnt. Bei der Z 1000 in jedem Fall.
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Technische Daten - Kawasaki Z 1000

Motor: wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei oben liegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, ungeregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem, Lichtmaschine 336 Watt, Batterie 12 V/8 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Trockenkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub 77,2 x 50,9 mm
Hubraum 953 cm3
Verdichtungsverhältnis 11,2:1
Nennleistung 93,4 kW (127 PS) bei 10000/min
Max. Drehmoment 96 Nm bei 8000/min

Fahrwerk: Rückgratrahmen aus Stahl, Motor mittragend, Upside-down-Gabel, Ø 41 mm, verstellbare Federbasis, Zugstufendämpfung, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 300 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 220 mm, Einkolben-Schwimmsattel.
Alu-Gussräder 3.50-17; 6.00-17
Reifen 120/70 ZR 17; 190/50 ZR 17

Maße und Gewichte: Radstand 1420 mm, Lenkkopfwinkel 66 Grad, Nachlauf 101 mm, Federweg v/h 120/138 mm, Sitzhöhe* 820 mm, Gewicht vollgetankt* 221 kg, Zuladung* 180 kg, Tankinhalt 18 Liter.






Fahrleistungen
Höchstgeschwindigkeit 245 km/h

Beschleunigung
0–100 km/h 3,4 sek
0–140 km/h 5,3 sek

Durchzug
60–100 km/h 4,2 sek
100–140 km/h 4,5 sek
Verbrauch
5,5 l (bei 100 km/h), 6,3 l (bei 130 km/h), Normalbenzin

Marktsituation - Kawasaki Z 1000

marktSITUATION
Harter Winter für Verkäufer einer gebrauchten
Z 1000: Seit Herbst 2005 kalkuliert Kawasaki im wahrsten Sinne eiskalte Preise für Neufahrzeuge. Bis zum 28. Februar 2006 gibt’s bei den Vertragspartnern zehn Prozent Rabatt – eine 2006er, frei wählbar in den Farben Schwarz, Blau oder Silber, kostet jetzt knapp unter 9000 Euro. Wer nicht
bar zahlen kann oder möchte, bekommt einen niedrigen Finanzierungs-Zins von 1,99 Prozent. Außerdem bieten manche Händler jungfräuliche Tageszulassungen des Baujahrs 2005, ebenfalls günstig finanzierbar, um die 8000 Euro an. Vor-
führer mit sehr wenigen Kilometern (unter 1000) werden für rund 7500 Euro losgeschlagen.

Gebrauchtmaschinen in der Preisliga ab 7000 Euro lassen sich folglich sehr schwer verkaufen. Ein Vertragshändler aus Franken drückt die
vertrackte Situation so aus: »Da nimmst du eine Maschine vom Kunden für einen guten Preis in Zahlung, machst noch den Service und investierst in neue Reifen, dann kommt da so eine Aktion
von Kawasaki, und du bist angeschmiert.« Die
Gebrauchte mit diversem Zubehör hat er schon auf seinen eigenen Einkaufspreis heruntergesetzt, um sie loszukriegen. Andere Händler indes lässt die Winterzeit kalt. Sie wissen, dass die Z 1000 eigentlich eine gesuchte Gebrauchtmaschine ist und warten bis zum Frühjahr, wenn die Nachfrage steigt und die Preisaktionen vorbei sind. Gewinn bringend ist diese Strategie jedoch nicht, denn lange Standzeiten drücken ebenfalls den Preis.

Bei markenübergreifenden Gebrauchthändlern ist die junge Tausender selten im Angebot: »Die meisten gebrauchten Z 1000 liegen preislich noch über dem Budget unserer Barkauf-Interessenten. Und das Rechenmodell einer Gebrauchtfinanzierung geht nur dann auf, wenn die Raten deutlich unter denen bei einem Neukauf mit wesentlich günstigeren Möglichkeiten liegen«, erklärt ein Hamburger Händler. Um selbst ein gutes Geschäft zu machen, muss er privaten Verkäufern einer Z 1000 so wenig bieten, dass diese in der Regel ihr Motorrad lieber direkt in die Zeitung setzen.

Die Inserenten merken dann schnell, dass es nicht so einfach ist, die Maschine zu veräußern. Anders als die Händler haben sie keine Gewährleistungspflicht. Ihre einzige Chance: Preis-Dumping oder den
potenziellen Käufer regelrecht mit Zubehör über-schütten. Wer allerdings auf massig Billigangebote hofft, täuscht sich. Viele Anbieter versuchen es zunächst mit etwas naiven Preisvorstellungen, verkaufen letztlich aber lieber gar nicht als verlustreich. Dennoch, die Suche nach Schnäppchen lohnt, weil der eine oder andere sich aus finanziellen Sachzwängen von seiner Maschine trennen muss und sie zum Discount-Preis feil bietet.

Offerten mit realen Verkaufschancen liegen selten über der 7000-Euro-Grenze. Auf der anderen Seite sind für das maximal drei Jahre alte Motorrad mindestens 6000 Euro fällig. Trotz dieses schmalen Preisfensters ergeben sich allerhand Unterschiede bei den Angeboten. Schwacke-Liste und DAT-Bewertung etwa empfehlen für ein 2004er-Modell mit rund 15000 Kilometern einen Verkaufspreis von etwas über 7000 Euro. In der Realität liegen bei diesen Eckdaten viele inserierte Z1000 jedoch rund 500 Euro darunter, oder es stehen für das Geld vereinzelt 2005er-Maschinen mit rund 10000 Kilometer Laufleistung zum Verkauf. Für 6000 Euro sollte man sich auf ein 2003er-Modell mit mindestens 15000 Kilometern einstellen. Fahrzeuge mit hohen Laufleistungen über 30000 Kilometer werden so gut wie gar nicht inseriert.

Besonders beliebt sind Exemplare in Schwarz und Orange, auch das Kawa-Grün ist für Markenfans interessant, Rot geht weniger gut. Genügend spannende Offerten gibt es – wer nicht unbedingt das allergünstigste Angebot sucht, wird bei der großen Auswahl an gebrauchten Z 1000 jedenfalls leicht fündig.

besichtigung
MOTORRAD-Bilanz nach 50000 Kilometern: kein
Defekt, der die Z 1000 lahm legte, keine großen Schwächen. Doch kleinere Kritikpunkte. Am häufigsten beanstanden die Fahrer einen heulenden sechsten Gang. Kawasaki verbuchte das zunächst als Schönheitsfehler, modifizierte aber für das Modell 2005 die Getrieberäder, um das Problem zu beheben. Mehr als nur ein Schönheitsfehler ist die schwere Schaltbarkeit des Getriebes mancher Exemplare. Bei allzu großer Schwergängigkeit tauscht Kawasaki auf Garantie die Schaltwalze und die Gabeln. Bei der Probefahrt also unbedingt auf entsprechende Signale aus dem Getriebe achten!

Speziell an den Schweißnähten im Lenkkopfbereich entsteht manchmal aufgrund schlechter Lackqualität hässlicher Rost. Außerdem verzerren die starken »good Vibes« der Kawasaki die Sicht in den Rückspiegeln, führten an der MOTORRAD-Dauertest-
maschine sogar zum Bruch eines Zapfen der Heckverkleidung. Neben des obligatorischen Checks von Reifen und Kette sollte man bei Maschinen mit mehr als 25000 Kilometern auch das Lenkkopf- und die Radlager auf Verschleiß überprüfen.

Vorausgesetzt, die Z 1000 wurde ordnungsgemäß gepflegt und gewartet (durch Serviceheft und Rechnungen belegen lassen, auch etwaige Garantie-Restzeit überprüfen!), empfiehlt sie sich als zuverlässige Gebrauchtmaschine. Dem klasse Resultat des MOTORRAD-Langstreckentests haben bisher jedenfalls nur wenige »Zett«-Treiber widersprochen.

Community - Kawasaki Z 1000

Gerade mal drei Jahre ist die Kawasaki Z 1000 auf dem Markt und besitzt bereits eine treue Anhän-
gerschaft, die engagiert wie bei einem gesetzten Klassiker ist. So ergeben sich für Gebrauchtkäufer vielfältige Möglichkeiten, über das Modell ausführliche Informationen einzuholen oder für offene Fragen Kenner und Gleichgesinnte zu finden. Am besten bei Treffen oder Stammtischen, wo Interessierte in der Regel sehr herzlich aufgenommen werden. Wer sich als Z-1000-Fahrer in spe nicht dorthin traut, geht ins Internet. Neben vielen privaten Fan-Homepages haben sich im deutschsprachigen Netz zwei größere, modellspezifische Foren etabliert.

www.z1000.de: Gründer Jay Rödinger meldete im Frühjahr 2003 prompt nach dem Kauf seiner Z 1000 die eingängige Internetadresse an, und los ging’s
mit einem kleinen Forum. Anfänglich mit rund zehn anderen, die sich über ihre Maschinen austauschten. Nach eigenen Angaben nutzen heute etwa 1400 Fans die Seiten. Kerngebiet: »Hilfestellung von und für
Z-1000-Fahrer«. Technische Themen sollen auf den
virtuellen Tisch kommen. Zum Beispiel: Abhilfe schaffen für den klappernden Kupplungshebel, den 2003 verschiedene Fahrer monierten. Eine passende Unterlegscheibe gab’s damals sogar per Postversand. Auf den Internetseiten erfährt der Besucher außer Infos über Technik und Zubehör auch News über Treffen und Stammtische. Einmal im Jahr findet etwa im Schwarzwald ein Treffen mit mittlerweile rund 500 Teilnehmern statt – mit dabei: die neu
gegründete »Z-Band« mit Initiator Rödinger. Der legt Wert darauf, dass seine Z-1000-Gemeinde ihren eher lockeren Stammtisch-Charakter beibehält.

www.z1000-forum.de: Hinter dieser Adresse verbirgt sich der von Harald Wieland in Duisburg gegründete Verein Z 1000 e.V., dem jeder Interessierte für einen Jahresbeitrag von 36 Euro beitreten kann. Auch für Nichtmitglieder ist das 2003 installierte Forum frei zugänglich. Laut Wieland tummeln sich dort rund 1500 aktive User. Die aufwendig gepflegten Seiten bieten neben dem obligatorischen Tech-Talk umfassende Informationen etwa zu Farbvarianten, technischen Daten oder Umbauten. Daneben finden sich ein eigener Marktplatz, Links zu Sponsoren sowie Hinweise zu Stammtischen und Markentreffen. In der so genannten Infobox sind auf der professionell anmutenden Website zahlreiche Tipps und Tricks zu Motorrad und Zubehör übersichtlich zusammen-
gefasst. Durch vom Verein organisierte Sammeleinkäufe und Sonderaktionen erhalten Z-1000-Fans bei bestimmten Anbietern Rabatte beim Kauf von Reifen oder Teilen – sehr geschäftig.

Tests in MOTORRAD - Kawasaki Z 1000

Tests in Motorrad1
16/2005 (VT), 4/2005 (LT), 3/2005 (VT), 14/2004 (VT), 24/2003 (VT), 18/2003 (VT), 13/2003 (VT), 12/2003 (TT)

Modellpflege - Kawasaki Z 1000

2002 Präsentation der Z 1000 auf der Intermot in München
2003 Offizielle Markteinführung in Deutschland zum Preis von 9990 Euro.
Farben: Grün, Orange und Schwarz
2004 Grün entfällt, dafür gibt’s die Z nun auch in Rot
2005 Wegfahrsperre, modifizierte Lichtmaschine, Getrieberäder und Kraftstoffpumpe,
Position der Hupe geändert, neue Fahrwerksabstimmung (vorn und hinten geänderte Feder-
raten). Preis: 9995 Euro. Farben: Grün, Schwarz, Silber

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