Gebrauchtberatung Kawasaki ZX-12R KAWA-AIR

Bitte bringen Sie Ihre Sitze in eine aufrechte Position und stellen Sie das Rauchen ein..... Ob die Kawasaki ZX-12R auch als Gebrauchte zum Höhenflug ansetzt?

Foto: Geiger
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Die Ziele der Kawasaki-Ingenieure bei der Entwicklung der ZX-12R waren unmissverständlich: »Wir bauen das stärkste, schnellste und stabilste Big Bike und rupfen Suzukis Falken ordentlich die Federn.« Heraus kam ein Motorrad, das nicht nur der schieren Kraft wegen auffällt – nein, die Entwickler verpassten der stärksten Grünen aller Zeiten einen revolutionären Monocoque-Rahmen, der auch als Luftfilterkasten dient, und bei den aerodynamischen Lösungen halfen Kollegen von der Luftfahrt. Es wird gemunkelt, Seitenflügel und Spiegel seien bei Nacht und Nebel von einer Lockheed abmontiert worden. Das Konzept ging auf: der Rahmen ist ein Muster an Verwindungssteifigkeit, und der Windschutz sucht in dieser Motorradkategorie seinesgleichen. Über die auf dem Tank zusammengefalteten Hayabusa-Treiber kann ein ZX-12R-Fahrer auch bei weit über 200 Sachen nur entspannt lächeln. Wären nicht diverse Probleme beim Start aufgetreten, die Kawa-Air hätte wohl zum Höhenflug angesetzt. Geplatzte Motoren, Hickhack um manipulierte Pressemaschinen, eine plötzliche Verlängerung der Einfahrzeit auf 3200 Kilometer und dann noch der kapitale Getriebeschaden an der Langstrecken-Maschine von MOTORRAD nach 44000 Kilometern (19/2001) holten die ZX-12R von der Highspeed-Wolke auf den Boden der technischen Realität zurück. Heute ist das alles fast schon kalter Kaffee. Der Getriebeschaden blieb zum Glück ein Einzelfall, nur gelegentlich moniert ein Fahrer Probleme mit der Schaltbarkeit und der Leerlauffindung bei kaltem Motor. Das Getriebe war von Anfang an einer der wenigen Schwachpunkte der Kawasaki. Bedingt durch die Motorleistung und das enorme Drehmoment sind die Mitnehmerklauen stark hinterschliffen, um ein Herausspringen der Gänge zu verhindern. Dadurch wird beim Schalten viel Druck auf die Gabeln ausgeübt, was sich in erhöhtem Verschleiß und für den Fahrer in einem knochigen Schaltverhalten äußert. Ansonsten ist der Motor robust und zuverlässig. Das zeigte sich auch beim Dauertest unserer Schwesterzeitschrift PS (7/2001). Den 50000-Kilometer-Marathon steckte das Triebwerk locker weg und war bis auf die Schaltgabeln nahezu neuwertig. Kleinere Kritikpunkte: Vibrationsrisse am Krümmer, ein am Rücklaufrohr undichter Tank (Rückrufaktion) sowie die ungenaue Benzinanzeige. Bei den A1-Modellen vom Baujahr 2000 tritt gelegentlich Konstantfahrruckeln auf, welches laut Kawasaki durch Justierung des Drosselklappenpotentiometers oder Austausch des Steuergeräts behoben werden kann. Ab 2001 wurde das Steuergerät wegen der Topspeed-Begrenzung neu programmiert. Damit verschwand das Konstantfahrruckeln genauso wie die Zahl 340 auf dem Tacho.
Bei Motorradhändlern ist eine gebrauchte ZX-12R eher selten zu finden, die meisten Motorräder werden traditionell privat gehandelt. Bei Recherchen auf dem Gebrauchtmarkt fiel auf, dass die angebotenen 1200er relativ wenig Kilometer runter haben, diese Tatasche und die Jahreszeit könnten bei etwas Verhandlungsgeschick zu einem echten Schnäppchen verhelfen. Gesparte Euros lassen sich gut in Benzin und Reifen anlegen, mit beiden geht die ZX-12R nicht gerade zimperlich um.

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