Gebrauchtberatung Kawasaki ZX-7R Grüne Sieben

In der Superbike-WM ist vom früheren Glanz der grünen Renner einiges abgeblättert. Für sportlich ambitionierte Fahrer ist eine gebrauchte Kawasaki ZX-7R ein solides Angebot.

Foto: Jahn
Gebrauchtberatung Kawasaki ZX-7R
Gebrauchtberatung Kawasaki ZX-7R
Fast scheint es so, als hätte Kawasaki das Rennen um die Superbike-WM-Krone, die sie 1993 mit Scott Russell schon mal geholt hat, aufgegeben. Mit konventioneller Vergaseranlage gerät die ZX-7R gegenüber der Konkurrenz mit elektronischer Benzineinspritzung immer mehr auf die Verliererstraße. Und das nicht nur auf der Rennstrecke. Sie hinkt in puncto Gewicht – immerhin 237 Kilogramm vollgetankt – nicht nur ihren Markengeschwistern ZX-6R und ZX-9R deutlich hinterher. In den sechs Jahren ihrer Bauzeit wurden zwar rund 5500 Stück des 750er-Modells verkauft, doch inzwischen stagniert der Absatz von neuen Kawasaki ZX-7R.
Auf Modifikationen oder gar ein ganz neues Modell in der ehemals heiß umkämpften Superbike-Klasse warten Interessenten der giftgrünen Sportlerin auch für 2002 vergebens. Warum Kawasaki sich in der Superbike-Klasse so zurückhält, darüber lässt sich nur spekulieren. Und die Konkurrenz im Rennsport ist schließlich nur die eine Seite, sozusagen das PR-Geschäft für den Verkauf der bürgerlichen Straßen-Version. Gediegenheit und Zuverlässigkeit für den sportlich ambitionierten Fahrer ist die andere. Und da besitzt die ZX-7R Qualitäten, die die große Konkurrentin auf der Straße, die GSX-R 750 von Suzuki, so nicht zu bieten hat.
Trotz der etwas in die Jahre gekommenen Konstruktion kann die Kawasaki noch immer mit immenser Fahrstabilität und Lenkpräzision überzeugen. Die Kurve erst einmal richtig angepeilt, fährt die ZX-7R ähnlich einer Ducati 996 einen runden, sauberen Strich, ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Da wippt nichts nach, da wackelt nichts. Allerdings kann sie beim Handling das hohe Gewicht und die spurstabile Fahrwerksauslegung nicht verleugnen. Neben den Federelementen zeichnen sich auch die Bremsen durch hohe Güte aus, sie machen ihre Sache unauffällig gut. Zudem besticht der Sportler durch seine grundsolide Verarbeitung.
Nicht ganz so überzeugend, zumindest aus Sicht kleingewachsener Fahrer, ist die Sitzposition. Der relativ große Abstand zwischen Sitzbank und tief angeklemmten Lenkerhälften spannt den Oberkörper straff über den Tank. In Verbindung mit der halbhohen Position der Fußrasten kauert der Pilot beim Stop and Go im Stadtverkehr doch eher unbequem. Erst außerhalb entlastet der Fahrtwind Oberkörper und strapazierte Handgelenke. Schon nach wenigen Kilometern ist klar: Die Ergonomie ist einzig und allein für sportlichen Einsatz vor allem auf der Rennstrecke konzipiert.
Das Vierzylinder-Triebwerk glänzt mit hohen Laufleistungen. Kilometerstände zwischen 70000 und 80000 Kilometern ohne Probleme sind mittlerweile erreicht, ohne dass die Motoren einer Revision bedurft hätten. Die Konstruktion basiert auf dem dem Motor der ZXR 750, bekam einen neuen Zylinderkopf mit Tassenstößeln statt der zuvor verwendeten Schlepphebel. Gummielemente am Motor und in den voluminösen Rahmenprofilen dämpfen nervende Vibrationen. Das Sekundärluftsystem, laut Kawasaki Deutschland ähnlich effektiv wie ein ungeregelter Kat, müsste für künftige rigidere Schadstoffnormen sicher einer Einspritzung mit geregeltem Katalysator weichen.
Modifikationen in der Serie gab es keine. Bei dem 1996er Jahrgang traten vereinzelt Fälle eines undichten Kühlmittel-Ausgleichsbehälter im rechten Verkleidungsteil auf. Ältere Modelle können in der Nähe der Halterung ein Leck haben. Kawasaki verstärkte ab Baujahr 1998 das Bauteil. Bei einigen wenigen ZX-7R sorgte die Befestigensschelle des Schalldämpfers für Ärger, die durch Vibrationen einriss. Bei neueren Ausführungen sorgt eine zusätzliche Schweißnaht für ausreichend Stabilität.
Bis 1998 wurde der Sportler mit 98 PS ausgeliefert, die offene Version ab 1999 besitzt 122 PS. Wer die ältere Version entdrosseln will, benötigt andere Gasschieber und Vergaserdeckel. Zu den rund 940 Mark Materialkosten addieren sich noch die Kosten für 2,4 Arbeitsstunden. Von der preisgünstigeren Lösung mit lediglich anderen Vergaserdeckeln aus dem Zubehör raten Profis ab, weil es dabei vorkommen kann, dass die Vergasermembranen der alten Schieber nicht mitspielen. Auf jeden Fall ist bei einem Gebrauchtangebot mit 98 PS Verhandlungsspielraum beim Preis mit dem Hinweis auf die Option »volle Leistung« angesagt.
Sportliche Fahrer kritisieren die von Kawasaki verwendete Erstbereifung Dunlop D 204, weil die Handlichkeit darunter leide, die Maschine mit zu viel Kraft auf die gewünschte Linie gezwungen werden müsse. Besser schneiden in diesen Kriterien die Pirelli Dragon in der schmaleren 180er-Hinterradversion ab oder die Hi-Sport-Paarung von Michelin in der Originalgröße 190/50.
Wer sein Fahrwerk noch straffer haben will oder wenn bei Maschinen mit höherer Kilometerleistung die etwas schlaff gewordenen Original-Federelemente ausgetauscht werden müssen, wird man bei der Firma Wilbers Products, Telefon 0 59 21/60 57 fündig. Progressivere Gabelfedern kosten 179 Mark und ein alternatives Federbein gibt es für 799 oder 1199 Mark.
Aufgrund der hohen Zuverlässigkeit scheinen sich ZX-7R-Fahrer von ihrem lieb gewordenen Untersatz nicht so ohne weiteres trennen zu wollen. Vielleicht nicht eher, bis Kawasaki ein neues 750er-Modell präsentiert. Gebrauchtofferten des Suberbikes sind nicht sehr zahlreich. Neue Exemplare bietet der Parallelimporteur derzeit für 17000 Mark an. Betagtere Gebrauchtmaschinen aus den ersten beiden Produktionsjahren mit rund 40000 Kilometern werden kaum unter 7000 Mark gehandelt.


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