Gebrauchtberatung: Kawasaki

Kawasaki ER-6f/n

Junge Wilde, Newcomer, ambitioniert und zielstrebig – so präsentierten sich Ende 2005 die Kawasaki-Mittelklässler ER-6n und f. Nun ist ihre Jugendzeit vorbei, und die Shooting-Stars müssen auf dem harten Gebrauchtmarkt bestehen.

Als junge Wilde präsentierte sich die ER-6n bei ihrem Debüt 2005.
Als junge Wilde präsentierte sich die ER-6n bei ihrem Debüt 2005.
Das komplett neu konstruierte Motorrad mit extrem agilem, 72 PS starkem Reihen-Twin, eigenständigem Design sowie bezahlbarem Preis von deutlich unter 7000 Euro überraschte Fachwelt wie Kundschaft, die zuvor eher gelangweilt auf die etwas vernachlässigte Mittelklasse geschielt hatte. Endlich mal keine aus dem Baukasten lieblos zusammengestellte 08/15-Maschine, sondern eine publikumswirksame Spielmacherin. Illustrer Gitterrohrrahmen, seitlich angebrachter Mono-Dämpfer, extravagante Auspuffanlage aus Edelstahl und andere Hingucker wie Wave-Bremsscheiben sorgten jedenfalls für viel Applaus. Und mit der Option auf 34 PS und ABS war sie nicht nur in der U25-Einsteiger-Liga gleich ganz vorn mit dabei, sondern empfahl sich mit niedriger Sitzhöhe, zierlicher Gestalt und geringen Unterhaltskosten auch erfahrenen Motorradlern und -innen mit kleiner Gestalt und schmalem Geldbeutel. Das Anfang 2006 auf dem Markt eingeführte, verkleidete Schwestermodell ER-6f wurde ebenfalls gegen etablierte Gegenspieler wie die Bestseller Honda CBF 600 S oder Suzuki Bandit 650 S auf den Platz geschickt – und gewann die meisten Zweikämpfe, selbst gegen hubraumstärkere Kontrahenten. Die frechen und superhandlichen Kawasaki spurten eben auch ohne dickes PS-Konto und verbreiten gute Laune, die allerdings schon wenige Monate nach der Markteinführung etwas getrübt wurde: Wegen einer an manchen Stellen jämmerlichen Verarbeitungsqualität gab’s Buh-Rufe, ebenso für Rost, unter anderem am Rahmen. Gute Pflege und Wartung sind somit angesagt, vielleicht noch ein paar Teile vom Nachrüstmarkt, dann erbringen ER-6n und f auch als Gebrauchte für viele Spielserien beste Leistungen.
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Besichtigung

Obwohl die Er-6f/n ein vergleichsweise sehr junges Gebrauchtangebot ist und an der Standfestigkeit des Motors bisher nicht gezweifelt werden muss, sollten Interessenten nicht ohne einen genauen Vor-Ort-Check zuschlagen. Schließlich sind nicht nur im MOTORRAD-Langstreckentest, sondern auch von vielen Werkstätten und Fahrern einige ärgerliche Details aufgedeckt worden. Besonders die mäßige Verarbeitungsgüte mancher Anbauteile lässt zu wün-schen übrig. Speziell auf die rost­anfälligen Schweißnähte der Rahmenrohre sei deshalb großes Augenmerk gerichtet! Das minderwertige und unterdämpfte Federbein wird ebenfalls regelmäßig kritisiert. Ein Zubehör-Dämpfer (Empfehlung: WP Suspension, Telefon 09401/521225, rund 500 Euro) wirkt Wunder gegen serienmäßige Fahrwerksschwächen und rechtfertigt höhere Preisforderungen.

Marktsituation

Noch gibt es wenig Gebrauchtangebote, und man entdeckt in den Anzeigenteilen nur vereinzelt Exemplare mit mehr als 25000 Kilometern auf der Uhr, die dann budgetfreundlich unter 4000 Euro feilgeboten werden. Deutlich mehr Offerten liegen um die 4500 Euro mit Laufleis­tungen zwischen 5000 und 20000 Kilometern. Die verkleidete f-Version liegt beim Neupreis um 300 Euro höher und kostet auch als Gebrauchte mehr. Wegen ihres markanteren Aussehens ist die nackte ER-6n jedoch populärer und wird fast doppelt so häufig inseriert.

Technik

Daten
(Typ ER650A6F, Modelljahr 2006)
Motor:
wassergekühlter Zweizylinder-Vier­­takt-Reihenmotor, zwei oben liegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Gabelschlepphebel, Trockensumpfschmierung, Einspritzung, Ø 38 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine 336 Watt, Batterie 12 V/14 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub 83 x 60 mm
Hubraum 649 cm³
Verdichtungsverhältnis 11,2:1
Nennleistung 53 kW (72 PS) bei 8500/min
Max. Drehmoment 66 Nm bei 7000/min

Fahrwerk:
Gitterrohrrahmen aus Stahl, Telegabel, Ø 41 mm, Zweiarmschwinge aus Stahl, Zentralfederbein, direkt angelenkt, verstellbare Federbasis, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 300 mm, Doppelkolbensättel, Scheibenbremse hinten, Ø 220 mm, Einkolbensattel.
Alu-Gussräder 3.50 x 17; 4.50 x 17
Reifen 120/70 ZR 17, 160/60 ZR 17

Maße und Gewichte:
Radstand 1405 mm, Lenkkopfwinkel 65 Grad, Nachlauf 106 mm, Federweg v/h 120/130 mm, Sitzhöhe* 790 mm, Gewicht vollgetankt* 196 kg, Zuladung* 178 kg, Tank­inhalt 15,5 Liter.

Messungen
(MOTORRAD 17/2005)
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h
Beschleunigung
0–100 km/h 3,9 sek
Durchzug
60–100 km/h 4,6 sek
Verbrauch 4,9 l/100 km (Landstraße); 4,6 l/100 km (bei 130 km/h), Normal

*MOTORRAD-Messungen; 1Herstellerangabe

Modellpflege

2005 Im Sommer stellt Kawasaki überraschend die komplett neu konstruierte Mittelklassemaschine ER-6n vor. Im Herbst werden die ersten Exemplare des Modelljahrgangs 2006 an die Händler ausgeliefert

2006 Typenbezeichnungen für den ersten Jahrgang: ER650A6F für die nackte ER-6n (ER650B6F für ABS-Variante), EX650A6F für die vollverkleidete ER-6f (EX650B6F für ABS-Variante). Erhältliche Farben: Schwarz und Silber (ER-6n auch in Gelb). Preise: 6195 Euro für ER-6n, 6595 Euro für ER-6f. ABS ist gegen 600 Euro Aufpreis erhältlich

2007 ABS jetzt serienmäßig. Die ER-6n (6845 Euro) ist technisch unverändert in den Farben Orange, Schwarz und Silber im Angebot. Die ER-6f (7245 Euro) ist in Schwarz und Blau erhältlich. Im Februar gibt es einen Rückruf des ABS-Modells (siehe unten)

2008 Preissenkung: ER-6n für 6595 Euro, ER-6f für 6995 Euro

Rückruf
Februar 2007: ER-6n mit ABS (Rahmennummern JKAER650ABA009336 bis JKAER650ABA040258) werden wegen falscher Verlegung der vorderen Bremsleitung in die Werkstatt beordert

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