Gebrauchtberatung: KTM 990 Super Duke Der Streetfighter von KTM als Gebraucht-Bike

Extrovertiert wie kaum ein anderes Bike giert die KTM 990 Super Duke nach großen Auftritten. Ihre Bühne ist die Straße. Showstar mit Stehvermögen oder Eintagsfliege?

KTM 990 Super Duke/R

Langeweile gehört sicher nicht zu den Eigenschaften, die man mit der KTM 990 Super Duke verbindet. Im Gegenteil. Schon die ersten Begegnungen im Erscheinungsjahr 2005 verliefen aufregend - in zweifacher Hinsicht. Einerseits begeisterte sie mit sagenhafter Dynamik, dank derer die Österreicherin beim Jagen herzerfrischend zur Sache ging und noch immer geht. Auf der anderen Seite überraschte sie bei mehreren Tests mit technischen Unzulänglichkeiten und musste sogar einmal im Transporter den Heimweg zur Redaktion antreten. Wegen eines defekten Kabels erhielt die Batterie keinen Ladestrom, der Akku sog sich leer. Das Aus kam nach zirka 50 Kilometern. Kein Einzelfall, wie Insider berichten und wie es aus einschlägigen Foren hervorgeht.

Auch ein schadhafter Anlasserfreilauf bereitete in den ersten beiden Modelljahren Probleme. Bei manchen Bikes mischte sich in die Startprozedur ein brutales, metallisches Schlagen. Im Rahmen von Modellpflegemaßnahmen beseitigte KTM diese Mängel, Exemplare ab Mitte 2006 sollten davon nicht mehr betroffen sein. Falls doch, zeigt sich der Hersteller laut einem Händler bei Beanstandungen noch heute sehr kulant.

Gelegentlich vermischt sich Kühlwasser mit Motoröl. „In die ersten beiden Baujahre sollte man zwischen 20000 und25 000 Kilometer einen modifizierten Wellendichtring mitsamt einer verstärkten Welle für die Wasserpumpe einbauen“, rät der schwäbische KTM-Dealer Jürgen Mayer (www.ktm-mayer.de). Ob sich das Kühlwasser mit Öl vermischt hat, zeigt ein Blick in den Kühler oder Ausgleichsbehälter. Falls dort eine verräterische Pampe schwimmt, helfen folgende Maßnahmen: Ölwechsel, Wasserkreislauf durchspülen, Einbau der erwähnten Teile. Vereinzelt lauern im Kühlwasser auch andere Verunreinigungen, die meist von der Beschichtung des Kühlers stammen. Diese betreffen auch spätere Modelle und können die Wasserpumpe schädigen. Auch hier hilft sorgfältiges Spülen des Kühlsystems.

Gegen den hohen Verbrauch der ersten beiden Modelljahre ist dagegen kein Kraut gewachsen. Zehn Liter und mehr gönnt sich der große Herzog bei sportlicher Gangart - ganz schön happig! Das änderte sich erst 2007, als KTM die Duke umfangreich modifizierte und für die Euro-3-Norm rüstete. Unter anderem überarbeiteten die Entwickler aus Mattighofen die Abstimmung der Zünd-/Einspritzanlage. Laut PS-Messung zieht sich die 990er seither ungefähr einen Liter weniger Saft durch die Einspritzdüsen.

Geblieben ist die hohe Zuverlässigkeit des Motors. Richtig gelesen: Der Treibsatz der Super Duke ist grundsätzlich sehr zuverlässig! Offensichtlich erhöhten die Österreicher auch die Standfestigkeit des V2, als sie ihn aus der 950 Adventure klauten und ihn auf einen vollen Liter Hubraum aufrüsteten.

Eine Schwäche an der Peripherie blieb dem LC8-Motor dennoch: der Kupplungsnehmerzylinder. Mit der Zeit verkantet der Kolben, Hydrauliköl tritt aus, kuppeln unmöglich. Dauerhafte Abhilfe schafft ein Zubehörteil. Der hochwertige Nehmerzylinder von Sigutech (98,95 Euro zuzüglich Versandkosten) verrichtet anstandslos seinen Dienst.

Einige Super-Duke-Treiber monieren einen erhöhten Ölverbrauch ihres Untersatzes und reden von bis zu 0,6 Liter auf  1000 Kilometer. „Bei neuen Motoren kommt das ab und zu vor. Normalerweise legt sich das spätestens nach 6000 Kilometern“, weiß KTM-Händler Konrad Schittko aus Unna (www.schittko.rent-a-byte.info). „Auch wenn zu viel Öl im Behälter ist, gönnen sich die Motoren mehr Schmierstoff. Außerdem verfälschen abweichende Ölstandsanzeigen manchmal den tatsächlichen Verbrauch.“ Schittko rät, den Ölstand immer unter gleichen Bedingungen zu messen: Maschine zehn Kilometer warmfahren, dann bei laufendem Motor und senkrecht stehendem Bike den Ölstand kontrollieren. Idealerweise sollte er dann bei Minimum liegen.

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Nach längeren Standzeiten klappern die Motoren nach dem Starten mitunter. Das Geräusch stammt von der hydraulisch gespannten Steuerkette. Anfangs noch ohne ausreichenden Öldruck, läuft die Kette lose in ihrer Führung. Das Klappern ist harmlos und sollte sich nach einigen Sekunden gelegt haben.

Ab und zu gehen die Motoren bei starkem Bremsen aus. Das geschieht, wenn der Tank nur noch halbvoll oder leerer ist. Dann zieht die Benzinpumpe im Spritfass Luft, patsch, aus. „Um das zu verhindern, einfach die Pumpe um 180 Grad drehen, sodass die Ansaugöffnung mit Sieb nach unten zeigt“, rät Michael Bongen von Pirate Racing (www.pirate-racing.de). „Dazu muss man allerdings den Benzinschlauch verlängern.“

Auf was muss ein Super-Duke-Treiber in spe also beim Gebrauchtkauf achten? Außer den genannten Punkten darauf, dass sämtliche Ölwechsel (alle 7500 Kilometer) und die großen Inspektionen (nach 15000 Kilometern) durchgeführt wurden. Besonders sie fressen je nach Aufwand mit rund 400 Euro ein stattliches Loch in den Geldbeutel. Obacht bei Sturzspuren und/oder vielen Vorbesitzern innerhalb kurzer Zeit. Gebrauchte Super Dukes sind rar und sehr wertstabil. Unter 6000 Euro sind selbst die ersten Baureihen kaum zu haben. Vielleicht sinken die Preise bald, denn seit Kurzem gibt’s neue Super Dukes ganz offiziell für 10 995 Euro und damit einen glatten Tausender weniger als 2010. PS wünscht fröhliches Abgreifen!

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KTM 990 Superduke

Techische Daten

KTM 990 Super Duke - Baujahr 2005/2006 [AB 2007]

Antrieb 
Zweizylinder-75-Grad-V-Motor, vier Ventile/Zylinder, 88 kW (120 PS) bei 9000/min*, 100 Nm bei 7000/min*, 1000 cm³, Bohrung/Hub: 101,0/62,4 mm, Verdichtungsverhältnis: 11,5:1, Zünd-/Einspritzanlage, 48-mm-Drosselklappen, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbad-Kupplung, Sechsganggetriebe, G-Kat
Fahrwerk 
Stahl-Gitterrohrrahmen, Lenkkopf-winkel: 66,5 [66,1] Grad, Nachlauf: 103 [100,7] mm, Radstand: 1438 [1450] mm, Upside-down-Gabel, Ø Gabelinnenrohr: 48 mm, einstellbar in Fe-der-basis, Zug- und Druckstufe, direkt angelenktes Zentralfederbein, einstellbar in Federbasis, Zug- und Druck-stufe. Federweg vorn/hinten: 135/160 mm
Räder und Bremsen 
Leichtmetall-Gussräder 3.50 x 17“/5.50 x 17“, Reifen vorn: 120/70 ZR 17, hinten: 180/55 ZR 17, Erstbereifung: Pirelli Diablo „T“, [Dunlop Sportmax D 208 RR], 320-mm-Doppelscheibenbremse mit [radial verschraubten] Vierkolben-Festsätteln vorn, 240-mm-Einzel-scheibe mit Einkolben-Schwimmsattel hinten
Maße und Gewicht 
Länge/Breite/Höhe: 2090/895/1235 [2080/910/1235] mm, Sitz-/Lenkerhöhe: 850/1040 [845/1030] mm, Lenkerbreite: 750 mm, 199 [203] kg vollgetankt, v./h.: 51,3/48,7%

Hinterradleistung im letzten Gang 
84 kW (114 PS) bei 228 km/h

Sturz- und Verschleißteile 
Bremshebel: 69,67 Euro
Kupplungshebel: 59,38 Euro
Bremsarmatur komplett: 300,18 Euro
Kupplungsarmatur komplett: 311,60 Euro
Lenker inklusive Gewichte: 192,18 Euro
Scheinwerfer: 181,06 Euro
Scheinwerfermaske: 252,46 Euro
Tank: 1206,48 Euro
Kühlerverkleidung (eine Seite): 209,20 Euro
Auspuffendtöpfe: 1751,44 Euro
Fußraste, eine Seite komplett: 79,86 Euro
Beifahrerfußr., eine Seite kompl.: 146,96 Euro
Bremsscheibe vorn (eine Seite): 299,34 Euro
Bremsbeläge (je Sattel): ab 52,24 Euro

Verkaufte Einheiten 3065 Stück**

Gebrauchtpreise
Baujahr 2005 Mittlere Laufleistung: 11 800 Kilometer
Durchschnittspreis: 6600 Euro
Baujahr 2006 Mittlere Laufleistung: 18 800 Kilometer
Durchschnittspreis: 6400 Euro
Baujahr 2007 Mittlere Laufleistung: 13 500 Kilometer
Durchschnittspreis: 7200 Euro
Baujahr 2008 Mittlere Laufleistung: 5700 Kilometer
Durchschnittspreis: 8300 Euro
Baujahr 2009/2010 Mittlere Laufleistung: 5900 Kilometer
Preis ab: 9100 Euro

* Werksangaben, ** Quelle: KBA/MPS-Berechnung, [Werte für S-Version]

Foto: Mitterbauer/KTM

Änderungen ab 2007 / Super Duke R

Änderungen 2007: um vier auf 18,5 Liter gewachsenes Tankvolumen, geänderte Lampenmaske, anderes Cockpit, radial verschraubte Bremssättel, modifizierte Motorsteuerung, kleineres Ritzel vorn, flacherer Lenkkopfwinkel, kürzerer Nachlauf, strafferes Setup der Feder-elemente. Seitdem erfuhr die Super Duke keine relevanten technischen Änderungen.

Historie KTM Super Duke R 
Mit der „R“ brachte KTM 2007 eine verschärfte Variante der Super Duke. Motorseitig änderten die Mattighofener zunächst nichts, technische Modifikationen betrafen nur das Fahrwerk: wesentlich straffer abgestimmte Federelemente, längeres Federbein mit gekürztem Federweg, Lenkungsdämpfer. Die Einmann-Sitzbank, der orange Rahmen, die weiße Lackierung mit R-Schriftzug sowie einige Carbon-Schnittchen verleihen der R ein grandioses Äußeres. Preis: 13 698 Euro (Basisversion: 12 498 Euro).

2008 überarbeitete KTM den Motor: leichtere Kurbelwelle, Pleuel und Ventiltrieb; größere Einlasskanäle und -ventile; 52er-Drosselklappenkörper des Superbikes RC8; speziell beschichtete Kolben; Akrapovic-Krümmer. Dank dieser Änderungen leistete die R nun 12 PS mehr (Nennleistung: 132 PS), außerdem dreht sie 1000/min höher. Allerdings geht sie nach wie vor sehr hart ans Gas. Nach massiver Kritik softete KTM das Fahrwerk fürs Jahr 2010. Wie die Basisversion bekam sie darüber hinaus ein neues Cockpit. Aktuell kostet die Super Duke R 12 995 Euro.

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