Gebrauchtberatung: KTM KTM Duke

Von der Stange und trotzdem enorm individuell - dass dieser Widerspruch funktioniert, beweist der KTM-Einzylinder-Straßenfeger eindrucksvoll. Das heftige Spaßgerät hat jedoch seine Tücken.

Foto: Archiv
Die Duke, der Duke? Egal, vielleicht am besten "das Duke", denn die extrovierte KTM kommt rüber wie ein Ding aus einer anderen Welt. Einer genusssüchtigen Welt voller Spaß. Das Risiko, mit der Duke (bleiben wir beim "sie", die Duke) über seine Grenzen hinauszufahren, ist allerdings groß. Sie betört mit ihrem Aussehen, das war schon bei der Erstfassung von 1994 der Fall. Das freche Design, seinerzeit für eine Serienmaschine gewagt, verbarg die anfangs sehr hemdsärmliche Enduro-Technik. 50 PS klopften selbst hartgesottene Fahrer auf der schmalen Sitzbank irgendwann weich. Und forsches Ankicken (erste zwei Baujahre) ist ebenfalls nichts für Komfortmenschen, so dass dieses Modell heute als Secondhandbike nur Hardliner anspricht. Die Duke II ab 2002 hingegen gibt sich mit ihren 54 PS zivilisierter und ist aus zweiter Hand deutlich gefragter. Ähnlich wie die herzögliche Vorgängerin, adelte sie sich selbst auf Anhieb zum Designstück mit edlen Zutaten: große Scheibenbremse, feine Gabel, leichte Räder. Fahrfertig nur etwas über drei Zentner, so lassen sich auch ausgebuffte Supersportler in engem Geläuf leicht austricksen. Zu viele wilde Ritte führen beim hochpulsigen Einzylinder allerdings früher oder später zum Infarkt. Und obwohl der dritten und neuesten Duke-Generation (ab 2008) in Sachen Standfestigkeit wohl die Krone gebührt, sollten Interessenten nicht die Langlebigkeit eines braven Tourenmotorrads erwarten und stattdessen eine gehörige Portion Unvernunft mitbringen. Duke bleibt eben Duke. Der, die, das - wieso, weshalb, warum? Erklärt sich alles von selbst. Nach dem ersten Zündtakt.
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Tests in MOTORRAD:
620er: 9/1994 (FB), 12/1994 (T), 12/1997 (VT), 640er: 16/1999 (VT), 4/2001 (VT), 17/2001 (VT), 2/2002 (VT), 25/2002 (VT), 13/2005 (VT), 690er: 4/2008 (FB), 6/2008 (TT), 7/2010 (T, Modell R)

FB= Fahrbericht, T= Test, TT=Top-Test, VT=Vergleichstest
Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229


Internet:
Fansites: www.dukecity.de, www.ktmforum.eu
Gebrauchtangebote: http://markt.motorradonline.de/bike1540.htm (620er), /bike3177.htm (640er), /bike3214.htm (690er), /bike4490.htm (R)
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Besichtigung

Eingelaufene Kipphebelrollen, Kurbelwellenschäden, verschlissene Getriebe-Eingangslager, defekte Gabeldichtungen - Mängel, die bei älteren (Baujahr 2002 und davor), stark beanspruchten Exemplaren keine Seltenheit sind. Meist haben der oder die Vorbesitzer Schuld daran: Vollgas im Stadtverkehr bei noch kaltem Motor, Wheelie-Extasen und Faulheit bei regelmäßiger Wartung und Ölstandskontrolle hinterlassen ihre Spuren. Technische Laien sollten beim Vor-Ort-Termin deshalb unbedingt einen Kenner die Probefahrt machen lassen, der mechanische  Geräusche deuten kann oder sogar einer Fachwerkstatt den Check überlassen. Gerade bei Privatofferten ist es wichtig, sich eine lückenlose Werkstatt-Historie belegen zu lassen. Da außerdem vielen Dukes mittels Vergaser-Kits zu mehr Leistung verholfen wurde und Nachrüst-Schalldämpfer (Favorit: Akrapovic) ebenso beliebt sind, empfiehlt sich eine Kontrolle der Fahrzeugpapiere auf korrekte Eintragungen der Anbauteile sowie ein Blick auf die Prüfzeichen - Vorsicht, wenn diese nicht vorhanden sind!

Modellpflege

Gebrauchte Dukes gehen häufig von Hand zu Freundes Hand, der Handel ist also in erster Linie eine Privatangelegenheit. Die Verhandlungsbasis beginnt schon um die 2000 Euro, allerdings handelt es sich bei diesen Maschinen nicht selten um gefrickelte Umbauten mit fragwürdiger Vorgeschichte oder Exemplare mit kleineren Defekten. Nur die wenigsten gebrauchten Dukes haben mehr als 20000 Kilometer auf dem Tacho, die Zahl der Interessenten, die mehr als 6000 Euro investieren wollen, ist allerdings noch geringer. Professionelle Händler halten sich bei Inzahlungnahmen von deutlich sichtbar genutzten Modellen in der Regel eher zurück, dennoch haben Gewerbetreibende vereinzelt ältere Duke II oder gut gepflegte "Ur-Dukes" ab 2500 Euro im Programm. Wem als Käufer eine Gewährleistung wichtig ist, der wird am ehesten beim Vertragshändler fündig, dort stehen außerdem manchmal auch günstige Vorjahresmodelle rund 1000 Euro unter Neupreis beziehungsweise neuwertige Vorführer ab knapp über 7000 Euro.

Verfügbarkeit am Markt: Mittelhoch
 Preisniveau in Euro
 Baujahre Km-Stand
 Niedrig 1700-2700
 1994-1998 20000-50000
 Mittel 2800-3900
 1998-2005 7500-20000
 Hoch 4000-6900
 2004-2008 bis 7500
   
 Modelle im Programm
 Zulassungen
 620/640/690 ab 1994
 rund 4000
Foto: Archiv

Technische Daten

Motor:
Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, vier Ventile, Nasssumpfschmierung, Vergaser, keine Abgasreinigung, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub 101 x 78 mm
Hubraum 625 cm³
Nennleistung 40 kW (54 PS) bei 7300/min
Max. Drehmoment 58 Nm bei 5500/min

Fahrwerk:
Einschleifenrahmen aus Stahl, Upside-down-Gabel, verstellbare Zug- und Druckstufendämpfung Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Scheibenbremse vorn und hinten.
Alu-Gussräder 3.50 x 17; 4.25 x 17
Reifen 120/70-17, 160/60-17

Maße und Gewichte:
Radstand 1460 mm, Lenkkopfwinkel 64,2 Grad, Nachlauf 109 mm, Sitzhöhe* 900 mm, Gewicht vollgetankt* 161 kg, Zuladung* 189 kg, Tankinhalt/Reserve 12/1,8 Liter.

Messungen (MOTORRAD 2/2002):
Höchstgeschwindigkeit 179 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 4,2 sek
Durchzug 60-100 km/h 5,1 sek
Verbrauch 4,7 l/100 km (Landstraße), 5,5 l/100 km (bei 130 km/h), Super


*MOTORRAD-Messungen
Foto: Archiv

Modellpflege

1994 Die Duke 620 "First Edition" kommt mit Kickstarter und manuellem Dekompressionshebel nach Deutschland. Leistungsvarianten: 31 und 50 PS. Preis: 13500 Mark (6902 Euro). In Österreich wird zusätzlich eine 400er-Version angeboten.

1996 Duke 620 E mit E-Starter (zusätzlich zum Kickstarter), Modifikationen am Motor (neues Gehäuse, zwei Ölpumpen). Preis: 15290 Mark (7818 Euro).

1998 Die "Last Edition" der 620er (insgesamt 400-mal gebaut) erhält schon den neuen LC4-Einzylinder-Motor mit 625 cm3 Hubraum und Ausgleichswelle. Leistungsvarianten: 34 und 54 PS. Preis: 15880 Mark (8119 Euro).

1999 komplett neues Modell Duke II 640 mit dem neuem LC4-Motor (siehe "Last Edition" 1998) und stark überarbeitetem Design. Preis: 8580 Euro.

2003 neuer, so genannter High-Flow-Zylinderkopf mit größeren Ventilen; leichtere Felgen und neues Steuergerät, hydraulische statt mechanisch betätigte Kupplung. Preis: 8650 Euro.

2004 Sekundärluftsystem zur Einhaltung der Euro-2-Norm, neues Pleuel. Preis: 8650 Euro.

2007 640 Duke II Last Edition als auf 370 Stück limitiertes Sondermodell in Orange mit orangen Felgen Preis: 8923 Euro.

2008 Markteinführung der dritten, aktuellen Modellgeneration 690 Duke mit komplett neuem LC4-Motor (654 cm3, 34 beziehungsweise 65 PS), neuem Gitterrohrrahmen und Design. Preis: 8995 Euro.

2010 Modell Duke R mit 34 beziehungsweise 70 PS starkem Motor mit 690 cm3. Preis: 9495 Euro.

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