BMW K 1200 R, HD V-Rod, Triumph Rocket III, Yamaha MT-01 Gebrauchtberatung Muscle Bikes

"Verschwende dein Leben, denn du hast nur eins." Wer nach dieser Devise lebt, liegt mit den hier vorgestellten Maschinen genau richtig. Die saufen, lassen's rauchen, setzen alles auf eine Karte und verbreiten trotzdem beste Laune.

Foto: fact
Es gibt Motorräder, die braucht man nicht zu erklären. Was sie können, kann man mit allerlei Messdaten belegen. Die Besten von denen heißen "Testsieger" oder "Bestseller". Und sind häufig ausgemachte Langweiler. Andere Motorräder, und um die geht es hier, wollen gar nicht erklärt werden. Sondern nur gefühlt. Beziehungsweise sie erklären sich von selbst, wenn man draufsitzt, mit ihnen durchbrennt oder sonstwie herumtechtelt. Die sprechen das Herz an, gehen direkt in den Bauch. Manchmal können sie nur eine Sache richtig gut, manchmal sehen sie einfach nur gut aus. Trotzdem sind sie Siegertypen. Weil sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Oder auch mal für eine Anekdote gut sind. Selbst konservative Häuser haben so einen Entertainer in der Familie. Und die Fahrer? Alles Individualisten und ebenfalls ein bisschen spinnert? MOTORRAD befragte die jeweiligen Markenhändler, wer sich auf dem Gebrauchtmarkt nach Motorrädern umtut, die auf dicke Hose machen. Wie sagte einst Goethe? Nur Lumpen sind bescheiden!
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Foto: fact

BMW K 1200 R

Hochleistungs-Roadster" - eine derart bürokratische Werbebotschaft konnte eigentlich nur aus München kommen. Zumindest nannten die bayerischen Motorradbauer die K 1200 R bei ihrer Markteinführung 2005 so. Schämte man sich etwa für das, was man auf die Räder gestellt hat? Denn mal Hand aufs Herz: Was da präsentiert wurde, war, untypisch für BMW, reine Unvernunft. Ein richtiges Knallerbike mit montrösem Auftreten. Mehr als 160 PS stark, 2,25 Meter lang, 1,23 Meter hoch und fünf Zentner schwer. Boah, ey! Wer diesen zähnefletschenden Wolf mit den braven Boxern aus der BMW-Roadster-Riege verwechselt, sollte zum Augenarzt gehen. Und zum Ohrenarzt, denn der Aggro-Sound des gewaltigen Vierzylinders bläst sonor brummendem R 1150 und 1200 R so was von den Marsch, dass deren Fahrern der Klapphelm vom Kopf fliegt.

Nein, die K 1200 R ist ein reinrassiges Muscle Bike und sicherlich keine Maschine für Motorradstreber, denen Kraftstoffverbrauch, Reisetauglichkeit und dezentes Auftreten als Tugenden gelten. Sie ist der Fehdehandschuh eines deutschen Herstellers, der italienischen, englischen oder auch amerikanischen Schmieden entgegengeworfen wurde, die es bis dahin besser verstanden hatten, Reaktionen unterhalb der Kinnlinie zu erwecken. Wobei: Selbst Kopfmenschen können sich neben der Brachialleistung und einem äußerst stabilen (Duo-/Paralever-)Fahrwerk von Abgaswerten, Sitzkomfort (auch in zweiter Reihe), Heizgriffen oder auch einem bei der Konkurrenz eher seltenen und ganz und gar nicht spießigen ABS begeistern lassen. Ein echter Verkaufsrenner wurde die bis 2008 gebaute 1200er dennoch nicht. Und aus zweiter Hand tut sie sich ebenfalls etwas schwer. Vielleicht doch nicht genügend Abweichler von althergebrachter BMW-Doktrin? Spekulation. BMW jedenfalls hält am Konzept fest und brachte 2009 eine noch radikalere 1300er als Nachfolgerin. Bei der Werbung ist man nun auch etwas forscher: "Hier fährt die coolste Power in town!" Aha...


Plus:
  • Durchzug und Beschleunigung in dieser Klasse geradezu bravourös
  • Fahrwerk extrem stabil (optional auch elektronisch verstellbar)
  • Sitzkomfort überaus gut

Minus:
  • Spritkonsum zwar okay, aber nur teures Super Plus erlaubt
  • Gewicht um 250 Kilogramm für ein sportliches Naked Bike recht hoch
  • Getriebe äußert sich mitunter lautstark

Marktsituation:
Man liebt oder hasst sie. Manche Händler würden am liebsten die "R" direkt vom Verkaufsraum zum Mond schießen, weil sie wie Blei steht, andere berichten von geradezu magnetischen Anziehungskräften, die sie auf Kunden ausübt. Muss man wohl so stehen lassen. Fakt ist, dass die K 1200 R mancherorts mit einem Anstandskilometer auf dem Tacho als Vorführer (Erstzulassung 2007/2008) für knapp über 10000 Euro veräußert werden soll (Neupreis rund 14000 Euro). Und wer sucht, findet im vielfältigen Angebot auch Offerten ab Baujahr 2005 aus zweiter oder dritter Hand schon um die 7000 Euro, allerdings mit über 30000 Kilometern.

Technische Daten (Baujahr 2005):
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertaktmotor, 1157 cm³, 120 kW (163 PS) bei 10250/min, Gewicht 247 kg, Zuladung 203 kg, Tankinhalt 19 Liter, Sitzhöhe 810 mm, Höchstgeschwindigkeit 262 km/h, Verbrauch (Landstraße) 5,7 l/100 km Super Plus

Tests in MOTORRAD:
10/2005 (FB), 13/2005 (TT), 20/2005 (VT), 9/2006 (VT)
FB=Fahrbericht, TT=Top-Test, VT=Vergleichstest; Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229

Fansites: www.bmw-k-forum.de
Gebrauchtangebote: http://markt.motorradonline.de/bike2146.htm
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Foto: Ernsting

Interview mit einem BMW-Händler

Dort, wo es Boulevards und viele Cafés gibt, findet die R ihre passende Bühne für eine publikumswirksame Inszenierung.

Hamburg und andere Großstädte sind das richtige Pflaster für K 1200 R. Es zeigt sich, dass eher eine Stadtklientel auf sie anspricht, die gerne mal ein bisschen auf dicke Hose macht. Sie gilt als Männermotorrad, nicht umsonst lautete bei der Einführung der Slogan zum Motorrad kurz und knapp: "Respect". Charmanterweise kommen jedenfalls nicht nur Interessenten mit Hosenträgern und Klapphelmen in den Laden, sondern sehr viele Überläufer von anderen Marken. Speziell in der Streefighter-Szene hat sich diese BMW etabliert - das ist ungewöhnlich für die Marke. Trotzdem sieht man am regen Verkauf von Tourenzubehör, dass offenbar auch genussorientierte Vernunftmenschen die Maschine zu schätzen wissen.
Foto: fact

Harley-Davidson V-Rod

Mitunter hat man das Gefühl, in Milwaukee bleibt die Zeit stehen. Kaum eine andere Motorradschmiede hält so an ihren Werten fest wie Harley-Davidson. Folge: Noch heute purzeln Maschinen vom Band, die einem schon äußerlich das Gefühl von "good old times" vermitteln. Von Elvis, Lollipop und, na klar, von Easy Ridern. Gemächlich tuckern, kein Stress, Cruisen halt. Doch um die Jahrtausendwende, genauer: im Sommer 2001, schlug die V-Rod ein neues Kapitel in der Harley-Geschichte auf. Sie schien einem Science-Fiction entsprungen zu sein, von wegen Oldie, nix da, und wenn, dann "In the year 2525". Angespannt wie ein durchtrainierter Läufer kurz vor dem 100-Meter-Start steht die rund 120 PS starke Harley da wie ein Statement, ein Bekenntnis zu einer neuen Zeitrechnung. Der "Revolution"-Motor, basierend auf dem Rennmotor der VR 1000, unterscheidet sich von den bis dahin bei Harley gewohnten 45-Grad-V-Twins durch einen 60-Grad-Zylinderwinkel, Wasser- statt Luftkühlung, Nass- statt Trockensumpfschmierung und wurde überdies bei Porsche weiterentwickelt.

Als Stilmittel dient bei der V-Rod nicht Chrom, sondern legeres Alu, das bei Tank, Schwinge und Blenden gebürstet oder poliert ins Auge sticht. Ein Leichtgewicht ist der Ampelsprinter indes nicht, fährt sich aber auch trotz des beachtlichen Radstands von 1,71 Meter erstaunlich dynamisch. Power-Cruising nennt man wohl diese Melange aus Coolness, Sportlichkeit und Muskelspiel, und das ist genau die starke Disziplin dieser Harley. Die übrigens erst 2008 eine ABS-Option verpasst bekam. Schließlich wollen allzu forsche Beschleunigungs-Exzesse wieder kontrolliert eingebremst werden, also keine schlechte Idee, zumal seitdem satte 125 PS anstehen. Trotz oder gerade wegen ihrer Eigenständigkeit innerhalb der Harley-Familie ist die V-Rod eine sehr beliebte Maschine, die insbesondere Motorradfahrer anzieht, für die der amerikanische Way of Life eher Sunset-Boulevard als Route 66, eher Red Hot Chili Peppers als Johnny Cash bedeutet. Und
die Uhren drehen sich wieder in Milwaukee. Plus
  • Leistungsabgabe enorm linear und breitbandig, beinahe schon sportlich
  • Wartungsfreundlichkeit passt auch bei längeren Touren und Reisen
  • Wertstabilität hoch, "Harley-Bonus"

Minus
  • Reichweite eher bescheiden
  • Anschaffung selbst aus zweiter Hand eine kostspielige Angelegenheit
  • Wetterschutz miserabel, weil Spritzwasser vom Vorderrad direkt auf Beine trifft

Marktsituation:
Es ist ein Leichtes, an die V-Rod als Gebrauchte heranzukommen. Allein im Internet werden Hunderte feilgeboten. Es ist jedoch enorm schwer, ein echtes Schnäppchen zu machen. Die ersten Modelle (2001/2002) haben durch ihren konsequent cleanen Alu-Look jetzt schon Liebhaberstatus erreicht. Im Originalzustand und werkstattgepflegt wechseln sie selten unter 11000 Euro den Besitzer. Die breite Masse bilden Modelle von Baujahr 2003 bis 2007, die zwischen 9000 und 15000 Euro gehandelt werden. V-Rod mit ABS (ab 2008) lassen sich nur selten unter 13000 Euro ausmachen. Das Angebot solcher Bikes ist jedoch noch recht dünn.

Technische Daten:
Wassergekühlter Zweizylinder-Viertaktmotor, 1131 cm³, 86 kW (117 PS) bei 8350/min, Gewicht 285 kg, Zuladung 179 kg, Tankinhalt 15 Liter, Sitzhöhe 690 mm, Höchstgeschwindigkeit 221 km/h, Verbrauch (Landstraße) 5,8 l/100 km Normal

Tests in MOTORRAD:
22/2001 (TT), 24/2001 (VT), 12/2002 (VT), 17/2004 (LT), 22/2007 (TT)
T=Test, TT=Top-Test, VT=Vergleichstest, LT (Langstreckentest); Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229

Fansites: www.becks24.de
Gebrauchtangebote: http://markt.motorradonline.de/bike2658.htm
Foto: Meier

Interview mit einem Harley-Händler

Die V-Rod ist Design-Ikone und Ampelschreck gleichermaßen. Das hat ihr in nur wenigen Jahren einen Kultstatus beschert.

Die ersten Kunden vor knapp zehn Jahren gehörten zu denen, die alles als Erste besitzen wollen. Porsche-Fahrer und andere mit einem Sinn fürs Exklusive. Mittlerweile hat sich die V-Rod, ähnlich wie die Fat Boy oder Road King, einen eigenen Fankreis aufgebaut. Kein Wunder, denn sie bietet einen idealen Mix aus zeitloser Schönheit und der Möglichkeit, an der Ampel die Muskeln spielen zu lassen. Auf diese spezielle Dragster-Ästhetik mit breitem Hinterreifen und kurzem Heck fahren viele ab, insbesondere diejenigen, denen eine klassische Harley zu wenig Leistung hat. Es gibt mittlerweile übrigens einige "Silberschätze", also die ersten Baujahre, mit fast sechsstelligen Kilometerzahlen auf der Uhr. Ein Zeichen von Treue.
Foto: fact

Triumph Rocket III

Ein Motorrad-Superlativ. Das hubraumstärkste Serienmotorrad auf dem Markt. Zwei komma drei Liter. Fast 200 Newtonmeter Drehmoment. 140 PS Leistung (aber hallo, wir sprechen hier von einem Cruiser...). 240er-Schlappen hinten. Monumental wie Ozeanriesen à la Queen Mary II oder U.S.S. Enterprise. Staunend steht man davor und möchte sagen: "Mein Gott, was für ein Teil!" Dennoch kommt die Rocket wenig angsteinflößend rüber, kleidet sich als Bombast-Cruiser beinahe sogar eine Spur zu bieder. Die vergleichsweise moderate Sitzhöhe könnte sogar unbedarfte Motorrad-Leichtmatrosen zur gemütlichen Ausfahrt verführen. Denen sei aber gesagt: Hände weg von der Rocket! Schon einfaches Draufsetzen erfordert eine gewisse Erfahrung, denn sieben Zentner wollen mit Nachdruck rangiert werden. Das mit der Sitzhöhe stimmt zwar, aber aufgrund der enormen Baubreite können selbst Großgewachsene bei der kleinsten Unsicherheit straucheln, wenn es vom Hof geht. Und den gefallenen Trumm vom Boden wieder aufzusammeln, ist ein olympiareifer Kraftakt.

Erstmal in Fahrt indes, darf sich der Rocket-Kapitän herrschaftlich fühlen. Majestätisch schiebt die Triumph vorwärts, Befehle der Gashand werden mit einer Urgewalt umgesetzt, dass einem die Ohren schlackern. Wenn allerdings welliger Asphalt zur gefährlichen Brandung aufsteigt oder eine Abfolge enger Kurven sich in gemeine Stromschnellen verwandeln, bedarf es des Gespürs eines erfahrenen Landstraßen-Schippers, um die Fuhre wieder auf Kurs zu bringen. Sonst droht eine Havarie. Die enorme Drehmomentwelle, die aus den drei gewaltigen, langhubigen Brennräumen schwappt, wurde übrigens elektronisch in den unteren drei Gängen begrenzt, um zu viel Übermut im Keim zu ersticken. Unterm Strich ist die Rocket zwar definitiv keine Maschine für Anfänger, gibt sich jedoch so gesittet, dass nicht nur größenwahnsinnige Cruiserfans mit ihr glücklich werden. Und für große Kreuzfahrten eignet sich die souveräne Rocket außerdem ganz ausgezeichnet. Plus
  • Drehmoment ein Erlebnis
  • Reichweite durch großen Tank überdurchschnittlich
  • Zuladung sehr großzügig, ideal für Urlaubstouren

Minus
  • Spritkonsum selbst bei gemäßigter Landstraßenfahrt vergleichsweise hoch
  • Handling im Stand wegen Gewicht und ausladenden Maßen anstrengend
  • Federelemente unterdämpft

Marktsituation:
Tourenqualitäten hat sie unbestritten, und dennoch finden sich unter den Gebrauchtmaschinen kaum welche mit mehr als 20000 Kilometern auf der Uhr, obwohl die Rocket schon seit 2004 im Programm ist. Im Schnitt liegen die Laufleistungen um die 10000 Kilometer. Bei derart geringer Beanspruchung sind die Exemplare in der Regel astrein gepflegt und sollen zwischen 10000 und 13000 Euro kosten. Gegenüber einer Neuanschaffung (um die 17000 Euro) eine gute Ersparnis, weshalb Fans gezielt auf die Pirsch nach dem besten Angebot gehen. Insgesamt ist der Markt jedoch übersichtlich, so dass die Preise recht stabil bleiben.

Technische Daten:
Wassergekühlter Dreizylinder-Viertaktmotor, 2294 cm³, 103 kW (140 PS) bei 5750/min, Gewicht 362 kg, Zuladung 223 kg, Tankinhalt 25 Liter, Sitzhöhe 740 mm, Höchstgeschwindigkeit 221 km/h, Verbrauch (Landstraße) 6,7 l/100 km Super

Tests in MOTORRAD:

14/2004 (FB), 16/2004 (T), 1/2006 (TT), 10/2006 (VT), 24/2007 (FB des Touring-Modells)
FB=Fahrbericht, T=Test, TT=Top-Test; VT=Vergleichs-test; Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229

Fansites: www.rocket3.org
Gebrauchtangebote: http://markt.motorradonline.de/bike1634.htm
Foto: Heller

Interview mit einem Triumph-Händler

Der ideale Untersatz für alle, die es zwar etwas ruhiger angehen lassen, aber nach wie vor ordentlich abdampfen wollen.

Das Verrückte ist, eigentlich schleichen alle erdenklichen Typen von Motorradfahrern um dieses Motorrad herum. Neulich kam ein knapp 60-Jähriger mit Haarmähne bis zum Hintern, legte einfach die Scheine auf den Tisch und sagte: „Die will ich haben.“ Gleichzeitig lassen sich Späteinsteiger, die noch nie Motorrad gefahren sind, vom chromblitzenden imposanten Erscheinungsbild schwer beeindrucken. Die fragen dann: „Geil, find ich gut, aber kann ich die überhaupt fahren?“ Häufiger habe ich gereifte Fahrer von Hayabusa und anderen potenten Sportlern, die nicht mehr so wild unterwegs sein, aber trotzdem auffallen wollen. Und immer Dampf im Kessel brauchen. Insbesondere Großgewachsene stehen auf die Rocket.
Foto: fact

Yamaha MT-01

Die Eckdaten auf dem Papier lassen sportliche Fahrer zurückschrecken: nur 90 PS, fette 270 Kilo, lahme 210 Spitze. Damit lässt sich kein Blumentopf gewinnen. Cruiserfans stehen ebenfalls etwas abweisend vor dieser Maschine. Die Fußrasten so weit hinten? Und die Alu-Schwinge sieht ja aus wie aus der Weltraumforschung - nee, lass ma' stecken! Dabei sollte die Yamaha eigentlich genau bei diesen Klienten punkten. Die rustikale, extraordinäre Maschine lässt sich eben schwer erklären. Sie will erfahren werden. Und dann können sowohl Sport- als auch Genussfahrer ihr blaues Wunder erleben. Kaum ein anderes Motorrad auf dem Markt bietet nämlich einen derart hohen Erlebniswert. So könnte eine Probefahrt aussehen: In gerade mal 3,7 Sekunden katapultiert sie den Fahrer auf 100 km/h. Huch, bremsen, weil auf der Landstraße ein Laster im Weg ist! Funktioniert trotz des hohen Gewichts mittels der aus der R1 übernommenen Bremsanlage stressfrei.

Jetzt überholen! Aus 60 km/h zieht die Maschine wie ein wild geworderner Ochse in unter sieben Sekunden auf 140 hoch. Wow, so fühlen sich also 150 Newtonmeter live an! Nun die Kurvenkombination. Mit straffem, voll einstellbarem Fahrwerk, guter Rückmeldung und sattem Grip geht es durchs Geläuf. Erstaunlich, wie der imposante Metallkoloss hier durchwedelt. Deutlich stärker motorisierte Powercruiser wie eine Suzuki M 1800 oder Harley V-Rod haben das Nachsehen. Zurück in der Stadt kurbeln an der Ampel Autofahrer die Scheiben runter, um besser dem Bollern des mächtigen Stoßstangen-V-Twins lauschen zu können. Beim Parken möchte man sich gar nicht vom Motorrad trennen, so hübsch kommt die MT-01 mit vielen liebevollen Details wie Titan-Schalldämpfern oder wertigen Alu-Blenden rüber. Richtig was fürs Herz, von wegen japanischer Zweckfunktionalimus. Und dann diese Verarbeitung: schön und edel wie bei einem Samuraischwert. Ein Metall-Fetisch - für die ewige Liebe. Plus
  • Fahrwerk straff, voll einstellbar, dem Gewicht gewachsen - phänomenal!
  • Verarbeitung erste Güteklasse
  • Motor ästhetisch eine Glanzleistung und wegen des Drehmoments eine Wonne

Minus
  • Öltank beim Sturz sehr exponiert
  • Soziusplatz mit Notsitzcharakter, für längere Touren oder Reisen zu zweit denkbar ungeeignet
  • Topspeed nur auf Mittelklasseniveau

Marktsituation:
Verhaltene Nachfrage trotz Top-Angebot. Es scheint, als verstünde nur eine gezielt suchende Minderheit diese bisher rund 2500-fach verkaufte Maschine. Neumaschinen werden um die 10000 Euro verhökert, dagegen stinken Exemplare aus zweiter Hand trotz 1a-Zustand und Kilometerarmut natürlich ab, wenn sie nur einen Tausender günstiger angeboten werden. Um 7500 Euro steigt die Zahl der Interessenten zwar deutlich, ein Secondhand-Renner ist die MT-01 trotz all ihrer Vorzüge und ausgezeichneter Zuverlässigkeit jedoch nicht. Zubehör ist dann erwünscht, wenn es qualitativ hochwertig ist und fachmännisch montiert wurde.

Technische Daten:
Luftgekühlter Zweizylinder-Viertaktmotor, 1670 cm³, 66 kW (90 PS) bei 4750/min, Gewicht 267 kg, Zuladung 194 kg, Tankinhalt/Reserve 15/3 Liter, Sitzhöhe 810 mm, Höchstgeschwindigkeit 210 km/h, Verbrauch (Landstraße) 5,6 l/100 km Normal

Tests in MOTORRAD:
4/2005 (TT), 8/2005 (VT), 8/2007 (FB)
FB=Fahrbericht, TT=Top-Test, VT=Vergleichstest; Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229

Fansites: www.donnermeister.de
Gebrauchtangebote: http://markt.motorradonline.de/bike1779.htm
Foto: Natuschke

Interview mit einem Yamaha-Händler

An der MT-01 lieben sie den Motor, und weil diese Maschine eigentlich nur aus Motor besteht, verehren sie das Motorrad.

Rund ein Drittel der Interessenten, des Öfteren eigentlich keine Freunde von japanischen Motorrädern, haben gleich mehrere Maschinen im Stall. Sie suchen etwas Ausgefallenes und finden dies spätestens nach der ersten Probefahrt. Denn das Motorrad lebt. Fast die Hälfte der Käufer rüstet auf eine andere Auspuffanlage um. Der ohnehin schon gute Sound ist dann schöner als die Polizei erlaubt. Trotzdem ganz legal. Außerdem verwöhnen die Besitzer ihre Liebste, in dem Fall die MT-01, zusätzlich noch mit ein paar netten Accessoires wie Miniblinkern, eloxierten Alu-Armaturen oder hübschen kleinen Spiegeln. Was ich sagen will: Es wird munter investiert. Und zwar Geld und Zeit, die man sich für dieses Motorrad einfach gönnt.

Die besten Alternativen

Eigentlich sind diese Maschinen nur in einem Punkt vergleichbar: Sie erregen Aufmerksamkeit. Allerorts. Interessenten sollten besser keine menschenscheuen Eigenbrödler sein, denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, von der Seite angequatscht zu werden - im positiven Sinn. Doch auch, wer auf die nette Benzinplauderei lieber verzichtet, fährt mit diesen Herz-und-Seele-Maschinen richtig. Sie können vielleicht nicht perfekt ums Eck biegen, werden von aktuellen Boliden auch mal gerne abgeledert, und eine Nebenkostenrechnung sollte man besser nicht anstellen. Aber eines werden sie ihren Besitzer sicherlich nicht: langweilen.
Foto: jkuenstle.de

Benelli TnT 1130.

Schon ab 5500 Euro ist die sympathisch hemdsärmelige TnT gebraucht zu ergattern (ab Baujahr 2004). Der Neupreis ist eigentlich 13000 Euro, aber teils wird das coole Naked Bike mit null Kilometern schon um 9000 Euro verschleudert. Eigentlich eine Sünde wert.

Daten: 137 PS, 250 km/h, Gewicht 218 kg
Foto: Gargolov

Buell Lightning XB12S.

Auch wenn Buell Geschichte ist, sichern Harley-Händler die Ersatzteilversorgung noch über Jahre ab. Man darf sich also getrost an diese 1200er (2004–2010) mit vielen Technik-Schmankerln (z.B. Tank im Rahmen) heranwagen. Ab 6000 Euro im Secondhand-Angebot.

Daten: 101 PS, 217 km/h, Gewicht 205 kg
Foto: Archiv

Honda F6C Valkyrie

Ein Motor auf Rädern, und was für einer! Der Sechszylinder-Boxer geht mit 98 PS zwar kaum als Leistungsbombe durch, ist aber dennoch Kult. Das merkt man an den Preisen. Die von 1996 bis 2003 angebotene 1500er wird gebraucht kaum unter 7000 Euro inseriert.

Daten: 98 PS, 198 km/h, Gewicht 335 kg
Foto: Archiv

Honda X-11

Während Schwester CBR 1100 XX durch Verkaufserfolge glänzte, fristete die nackte X-11 trotz ebenfalls sehr spaßigem Powermotor ein Schattendasein. Deshalb bekommt man die fette Honda (1999–2003) nun zum Spartarif, also zwischen 3000 und 5000 Euro.

Daten: 140 PS, 247 km/h, Gewicht 257 kg
Foto: Jahn

Kawasaki VN 2000

Zwei Liter Hubraum, das kickt. Da schauen die anderen aus der Cruiser-Clique neidisch rüber. Seit 2004 wurde der Chrom-Gigant allerdings nur mäßig verkauft. Das Gebrauchtangebot ist sehr übersichtlich, und die Eigner geben selten unter 9000 Euro ihren Zuschlag. 

Daten: 103 PS, 203 km/h, Gewicht 338 kg
Foto: Archiv

Moto Guzzi Griso

Wenn sie drauflos poltert, bleibt kein Auge trocken. Die Griso ist eine tolle Alleinunterhalterin. Auf der Landstraße kann man die Zeit solo mit ihr genießen, vor dem Eiscafé ist man indes nie allein. Die 1100er (ab Baujahr 2005) wird zwischen 5500 und 7500 Euro gehandelt.

Daten: 88 PS, 204 km/h, Gewicht 240 kg
Foto: Archiv

Suzuki B-King

Der Bodybuilder unter den Naked Bikes. Wurde mit viel Tamtam über Jahre angekündigt und sollte 200 PS leisten. Kam jedoch erst 2007 etwas geschwächt auf den Markt. Mittlerweile ist das imposante Powerbike aus zweiter Hand schon ab 7000 Euro ein spannendes Angebot.

Daten: 184 PS, 247 km/h, Gewicht 255 kg
Foto: Archiv

Yamaha V-Max

Die Mutter aller Muscle Bikes erblickte in den 1980ern das Licht und wurde für den US-Markt für dort beliebte Bridge Races (ein paar hundert Meter Vollkaracho) konzipiert. Als Liebhaberstück wird die bis 2002 angebotene V-Max ab rund 4000 Euro gehandelt.

Daten: 145 PS, 224 km/h, Gewicht 285 kg

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