Gebrauchtberatung Suzuki Bandit 1250/S Suzukis Allround-Bike im Gebraucht-Check

Sehr viel Motorrad für eher wenig Geld - das gilt bereits für neue 1250er-Bandits und erst recht beim Gebrauchtkauf. Die Wuchtbrumme unter der Lupe.

Foto: jkuenstle

Elf Jahre nach dem Karrierestart der Bandit 1200 war Schluss mit der Vergaserherrlichkeit, den damit verbundenen Kaltstartproblemen und dem luftgekühlten Zylinder-Feinripp; denn 2007 zwang die Euro-3-Abgasnorm Suzuki zur Modellpflege. Wie praktisch, dass man mit dem 1200er-Zwischenmodell von 2006 bereits die passenden Rahmenbedingungen geschaffen hatte. So bedurfte es "nur" noch eines komplett neuen Motors: eingespritzt, sechs- statt fünfganggetrieben, flüssigkeitsgekühlt - und folglich ohne die Bandit-typischen Kühlrippen.

 

Die Kundschaft nahm den Rippenverlust nicht übel und sorgte weiterhin dafür, dass die Dicke, die bei der Aktion zehn Kilo zugelegt hatte, weiterhin der absolute Bestseller im Suzuki-Programm blieb. Stand Ende 2010: Platz eins in der internen Suzuki-Wertung, Platz zwei (hinter der BMW R 1200 GS) in den markenübergreifenden Top Ten der Zulassungshitparade.

Für die Kundentreue gab und gibt es sehr gute Gründe. Neben dem immer noch hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis ist das vor allem der famose Motor, der dank fünf Millimetern mehr Hub von 1157 auf 1255 cm³ zulegte und damit in Sachen Leistungs- und Drehmomentkurve für Tränen der Rührung sorgt. Konkret: Zwischen 3000 und 7000/min wuchtet der Viererpack nie weniger als 100 Nm auf die Kurbelwelle. In der Praxis sorgt das für eine unglaubliche Lässigkeit, denn die 1250er kann einfach immer. Das im Vergleich zur Vorgängerin viel straffere und direktere Fahrwerk erlaubt es, dass der enorme Bums auch kontrolliert auf die Straße kommt, und das serienmäßige ABS fängt die Fuhre wieder sicher ein. Die halbverschalte S-Version ist seit jeher beliebter als das Nacktmodell, bekommt jetzt aber mit der flotter verschalten GSX 1250 F Konkurrenz aus dem eigenen Haus.

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Tests in MOTORRAD:
3/2007 (T), 4/2007 (VT), 7/2007 (VT), 10/2007 (VT), 8/2008 (VT), 10/2008 (LT), 14/2008 (VT), 2/2009 (LT), 20/2009 (VT), 11/2010 (VT), 15/2010 (T); Zubehör: 16/2007 (Windschutzscheiben), 13/2009 (Tourensportreifen), 18/2009 (Auspuffanlagen)

T=Test
VT=Vergleichstest
LT=Langstreckentest
Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229


Internet:
Fansites: www.banditforum.de; www.bandit-treff.de; www.hamburg-bandits.de (stellvertretend für regionale Stammtische, ggf. über Links weiterklicken); www.motorrad-vater.de (Tuning)
Gebrauchtangebote: http://markt.motorradonline.de

Foto: jkuenstle.de

Besichtigung

Die Bandit 1250/S steht auf Platz vier der MOTORRAD-Dauertest-Bestenliste - viel besser geht's nicht und verrät eigentlich schon alles über die mechanische Zuverlässigkeit des Reihenvierers. 50000 pannenfreie Kilometer, ein ausgefallenes Tachodisplay und eine streikende Leerlaufanzeige (beides Opfer durch Wasser und Streusalz korrodierter Steckverbindungen) als einzige Mängel - mehr gab es nicht zu berichten.

 

Der Bandit-Besichtiger kann sich also getrost auf die klassischen Prüfpunkte (z. B. Unfallschäden) und auf Kleinigkeiten konzentrieren. Dazu gehört die eher durchwachsene Lackqualität. Kein typisches Suzuki-Problem, aber im Zeitalter "umweltfreundlicher" (nämlich wasserlöslicher) Lacke bei vielen neueren Motorrädern ein Thema. Tank und Rahmenrohre sind besonders gefährdet. Die besagten durch mangelhaft gegen Feuchtigkeit geschütze Steckkontakte bedingten Elektrolurche können ebenfalls auftreten - daher alle Verbraucher und Anzeigen genau prüfen. Bandit-Eigner lieben Tourenzubehör, z. B. Kettenöler. Nette Sache, aber keinen Aufpreis wert. Viel wichtiger: Ist noch die miese Erstbereifung montiert?

Marktsituation

8242 halbverschalte, 1014 nackte Banditen (Stand Ende Januar 2011) - diese Zulassungszahlen zeigen eindeutig, wie sich der 1250er-Markt aufteilt. Entsprechend sieht das Gebrauchtangebot aus, doch aus den 200 bis 400 Euro Neupreisdifferenz werden bei Secondhand-Bandits ganz schnell 400 bis 800 Euro.Das S-Modell wird also bei vergleichbarem Alter und ähnlicher Kilometerleistung deutlich teurer gehandelt. Die Erstkäufer von S-Modellen sind tendenziell etwas älter (fast immer Ü40) als die Käufer des Basismodells und bringen es auch auf eine höhere Kilometerleistung.

 

Der Umbauwille hält sich - ganz im Gegensatz zur 1200er-Kundschaft - in sehr engen Grenzen: Zubehörendtopf (einfacher Wechsel, da Kat und Lambda-Sonde vorm Flansch sitzen; bevorzugt von Hurric, Laser oder Shark), Superbike-Lenker (sehr oft von LSL) und natürlich besserer Windschutz (MRA Variotouringscreen oder das entsprechende Suzuki-Originalteil) - mehr wird kaum umgebaut. Unter 5000 Euro geht nur selten etwas; über 7000 Euro wird die Luft für Verkäufer sehr knapp.

Verfügbarkeit am Markt: sehr hoch

Preisniveau in Euro Baujahre Km-Stand
Niedrig 4800-5900 2007-2008 12000-40000
Mittel 6000-6800 2007-2009 5000-12000
Hoch 6900-7700 2009-2010 500-5000
  
Typ im Programm Zulassungen
GSF 1250A/SA ab 2007 9256
Foto: jkuenstle.de

Technische Daten

Motor:
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, geregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub 79,0 x 64,0 mm
Hubraum 1255 cm³
Nennleistung 72 kW (98 PS) bei 7500/min
Max. Drehmoment 108 Nm bei 3700/min

Fahrwerk:
Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel, verstellbare Federbasis, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten, ABS.
Alu-Gussräder 3.50 x 17; 5.50 x 17
Reifen 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17

Maße und Gewichte:
Radstand 1485 mm, Lenkkopfwinkel 64,7 Grad, Nachlauf 104 mm, Federweg v/h 130/136 mm, Sitzhöhe* 800-820 mm, Gewicht vollgetankt* 253 kg, Zuladung* 222 kg, Tankinhalt 19 Liter.

Messungen (MOTORRAD 10/2007):

Höchstgeschwindigkeit** 225 km/h

Beschleunigung
0-100 km/h 3,2 sek

Durchzug
60-140 km/h 7,9 sek

Verbrauch 5,4 l/100 km (Landstraße)

Modellpflege

Foto: jkuenstle.de

2007 Erstes Modelljahr. Zulassungen in D: 255/2274 (GSF1250A/GSF1250SA). Farben: Schwarz, Rot, Blau. Preise: 8435 Euro bzw. 8735 Euro (S-Version).

2008 Keine Änderungen. Zulassungen in D: 262/2222. Farben: Schwarz, Rot, Blau, Grau. Preise: 8490/8790 Euro.

2009 Keine Änderungen. Zulassungen in D: 240/1542. Farben wie 2008. Preise: 8890/9190 Euro


2010 GSF1250A: Öl- und Benzinpumpe, Kupplung, Schalthebel, Ritzelabdeckung leicht geändert; Kühlerabdeckung Kunststoff statt Alu; Auspuffblende oval statt rund; Soziusrasten weiter vorn und höher; Scheinwerfer und Instrumente neu; schlankere Heckverkleidung; schmaleres Rücklicht; neue Blinker. S-Version unverändert. Zulassungen in D: 246/2182. Farben: Schwarz, Grau, Hellgrau. Preise: 9190/9390 Euro.

2011 Regler; Nockenwellenzahnräder, Zündspulen, Befestigung ABS-Sensor am Vorderrad, Federbein, Zündschloss, Kühlerblenden leicht geändert; Farben wie 2009. Preise: 9190 (Modell 2010)/9590 Euro.

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