Gebrauchtberatung Suzuki Bandit 650

Was sie ist: ein normales Motorrad. Das finden viele Motorradfahrer absolut prima. Denn für weniger Geld bietet in der Mittelklasse kaum eine andere Maschine mehr Zuverlässigkeit. Beinahe schon unnormal.

Foto: jkuenstle.de

Gebrauchtberatung Suzuki Bandit 650 / S

"Die läuft einfach. Technisch superzuverlässig, die macht keine Sorgen." Sagt ein nach der 650er-Bandit befragter Händler, und diesen Wortlaut bekommt man in ähnlicher Form auch von anderen Profis zu hören. Genau dies ist es, was Neu- und Wiedereinsteiger suchen: Stressfreiheit. Die 2005 eingeführte Mittelklasse-Suzuki erweist sich zudem nicht nur in der Werkstatt als extrem solider Kumpeltyp, sondern auch auf der Straße. Insbesondere die sehr beliebte S-Version mit Halbschale kann alles, was Tourenfahrer schätzen: Man sitzt bequem, hat guten Windschutz, und sehr ordentliche 86 PS (bis Baujahr 2006: 78 PS; 34-PS-Drosselvarianten für alle Baujahre erhältlich) aus einem laufruhigen Reihenvierer reichen auch gut für lange Autobahnetappen. Der Spritdurst hält sich in erfreulich niedrigen Grenzen. Durch den niedrigen Einstandspreis beim Neukauf sind die Gebrauchtpreise auf einem Niveau, dass auch Budgetbeschränkte problemlos ein ordentliches Exemplar - sogar mit ABS - ergattern können. Da passt also alles.

Interessenten müssen für sich nur eine Frage beantworten: Luft oder Wasser? Gemeint ist, ob die luftgekühlte Bandit 650 erste Wahl ist, die Suzuki im Jahr 2005 und 2006 als eine Art "Übergangsmodell" anbot (alter, lediglich aufgebohrter Motor in neuem Rahmen). Dafür sprechen niedrige Gebrauchtpreise (siehe Marktsituation) und das für viele traditionsbewusste Fahrer gefälligere Aussehen der fein verrippten Zylinder. Die wassergekühlte Einspritz-Bandit ab 2007 hat jedoch fahrdynamisch eindeutig die Nase vorn, drückt mehr von unten, hängt aktiver am Gas. Allerdings hat die Bandit 650 ab 2007 gegenüber dem luftgekühlten Modell auch einige Pfunde zugelegt. Vollgetankt 250 Kilogramm sind in der Mittelklasse trotz eines narrensicheren Handlings jedenfalls grenzwertig. Die große 1250er-Schwester ist kaum schwerer und deutlich stärker. Aber teurer. Da jedoch viele Bandit-Fahrer ihre Euros auch gerne in die Währung "Urlaubstage" umrechnen, ist die 650er trotzdem ein guter Deal.

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Tests in MOTORRAD

2/2005 (TT), 5/2005 (VT), 12/2005 (ABS-VT), 7/2006 (VT), 20/2006 (Auspufftest), 10/2007 (T), 13/2007 (VT), 3/2008 (VT), 13/2009 (T), 14/2009 (VT)

T = Test, TT = Top-Test, VT = Vergleichstest

Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229, www.motorradonline.de/downloads

Foto: Archiv

Besichtungung / Marktsituation

Besichtigung

Der ältere luftgekühlte Reihenvierer: grundsolide. Ist schließlich fast identisch mit dem zigtausendfach bewährten 600er-Motor, der auch hohe Laufleistungen (über 50000 Kilometer) gut wegsteckt. Der neuere mit Wasserkühlung: ebenfalls eine sichere Bank. Da geht bei ordentlicher Wartung nichts kaputt. Schwören zumindest die befragten Werkstätten. Beachten: Bei der 24 000er-Inspektion fallen rund 400 Euro Kosten an. Interessenten können sich beim Vor-Ort-Termin aber gelassen auf den allgemeinen Pflegezustand konzentrieren, wenn ein Serviceheft vorliegt. Und dann nach Probefahrt recht sorglos zuschlagen. Gibt es noch ein Gepäcksystem als Zugabe? Prima. Bei der nackten Bandit sind Zierteile, hübsche Hebel oder nachgerüstete Marken-Schalldämpfer (zum Beispiel BOS oder Leovince) angesagt, sofern alles legal zugelassen ist.

Foto: jkuenstle.de

Marktsituation

Das S-Modell steht im Mittelpunkt. Erstens, weil es als Neufahrzeug in deutlich höheren Stückzahlen verkauft wurde, das Angebot also ungleich größer ist. Zum Zweiten, weil die typische Klientel für 650er-Bandits Tourenfahrer sind. Im unteren Preissegment (unter 3000 Euro) finden sich speziell auf Internetmarktplätzen vergleichsweise viele zweifelhafte Offerten aus Ländern wie Italien, Litauen oder Polen mit auffällig geringen Laufleistungen trotz eines gesetzten Alters von über fünf Jahren. Besser keine Zeit dafür verschwenden. Als empfehlenswert hingegen gelten Händlerofferten vom Modell ab 2007, wenn der Vorbesitzer seine vertragswerkstattgepflegte 650er beim Kauf eines größeren Motorrads in Zahlung gibt. Das ist bei diesem Modell recht häufig der Fall - um 4000 Euro bieten verlässliche Fahrzeuge mit ABS einen wirklich guten Gegenwert.
Die Verfügbarkeit am Markt: hoch

Foto: Suzuki

Modellpflege

Foto: jkuenstle.de

2005 Premiere der neuen Bandit 650/S (Typ WVB5) mit gleicher Leistung wie 600er-Vorgängerin (78 PS), aber fünf Newtonmeter mehr Drehmoment. Sitzbank in zwei Höhen (770 und 790 mm) verstellbar, Instrumente mit digitalem Tacho. Gewicht: 228 kg. Erhältliche Drosselversion: 34 PS. Preise: 5690 Euro, 6190 Euro (S-Modell).

2006 In Deutschland nur noch mit ABS erhältlich. Preise: 5334 Euro, 6190 Euro (S-Modell).

2007 Neuer Typ WVCJ. Komplett neuer, kompakterer Motor, mit Flüssigkeitskühlung und elektronischer Einspritzung, neuer Auspuffanlage und geregeltem Katalysator (Motorrad nach Euro-3-Norm homologiert). Serienmäßiger Hauptständer, steiferer Rahmen durch verstärkte Unterzüge, modifizierte Bremsanlage, Felge fünf statt 4,5 Zoll breit, Tankinhalt 19 statt 20 Liter. Gewicht: 250 kg. Erhältliche Drosselversionen: 34 und 78 PS. Preise: 599 Euro, 6390 Euro (S-Modell).

2008Preisanhebungen: 6490 Euro, 6790 Euro (S-Modell).

2009 Neuer Typ WVCZ. Nackte Bandit mit neuem Scheinwerfer, S-Version mit neuer Halbschalenverkleidung und Scheinwerfer, seitliche Staufächer und Zwölf-Volt-Steckdose. Neue Instrumente mit Ganganzeige, Heckverkleidung, Rücklicht, Blinker neu. Preise: 6690 Euro, 6990 Euro (S-Modell).

2012 Nur noch S-Modell. Preis: 7300 Euro.

Foto:

Technische Daten

Motor
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, geregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette
Bohrung: 65,5 x 48,7 mm
Hubraum: 656 cm³
Nennleistung: 63 kW (86 PS) bei 10 500/min
Max. Drehmoment: 62 Nm bei 8 900/min

Fahrwerk
Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel, verstellbare Federbasis, Zweiarmschwinge aus Stahl, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten.
Alu-Gussräder: 3.50 x 17; 5.00 x 17
Reifen: 120/70 ZR 17, 160/60 ZR 17

Maße + Gewichte
Radstand 1470 mm, Lenkkopfwinkel 64 Grad, Nachlauf 108 mm, Sitzhöhe (verstellbar) 800/820 mm*, Gewicht vollgetankt* 251 kg, Zuladung* 204 kg, Tankinhalt/Reserve 19/5,5 Liter.

Messungen
(MOTORRAD 14/2009)
Höchstgeschwindigkeit**: 205 km/h
Beschleunigung
0-100 km/h: 3,8 sek
Durchzug
60-100 km/h: 4,8 sek
100-140 km/h: 5,4 sek
Verbrauch: 4,4 l/100 km (Landstraße)

*MOTORRAD-Messungen; **Herstellerangabe

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