Gebrauchtberatung Suzuki DL 1000 V-Strom Sportenduro-Tourer

2002 wollte die Suzuki DL 1000 V-Strom eine neue Kategorie bilden: Sportenduro-Tourer. Das führte zu wenig Erfolg, 2007 verabschiedete sie sich – um 2014 wieder aufzutauchen. Wie wird die schwer einzuordnende 1000er nun als Gebrauchte geschätzt?

Foto: Suzuki

Nachdem Suzuki die V-Strom 1000 aufgrund von mäßigen Verkaufszahlen nach sechs Baujahren 2007 zunächst vom Markt nahm, sollte bald ein neues Modell folgen. Eines, das im von BMW dominierten Haifischbecken-Segment Reiseenduros besser bestehen kann. Dieses wurde allerdings erst für das Baujahr 2014 präsentiert, endlich mit ABS (siehe Modellpflege). Wa­rum diese lange Pause? Unklar, finanzielle Gründe? Nur Spekulation, aber faktisch war die 1000er nun mal lange weg vom Fenster. Bei der Premiere der V-Strom – 2002 noch DL 1000 genannt – betitelte man das Motorrad übrigens „Sportenduro-Tourer“. Offenbar, um Vergleichen mit bereits etablierten Groß-Enduros möglichst aus dem Weg zu gehen.

Die Bezeichnung galt seinerzeit auch als angemessen, denn der kurzhubige, sportliche 90-Grad-V2 mit 98 PS, eingerahmt von extrem steifen, voluminösen Aluprofilen, passte damals in der Tat eher zu Straßensportlern als zu einem Abenteuerbike für Schotter und Schlagloch. Beim Verkauf kannibalisierte Suzuki sich ab 2004 dann selbst durch die kleine, aber äußerlich fast gleiche 650er-Schwester, die als preisgünstiger Allrounder die 1000er überflügelte. Die große, drehmomentstarke Suzuki DL 1000 V-Strom ist für zwei Passagiere jedoch die bessere Wahl und etablierte sich deshalb in der Touringszene auch nach dem Interims-Baustopp als Secondhandbike mit gutem Gegenwert. Da will die Neue ansetzen: als handliche, standfeste Kraftmaschine für kleines Geld.

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Besichtigung

Während bei der Spenderin des Motors, der sportlichen Suzuki TL 1000 S, des Öfteren technische Defekte bemängelt wurden, sind bei der als Reisemaschine meistens nur im Touringstil bewegten Suzuki DL 1000 V-Strom Klagen über unzuverlässige Technik die Ausnahme. Kleinere Ärgernisse sind aber bekannt: Bei Modelljahren 2002 und 2003 führten zu schwache Torsionsfedern am Kupplungskorb mitunter zu Klappern, außerdem neigt die hydraulische Kupplung zu Undichtigkeiten. Prüfen! Achtung, wenn der V2 bei der Probefahrt abstirbt – Grund kann ein zu kleines Ventilspiel sein. Harte Gasannahme, Auspuffpatschen und Konstantfahrruckeln des via Einspritzung sehr mager abgestimmten Motors sind zwar nicht unüblich, bei starker Ausprägung sollte jedoch eine Profiwerkstatt das Drosselklappensystem neu justieren – das kostet zwischen 50 und 100 Euro. Als Zubehör sehr beliebt: Tourenscheiben, Komfortsitzbänke sowie komplette Koffersysteme.

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Marktsituation

Die Suzuki V-Strom 1000 ist als Gebrauchte ein gefragtes Motorrad – aber nur, wenn der Preis stimmt. Ansonsten gilt sie aufgrund fehlenden ABS und ihres nicht besonders populären Designs nicht gerade als Aufmerksamkeitsmagnet. Immerhin spricht sie nicht nur Tourenfahrer als Zielgruppe an, sondern auch sportliche Fahrer, die – ohne auf Dampf unterm Hintern verzichten zu müssen – gerne bequem und nicht eingezwängt sitzen möchten. Diesen Fahrern ist ein Bremsassistent meistens eher wurscht. Mehr als 5000 Euro will aber kaum ein Interessent investieren, die Musik spielt eher unter 4000 Euro. Für dieses Geld werden ordentlich gepflegte Vielfahrermaschinen angeboten, idealerweise mit Kofferset. Laufleistungen von mehr als 50.000 Kilometern sind keine Seltenheit, diese Offerten finden sich aber eher bei Privatverkäufern. Exemplare mit fürs Alter niedrigen Laufleistungen unter 20.000 Kilometer sind auch bei Händlern gerne gesehen und erzielen bei gutem Gesamtzustand auch mal um 4500 Euro. Das neue Modell ab 2014 spielt auf dem Gebrauchtmarkt noch keine Rolle.

Modellpflege

  • 2002 Markteinführung der DL 1000  V-Strom, Typ WVBS. Leistung: 98 PS. Gewicht: 237 Kilo. Preis: 9990 Euro.
  • 2003 Modifikation des Kupplungskorbs und der Sitzbank. Gabel von nun an in der Federvorspannung einstellbar. Preis: 9590 Euro.
  • 2004 Änderung der Modellbezeichnung: V-Strom 1000. Cockpit-Instrumente gleichen denen der V-Strom 650 mit größerem digitalem Anzeigefeld. Außerdem nun dreifach höhenverstellbarer Windschild, neue Handprotektoren, Spiegel und  Blinker. Getriebe und Schaltmechanismus wurden geringfügig geändert. Leer­gewicht wächst um ein Kilo. Preis unverändert.
  • 2005 neue Schaltereinheit rechts, Dauerfahrlicht. Preis unverändert.
  • 2006 Kurbelgehäuse und Ölspritzdüsen geändert. Preis unverändert.
  • 2007 Letztes Modelljahr des Typs WVBS in Deutschland (2008 noch Abverkauf). Einzige Änderung: weiße Blinkergläser. Preis: 9220 Euro.
  • 2014 Neues Modell, basierend auf dem überarbeiteten 90-Grad-V2. Wichtigste Änderungen: 1037 statt 996 cm³, 100 PS, neuer, um 13 Prozent leichterer Alu-Rahmen, Upside-down-Gabel, Radialbremse, ABS, Traktionskontrolle, 2-in-1-Auspuff­anlage, Tankinhalt 20 statt 22 Liter. Neu: Cockpit, Verkleidungsteile, Scheinwerfer. Gewicht: 229 Kilo. Preis: 11.990 Euro.

Technische Daten

Motor
(Typ WVBS, Modelljahr 2002)
Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-V-Motor, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, geregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, Kette.
Bohrung x Hub 98 x 66 mm
Hubraum 996 cm³
Nennleistung 72 kW (98 PS) bei 7600/min
Max. Drehmoment 101 Nm bei 6400/min

Fahrwerk
Brückenrahmen aus Aluminium, Tele­gabel, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten.
Alu-Gussräder 2.50 x 19; 4.00 x 17
Reifen 110/80 R 19; 150/70 R 17

Maße + Gewichte
Radstand 1535 mm, Lenkkopfwinkel 63,5 Grad, Nachlauf 110 mm, Federweg v/h 160/159 mm, Sitzhöhe* 855 mm, Gewicht vollgetankt* 237 kg, Tankinhalt 22 Liter.

Messungen
(MOTORRAD 7/2002)
Höchstgeschwindigkeit**200 km/h
Beschleunigung 0–100 km/h3,4 sek
Durchzug 60–100 km/h6,8 sek
Verbrauch 5,1 l/100 km (Landstraße)

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