Gebrauchtberatung Suzuki DL 650 V-Strom Suzuki DL 650 V-Strom

Als Neufahrzeug sticht die kleine, sehr vielseitige V-Strom viele Konkurrentinnen aus. Auf dem Gebrauchtmarkt wird jedoch mit anderen Bandagen gekämpft. Wie schlägt sich die noch junge Reiseenduro dort gegen etablierte Gegnerinnen?

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Sie ist ein Gewinnertyp. Siegte beim anspruchsvollen Alpen-Masters von MOTORRAD (siehe Heft 18/2006) und verteidigte damit den Überraschungserfolg vom Vorjahr. Erst seit zweieinhalb Jahren auf dem Markt, konnte die eher unscheinbare V-Strom 650 schon einige stattliche Punktsiege einheimsen. Nicht nur bei der Fachpresse, sondern auch bei tendenziell eher kritischen Tourenfahrern. Viele von ihnen haben erkannt, dass Leistung und Hubraum eben nicht alles sind auf Reisen. Das gesamte Paket muss stimmen. Und das tut es im Fall der 67 PS starken 650er-V-Strom, die sogar in einigen Punkten ihre 1000er-Schwester aussticht und auch die direkten Mittelklasse-Mitbewerber überwiegend alt aussehen lässt (siehe Seite 64f.). Mit ihren unbestrittenen Vorzügen ist die vergleichsweise leichte und handliche Zweizylinder-Enduro besonders bei Spät- und Wiedereinsteigern beliebt, vor allem als Neufahrzeug wegen des günstigen Preises. Verständlicherweise wollen Besitzer beim Wiederverkauf nur geringe Verluste machen und bieten die junge Gebrauchte oftmals kaum billiger als eine Neue an. Freilich locken solche Offerten wenig Interessenten. Doch nach nunmehr drei Baujahren tummeln sich mittlerweile einige umhergereiste V-Strom 650 mit etwas höheren (jedoch in der Regel unbedenklichen) Laufleistungen auf dem Gebrauchtmarkt, die in einen attraktiven Preisrahmen rutschen. Innerhalb dessen hat die kleine V-Strom auch als Gebrauchte das Potenzial für einen Platz auf dem Siegertreppchen.
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Die V-Strom 650 gilt als zuverlässig. Der von der SV 650 übernommene Motor hatte sich zumindest im MOTORRAD-Dauertest der SV klaglos gehalten, und auch Werkstätten können über die V-Strom in ihrer bisherigen Bauzeit nichts Negatives berichten. Bei einer so jungen Gebrauchten stellt sich allerdings die Frage, warum ein Besitzer sie losschlagen möchte. Gab’s etwa einen Sturz? In jedem Fall sollten nur Maschinen in absolut einwandfreiem Zustand ohne Kratzer und Risse erworben werden. Nur bei einem unwiderstehlichen Schnäppchen-Preis kann man darüber hinwegsehen, sofern es sich ausschließlich um optisch störende Spuren eines harmlosen Umfallers handelt. Außerdem preisgestaltend: der Zustand von Verschleißteilen und Reifen sowie die Dreingabe von sinnvollem Zubehör wie einem Gepäcksystem.
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Modellpflege und Technische Daten

Die kleine V-Strom bekommt mächtig Konkurrenz. Und zwar von ihrer modellgepflegten Nachfolgerin, die bereits jetzt schon zu haben ist, mit ABS aufwartet und damit vermutlich auch bei sehr anspruchsvollen Tourenfahrern kaum Wünsche offen lässt. Das Interesse an der Neuen ist laut Händlern jedenfalls sehr groß. Insbesondere neuwertige Gebrauchte finden bei Preisansagen von über 5000 Euro nur schwerlich einen neuen Besitzer, weil ab Herbst höchstwahrscheinlich viele Exemplare mit Tachostand null oder kaum gefahrene Vorführer der Jahrgänge 2005 und 2006 deutlich unter Neupreis (mindestens 1500 Euro günstiger) angeboten werden. Dementsprechend haben gebrauchte V-Strom 650 lediglich dann gute Verkaufschancen, wenn sie auffällig preisgünstig (die Schmerzgrenze liegt bei rund 4500 Euro) liegen, scheckheftgepflegt und mit reichlich Zubehör ausgestattet sind. Solche Exemplare sind selten, aber sehr gefragt.


Modellpflege

2003 Im Dezember werden die ersten Exemplare an die Kunden ausgeliefert. Preis: 6990 Euro plus Nebenkosten

2004 Offizieller Verkaufsstart, erhältliche Farben: Blau, Schwarz, Silber

2005 Schalter für Stand-/Abblendlicht entfällt. Als weitere Farbvariante kommt Rot hinzu

2006 Keine technischen Änderungen, Preis unverändert 6990 Euro. Eine Zweifarb-Lackierung in Blau/Silber ersetzt die unisilberne Version, der Rest der Farbpalette bleibt wie gehabt. Ab August ist bereits das 2007er-Modell mit ABS erhältlich. Preis: 7190 Euro zuzüglich Nebenkosten


Technische Daten

Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Moto, zwei oben liegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, elektronische Saugrohreinspritzung, Ø 39 mm, geregelter Katalysator, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.

Bohrung x Hub 81 x 62,6 mm
Hubraum 645 cm3
Nennleistung 49 kW (67 PS) bei 8800/min
Max. Drehmoment 60 Nm bei 6400/min

Fahrwerk: Brückenrahmen aus Aluminium, Telegabel, Ø 43 mm, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 310 mm, Scheibenbremse hinten, Ø 260 mm.
Alu-Gussräder 2.50 x 19; 4.00 x 17
Reifen 110/80 R 19, 150/70 R 17

Maße und Gewichte: Radstand 1540 mm, Lenkkopfwinkel 64 Grad, Nachlauf 110 mm, Federweg v/h 150/150 mm, Sitzhöhe 815 mm, Gewicht vollgetankt 214 kg, Zuladung 206 kg, Tankinhalt 22 Liter.


MOTORRAD-Messungen:

Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Beschleunigung
0–100 km/h 3,9 sek
Durchzug
60–140 km/h 5,3 sek
Verbrauch 3,9 l/100 km (bei 100 km/h)
4,8 l/100 km (bei 130 km/h)
Normalbenzin
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Die Konkurrenz

Suzuki DL 1000 V-Strom

Die ältere Schwester muss sich im Familienduell ganz schön anstrengen, die 650er-V-Strom in Schach zu halten. Dies gelingt ihr – nüchtern betrachtet – allein im Zwei-Personen-Betrieb. Denn nur dort kann sie ihren Hubraum- und Leistungsvorteil voll ausspielen. Ansonsten liegt die etwas schwerere und elektronisch auf 200 km/h abgeriegelte Tausender bei den Fahrleistungen lediglich eine Nasenlänge vorn. Auf verwinkelten Landstraßen kann sie die 650er jedenfalls nicht abhängen. Und auf Reisen verbucht die kleine V-Strom gegenüber ihrer größeren Schwester Vorteile wie eine verstellbare Windschutzscheibe oder einen geringeren Verbrauch. Im Vergleich mit ihren Klassenkameradinnen à la BMW R 1150 GS ist die V-Strom 1000 als Gebrauchtmaschine sehr preiswert zu ergattern, gegenüber der 650er-Version kann man sie jedoch aufgrund des über 2000 Euro höheren Neupreises kaum als Schnäppchen bewerten. Um 4000 Euro finden sich vereinzelte DL 1000 V-Strom des Baujahrs 2002 mit deutlich über 30000 Kilometern auf der Uhr, ähnlich alte Exemplare, aber mit rund 15000 Kilometern kosten schon über 4500 Euro. Das Gros der Angebote – meist von Händlern – liegt zwischen 5000 und 5500 Euro: 2003er und 2004er mit zirka 10000 Kilometern. Sehr junge Gebrauchte liegen häufig über 6000 Euro.
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Honda Transalp 650

Kein Sprengstoff, eher ein Dauerbrenner. Mit lediglich 53 PS und nicht gerade atemberaubender Leistungsentfaltung kann die Transalp 650 erwartungsgemäß im Wettstreit mit der spritzigen Suzuki kaum mithalten. Dafür ist der bewährte und sehr kultivierte V-Twin grundsolide und hält bei ordentlicher Wartung anstandslos zigtausend Kilometer. Außerdem kann die Honda in Sachen Fahrwerk und Reisetauglichkeit – auch mit Sozius – locker der moderneren Suzuki Paroli bieten. Immerhin rund 9000 Stück konnte Honda von der 650er-Transalp verkaufen. Ab rund 3000 Euro bieten Privatverkäufer Modelle der Baujahre 2000 und 2001 mit Laufleistungen um die 30000 Kilometer an. Für scheckheftgepflegte Garagenfahrzeuge mit zirka 10000 Kilometer (bis Modell 2004) auf der Uhr werden 4000 bis 4500 Euro verlangt. Mit etwas Glück ergattert man eine wenig gefahrene 2005er ebenfalls für rund 4500 Euro, die seinerzeit als Neufahrzeug stark heruntergesetzt als Schnäppchen bei den Händlern stand. Ab 5000 Euro sind neuwertige Vorführer im Angebot.

BMW F 650 GS

Größter Nachteil der BMW gegenüber der Suzuki: der naturgemäß weniger langlebige und im Vergleich deutlich schwächere Einzylinder-Motor. Doch für viele Käufer liegt genau in dessen punchiger Charakteristik der Reiz. Die zierliche 650er-GS ist speziell bei Einsteigern wegen ihres vergleichsweise geringen Gewichts, der niedrigen Sitzhöhe sowie ABS und einem einfachen Handling äußerst beliebt. Seit 2000 hat sie sich mehr als 15000-mal verkauft, und das Gebrauchtangebot erschlägt einen fast. Händler und Privatanbieter halten sich etwa die Waage. Billig ist die GS allerdings nicht zu bekommen, viele Gebrauchtmaschinen sind sogar extrem überteuert, auch wenn Zubehör wie Heizgriffe meist inklusive ist. Für gute Exemplare der ersten beiden Baujahre mit rund 20000 Kilometern wird selten unter 4000 Euro verlangt, die meisten Offerten sind jedoch jünger (Modell 2002 bis 2004) und sollen auch bei Laufleistungen von etwa 15000 Kilometern noch um die 4500 Euro kosten. Neuwertige Gebrauchte und Vorführer (maximal ein Jahr alt und weniger als 5000 Kilometer) werden oftmals deutlich über 5000 Euro angeboten.

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